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5. Gösselsdorfer Duathlon

Geplant und anvisiert war mein Wettkampfcomeback für Ende Mai bzw. Anfang Juni — das war auch so mit dem behandelnden Unfallchirurgen abgesprochen. Geplant war der 5. Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5) allerdings auch für den 30. April 2016, was für meinen Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen zu früh war. Doch wie es der Zufall so wollte, gab es Ende April wenige Tage vor dem Duathlon einen heftigen Wintereinbruch in Südösterreich und es schneite über 35cm in Gösselsdorf und Umgebung, was eine Absage und Verschiebung der Veranstaltung auf den 21. Mai 2016 mit sich brachte. Plötzlich tat sich da eine Möglichkeit auf, das Wettkampfcomeback beim Duathlon zu feiern…

Ich habe lange gehadert, soll ich oder soll ich nicht? Bin ich bereit? Ende März/April habe ich mich noch mit dem Gedanken der Teilnahme am 30. April gespielt, aber dieses Vorhaben recht bald verworfen. Es war einfach zu früh und auch der Arzt hat sein OK erst für Ende Mai gegeben. Die Radstrecke wäre kein Problem gewesen, aber die beiden Laufstrecken bestehen zu 90% aus Schotter- und Waldwegen und ich war mir einfach noch zu unsicher und von der Laufform nicht wettkampftauglich. “Just for fun” irgendwo mitmachen… nein, “fun” wäre das in diesem Fall auch nicht gewesen, dazu ist die Streckenführung zu anspruchsvoll und selektiv.

Wie auch immer, als dann zwei oder drei Tage vor dem 30. April die Verschiebung des Bewerbs verkündet wurde, waren sämtliche Zweifel über Bord geworfen und umgehend die Anmeldung getätigt. Ja, bis 21. Mai geht sich das aus, bis dahin sollte ich einigermassen fit sein. Die Radform machte mir keine Sorgen, aber meine Laufform konnte ich absolut nicht einschätzen. Doch irgendwann muss man das #comebackstronger wagen, wenn man wieder Wettkämpfe bestreiten will. Seit Mitte April wird im Training wieder regelmäßig gekoppelt und das klappt auch von mal zu mal besser. Auch laufe ich bewusst öfters auf Wiesen- und Feldwegen, um wieder die nötige Trittsicherheit zu bekommen. Dennoch waren da Zweifel im Hinterkopf, die unter anderem auch mit einer anderen Geschichte zusammenhängen.

TSH Achterbahn

Seit dem Sturz und der Sportpause habe ich wieder einmal massive Einstellungsprobleme die nicht mehr vorhandene Schilddrüse betreffend. Mitte Februar fühlte ich mich diesbezüglich absolut nicht wohl, denn durch das stark verringerte Sportpensum bin ich — aus welchem Grund auch immer — in eine Unterfunktion gefallen, sodass die Hormondosis erhöht werden musste. Bei der nächsten Kontrolle der Werte Anfang April war dann alles im normalen Bereich, aber mittlerweile konnte ich auch wieder normal Sport machen. Anfang Mai dann plötzlich wieder Unwohlsein in der Form von übertriebener Nervosität, Herzrasen und Schlafstörungen. Mein erster Verdacht war natürlich die Schilddrüseneinstellung, also wieder zum Arzt und Werte machen lassen — und siehe da, nun bin ich in der Überfunktion und nehme zu viel Hormone. Also die Dosis wieder reduzieren und in 6 bis 8 Woche wieder die Werte kontrollieren.

Ich muss ehrlich gestehen, ich bin dieses “Drama” mittlerweile schon etwas leid. Bevor man mir die Schilddrüse entfernte, sagte eine Oberärztin zu mir: “Ohne Schilddrüse ist die Einstellung überhaupt kein Problem.” Jo, eh! Jedenfalls fährt mein TSH (der wichtigste Schilddrüsenwert) seit Jahresanfang Achterbahn und dementsprechend fühle ich mich auch — mal schlapp und energielos, dann wieder aufgedreht und zittrig, was sich natürlich auch in den sportlichen Leistungen niederschlägt. Ich hoffe, diese Situation stabilisiert sich bald wieder.

