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30. Gösselsdorfer Triathlon

Der 30. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) am Samstag, den 16. Juli 2016, stellte den diesjährigen Saisonshöhepunkt dar. Während ich im vergangenen Jahr hier (noch brustschwimmend!) meine Triathlon-Premiere feierte, wollte ich dieses Jahr meine Zeiten — allem voran den Schwimmsplit — verbessern. Die Generalprobe drei Wochen zuvor beim Company Triathlon war ein Erfolg auf ganzer Linie und entsprechend motiviert freute ich mich auf Gösselsdorf.

Schon die ganze Woche vor dem 16. Juli beobachtete ich akribisch die Wettervorhersage für Samstag. Das Wetter kann man sich bekanntlicherweise nicht aussuchen und im Grunde sind mir kühlere Temperaturen bei Wettkämpfen ohnehin lieber, aber ausgerechnet dieser Samstag sollte mit Abstand der kälteste und ungemütlichste Tag der Woche werden. Konkret bedeutete das im Laufe des Triathlons Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad, leichten bis mäßigen Regen und lebhaften bis stürmischen Nordostwind. Bei einer reinen Laufveranstaltung hätte ich mich über solche Bedingungen (ok, bis auf den Wind, der muss nicht sein) gefreut, aber bei einem Triathlon? Der Gösselsdorfer See hatte immerhin 23 Grad Wassertemperatur, aber der Wechsel aufs Rad kann dann ein regelrechter Temperaturschock sein, der durch den kalten Nordostwind heftig ausfallen könnte.

Bei der Anreise war der stürmische Wind sogar im Auto spürbar, aber es war wenigstens (noch) trocken, obwohl die tiefhängenden Wolken nichts Gutes bedeuteten. Startunterlagenabholung, dann warten im Auto, ehe ich das Rad sehr zeitnah in die Wechselzone bringe. Vorsichtshalber stecke ich sowohl Lauf- als auch Radschuhe in wiederverwendete “Kärnten Läuft” Startersackerl und deponiere in der Radwechselzone außerdem ein Stirnband und eine Windweste, sollte es mir nach dem Schwimmausstieg zu frisch sein. Dann ging es mit dem Bus zum Schwimmstart, wo man abermals warten muss. Viel zu lange warten. Ich sehe ja ein, dass man einen Zeitbuffer einkalkulieren muss, bis alle das Rad eingecheckt und mit dem Bus zum Schwimmstart chauffiert wurden, aber über eine geschlagene Stunde auf den Start zu warten, ist schon bei Schönwetter etwas nervig und bei ungemütlichen Wetter einfach ungut.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Auf der mitgebrachten Isomatte sitzend versuche ich mich zusammengekauert warm zu halten. Die Wettkampfbesprechung und somit auch der Start rückt langsam näher und in der Warteschlange beim WC wird mir kalt. Der Wind frischt nach wie vor auf und ein Blick über den Gösselsdorfer See in Richtung Süden zum Schwimmausstieg lässt einsetzenden Regen vermuten. Nach der kurzen Wettkampfbesprechung wäre es eigentlich Zeit gewesen, sich einzuschwimmen, aber das macht irgendwie niemand. Ich tauche meine Hand kurz ins Wasser und das fühlt sich mit seinen 23 Grad im Vergleich zur Lufttemperatur “bacherlwarm” an. Wenn man im Wasser bleiben könnte, ja, dann wäre einschwimmen eine Option, aber so muss man ja wieder raus, weil die Damen in der dritten Startwelle starten und den Herren der ersten beiden Wellen Platz machen und obendrein auch noch über die Zeitnehmungsmatte am Ufer gehen müssen. Geschätzte 10 Minuten nass am Ufer herumstehen kommt nicht in Frage — da erfriere ich!

Kurz vorm ersten Wellenstart übergebe ich die Überbekleidung meiner Mutter und stelle mich im dünnen Triathlon-Einteiler ans Ufer. Leicht hin und her traben, am Stand hüpfen… alles hilft nichts. Ich fühle mich komplett ausgekühlt. Meine Oberschenkel zucken vor Kälte. Die Herren der zweiten Startwelle schwimmen langsamer als erwartet und der Damenstart verzögert sich etwas. Endlich dürfen wir Damen ins Wasser. Ich hätte erwartet, dass sich das Wasser vergleichsweise warm anfühlen würde, aber als ich zum ersten Kraulzug ansetze und den Kopf ins Wasser tauche, ist es ein Kälteschock. Brrrrr. So kalt. Ich zittere am ganzen Körper. Ein flüchtiger Gedanke von wegen ich drehe um und gehe wieder aus dem Wasser. Der Neo wäre jetzt angenehm! Aber Umdrehen wäre jetzt auch irgendwie blöd. Dann geht alles ganz schnell, “noch 1 Minute bis zum Start”, wenige Momente später “noch 30 Sekunden”… und dann fällt um 17:03 Uhr der Startschuß für die Damen.

Swim — 500m

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der Wasserstart ist streßfrei, es gibt genügend Platz und ich kann gut wegschwimmen. Zwar kein Gedränge, aber auch niemand zum Wasserschatten schwimmen. Die Damen neben mir lasse ich nach wenigen Metern hinter mir und ich habe mehr oder wenige “freie Bahn” bis zum Schwimmausstieg. Recht bald wird mir auch “warm”, d.h. das Frieren und Zittern hört auf und ich finde es im Wasser recht angenehm. Die Sicht unter Wasser ist schlecht und zeitweilig kämpfe ich mit den Schlingpflanzen: Seerosen wickeln sich um meine Arme. Doch irgendwie bin ich zu konzentriert, um mich davon irritieren zu lassen. Nach ein paar Armzügen sind sie eh wieder weg. Mittlerweile bin ich gut aufgewärmt und mir beschlägt die Schwimmbrille (das ganze Anti-Fog-Zeugs ist nutzlos!). Folglich habe ich ab etwa der Hälfte der Strecke leichte Probleme, den Schwimmaustieg am anderen Ufer zu erkennen. Keine große gelbe Boje oder dergleichen, aber praktischerweise hat die Wasserrettung ihr Boot mit Drehlicht links vom Ausstieg plaziert und daran orientiere ich mich.

Wo bitte geht's hier zur Wechselzone?

Wo bitte geht’s hier zur Wechselzone?

Das Ufer kommt aber schnell näher und ich frage mich, wieviele Damen wohl noch hinter mir schwimmen? Mit der breiten Masse steige ich nach 12:06 Minuten aus dem Wasser. Kein Vergleich zum Vorjahr, wo ich ja als drittletzte das Wasser verlassen habe. Während ich die Böschung zur Wechselzone hochkrabbel, prüfe ich mein Empfinden, ob mir kalt ist. Der Plan, den ich mir gedanklich zurecht gelegt hatte, war, dass ich mir die Windweste nur anziehe, wenn ich nach dem Schwimmausstieg frieren sollte. Zu meiner Überraschung aber fühlte ich mich angenehm warm und daher geht es ohne Windweste und nur mit Stirnband unterm Helm auf die Radstrecke.

Reges Treiben in der Wechselzone

Reges Treiben in der Wechselzone

Bike — 32km

Die erste Wechselzone beim Gösselsdorfer Triathlon ist elendslang. Ich watschel barfuß ca. 250m zum Rad, wo der eigentliche Wechsel zügig erledigt ist. Nach 3:16 Minuten sitze ich am Rad und nehme die 32km lange Radstrecke in Angriff. Auf den ersten hundert Metern ist es dann doch etwas frisch am Rad, aber dann ist der Einteiler auch schon fast trocken. Ich hoffe, dass es wenigstens einigermaßen trocken bleibt, solange ich am Rad bin. Bereits beim Kreisverkehr in Sittersdorf spüre ich einzelne Regentropfen auf der Haut. Bis nach Gallizien tröpfelt es durchwegs, aber glücklicherweise nicht so viel, dass die Straße nass ist. Ich fahre strikt nach Watt bzw. FTP (functional threshold power) und nicht “Vollgas”. Schneller als erwartet bin ich in Gallizien, wo kurzzeitig die Tropfen etwas größer werden und auf meinen Oberarmen brennen.

