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SWIManiak 1500

Was macht der geneigte Triathlet, der verletzungsbedingt im Winter und Frühling viele Kacheln gezählt hat und sich nicht sicher ist, wann es mit dem Laufcomeback klappen wird? Genau, man meldet sich zu einem “open water” Schwimmbewerb names SWIManiak an! Wenn man schon einen Neoprenanzug sein Eigen nennt und das langfristige Ziel Olympische Distanz (OD) und irgendwann einmal Mitteldistanz heißt… What could possibly go wrong?

Mit null Erfahrung in Sachen Freiwasserschwimmen (Brustschwimmen beim ersten Triathlon zählt nicht) war es dann doch naheliegend, sich für die kürzeste der drei angebotenen SWIManiak Distanzen (1,5km, 3km oder 4,5km) zu entscheiden — also offiziell für den SWIManiak 1500. Das ist machbar und da es sich bei der Schwimmstrecke um einen Dreieckskurs mit Landgang handelt, sind die Chancen, dass ich als Letzte aus dem Wasser steige, eher gering.

So ging es bereits ein paar Tage vor dem SWIManiak an den Klopeiner See, um mit Neopren im doch etwas für den See untypisch frischen Wasser herumzukraulen und die Orientierung im Freiwasser zu üben. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, in die dunkle Tiefe des Sees zu starren anstatt Kacheln zu zählen und der Linie am Beckenboden nachzuschwimmen. Aber da hilft nichts, da muss man durch, weil sonst wird das nichts mit einer OD, wo man bekanntlich auch 1500m in offenen Gewässern schwimmen muss.

Einschwimmen

Einschwimmen

Am Wettkampftag am Samstag, den 28. Mai 2016, betrug die Wassertemperatur dann immerhin 20° C und strahlender Sonnenschein rundete die perfekten SWIManiak Bedingungen ab. Ich reiste zeitig an, um in aller Ruhe die Startunterlagen abzuholen, die eine Latex-Badehaube, einen Gutschein für ein Grillgericht (mehr dazu später) und ein paar Prospekte umfassten. Da hätte ich mir für das Nenngeld von 25 Euro schon etwas mehr erwartet. Danach galt es, sich in den Neo zu zwängen. Mittlerweile funktioniert das schon sehr gut — mit Plastiksackerl über den Füßen und Zwirnhandschuhen an den Händen ist das nun eine recht kurzweilige Prozedur, die innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist.

Vor dem Start

Vor dem Start

Der Start erfolgte in Wellen — pünktlich um 12 Uhr wurden die 4,5km Schwimmer in den See geschickt, dann 10 Minuten später die 3km Schwimmer und dann endlich um 12:20 Uhr die 1,5km Schwimmer. Zuvor musste ich natürlich noch den Neo fluten und mich etwas einschwimmen… und dann eben auf den Start warten. Schattige Plätze waren Mangelware und so in der prallen Sonne wird einem im Neo schon recht warm — man wird quasi im eigenen Saft gegart. Ich hatte Angst, dass mir die Schwimmbrille zu sehr beschlägt und ich dann die gelben Bojen nicht mehr sehe, die man umschwimmen muss. Deshalb tauchte ich die Schwimmbrille immer wieder ins Wasser und setzte sie erst sehr zeitnah vor dem Start auf.

Der Start oder "Die Waschmaschine"

Der Start oder “Die Waschmaschine”

Von Schwimmstarts hört und liest man ja öfters die abenteuerlichsten Dinge, aber man muss die “Waschmaschine” einfach selbst erleben. Sehen tut man sowieso nichts mehr außer Wasser, egal wohin man blickt und ich hatte Angst, “überschwommen” zu werden oder einen Tritt zu kassieren, also stürzte ich mich mit der Meute in die Fluten und schwamm das (viel zu hohe) Tempo mit. Nach etwa 100m hatte sich das Feld schon deutlich gelichtet und ich musste dem hohen Tempo Tribut zollen: Mir ging die Luft aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Atmen fiel mir plötzlich sehr schwer und es machte sich ein kleiner Anflug von Panik breit — hoffentlich kein Asthmaanfall, das wäre jetzt wirklich ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