Vor dem Bike Check-In

Vor dem Bike Check-In

Ich bin daher auch mit durchaus gemischten Gefühlen nach Gösselsdorf gefahren: Genau an diesem Samstag sollte es der erste richtig warme Tag des Jahres mit über 25 Grad werden und mit Hitze komme ich eigentlich nicht so gut zurecht — schon gar nicht, wenn ich in einer Überfunktion bin. Die Parkmöglichkeit befindet sich dieses Jahr etwas weiter von der Wechselzone und dem Wettkampfzentrum bei Tinas Mostschenke entfernt und so geht es mit dem Rad statt zu Fuss zur Startnummernausgabe, ehe ich den Bike Check-In erledige. Leider gibt es kaum schattige Plätze und so stehe ich während der Wettkampfbesprechung in der prallen Sonne. Dann muss auch noch der Start etwas verschoben werden, weil die Feuerwehr, die die Sicherung der Radstrecke übernimmt, zu einem Einsatz musste. Meh. Also noch länger in der Sonne herumlungern und im Grunde will ich nur eines: Endlich losstarten!

Run (5km)

Damenstart der "Age Groupers" (Credit: DG Gösselsdorf

Damenstart der “Age Groupers” (Credit: DG Gösselsdorf)

Leicht verspätet um 14:11 Uhr erfolgt dann endlich der Damenstart der “Age Groupers”. Den ersten Laufabschnitt wollte ich in etwa 5:10 laufen, um mich nicht schon vorm Radfahren komplett abzuschießen. Der Start ist wie immer hektisch, die überschaubare Gruppe der Damen rennt auf Teufel komm raus los und ich ziehe mit. Deshalb war der erste Kilometer auch etwas zu schnell (4:52). Dann finde ich aber bald mein Tempo und es geht mir besser als erwartet: Ich kann die ersten Damen ein- und überholen. Auf der prallen Sonne am Feldweg vor der Wende leide ich etwas, aber als es in den kühleren Wald geht, bessert sich mein Befinden rasch. Dort treffe ich auf zwei Herren, die einige Minuten vor den Damen gestartet sind und das gibt mir einen mentalen Push, den ich auch gut gebrauchen kann, denn nach der Labestation im Wald folgt ein Anstieg, der etwas zach ist. Glücklicherweise ist dieser allerdings nicht sehr lang und nach 25:05 Minuten sind die ersten 5km absolviert.

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Bike (18km)

In der Wechselzone bemerkte beim Schuhwechsel, dass ich etwas zittere. Aber mittlerweile ist die vierte Disziplin schon fast Routine: Helm auf, Laufschuhe aus, Radschuhe an, Startnummer nach hinten, Rad vom Rack und losgeeiert in Richtung Radaufstieg. Nach wenigen hundert Metern folgt auch schon der erste der beiden Anstiege auf der 9km langen Radstrecke, die zweimal absolviert werden muss. Im Vorjahr habe ich die zwei Anstiege der Radstrecke mit “Kette rechts” bewältigt. Das geht dieses Jahr nicht, da ich merke, dass sich die Beine wie Pudding anfühlen. Es fehlt die Kraft, um im Wiegetritt zu fahren, also Kette links und sitzend den Anstieg hoch. Auf den flachen bzw. abfallenden Teilen der Radstrecke gebe ich Vollgas und kann wieder zahlreiche Damen (und auch Herren) einsammeln. Vor dem Ende der ersten Radrunde überhole ich eine Dame, die mich dann nach dem zweiten, kurzen Anstieg unmittelbar vor der Wechselzone wieder überholt.