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Von Gallizien nach Stein im Jauntal ist der Nordostwind teilweise doch deutlich spürbar, was sich auch in meinen Wattzahlen niederschlägt, zumal der Abschnitt auch durchwegs ansteigend ist. Doch die Hälfte der Radstrecke liegt bereits hinter mir, ich konnte zahlreiche Damen und auch Herren bereits einsammeln und muss feststellen, dass ein Triathlon ungleich unterhaltsamer ist, wenn man mit der breiten Masse aus dem Wasser steigt und nicht als drittletzte. Da ist richtig was los auf der Radstrecke! Es motiviert mich ungemein, wenn ich jemanden vor mir fahren sehe und der Abstand immer kleiner wird, bis ich schließlich überhole. Als ich St. Kanzian erreiche, weiß ich, dass der anstrengendste Teil der Radstrecke vorbei ist. Ich überlege, ob ich ein Gel nehmen soll, aber entscheide mich dagegen, da mir das Getränk in der Trinkflasche ausreicht.

Auf den letzten 5 Kilometern von Buchbrunn über Eberndorf bis zurück nach Gösselsdorf wird der Regen stärker und ich spüre den Temperaturrückgang deutlich. Auch ist nun die Straße durchwegs regennass und ich fahre daher etwas vorsichtiger. Insgeheim bin ich aber froh, dass es erst jetzt richtig zu regnen anfängt, denn ganze 32km im Regen und bei den Temperaturen (mittlerweile nur mehr 14 Grad) machen am Rennrad keinen Spass — oder zumindest nicht im Triathlon-Einteiler sondern in entsprechender Radbekleidung. Nach 54:47 Minuten steige ich dennoch zufrieden vom Rad. In der Wechselzone bin ich froh, meine Laufschuhe in ein Sackerl gepackt zu haben, denn die wären mittlerweile schön durchnässt. Der zweite Wechsel ist in 1:20 Minuten erledigt und es geht auf die 7km lange Laufstrecke.

Run — 7km

Schon auf den letzten Kilometern am Rad nachdem der Regen einsetzte, bemerkte ich das unangenehme Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Im Überholverbot vom Kreisverkehr Gösselsdorf bis zur Wechselzone rollte ich bewusst locker und versuchte, möglichst tief durchzuatmen, was aber nicht so gut klappte. Beim Laufen eskalierte die Situation und ich hatte Probleme auszuatmen — klassisches Asthma. Bei jedem Einatmenzug hatte ich Beklemmungsgefühle und einen Schmerz übern Zwerchfell. Ich habe von Haus aus überempfindliche Bronchien und die haben auf den weiteren Temperaturrückgang wohl nicht so gut reagiert. Ich stellte mich mental darauf ein, dass erfahrungsgemäß eine 5:30er Pace immer geht und konzentrierte mich voll auf das Ausatmen. Nach den ersten drei Kilometern fällt mir das Atmen und somit auch das Laufen leichter.

Heartbreak Hill bezwungen!

Heartbreak Hill bezwungen!

Zwischen Kilometer 4 und 5 ist der berühmt-berüchtige Heartbreak Hill der Laufstrecke, wo es auf 700m etwa 60hm zu überwinden gilt. Zu meiner Überraschung kann ich den Anstieg doch noch recht leichtfüßig laufen und dabei einige LäuferInnen überholen. Am Scheitelpunkt angekommen sage ich erleichtert zum Herrn neben mir, dass nun das schlimmste vorbei ist und es nur mehr bergab geht. Ich wechsel noch ein paar Worte mit dem Herrn, ehe ich mich vermehrt aufs Bergablaufen konzentrieren muss, zumal der Waldweg mittlerweile vom Regen aufgeweicht und somit rutschig ist. Bergablaufen kann ich nach wie vor nicht sonderlich gut, aber ich weiß, es ist nicht mehr weit ins Ziel. Mit Kilometerzeiten deutlich unter 5 Minuten auf den letzten beiden Kilometern überquere ich nach 37:59 Minuten die Finishline.

Voll konzentriert über die Finishline

Voll konzentriert über die Finishline

Erst als ich die Uhr stoppe, sehe ich meine Gesamtzeit von 1:49:29. Die offizielle Zeit ist 1:49:26, was den 206. Gesamtplatz (von 317), Platz 26 (von 66) Frauen und den 5. Platz in W-35-39 (von 7) bedeutete. Sowohl mit meinem Schwimm- als auch Radsplit bin ich zufrieden, beim Laufen wäre ohne Asthmaanfall dennoch mehr drin gewesen. Immerhin habe ich meine Zeit vom Vorjahr um über 7 Minuten verbessern können! Mit einem breitem Grinser stehe ich durchnässt und nun wieder leicht frierend im Zielbereich. Ich ziehe schnell eine Jacke über, ehe ich das äußert leckere Kuchenbuffet plündere. Nach diesen widrigen Verhältnissen schmeckt der Kuchen besonders gut. Dann checke ich schnell das Rad aus, weil mir trotz Jacke kalt wird und eile zum Auto, um endlich trockene Sachen anzuziehen und mich etwas aufzuwärmen.

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Im Rückblick hat mir das Radfahren trotz kühler Temperaturen, lebhaften Wind und leichtem Regen am meisten Spaß gemacht. Ja, ich hätte mir besseres Wetter für meinen Saisonshöhepunkt gewünscht. Sicherlich, es kann immer bei Wettkämpfen regnen, aber Temperaturen um 14 Grad im Juli sind für den Süden Österreichs doch eher ungewöhnlich. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und Triathleten sind ja bekanntlich hart im Nehmen. Ich bin froh und dankbar, dass ich nach dem turbulenten und durchwachsenen Winter/Frühjahr überhaupt in Gösselsdorf an den Start gehen und gesund und zufrieden finishen konnte. Das darf man ja nicht als selbstverständlich ansehen!

Company Triathlon 2016

Der Company Triathlon bildet jedes Jahr den Auftakt des Ironman Austria Wochenendes in Klagenfurt. Als Staffeltriathlon für Firmen konzipiert können aber auch EinzelstarterInnen die 380m Schwimmen, 20km Radfahren und 4,2km Laufen in Angriff nehmen und so stand ich am Donnerstag, den 23. Juni, um 18:30 Uhr im Strandbad Klagenfurt an der Startlinie.

Bei der sehr professionellen Organisation des Company Triathlons merkt man, dass hier die Marke “Ironman” dahinter steckt. Ich bin zeitig angereist, um etwaige Wartezeiten bei der Ausgabe der Startunterlagen einzuplanen, aber zu meiner großen Überraschung hielt ich mein Starter-Package innerhalb von wenigen Minuten in den Händen. Kein Anstellen oder gar eine Warterei. Startnummer und -aufkleber für Rad und Helm, Chip mit Klettband, Badehaube, Essensgutschein für die anschließende Pasta Party und Informationsmaterial waren handlich eingesackelt und das Finisher-T-Shirt in der vorbestellten Größe wurde mit einem Kleiderbeutel für die Wechselzone zügig übergeben. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht, aber so blieb mir noch genügend Zeit, mich vor dem Start auf der Ironman-Expo etwas umzusehen (und Newton Laufschuhe zu testen).