Was tun? Ich drehte mich instinktiv auf den Rücken, um ein paar Mal wirklich tief und ruhig durchzuatmen. Mit Neo geht das ja wunderbar, durch den zusätzlichen Auftrieb treibt man ohne viel Zutun im Wasser. Nach ca. 20 Sekunden hat sich die Atmung normalisiert und ich drehte mich wieder in Bauchlage und kraulte weiter zur ersten Boje. Zuerst noch etwas vorsichtig, aber dann fand ich meinen Rhythmus und es ging recht locker dahin.

Bei der ersten Boje gab es wie erwartet eine größere Schwimmerdichte, da jeder so knapp wie möglich vorbeischwimmen möchte, aber sonst sah ich meist ein Beinpaar knapp vor mir und einen Schwimmer rechts neben mir. Ich versuchte, den Wasserschatten so gut wie möglich auszunutzen, aber dieser Schwimmer vor mir wechselte öfters zwischen Kraul und Brust. Dadurch wurde er zeitweilig deutlich langsamer, ich wollte aber konstant mein Tempo schwimmen.

Lost in Time and Space…

Auf dem Weg von der ersten zur zweiten Boje spürte ich deutlich eine wärmere Strömung beim Unterwasserarmzug. Ich hatte nicht viel Zeit, die Umgebung zu beobachten, denn mein Blick galt nur den gelben Bojen. Und das ist das faszinierende am Freiwasserschwimmen: Man hat absolut keine Einschätzung, wie schnell oder langsam man schwimmt. Gefühlt greift man bei jedem Armzug in ein türkisblaues Nichts und wenn man alle 20 oder 30 Armzüge den Kopf leicht anhebt, um nach vorne zu blicken… ist die Boje noch immer nicht wirklich näher gekommen. Auch kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Schwimmer vor einem “auf Kurs” sind. Der Kraul-Brust-Schwimmer ist noch weit vor der zweiten Boje deutlich nach links abgedriftet und war dann plötzlich nicht mehr in meiner Nähe.

Bei der zweiten Boje herrschte weniger Gedränge und ich fand wieder ein Beinpaar, dem ich eine zeitlang nachschwimmen konnte. Jetzt machte mir das ganze unglaublich viel Spaß — es hat absolut etwas von Freiheit, dieses open water Schwimmen… keine Leinen, kein Beckenende. Man verliert sich im Element Wasser, weil man eben fast dauernd ins Wasser, in die Tiefe, in die Unendlichkeit blickt — und in dieser Hinsicht sind die Kärntner Seen mit ihrer Trinkwasserqualität wirklich kaum zu toppen. Je näher ich der dritten Boje und somit dem Ziel kam, umso mehr Gedanken machte ich mir, wie lange ich wohl schon schwimme… leider konnte ich am Display meiner Uhr nichts erkennen, weil die Schwimmbrille etwas beschlagen hatte. Wieviel Zeit hat mich die “Auf-den-Rücken-dreh” Aktion am Anfang gekostet? Ich habe zwar mit den Beinen weitergepaddelt und bin nicht stehengeblieben, aber trotzdem… etwas Zeit habe ich da verloren, weil ich eben nicht gekrault habe.