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich quäle mich sitzend und mit Kette links ein zweites Mal den ersten Anstieg hoch, immer besagte Dame im Auge. Wie gerne wäre ich da mit einem kräftigen Antritt raufgeflogen und hätte sie dort stehengelassen! Ich wusste, dass ich sie auf den abfallenden bzw. flachen Abschnitten wieder überholen kann und setze alles daran, dies auch in die Tat umzusetzen. Mit 67,2km/h donnere ich das 12% Gefälle hinunter und kurz nach der Kreuzung bei Sittersdorf überhole ich sie wieder. Ein zweites Mal lasse ich mich von ihr sicher nicht überholen und trete beherzt in die Pedale. Am Rad fühle ich mich wohl, Temperatur ist angenehm, lediglich der zweite, kurze Anstieg bei der Kirche in Gösselsdorf wenige Meter vor der Wechselzone ist nach wie vor giftig. Dennoch rette ich mit 33:31 Minuten für 18km meine Position in die Wechselzone, was einem Schnitt von 31,5km/h entspricht.

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Run (2,5km)

Als ich vom Rad springe, bemerke ich, dass ich wieder zittere. Mit wackeligen Beinen geht es zum Wechselplatz und da geht dieses Jahr alles ganz schnell, Rad auf Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlonlaufschuhe mit Schnellschnürsystem an, Startnummer nach vorne und ab auf die zweite Laufstrecke. Hier spüre ich die ungewohnt warme Temperatur wieder sehr deutlich, denn am Rad war es wesentlich angenehmer. Die ersten 500m laufen sich gut, aber als dann der Anstieg am Schotterweg kommt, erlebe ich einen Einbruch. Der Kopf wollte, aber die Beine wollten nicht mehr. Umso schmerzhafter ist aber, dass mich genau hier die Dame, mit der ich es mir auf der Radstrecke gegeben habe, wieder überholt. Ich will ihr folgen, aber es geht einfach nicht und ich muss sie ziehen lassen. Der nächste Kilometer sind ein Kampf. Am letzten Kilometer, als es nur mehr bergab geht, kann ich wieder etwas zulegen und erreiche nach 14:12 Minuten das Ziel.

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Erst im Ziel sehe ich die Gesamtzeit auf der Uhr: 1:14:39. Offiziell ist es dann 1:14:36. Damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet, dass ich die Zeit vom Vorjahr von 1:16:43 um fast 2 Minuten unterbiete und obendrein den Sieg in meiner Altersklasse W 35-39 einfahre. Ich bin mit dem ersten Lauf und der Radperformance überaus zufrieden, aber der zweite Lauf mit dem Einbruch schmerzt doch etwas, zumal ich dadurch vom 9. auf den 10. Platz bei den Damen (von insgesamt 28) zurückgefallen bin. Im Ziel gibt es auch wieder ein tolles Kuchenbuffet und ich greife beim Schokokuchen freudig zu.

Zieleinlauf nach 1:14:36

Zieleinlauf nach 1:14:36

Nach Bike Check-Out und der Einlösung des Pasta-Gutscheins heißt es, auf die Siegerehrung warten. Bei den Kärntner Meisterschaften im Duathlon habe ich nur den 4. Platz belegt, denn die ersten drei Plätze gingen an Damen aus dem Elite Starterfeld. Dennoch freue ich mich riesig über meinen allerersten 1. Platz in meiner Altersklasse! Mein sehr erfolgreiches #Comebackstronger!

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Die Geschichte mit der Narbe

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich darüber bloggen soll oder nicht. Es ist eine recht persönliche Angelegenheit, die zwar nicht unmittelbar mit (Lauf-)Sport zu tun hat, aber indirekt doch damit zusammenhängt. Es ist die Rede von meiner Narbe am Hals, das Ergebnis von meiner Begegnung mit (Fast)Krebs und der daraus resultierenden totalen Schilddrüsen-Operation, wo ich den Beschluss fasste, einen Halbmarathon zu laufen und bei einem Triathlon teilzunehmen, sollte ich das Ganze gut überstehen. Wie dem auch sei, die ganze Geschichte lässt mir einfach keine Ruhe und ist bei Weitem noch nicht ausgestanden und abgeschlossen, daher nun die Entscheidung, doch über die Thematik zu schreiben.