Der Company Triathlon wird als Windschattenrennen ausgetragen. Darüber war ich im Vorfeld nicht wirklich begeistert, da ich die Vorahnung hatte, niemanden zum Windschattenfahren zu haben. Windschattenfreigabe bedeutet aber auch, dass man nur einen kurzen Auflieger verwenden darf. Mein Rennrad ist für den normalen, langen Auflieger “gefitted” und wegen einem Rennen wollte ich kein Re-fitting machen lassen. Die Alternative, die 20 Kilometer “Unterlenker” zu fahren, war ebenfalls nicht wirklich verlockend. Also habe ich einen kurzen Auflieger besorgt und nach Gefühl montiert — ideal ist das natürlich nicht, aber besser kein Auflieger oder Unterlenker ist das allemal. Lustigerweise hatte sich die Windschattenfreigabe wohl nicht zu allen TeilnehmerInnen durchgesprochen: Die Dame vor mir beim Bike Check-In hatte prompt einen langen Auflieger am Rad und wurde umgehend weggeschickt.

An diesem Donnerstag war bis dato der heißeste Tag des Jahres, was bei der Wettkampfbesprechung im Iron Dome Zelt sehr deutlich zu spüren war. Es war drückend warm und ich war froh, nach dem Race-Briefing endlich ins Strandbad zu kommen. Der Wörthersee mit seinen 23 Grad war daher eine sehr willkommene Erfrischung. Vor dem Damenstart um genau 18:39 Uhr nutze ich die Zeit, um kurz einzuschwimmen und plauderte dann angeregt mit Kollegin Sonja. Ich muss gestehen, vorm Schwimmstart und dem Schwimmen habe ich nach wie vor Respekt und deshalb war die Ablenkung angenehm.

Unmittelbar vor dem Schwimmstart

Unmittelbar vor dem Schwimmstart

Swim — 380m

Pünktlich nach Zeitplan wird meine Startwelle in die Startbox gebeten und die Damen stellen sich entlang des Strandes auf. Dann geht es auch schon los, der Startschuß und alle laufen aufgeregt ins Wasser. Ich habe mir vorgenommen, nicht zu schnell wegzuschwimmen, denn wenn ich überpace, ist nach 100m die Luft draußen. Es herrscht dichtes Gedränge im Wasser vor mir und ich komme nicht so schnell voran, wie ich gerne möchte. Direkt vor mir befinden sich zwei Brustschwimmerinnen und ich habe Angst, einen Tritt ins Gesicht zu bekommen. Überholen ist auf den ersten Metern auch nicht möglich, es ist einfach kein Platz. Erst kurz vor der ersten (von zwei) Bojen lichtet sich das Feld etwas und ich kann die Brustschwimmerinnen überholen. Mittlerweile habe ich auch mein Tempo gefunden, ehe ich nach der zweiten Boje abermals auf Brustschwimmerinnen aufschwimme. Hier kann ich direkt überholen, aber als meine Beine auf Armhöhe der Schwimmerin rechts von mir sind, kratzt sie mir mit einem Brustarmzug eine Schürfwunde auf meinen rechten Fußrücken — im Gegenzug kassiert sie einen leichten Tritt meines Kraulbeinschlages. Das ist Schwimmen beim Triathlon. Der Zielbogen am Strand kommt rasch näher und nach 7:26 Minuten steige ich auch aus dem Wasser.

Schwimmausstieg

Schwimmausstieg

Bike — 20km

Der Weg zur Wechselzone am Strandbad-Parkplatz ist gefühlt elendslang. Es ist fast durchgehend bis zum Eingang zur Wechselzone ein roter Teppich aufgelegt und ich watschel guten Mutes drüber. In der Wechselzone selbst geht dann alles sehr schnell und schon sitze ich am Rad. Durch den Europapark fahre ich aufgrund des schmalen Weges und der Kurven noch etwas gebremst, aber als es dann auf den Südring geht, ist Showtime! Es ist mein erster Wettkampf mit Leistungsmesser am Rennrad und folglich bin ich natürlich neugierig, welche Wattzahlen ich unter solchen Bedingungen produziere. Anfänglich habe ich noch eine Dame vor mir, deren Windschatten ich etwas ausnütze, aber als ich vom Südring auf die Wörthersee Süduferstraße biege, ist die Dame längst überholt. Ab jetzt heißt es Vollgas auf der Überholspur!

Showtime am Südring

Showtime am Südring

Ohne Rücksicht auf einen möglichen Einbruch beim Laufen gebe ich ordentlich Druck auf die Pedale. Wie erwartet finde ich niemanden zum Windschattenfahren; niemand fährt mein Tempo am Rennrad, denn wie ich vermute sind diese Leute bessere Schwimmer als ich und daher schon weit vor mir. Diese Annahme bestätigt sich kurz vor der Wende beim GTI Denkmal in Reifnitz, als mir ein Pulk von den besseren Schwimmerinnen bereits entgegenkommt. Alleine die Lücke zu diesem Pulk zuzufahren erscheint mir ob der kurzen Strecke unrealistisch, also fahre ich weiter mein Tempo auf der Überholspur… und dieses Tempo ist hoch. Ich muss auch sagen, die Strecke entlang der Süduferstraße liegt mir. Im Geschwindigkeitsrausch sammle ich permanent langsamere RadfahrerInnen ein und habe dabei einen Riesenspaß! Leider ist die Radstrecke mit ihren 20km kurz und schon biege ich abermals auf den Südring, um noch eine kleine Schleife in Richtung Stadion zu fahren, ehe es zurück zum Europapark geht. Nach 33:52 Minuten bin ich wieder in der Wechselzone.

Der kurze Auflieger und ich werden keine Freunde mehr...

Der kurze Auflieger und ich werden keine Freunde mehr…

Run — 4,2 km

Der zweite Wechsel geht ebenfalls ganz schnell und dann es geht abermals in den Europapark, von dem die Laufstrecke in Richtung Krumpendorf und wieder retour führt. Das regelmäßige Koppeltraining hat sich ausgezahlt: Ich kann von Beginn an meine geplante Pace laufen. Erst jetzt merke ich wieder, wie heiß es an diesem Abend eigentlich ist und der über den Kopf gekippte Becher Wasser sorgt für kaum Abkühlung. Ich laufe in Richtung Westen, dem Sonnenuntergang entgehen bei der Villa Lido vorbei nach Krumpendorf. Die Strecke ist mir von Kärnten Läuft bestens bekannt und zählt nicht zu meinen Favoriten — “egal wann man hier läuft, immer scheint einem die Sonne ins Gesicht”, denke ich mir. Als mir zunehmend mehr und mehr LäuferInnen entgegen kommen, sehne ich die Wende herbei. Hier leide ich etwas, es ist heiß, die entgegenkommenden LäuferInnen demotivieren und die Wende will einfach nicht kommen. Dann endlich! Die Wende und es geht retour nach Klagenfurt und somit in Richtung Finish Line!

Konzentriert auf der Laufstrecke

Konzentriert auf der Laufstrecke

Ich kann die anvisierte Pace halten und nun einige LäuferInnen einsammeln, was für zusätzliche Motivation sorgt. Als Highlight der Laufstrecke würde ich den kurzen Abschnitt über die Terrasse der Villa Lido bezeichnen. Von dort ist das Ziel greifbar nahe — das kenne ich ja ebenfalls zu Genüge von Kärnten Läuft. Dann ist der plötzlich da, der originale Ironman Zielkanal mit dem roten Teppich. Gänsehaut! “Verdammt ist das geil”, ist mein Gedanke, gefolgt von “Wie geil muss es sich das erst anfühlen, wenn man einen (Half-) Ironman macht?” Ich geniesse jeden Schritt, jede Sekunde auf diesem roten Teppich und das bestärkt mein Vorhaben, einen Half Ironman zu machen. Jubelnd überquere ich nach 1:07:50 die Finish Line. Was für ein Gefühl!

Gänsehautmoment!

Gänsehautmoment!