Ich versuchte beim Atmen etwas um mich zu blicken, um zu sehen, ob da noch jemand mit einer blauen Badekappe (das sind die 1,5km Schwimmer) in meiner Nähe ist. Und tatsächlich schwimmt da einige Meter links und hinter mir jemand mit blauer Kappe. Ok, der Plan ist, in der Nähe dieses Schwimmers zu bleiben. Überholt er mich, Wasserschatten nützen und dann auf den letzten Metern Vollgas sprinten und ihn einholen, damit ich *nicht* als letzte der 1,5km Schwimmer aus dem Wasser steige. Im Hinterkopf sinnierte ich über eine mögliche Zeit. Vorgenommen hatte ich mir unter 40 Minuten, jetzt spukte mir da etwas von 50 Minuten herum. Wie gesagt, absolut keine Vorstellung, wie schnell oder langsam man schwimmt. Oder wie sehr ich herumgeeiert und daher weiter als notwendig geschwommen bin.

You are a SWIManiak!

Die letzten hundert Meter, die blaue Badekappe ist weit hinter mir… und ich lege nochmal so richtig zu. Dann sehe ich auch wieder Grund (mit den zahlreichen Sonnenschirmständern, die wohl jemand dort versenkt hat) unter mir und weiß, nun ist es wirklich nicht mehr weit. Noch bevor meine Arme beim Unterwasserzug den Boden berühren, stehe ich auf und wanke die letzten Meter zum Ufer und durch den Zielbogen, wo die Zeitnehmungsmatte liegt und drücke Stopp auf der Uhr. Und ich kann meinen Augen nicht trauen: 0:34:05 handgestoppt! Wirklich? Ich bin absolut perplex und kann es einfach nicht glauben. Die offizielle Zeit ist dann 0:33:59. Wahnsinn! Eine Damen hängt mir die Finisher Medaille um und der Moderator ruft “You are a SWIManiak”! Nach einer kurzen Erfrischung bei der Labestation möchte ich nur einfach so schnell wie möglich aus dem Neo raus.

SWIManiak 1500 Route

SWIManiak 1500 Route

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es so gut gegangen ist. Rein gefühlt habe ich mich ja kaum vom Fleck bewegt, die Bojen sind so langsam näher gekommen. Ich hatte absolut kein Raum- oder Zeitgefühl… und das war irgendwie toll. Eine Erfahrung für sich. Nachdem ich mich dem Neo entledigt hatte, setzte ich mich etwas in den Schatten, um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Dann begebe ich mich zum Buffet, wo man den Gutschein für ein Grillgericht einlösen kann. Nur leider gibt es kein Grillgericht, sondern Cordon Bleu oder eine Beiriedschnitte, jeweils mit Gemüse und Potatoe Wedges. Keine vegetarische Alternative. Also nehme ich das Cordon Bleu, das meine Mutter bekommt, während ich mich ans Gemüse und die Potatoe Wedges halte. Das ist ein wenig schwach, nichts Vegetarisches und auch nichts von Grill. Schade!

Chillen ohne Grillen

Chillen ohne Grillen

Als die Siegerehrung beginnt sind noch immer keine Ergebnisse online, aber bei so vielen guten Schwimmern besteht da ohnehin keine Gefahr, dass ich aufs Treppchen geschwommen bin. Dennoch staune ich nicht schlecht, als mein Name aufgerufen wird… es hat für den 3. Platz in W-Masters auf 1,5km gereicht! Gesamt belegte ich den 17. Platz von 28 Schwimmern über die 1500m — also weit entfernt von letzter! Ein Novum beim SWIManiak dieses Jahr ist die Kärnten Wertung, also eine eigene Wertung für alle Teilnehmer aus Kärnten, wo ich sogar den 2. Platz bei den Frauen über 1,5km und den 6. Gesamt von 12. Kärntnern belegte. Ich war an dieser Stelle einfach sprachlos, denn alleine die Zeit von unter 34 Minuten ist für mich der Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr um diese Zeit noch nicht einmal kraulen konnte. Insofern hatte mein Sturz und die damit verbundenen Folgen auch etwas gutes, denn dadurch war ich gezwungen, mehr Zeit im Wasser zu verbringen und blicke nun den kommenden Triathlonbewerben zuversichtlicher entgegen.

You are a SWIManiak!

You are a SWIManiak!