I’ve got a scar I can talk about

Meine Schilddrüsen-OP liegt nun über 1,5 Jahre zurück und ich habe eine auffällige Narbe als “Souvenir” davon am Hals. Schon im Vorfeld der Operation war mir bekannt, dass ich zu auffälliger Narbenbildung neige, da man mir vor über 10 Jahren ein Muttermal am Rücken entfernte und sich nach der Nahtentfernung eine rote, wulstige Narbe bildete, die sich aber im Laufe der Jahre mit Hilfe von einer Kortisonspritze und einem Silikon-Narbenpflaster doch in eine bleiche, flache Narbe verwandelte. Selbstverständlich machte ich meinen Chirurgen beim Aufklärungsgespräch vor der OP auf diesen Sachverhalt aufmerksam und er teilte mir mit, dass er die Schnittführung in eine Spannungslinie legen und die Wunde dann mit einer Intrakutannaht verschließen werde, damit ich weiterhin “heiratsfähig” sei. Soweit so gut…

Narbe drei Tage nach der Schilddrüsen-OP

Narbe drei Tage nach der Schilddrüsen-OP

Schon wenige Wochen nach der Operation konsultierte ich meine Hautärztin, da ich eine auffällige Narbe unbedingt verhindern wollte. Die Zeit kurz vor und nach der OP war für mich eine extreme Grenzerfahrung, die mein Leben grundlegend veränderte und da ich die Ereignisse ohnehin nie vergessen werde, möchte ich deswegen nicht jedes Mal daran erinnert werden, wenn ich einen Blick in den Spiegel werfe. Die Hautärztin meines Vertrauens empfahl mir nach Abschluss der Wundheilung zweimal täglich die Narbe leicht zu massieren und danach ein Silikon-Gel (“Dermatix”) aufzutragen. Als im Spätherbst 2012 die Narbe wulstiger wurde, klebte ich zusätzlich nachts ein Silikon-Pflaster drauf. Diese Therapie habe ich seitdem konsequent und ununterbrochen durchgeführt, aber die Narbe wurde nicht blasser oder unauffälliger, nein, ganz im Gegenteil.

Narbe drei Monate nach der Schilddrüsen-OP

Narbe drei Monate nach der Schilddrüsen-OP

Es passiert mir doch öfters, dass ich auf die Narbe angsprochen werde und die Leute dann ganz erstaunt sind, wenn ich sage, oh, die Operation liegt schon über ein Jahr zurück, weil die Narbe eben noch immer recht frisch aussieht. Es würde mich nicht derart stören, wenn es nur das rote, wulstige Aussehen wäre, aber leider schmerzt die Narbe nach wie vor, sodass T-Shirts mit V-Ausschnitt mittlerweile meine besten Freunde sind, da ich keine normalen, “engen” Ausschnitte toleriere. Eine Halskette habe ich schon seit 1,5 Jahren nicht getragen und wenn ich beispielsweise ein normales Fahrradtrikot trage, das ja typischerweise etwas hochgeschlossen ist, dann muss ich drunter ein weiches Buff-Tuch um den Hals wickeln, weil es mich ansonsten würgt.

Apropos würgen: Im Laufe des Tages schwillt mir anscheinend der Hals an, sodass ich bis gegen Mitternacht immer noch ein Würgegefühl entwickle. Es fühlt sich an, als ob jemand von hinten mich mit einem Draht würgen würde — ja, wie aus einem Krimi, so muss man sich das vorstellen. Die Narbe ist dann auch recht prall und gespannt, während sie sich morgens nach dem Aufstehen eindeutig flacher und weicher anfühlt. Offenbar staut sich da im Laufe des Tages Lymphflüssigkeit, da man mir auch die Lymphknoten des zentralen Kompartments entfernt hat.