Danach checke ich mein Rad aus, übergebe es in die Obhut meiner Mutter und gehe abermals ins Strandbad, um mich mit einen Sprung in den Wörthersee abzukühlen. Erfrischt und umgezogen ist der nächste Stopp wieder das Iron Dome, wo sich vorm Nudelbuffet eine beachtliche Warteschlange gebildet hat. Die Warterei lohnt sich aber, denn es gibt ein Nudelbuffet vom Feinsten, das keine Wünsche offen lässt. Abschließend wie immer für die Statistik: Beim Company Triathlon gibt es keine Altersgruppen und ich belegte Platz 15 von 38 Einzelstarterinnen, wobei mich der Run Split mit 22:16 Minuten am meisten überrascht hat, da es der beste Split von den drei Disziplinen (24/16/14 von jeweils 38) ist.

29. Gösselsdorfer Triathlon

Am Samstag, den 11. Juli, finishte ich beim 29. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) meinen ersten Triathlon. Im Vorfeld hatte ich doch einige Gedanken bzw. Bedenken, aber ich ging durchaus optimistisch an den Start und freute mich auf das Rennen. Und was für ein Rennen es war! Eine absolut überwältigende und kaum in Worte fassbare Erfahrung, die — und man verzeihe mir mangels besserer Ausdrücke die Phrase — einfach “leider geil” war. Vergleichbar mit dem ersten Halbmarathon wird mir auch mein erster Triathlon ewig in Erinnerung bleiben.

Da der Triathlon einen straffen Zeitplan hat, ging es Samstag Mittag zeitig auf nach Gösselsdorf, um rechtzeitig und ohne Stress bis 14 Uhr die Startunterlagen abzuholen, die Laufsachen in der Wechselzone 2 zu deponieren und dann mit dem Rad in die Wechselzone 1 zum Bike Check-In zu fahren. Vor Ort war alles wirklich top organisiert: Eine große Wiese als Parkplatz samt Einweiser, die ein effizientes Parken sicherstellten. Eine zügige Startnummernausgabe und Beschriftung der Oberarme mit der Startnummer. Überall freundliche und gut gelaunte Helfer. Bereits auf dem Weg zur Startnummernausgabe traf ich — gleichsam wie beim Duathlon im April — jan, was mich sehr freute.

Mit den Startunterlagen in der Hand war mein erster Stopp die Wechselzone 2, wo ich Laufschuhe und Kappe bei meiner Startnummer hinterlegte, ehe es zurück auf die Wiese zum Auto ging, wo ich das Rad auspackte und (ganz professionell!) die Reifen aufpumpte. In dem Moment hatte ich kurzfristig Bedenken, wie sich wohl 8,5 bar einige Stunden in praller Sonne auswirken würden. Wie wahrscheinlich ist ein Reifenplatzer in der Wechselzone, noch bevor ich aufs Rad steige? Aber da alle anderen Triathleten um mich herum mit Luftpumpen hantierten, verwarf ich diese Bedenken recht schnell. Danach klebte ich noch die Startnummer an die Sattelstütze und war bereit, mit dem Rad in die ca. 1 Kilometer entfernte Wechselzone 2 zu fahren.

Das Bike Check-In war ebenfalls rasch erledigt und ich spazierte die laaaange Wechselzone entlang bis ich endlich zu meinem Wechselplatz kam. Je höher die Startnummer, desto weiter ist der Wechselplatz vom Schwimmausstieg entfernt, aber desto näher befindet sich das Rad an der Linie, wo man auf das Rad aufsteigen kann. Mit einer Startnummer über 400 bedeutet das für mich, dass ich gut 100m vom Schwimmausstieg bis zum Rad barfuss auf Asphalt zurücklegen muss. Erfahrungsgemäß laufe ich aber ohne Schuhe besser als mit Radschuhen, und daher war das ganze nicht so schlimm. Dann hängte ich mein Rad auf das Rack, legte den Helm und die Sonnenbrille auf den Triathlon-Auflieger, platzierte die Radschuhe rechts vom Vorderrad, stopfte die aufgerollten Socken in diese und breitete das kleine, mitgebrachte Handtuch daneben auf. Als letztes spannte ich den Startnummerngurt samt Startnummer über die Lenkerenden und ging mental noch einmal den Ablauf in T1 durch.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Ab 15 Uhr brachten Shuttlebusse die Athleten von der Wechselzone 1 zum Schwimmstart auf der gegenüberliegenden Seite des Gösselsdorfer Sees. Nachdem ich mich noch einmal versichert hatte, dass sich alles am Wechselplatz befindet, was ich benötige, stieg ich in den nächsten Shuttlebus, der auch bald los fuhr und binnen weniger Minuten am Strandbad Gösselsdorfer See ankam. Nun folgte wohl der langweiligste Teil des ganzen Triathlons: Auf den (Damen-)Start um 17 Uhr warten, denn immerhin galt es, über eine Stunde auf der schattigen Wiese des Strandbades zu verbringen. Ich setzte mich hin, beobachtete die anderen Sportler und versuchte mich zu entspannen. Dann konsumierte ich einen Riegel, trank noch ein paar Schluck Wasser, besuchte das WC und ging zum See hinunter, um mich etwas einzuschwimmen.

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Vor dem Schwimmstart

Vor dem Schwimmstart

Die Zeit bis zum Schwimmstart verging schneller als erwartet und nach der obligaten Teilnehmerbesprechung wurden um 16:45 Uhr die Herren der ersten Startwelle ins Wasser geschickt. Kurz danach folgte die zweite Startwelle, ehe um 17:00 Uhr der Damen und Staffelstart erfolgte. Zuerst werden alle StarterInnen gebeten, über die Zeitnehmungsmatte zu gehen, ehe man ins Wasser darf und bis zur gedachten Linie am Ende zwischen den beiden Stegen schwimmt. Dort wartet man dann im tiefen Wasser, bis der Startschuss fällt und man losschwimmen kann. Ich hatte mich als langsamer Schwimmer am seitlichen, hinteren Ende des Starterfeldes im Wasser eingereiht, um so schnellere Schwimmer nicht zu behindern bzw. dem ärgsten Getümmel auszuweichen. Dann ging alles ganz schnell: Der Startschuss und das Wasser vor mir begann zu brodeln.

Swim — 0,5km

Beim Wegschwimmen musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, “aus dem Stand” heraus schnell zu beschleunigen, denn im Sportbecken stösst man sich ja am Beckenrand ab. Ein paar Armzüge und ich bewegte mich vorwärts, wobei ich nur einen Gedanken hatte: Da drüben ist der grüne Teppich, das ist der Schwimmausstieg, da muss ich hin. Bis etwa zur Hälfte der Strecke, also etwa 250m, konnte ich den Schwimmern vor mir recht gut folgen und es war ehrlich gesagt ganz und gar nicht schlimm — der Schwimmstart und auch das Schwimmen selbst. Das habe ich mir viel schlimmer vorgestellt. Oder ging es beim Damenstart eher “ladylike” zu? Etwa in der Mitte des Sees trifft man dann auf die berühmt-berüchtigten Seerosen und obwohl ich versuchte, mich eher rechts im durch zwei Leinen begrenzten Korridor zu halten, wo es angeblich kaum Seerosen gibt, waren sie plötzlich da. Zwar spürte ich nichts an meinen Beinen, aber es schwammen im trüben, aufgewühlten Wasser abgerissene Seerosenblätter umher, die prompt an meinen Armen hängen blieben. Das lenkte mich etwas ab, ich versuchte die Blätter wegzuwischen und dadurch wurde ich wohl etwas langsamer.

