Über mich

Dienstag, 8. Mai 2012, zwischen 2 und 3 Uhr morgens im Klinikum Klagenfurt: Die Schlaftablette hat offenbar nur für etwa 2 Stunden gewirkt und nun liege ich hellwach im Bett. Während meine Zimmerkollegin schläft, starre ich abwechselnd an die Decke und zum Fenster hinaus. Geschäftiges Treiben im Trakt gegenüber, wo eine Intensivstation untergebracht ist — so vermute ich zumindest, da die Zimmer hell beleuchtet und voller Geräte sind. Dazwischen schwirren in Grün gekleidete Menschen umher. In wenigen Stunden werde ich selbst von Menschen in Grün umgeben am OP-Tisch liegen und man wird mir ganz brutal gesagt den Hals aufschneiden. Panik. Wie bin ich nur hier gelandet?

Bis knapp drei Wochen zuvor war meine Welt (wieder) einigermaßen in Ordnung. Im Mai 2011 bemerkte ich Schmerzen im rechten Knie, wenn ich mit dem Rennrad unterwegs war oder auf einer Treppe hinab ging. Ich fahre seit 2005 leidenschaftlich gerne Rennrad und das war natürlich ein Schock für mich, als die Diagnose “Hochgradiger Knorpelschaden hinter der Kniescheibe” lautete. (Fach-)Ärzte sagten, dass ich etwaige sportliche Ambitionen vergessen könne und froh sein solle, wenn ich wieder schmerzfrei Treppen hinab steigen und Rennrad “spazieren fahren” könnte. Es folgten teure “Knorpelaufbauspritzen”, Physiotherapie mit Muskelaufbau und eine Umstellung meines Fahrstils mit hoher Trittfrequenz in niedrigeren Gängen. Also bewegen ohne Belasten. Bis zum Frühjahr 2012 hatte ich dann die Knieprobleme zufriedenstellend im Griff und konnte wieder schmerzfrei Rennrad fahren.

Doch dann kam der 19. April 2012 und die niederschmetternde Verdachtsdiagnose auf Schilddrüsenkrebs, die mein Leben schlagartig und grundlegend veränderte. Wach im Bett liegend stellte ich mir die Frage, was ich bereuen würde, nicht getan zu haben, sollte mein Leben nun zu Ende sein? Das ist vielleicht etwas dramatisch, aber ich hatte Angst, die OP nicht zu überleben. Mein Vater starb an Krebs, als ich gerade einmal 13 Jahre alt war und im Jahr darauf erwachte mein Großvater nicht mehr aus der Narkose, als er sich einer Herzbypass-Operation unterziehen musste — das sind nicht gerade gute Voraussetzungen, um optimistisch an die ganze Sache heranzugehen.

Die Antwort auf diese Frage war schnell gefunden: Ich würde bereuen, nie einen Halbmarathon gelaufen und einen Triathlon gefinished zu haben. Dazu müsste ich mit dem Laufen beginnen, aber ob das mit einem kaputten Knie und zukünftig auch ohne Schilddrüse möglich ist? In dieser durchwachten Nacht beschloss ich, es herauszufinden, sollte ich aus der Narkose erwachen und es sich herausstellen, dass es kein Krebs ist. Ja, ich werde einen Halbmarathon laufen und einen Triathlon finishen vor meinem 40. Lebensjahr. Glücklicherweise ist beides eingetreten: Ich bin aus der Narkose erwacht und es war kein Krebs! Seitdem sehe ich das Leben mit anderen Augen und lebe nach dem Motto:

Life is too short to wake up with regrets.
Love the people who treat you right.
Forget about the ones who don’t.
Believe everything happens for a reason.
If you get a second chance, grab it with both hands.
If it changes your life, let it.
Nobody said life would be easy.
They just promised it would be worth it.

Ich habe eine zweite Chance erhalten, um endlich die Dinge zu tun, die ich bereuen würde, nicht getan zu haben, sollte ich morgen nicht mehr aufwachen: Dinge, die mir wichtig sind und mich Erfahrungen machen lassen, die mein Leben unglaublich bereichern. Dinge, von denen ich bisher nur bzw. immer schon geträumt habe, kurzum: “Live your dream and share your passion“. Und genau das versuche ich in diesem Blog festzuhalten und zu teilen. Keep on running! — Andrea

Am Start vom Wörthersee Halbmarathon 2013 in Velden

Am Start vom Wörthersee Halbmarathon 2013 in Velden