Narbe 1,5 Jahre nach der Schilddrüsen-OP

Narbe 1,5 Jahre nach der Schilddrüsen-OP

Jedenfalls hat sich die ganze Situation derart entwickelt, dass mich das ganze doch ziemlich stört und wenn es heißt, eine Narbe erreicht nach 12 bis 18 Monaten ihr entgültiges Aussehen, dann bin ich mit dem Endergebnis wirklich alles andere als zufrieden. Ich entschied, die Off-Season für eine Behandlung zu nutzen und wandte mich daher im November abermals an meine Hautärztin. Sie begutachtete die Narbe und meinte, da muss ein Spezialist ran und stellte mir eine Überweisung an die Dermatologie-Ambulanz des Uni-Klinikum Graz aus. Prompt rief ich am nächsten Tag in Graz an und wollte einen Termin vereinbaren, aber man sagte mir, Termine gibt es keine, einfach kommen und eine Wartezeit in Kauf nehmen. Laut Homepage sind die allgemeinen Ambulanzzeiten von 7:45 bis 12:30 Uhr.

Außer Spesen…

Hoffungsvoll machte ich also Anfang Dezember einen Ausflug nach Graz, wobei ich aufgrund des gefrierenden Nebels um ca. 10:30 Uhr losfuhr und mich um kurz nach 11 Uhr bei der Dermatologie-Ambulanz anmeldete. Dann hieß es warten und warten und warten. Das einzig positive an der Warterei war, dass es gratis W-LAN gab. Aber das war es auch schon. In dem Wartebereich saßen ca. fünf andere Patienten, die alle nach mir gekommen waren. Um kurz nach 14 Uhr (!!) wurde ich endlich aufgerufen und ich trat in das Behandlungszimmer, wo mich ein Arzt mit der Frage “Sie wissen aber schon, dass das hier eine *Notfall*-Ambulanz ist?” begrüßte. Ich versuchte zu erklären, dass ich über 2,5 Stunden gewartet habe und meine Hautärztin mich hierher überwiesen hat. Die die Lektüre der Überweisung wurde mit dem Kommentar beendet, dass ich ja nicht nach Graz kommen müsse und dass es in Klagenfurt auch eine Dermatologie-Ambulanz gäbe. Wunderbar. Not.

Danach erklärte der Arzt mir, dass die Ambulanz dafür nicht zuständig ist und als erste Therapieoption müsse die niedergelassene Hautärztin intraläsional Kortison spritzen. Sollte das innerhalb von drei Monaten zu keiner Besserung führen, möge ich einen Termin im OP vereinbaren. Hallo, bitte was? Meine niedergelassene Hautärztin spritzt mir aber kein Kortison, weil sie nicht möchte, dass ich nachher womöglich statt der Narbe ein Loch im Hals habe (überspitzt formuliert) und hat mich daher zu einem Spezialist geschickt. Und was soll ich bitte im OP? Eine hypertrophe Narbe bzw. einen Narbenkeloid chirurgisch zu entfernen und erneut zu vernähen kommt für mich absolut nicht in Frage und wird von Experten auch gar nicht empfohlen, da niemand garantieren kann, dass die Narbe nachher nicht noch größer, wulstiger oder auffälliger ist. Es gibt genügend nicht-chirurgische Behandlungsmethoden!

Den Ausflug nach Graz hätte ich mir also sparen können, denn ich habe nicht nur 2,5 Stunden gewartet sondern auch 15 Euro Ambulanzgebühr, 7 Euro Tiefgarage und die Benzinkosten bezahlt für eine eine Nichtbehandlung! So etwas habe ich noch nie erlebt und ich musste mich sehr beherrschen, um nicht dem Frust an unpassender Stelle Luft zu machen. Am nächsten Tag wandte ich mich wiederum an meine Hautärztin, die meine Schilderung der Vorfälle nur mit einem Kopfschütteln quittierte. Sie verweist viele Patienten nach Graz und es ist ihr unverständlich, warum man mich so behandelt — oder besser gesagt — nicht behandelt hat. Dann stellte sie mir eine Überweisung an die Ambulanz der Plastischen Chirugie des Klinikum Klagenfurt aus, wo ich mir sogleich online am kommenden Mittwoch einen Termin gebucht habe. Mal sehen, was die Herrschaften dort zu meiner Narbe sagen und ob sie mich behandeln oder nicht? Ich gebe jedenfalls nicht auf, denn sowohl optisch als auch funktionell ist die Narbe für mich inaktzeptabel, denn es wird ja wohl irgendwo in Österreich einen Spezialisten für solche Narben geben. (Wenn jemand einen Spezialisten kennt, wäre ich für entsprechende Hinweise äußerst dankbar.)