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich blickte kurz hinter mich, denn “last out of the water” wollte ich nicht werden. Keine Gefahr, es befanden sich noch Schwimmer hinter mir. OK, der grüne Teppich kommt immer näher, weit ist es nicht mehr, bald hast du das Schwimmen überlebt. Wenige Meter vor mir schwamm eine Dame, an der ich mich orientierte, wann sie stehtiefes Wasser erreicht hatte. Ein erleichterndes Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Der Schwimmausstieg ist eher ein Schwimmaufstieg, denn es geht recht steil die Böschung hinauf zur Bundesstraße, wo sich die 1. Wechselzone befindet. Auf allen Vieren wollte ich da nicht hinaufkrabbeln, also versuchte ich halbwegs aufrecht den Anstieg zu bewältigen, was auch gut klappte. An der Bundesstraße bzw. am Radweg angekommen, überquerte ich die Zeitnehmungsmatte und machte mich auf den laaaangen Weg entlang der Wechselzone zu meinem Rad.

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Aspalt des Radwegs war nass und daher trotz praller Sonne angenehm und ich lief barfuss gut 100m bis zum Rad. Auch das war weniger schlimm als erwartet und klappte besser als angenommen — ich überholte sogar die Dame, die soeben noch vor mir geschwommen war. Der Vorteil, wenn man recht spät aus dem Wasser kommt ist, dass man sein Rad sehr schnell findet, da nur mehr wenige Räder in der Wechselzone stehen. Am Rad angekommen ging alles zügig: Helm und Sonnenbrille auf, Startnummerngurt um, kurz die Fusssohlen am kleinen Handtuch abstreifen, um Steinchen zu entfernen, Socken an, Schuhe an, Handtuch samt Badehaube in den Wechselbeutel und weiter gehts! Da sich mein Wechselplatz quasi am Ende der Wechselzone befand, hatte ich nur wenige Meter bis zum Radaufstieg, der durch zwei gelbe Fahnen gekennzeichnet war. Sicherheitshalber fragte ich den Streckenposten, ob ich hier aufsteigen darf und ab ging die Post!

Bike — 32km

Was habe ich mich aufs Radfahren gefreut! Schwimmen überlebt, jetzt ist es Zeit, es krachen zu lassen und das Feld von hinten aufzurollen. Ob der langsamen Schwimmzeit wollte ich am Rad doch einiges gut machen! Zu dem Zeitpunkt war ich allein auf der Radstrecke und konnte vor mir niemanden erblicken. Erst als ich mich Sittersdorf näherte, sah ich vor mir jemanden am Rad. Das beflügelte mich, jetzt beginnt die Aufholjagd und ich trat ohne Rücksicht auf Verluste sehr beherzt in die Pedale. Mit 40km/h durch den Kreisverkehr in Sittersdorf. Zwischen Sittersdorf und Miklauzhof hatte ich die Dame ein- und überholt. Mit mehr als die Polizei erlaubt durch Miklauzhof, danach die erste Steigung, die ich im Wiegetritt problemlos bewältigte. Auf der Straße nach Gallizien erblickte ich vor mir immer wieder andere Damen, die ich allesamt überholte. Ich flog quasi über den Asphalt, perfektes Rennrad-Wetter, sonnig, angenehme Temperaturen und daher störte mich überhaupt nicht, dass ich mehr oder weniger klatschnass aufs Rad gestiegen bin, denn mittlerweile war ich dank Sonne und Fahrtwind schon längst trocken.

Die Aufholjagd beginnt... (Credit: DG Gösselsdorf)

Die Aufholjagd beginnt… (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Bei der Ortsdurchfahrt von Gallizien, gerade als ich abermals eine Dame hinter mir gelassen hatte, ein magischer Gänsehautmoment: Boah ist das leider geil! Wenn ich schon (noch) nicht schnell schwimmen kann, schnell Rennradfahren kann ich! Am anderen Ortsende gab es eine etwas steilere Abfahrt, die ich aber nicht Vollgas hinunterdonnerte, da man am Ende scharf rechts abbiegen muss. Wieder erblickte ich Damen vor mir, wieder musste ich sie überholen. Dann der einzige haarige Moment auf der Radstrecke. Bei der kleinen Steigung kurz nach Gallizien hatte ein Autofahrer im fetten SUV mit Wunschkennzeichen die gloreiche Idee, er könne doch ein wenig zwischen den Teilnehmerinnen des Triathlons spazieren fahren. So schlich der Typ mit seiner fetten Kiste vor mir mit ca. 25km/h herum, denn überholen konnte er nicht und ausweichen wollte er nicht. Ich befand mich selbst in einem Überholvorgang, als der SUV auf die Straße bog und sowohl mich als auch die Dame neben mir behinderte, sodass wir beide bremsen mussten. Ich schaute die Dame an und fragte sie, ob wir ihn überholen dürfen? Achselzucken auf beiden Seiten. Genervt vom unmöglichen Verhalten dieses Zeitgenossens schrie ich “Geh Alter, fahr doch rechts ran!” Glücklicherweise bog er dann ab und wir hatten wieder freie Fahrt. Aber keine Frage, so etwas ist sehr ärgerlich und sollte nicht passieren.

Der Rest der Radstrecke verlief nach dem gleichen Schema wie bisher: Das Feld von hinten aufrollen! In St. Kanzian war wegen der Straßensperre eine sehr lange Autokolonne und als ich vorbei fuhr, feuerten mich sowohl Auto- als auch Motorradfahrer lautstark an. Generell war die Stimmung auf der Radstrecke super: Viele Menschen hatten es sich mit Klappsesseln an der Straße gemütlich gemacht und sorgten lautstark für die moralische Unterstützung. Als ich zwischen St. Kanzian und Eberndorf anfing, sogar Herren zu überholen, wurde mir bewusst, dass ich wirklich ausgesprochen gut unterwegs bin und eine Netto-Radzeit unter 60 Minuten bzw. mehr als einen 32er Schnitt fahren würde. Es war einfach der Wahnsinn und die letzten Kilometer von Eberndorf nach Gösselsdorf genoss ich einfach nur. Als ich die letzten Meter in Richtung Wechselzone rollte, erblickte ich jan, der gerade die Laufstrecke in Angriff nahm.

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit dem professionellen “triathlon-style” vom Rad absteigen klappt es bei mir noch nicht so richtig, daher bin ich ganz traditionell vor der roten Linie abgestiegen und dann über den blauen Teppich in die Wechselzone 2 gelaufen. Ich bekam fast gar nichts mit, außer dass der DJ im Wechselzonen/Zielbereich gerade “Highway to Hell” von AC/DC spielte. Ob ich nun wirklich am Highway to Hell war, würde ich in wenigen Augenblicken herausfinden. Der zweite Wechsel war ebenfalls schnell und reibungslos erledigt, Rad aufs Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlon-Laufschuhe an, Kappe auf, los gehts! Während ich zum Ausgang der Wechselzone lief, drehte ich noch meine Startnummer nach vorne. Ich checke gar nicht, dass mir dort Triathlon-Vereinskollege Michael entgegen kam und mich grüßte. (Sorry, Michael!)

Abstieg vom Rad

Abstieg vom Rad

Run — 7km

Die ersten hundert Meter der Laufstrecke führten über einen Waldweg, auf dem Gegenverkehr herrschte bzw. die schnelleren Triathleten, die die Laufstrecke bereits fast hinter sich hatten, entgegenkamen. Das war etwas verwirrend, da ich nicht wusste, ob ich rechts oder links laufen soll. Irgendwie war ich immer auf der falschen Seite, aber glücklicherweise war dieser Gegenverkehrsabschnitt nicht sehr lang. Erstaunlicherweise lief es sich überraschend “rund”, also kein Treppengefühl oder sonstige Unannehmlichkeiten, die nach dem Wechsel vom Rad aufs Laufen auftreten können. Folglich fand ich auch schneller als erwartet meinen Rhythmus und es war auch temperaturmäßig in Ordnung (ca. 28°), sodass ich bei der ersten Labestation nach einem Kilometer die Getränke und Schwämme dankend ablehnte. Ok, noch 6 Kilometer mit einem kurzem, aber knackigen Anstieg und ich bringe das Ding nach Hause.

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich war im Runner’s High und die Beine liefen fast wie von selbst. Auch machte ich mir über den Anstieg keine Sorgen, sondern lief nur im Hier und Jetzt und konnte — gleichsam wie auf der Radstrecke — noch einige andere Athleten einsammeln. Interessanterweise war die Laufstrecke kurzweiliger als erwartet: Plötzlich war die 4 Kilometer Markierung vor mir und es ging den Anstieg hinauf! Nur noch 3 Kilometer. Pace passt. 500m Heartbreak Hill wollen bezwungen werden. Auf gehts! Die Stimmung hier war super und als ich in etwa die Hälfte des Anstiegs bewältigt hatte, rief ein Mann “Nur noch 250m, dann habt ihrs geschafft!”. Während fast alle anderen Läufer um mich herum gingen, lief ich den “Heartbreak Hill” hinauf. So machte ich abermals ein paar Plätze gut. Oben angekommen ging es in den Wald hinein und von nun an nur mehr bergab. Der schwierigste Abschnitt war geschafft, die Beine waren nach wie vor locker und daher ließ ich es nun “laufen”. Dann der Waldweg mit dem Gegenverkehr, die langgezogene Rechtskurve und plötzlich befand ich mich auch schon im “Einlaufkanal”. Wenige Meter vor der Ziellinie riss ich die Arme hoch… und jubelte so ins Ziel!

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Im Zielbereich stehengeblieben konnte ich es zuerst nicht wirklich glauben, dass ich wirklich im Ziel war und somit meinen ersten Triathlon gefinisht hatte. Ich drückte Stopp auf meiner Uhr. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Gesamtzeit ist. Vorm Start sagte ich noch zu meiner Mutter, ja, so 2 Stunden wird es schon dauern… nun blickte ich auf die Uhr, die mir 1:56:44 anzeigte. Was echt? Wahnsinn! Damit hatte ich absolut nicht gerechnet, dass ich unter 2 Stunden finishen würde. Die offizielle Zeit ist 1:56:41, was mir den 44. Rang (von 73.) bei den Damen bzw. den 9. Platz in W-35 einbrachte. Und ich hatte Angst, Letzte zu werden… (Gut, angesichts des stark verbesserungswürdigen Swim-Splits war die Angst nicht gänzlich unberechtigt.) Dann erblickte ich meine Mutter und auch jan und mir fehlten irgendwie die Worte. Sprachlos. Was für ein Erlebnis! Legendär. Leider geil!

Streckenverlauf und Profil

Streckenverlauf und Profil

Wenn nicht meine Mutter zu mir gesagt hätte, ich sollte etwas zu trinken holen und dass es auch ein Kuchenbuffet gibt… ich hätte in diesem Moment nicht daran gedacht. Ich war einfach überwältigt. Konnte es noch immer nicht fassen. Nach ein paar Minuten hatte ich mich endlich gesammelt, etwas getrunken und auch vom sehr leckeren Kuchenbuffet gekostet. Danach wollte ich aus der mittlerweile wieder nassen Kleidung raus, das Rad auschecken und den Beutel aus der Wechselzone 1 abholen. Am Weg zurück zum Auto vollbepackt mit zwei Rucksäcken und Rennrad war mir klar, dass ich das unbedingt wieder machen muss. Unbedingt! Gösselsdorf, wir sehen uns nächstes Jahr definitiv wieder! Ein sehr charmanter, top organisierter und begeistender Triathlon, den ich jedem wärmstens empfehlen kann! Ich bin froh, meinen ersten Triathlon bei so einer tollen Veranstaltung gefinisht zu haben: Es war mir sprichwörtlich ein Volksfest!

Time to Tri

Kommenden Samstag ist es soweit: Ich gehe bei meinem ersten Triathlon — dem Gösselsdorfer Volkstriathlon — an den Start. Nach der erfolgreichen Duathlon-Premiere im April war es im Grunde nur eine Frage des Wann? und Wo?, was einen Triathlon betrifft. Auswahl gibt es glücklicherweise genug und da es zeitlich bei mir im Juli am besten passt, fiel also die Wahl abermals auf Gösselsdorf, wobei aber anzumerken ist, dass sich sowohl die Rad- als auch Laufstrecke beim Triathlon völlig vom Duathlon unterscheiden.

Mein Ziel ist “Finish with a smile” und wenn möglich nicht als Letzte(r). Ich möchte in den Triathlonsport hineinschnuppern und selbst herausfinden, wie es sich anfühlt, drei Sportarten nacheinander ohne nennenswerte Pause auszuüben.

Schwimmen — 500m

Wenn nur das Schwimmen nicht wäre… gut, dann wäre es aber auch kein Triathlon. Die erste Disziplin ist definitiv meine schwächste, die mir auch am meisten Sorgen bereitet. Ich schwimme nun seit Ende Mai regelmässig (mind. 1x pro Woche), aber richtiges/effizientes Kraulen erlernt man leider nicht in einigen Wochen. Weiters unterscheidet sich Freiwasserschwimmen vom Schwimmen im Sportbecken und daher habe ich auch beim 1. Klagenfurter Vollmondschwimmen teilgenommen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es ist, in einer Menschenmenge im See zu schwimmen. Es war eigentlich gar nicht schlimm, nur durch die Dunkelheit schwimmt man wirklich fast “blind”, was jedenfalls eine interessante Erfahrung ist. Schwimmen ist für mich also eine gänzlich neue Wettkampferfahrung, vor der ich Respekt habe und daher will ich die 500m einfach irgendwie überleben und dabei hoffen, dass ich nicht als letzte aus dem Wasser komme…

In voller Triathlon-Montur beim Vollmondschwimmen

In voller Triathlon-Montur beim Vollmondschwimmen

Radfahren — 32km

Aufs Radfahren freue ich mich ehrlich gesagt schon. Ich habe die Radstrecke vor ein paar Wochen besichtigt und bin zuversichtlich: Sie ist durchwegs hügelig mit einigen Anstiegen, die mir aber kein Kopfzerbrechen bereiten. Wie auch beim Duathlon ist ein möglicher Defekt die größte Sorge, aber ich werde zur Beruhigung den Pannenspray wieder in der zweiten Trinkflasche mitführen.

Laufen — 7km

Diese 7 Kilometer können hart werden, keine Frage. Da ich mit dem Höhenprofil auf der Website des Triathlons nicht viel anfangen kann und den markanten Anstieg in Natura sehen wollte, bin ich vergangenen Sonntag am späteren Nachmittag bei 35° C die Laufstrecke abgelaufen. (Ich hatte definitiv schon bessere Ideen, es war wirklich brutal heiß!) Die ersten drei Kilometer sind mehr oder weniger flach, aber nachmittags in der prallen Sonne. Dann folgt eine knackige Steigung, die in den Wald führt, wo die Temperaturen auf jeden Fall angenehmer sein sollten. Im Wald hab ich mich bei der Streckenbesichtigung natürlich glorious verlaufen, weil ich ein paar Meter zu früh rechts abgebogen bin. (Die Schleife auf der Grafik zwischen Kilometer 5 und 6 war quasi “Bonus”.) Das ist aber nicht tragisch, denn sobald man im Wald ist, hat man den höchsten Punkt der Laufstrecke erreicht und von dort geht es nur mehr abfallend bzw. flach ins Ziel. Wie zäh es tatsächlich wird, hängt von der Temperatur ab, denn jenseits der 30° Marke sinkt meine Leistungsfähigkeit stark ab.