Vor einem Jahr

… begann ich ernsthaft mit dem Lauftraining. Im Hinterkopf war das Ziel ein Halbmarathon, doch ich machte mir Sorgen, wie wohl mein lädiertes Knie auf Laufumfänge von 10 Kilometer und mehr reagieren würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nie weiter als ca. 6 Kilometer mit einer Durchschnittpace um 7:00 “gelaufen” und dabei machte mir das Knie keine Probleme. Doch wie würde es sich verhalten, wenn sowohl die Umfänge als auch das Tempo gesteigert werden? Von medizinischer Seite hieß es nur “langsam steigern” und auf das Knie hören — wenns weh tut, dann war die Belastung zu groß. Halbmarathon mit hochgradigen Knorpelschaden hinter der Kniescheibe, ist das sinnvoll oder klug? Only one way to find out…

Es war mir aber von Anfang an bewußt, dass spezifisches Krafttraining zum Muskelaufbau und Koordinations- bzw. Stabilisationstraining rund um das Knie das A und O sein würde; dazu schrieb ich mich im Jänner 2013 in einem Fitnessstudio ein, um unter fachmännischer Anleitung gezielt zu trainieren. Basierend auf den Empfehlungen meiner Physiotherapeutin stellte ich mit dem Trainer des Studios einen Krafttrainingsplan zusammen, denn Übungen wie “Beinstrecken” oder tiefe Kniebeugen sind für mein Knie ungeeignet. Nach wie vor gehe ich zweimal die Woche zum Krafttraining und bin glücklicherweise schmerzfrei, was mein Knie betrifft.

Apropos Fitnesscenter, dort traf ich vergangenen Freitag eine junge Frau in meinem Alter, die mich auf meine Narbe am Hals ansprach und sagte, dass sie ebenfalls keine Schilddrüse mehr hat. Wir kamen ins Gespräch und tauschten unsere Erfahrungen mit der Operation und dem Leben ohne Schilddrüse aus. Dabei stellte sich heraus, dass die Dame leider nicht so viel Glück hatte wie ich und es bei ihr bösartig war. Sie erzählte von der Radiojod-Therapie und ihren bis dato insgesamt drei Aufenthalten im “Strahlenbunker” und es wurde mir abermals schlagartig bewußt, wie glücklich ich mich schätzen darf, dass mir das erspart geblieben ist. Ich bin ehrlich gesagt dankbar für jeden Tag, an dem ich mehr oder weniger gesund aufwache!

Die junge Frau stimmte mir zu, dass einem so ein Erlebnis verändert und man eine völlig andere Sichtweise und Lebensanschauung gewinnt: Man stellt sich zwangläufig die Frage, was einem wichtig ist und was man im Leben erreichen möchte. Man lernt, seine eigene Gesundheit als wertvollsten Besitz zu schätzen. Und man macht Dinge, die man immer schon machen wollte, aber aus welchen Gründen auch immer aufschob. Keine Zeitverschwendung mehr, denn man weiß nie, wie die Zukunft aussieht: “Carpe Diem!”

Wenn ich einmal einen kleinen Anflug von Motivationslosigkeit habe, dann erinnere ich mich an den Mai 2012 und halte mir vor Augen, dass mein Leben ganz anders aussehen könnte — womöglich so wie dieses jener jungen Frau aus dem Fitnessstudio. An Schilddrüsenkrebs stirbt man nicht, aber man muss in der Ungewissheit eines Rückfalls leben — denn diese Form von Krebs kann auch nach 20 oder 30 Jahren wieder auftreten. De-facto gilt man nie als “geheilt” und das restliche Leben ist von Kontrollterminen und Nachuntersuchungen geprägt. Ja, ich bin wirklich sehr glücklich davon gekommen und freue mich über jeden Tag, an dem ich Sport machen darf und kann, denn das ist nicht etwas selbstverständliches!