Strecken- und Höhenprofil der Laufstrecke (mit Umweg zwischen km 5 und 6)

Strecken- und Höhenprofil der Laufstrecke (mit Umweg zwischen km 5 und 6)

Was erwarte ich mir? Über eine konkrete Zeit zu spekulieren erscheint mir eher sinnfrei, da es zumindest beim Radfahren und Laufen auf die Wetterverhältnisse (Wind?!) und Temperaturen ankommt. Das Schwimmen überleben, es beim Radfahren krachen lassen und beim Laufen nicht eingehen — das ist der Plan. Und dabei natürlich Spass haben! Beim ersten Triathlon geht es mir wirklich ums erfolgreiche Finishen als um eine bestimmte Zeit, die man ja immer noch verbessern kann.

Neue Ufer

Are you waiting for the right excuse?
Are you waiting for a sign to choose?
While you’re waiting it’s the time you lose
What are you waiting for?
(Nickelback – What Are You Waiting For?)

Ich würde mich nicht als Fan von Nickelback bezeichnen, aber ihre aktuelle Single “What Are You Waiting For? hat bei mir einen Nagel auf den Kopf getroffen. Ich spiele mich schon seit 2012 mit dem Gedanken, einen Triathlon zu finishen, aber irgendwie schiebe ich dieses Ziel so vor mich her. Beim Halbmarathon war ich wesentlich resoluter und habe das Projekt recht zügig innerhalb eines Jahres durchgezogen. Woran scheitert es also beim Triathlon?

Ich denke mir oft, ok, nächstes Jahr machst du dann einen Triathlon, aber irgendwas ist immer bzw. ich finde irgendeine Ausrede, warum gerade dieses Jahr kein guter Zeitpunkt für das Projekt Triathlon ist. Letztes Jahr hatte ich durch das verletzungsbedingte Rennrad-Verbot im Frühling und die fehlenden Rennradkilometer eine “gute” Ausrede, den Triathlon lieber auf 2015 zu verschieben. Und auch dieses Jahr bin ich wieder zögerlich diesbezüglich: Zuerst einen Duathlon probieren, dann entscheiden.

Nach dem Saisonsauftakt am 21. März beim Viertelmarathon in Leitersdorf/Raabtal, wo ich zwar meine gewünschte Zielzeit erreichte, nagte der 4. Platz in meiner Altersklasse doch länger als mir lieb war, zumal das nicht mein erster 4. Platz war. Ich habe wie immer, wenn ich auf Zeit laufe, mein Bestes gegeben und kann mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Warum also diese latente Unzufriedenheit? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn ich zuerst eine Antwort auf die Frage, warum ich überhaupt bei Wettkämpfen mitmache, finde.

Warum laufen?

Ja, warum eigentlich? Die Antwort ist recht schnell gefunden: Weil es Spass macht! Weil ich die Atmosphäre von Laufveranstaltungen mag. Weil es mich im Training motiviert, für einen Wettkampf zu trainieren und zu sehen, ob ich meine Zeiten verbessern kann. Weil ich gerne mit anderen laufe, wenn schon das Training alleine stattfindet. Ich laufe für mich, um meine Grenzen auszuloten und um mich lebendig zu fühlen. Widrigkeiten, wie ein hochgradiger Knorpelschaden im rechten Knie und keine Schilddrüse halten mich davon nicht ab. Kurzum: Laufen macht mich glücklich.

Und dennoch war ich unglücklich. Der Lauf selbst war in Ordnung, aber nur bedingt ein “Spass”. Ich mag kurze Strecken nicht, da man dort vom Start weg Vollgas laufen muss, wenn man auf Zeit läuft. Daher laufe ich prinzipiell keine Distanzen unter 10 Kilometer und ganz ehrlich gesagt werden mir 10 Kilometer auch schon fast zu kurz. Es ist unwahrscheinlich, dass ich einen 10er einmal in 40 Minuten laufen werde. Dafür habe ich zu spät mit dem Laufen angefangen und deshalb fehlt mir einfach die Schnelligkeit. Meine Stärke liegt in der Ausdauer. Ich brauche oft schon eine halbe Stunde, bis es bei mir “rund” läuft und es macht mir wesentlich mehr Spass, ein Rennen so einzuteilen, dass ich in der zweiten Hälfte noch zulegen und andere LäuferInnen aufsammeln kann.

Zu neuen Ufern

Halbmarathons sind dafür gut geeignet und von der Distanz her ideal, da ich meinem lädierten Knie keinen ganzen Marathon zumuten möchte. Ich würde aber gerne Ausdauer-Wettkämpfe bestreiten, die länger als 2 Stunden dauern, frei nach dem Motto, “Ich kann nicht schnell, aber dafür lange.” Rennrad-Ausfahrten über zwei Stunden oder länger sind kein Problem und machen viel Spass. Wenn man also Laufen mit Rennradeln verbindet, dann erhält man einen Duathlon — meine Duathlon-Wettkampf-Premiere findet in gut 2 Wochen statt. Ich bin schon neugierig, wie das wird, denn immerhin begebe ich mich hier in absolutes Neuland mit Wechselzonen usw.

Vom Duathlon ist es nicht mehr weit zum Triathlon — wäre da nicht das Schwimmen. Und genau die erste Disziplin ist es, die mich bisher vom Triathlon abgehalten hat, da ich Angst vor dem “Untergehen” im wahrsten Sinne des Wortes habe. Schwimmen kann ich schon, kraulen so halbwegs, aber wer jemals Schwimmstarts bei einem Triathlon angesehen hat, weiß, welches Chaos dort herrscht. Vielleicht alles nur eine Frage des Trainings? Das ist ein weiterer Hemmschuh, denn ich wohne ca. eine Autostunde vom nächsten Hallenbad entfernt, was ein Schwimmtraining in der kalten Jahreszeit erschwert. Seen gibt es ausreichend mehr oder weniger vor meiner Haustüre, aber die sind momentan noch zu kalt und die (beheizten) Freibäder öffnen erst im Mai ihre Pforten. Und in dieser Phase über einen Neopren-Anzug nachzudenken, erscheint mir voreilig…

Doch um auf Nickelbacks “What Are You Waiting For?” zurückzukommen: Ja, worauf warte ich eigentlich? Es gibt immer Ausreden oder irgendetwas, das nicht passt. Ich will einen Triathlon finishen und im Juni/Juli gibt es doch einige Veranstaltungen, die eine Sprint- bzw. Volksdistanz anbieten; also wann, wenn nicht diesen Sommer? Je länger ich warte, umso mehr Ausreden werde ich finden…

Genau aus diesem Grund fahre ich auch am kommenden Samstag zum Radio Steiermark Lauf nach Bad Waltersdorf: Im Nenngeld ist ein Thermeneintritt inkludiert und die Therme verfügt über ein 25m Sportbecken. Zuerst 12 Kilometer laufen, dann schwimmen — Koppeltraining! Jedoch werde ich nicht auf (Best-)Zeit laufen, da der Wetterbericht abermals Temperaturen um 20°C voraussagt und der Start erst um 14:30 Uhr ist. Die Strecke ist zwar flach und schnell, aber es müssen 3 Runden zu je 4 Kilometern gelaufen werden und ich mag Runden nicht. Also ein Trainings-Tempodauerlauf mit guter Stimmung entlang der Strecke. Danach in die Therme. Ins Sportbecken. Und dann in den Whirlpool! Oder “WIIIRRRLPOOL”, wie der Hackl Schorsch bei der Wok-WM so treffend sagte. Ein hoffentlich netter Tag in der Steiermark.

Zeit, die Schwimmbrille öfters zu benutzen

Zeit, die Schwimmbrille öfters zu benutzen

Sitzprobleme in Aeroposition

Sitzprobleme gehören wohl zum Radsport wie platte Reifen — man kann Glück haben und weitgehend davon verschont bleiben, aber früher oder später ist man damit konfrontiert. Beides ist ärgerlich und unangenehm und wenn ich es mir aussuchen kann, habe ich lieber einen Platten als Sitzprobleme, denn ein Reifendefekt lässt sich einfach und schnell beheben. Bei Sitzproblemen ist das schon etwas komplizierter, aber es gibt auch hier immer eine Lösung.

Ende Oktober/Anfang November 2014 kaufte ich mir — in Anbetracht einer Dua-/Triathlon-Teilnahme — einen Auflieger, um aerodynamischer und auch entspannter am Rennrad zu sein. Bei den meisten Dua-/Triathlons gilt ja Windschatten-Verbot und daher das Fahren in Aeroposition erlaubt bzw. empfehlenswert. Sicherlich kann man auch in Unterlenker-Position aerodynamisch(er) Rennrad fahren, aber das verursacht bei mir Verspannungen. Daher erschien mir die Investition in einen Syntace C3 Auflieger sinnvoll, der preislich akzeptabel und in drei Größen erhältlich ist. (Außerdem fährt Christoph Strasser, seines Zeichens Race Across America Gewinner und Rekordhalter, den C3.)

Auflieger gekauft und ganz nach Gefühl am Renner montiert. In der verletztungsbedingten Off-Season im November konnte ich den Auflieger ein paar Mal in der freien Natur testen, aber da das Lenkverhalten anders ist, fuhr ich nur kurze Abschnitte in der Aeroposition und wechselte dann wieder in die gewohnte Schaltgriff-Position. Dann kam der Winter und somit die Rollensaison — die perfekte Zeit also, sich endgültig an die Aeroposition zu gewöhnen. Doch das Unterfangen endete mit einer jähen Überraschung in der Form von Sitzproblemen. Ich fahre seit gefühlt einer Ewigkeit Terry Sättel und bin damit immer gut zurecht gekommen. Jetzt in Aeroposition drückt mir die Sattelnase unangenehmst am Schambein, sodass ich es kaum länger als 75 Minuten auf der Rolle ausgehalten habe. (Da half leider auch kein True Blood oder Deluxe Music.)

Ich versuchte, durch häufiges Wechseln der Griffposition bzw. durch “freihändiges” Fahren (auf der Rolle kann man das ja problemlos) den Schmerz in Grenzen zu halten, was auch gut gelang — bis zum ersten Koppeltraining. Wie es sich gehört, ging es mit den Tri-Shorts von Skinfit (mit ganz dünnem Sitzpolster) auf die Rolle und es war — wie soll man es am besten ausdrücken — “not pretty”, wie der geneigte Anglist zu sagen pflegt. Sitzprobleme sind nicht etwas, worüber man gerne spricht und im Englischen werden sie unter dem Oberbegriff “saddle sore” zusammengefasst. Das trifft es gut, denn “sore” ist vielleicht eine Untertreibung in diesem Zusammenhang und ich war sehr erleichtert, als die 40 Minuten auf der Rolle vorbei waren und ich zum Laufen wechseln konnte.

Sitting Pretty

Panik machte sich breit. Wie würde das nur beim anstehenden Duathlon funktionieren? Sicherlich, es sind nur 19 Radkilometer, aber über eine halbe Stunde sitze ich am Rad und mit einer normalen Radhose mit Einsatz/Sitzpolster kann ich nicht laufen. Das fühlt sich an, als ob man mit einer Windel laufen würde, also kommt nur das dünne Tri-Polster in Frage. Kurzerhand spazierte ich wenige Tage später in ein Fahrrad-Fachgeschäft in Klagenfurt und verlangte einen Triathlon- bzw. Aeroposition-tauglichen Sattel, wo mir der freundliche Herr sofort einen ISM Adamo präsentierte und meinte, wenn man beim Ironman in Klagenfurt durch die Wechselzone geht, sieht man bei sehr vielen Rädern diesen Sattel. Triathleten und Zeitfahrer schwören drauf und vor allem Frauen kommen damit sehr gut zurecht. Aha. Ich solle den Sattel doch einfach mal ausprobieren und wenn er nicht passt, kann ich ihn zurück bringen und bekomme mein Geld retour. OK, das klingt gut und bei dem stolzen Preis von 170 Euro erleichterte es mir die Kaufentscheidung. (Ja, 170 Euro, und das für die Nicht-Carbon Version, Carbon kostet jenseits der 220 Euro!) Dieser Adamo ist sein Geld besser wert!

ISM Adamo Road

ISM Adamo Road

Die nächsten Tage versprachen Rennrad-taugliches Frühlingswetter und ich wollte die Saison im Freien mit dem neuen Sattel eröffnen. Doch zuvor tat sich ein weiteres Problem auf: Wie montiere ich das Ding? Ich habe zwar vom Bike Fitting alle Daten wie Sattelhöhe und Abstand Lenker – Sattelnase usw., aber der ISM Adamo hat ja keine Sattelnase. Hm. Die beiliegende Beschreibung ist wenig hilfreich und lässt sich auf die Kernaussage “Experimentieren Sie, bis Sie die für Sie komfortabelste Sitzposition finden” reduzieren. Onkel Google meinte, den Adamo 5 cm hinter der Sattelnase des alten Sattels und 5mm niedriger als normal zu montieren. OK, dann versuchen wir das einmal. Bei der ersten Ausfahrt spürte ich deutlich, dass ich wirklich nur mit den Sitzknochen am Sattel sitze und keinerlei Druck am Schambein. Das ist schon einmal gut, aber leider rutschte ich dauernd nach vorne und davon bekam ich nach knapp einer Stunde untere Rückenschmerzen. Für die Ausfahrt am nächsten Tag veränderte ich die Sattelneigung und verringerte den Abstand Lenker – “Sattelnase”. Das Ergebnis war auch eher bescheiden: Mein rechtes Knie tat weh und beide Knie berührten in Aeroposition meine Ellbogen. Auch nicht so ideal. Meh.

Kurzerhand schrieb ich Hannes Czeitschner von TrueFitCoaching in Villach ein Mail und bat um ein Bike “Re-Fitting”. Dieses Experimentieren ist nichts für mich, dafür fehlt mir die Geduld. Das Bike Fitting im letzten Jahr war ja ein voller Erfolg, also warum nicht auch die Aeroposition entsprechend “fitten”? Ich bekam erfreulicherweise sehr kurzfristig einen Termin und abermals ging es samt Rennrad nach Villach. Auch beim zweiten Mal ist ein Bike Fitting noch spannend und es ist interessant zu verfolgen, welch große Auswirkungen kleine Veränderungen im Millimeterbereich haben können. Bei Hannes ist man in guten Händen, denn er ist nicht nur Bike Fitter, sondern selbst Triathlet und Ironman-Finisher und fährt ebenfalls einen ISM Adamo. Als Laie diesen Sattel korrekt zu “justieren” ist nahezu unmöglich, meinte er. Und damit dürfte er recht haben. Folgende Veränderungen wurden durchgeführt:

  • Pedale um 5mm nach hinten 0 Grad
  • Sattel um 10mm nach oben
  • Sattel um 10mm nach vorne
  • Sattelnase um 2 Grad nach unten
  • 80mm langer Vorbau (+20mm)
  • Extensions und armpads justiert

Interessanterweise benötige ich in Aeroposition nun doch wieder den 80mm Vorbau (statt 60mm) und den Sattel 10mm höher — von wegen 5mm niedriger als normal! Die erste Ausfahrt nach dem Re-Fitting war ein Genuss: Ich konnte fast durchgehend ohne Schmerzen oder Beschwerden in Aeroposition fahren und bin sowohl vom Bike Fitting als auch vom ISM Adamo Road hellauf begeistert!

Bike Fitting Aeroposition

Bike Fitting Aeroposition