Die Ruhe vor dem Sturm

Am kommenden Sonntag ist “Race Day” und ich sehe dem ganzen eigentlich gelassen entgegen. Ja, es ist das Ereignis, der Wettbewerb, auf den ich seit fast einem Jahr hintrainiert habe, aber mittlerweile war ich schon bei zahlreichen Laufveranstaltungen und auch beim “Trainingshalbmarathon” im Juli lief es sehr gut, sodass ich ein gutes Gefühl habe.

Diese Woche habe ich — gleich wie vor dem Ossiachersee Halbmarathon — mein Training etwas reduziert und mache nur leichte bzw. kürzere Einheiten. Sicherlich wäre eine Sub-2h ein Traum, aber wenn es nicht klappen sollte, dann peile ich dieses Ziel eben beim nächsten Halbmarathon an. Die Strecke ist mehr oder weniger flach, doch es gibt zwei Variablen, die am Sonntag hinderlich sein könnten. Erstens wäre da das Wetter, denn es soll abermals sehr heiß werden mit Temperaturen um und über 30°C. Der Start wurde deswegen dieses Jahr extra eine Stunde vorverlegt, damit man der Hitze etwas entkommt. Das ist aber der zweite Faktor, der sich negativ auf meine Leistung auswirken könnte, denn ein so früher Start bedeutet, dass ich für 5 Uhr morgens den Wecker stellen muss. Ich stehe so gut wie gar nicht um eine solche Zeit auf, aber es ist die einzige Möglichkeit, außer ich nehme mir ein Zimmer für eine Nacht in Klagenfurt.

Aber warum um 5 Uhr aufstehen, wenn die Transfers erst ab ca. 7 Uhr von Klagenfurt nach Velden starten und ich ca. 40 Minuten mit dem Auto nach Klagenfurt brauche? Das “verdanke” ich wohl der Tatsache, dass ich keine Schilddrüse mehr habe und mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück Thyrex nehmen muss. Ich habe mir überlegt, an diesem Tag eventuell keine Schilddrüsenhormone einzunehmen, denn dann könnte ich eine Stunde länger schlafen, aber wer weiß, wie ich mich dann beim Laufen fühle, so ohne frischen Hormonnachschub? Das möchte ich nicht riskieren, also lieber um 5 Uhr aufstehen, Tablette einwerfen, in aller Ruhe noch die letzten Vorbereitungen treffen, frühstücken und um 6:15 Uhr in Richtung Klagenfurt aufbrechen.

Jedenfalls freue ich mich auf den Wörthersee Halbmarathon am Sonntag und mache mir keinen Stress, was die Zielzeit anbelangt. Aus einem Gespräch mit einem Lauftrainer im Fitnessstudio ging hervor, dass die Tagesform am Race Day von so vielen Faktoren (wie Wetter, Schlafqualität, Tageszeit, etc.) abhängig ist und wirklich fast alles perfekt sein muss, damit sich eine neue persönliche Bestzeit ausgeht. Ich will entspannt, glücklich und gesund ins Ziel kommen und das Rennen einfach genießen.

Sport ohne Schilddrüse

Die Schilddrüse nimmt eine zentrale Stellung im Stoffwechsel ein und hat bedeutenden Einfluß auf den Energiestoffwechsel, den Grundumsatz und somit auch die (sportliche) Leistungsfähigkeit. Wenn man keine Schilddrüse mehr hat (sowie ich), dann muss man lebenslänglich täglich eine halbe Stunde vor dem Frühstück eine Tablette mit dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin (T4) nehmen und man kann ein ganz normales Leben führen — zumindest theoretisch.

“Thyrex” (Markenname meines L-Thyroxin) habe ich ohnehin seit 1999 genommen — angefangen mit 25 Mikrogramm und das hat sich im Laufe der Jahre bis auf 75 Mikrogramm gesteigert — und daher hatte ich mich schon längst mit dem Gedanken angefreundet, bis zum Lebensende Thyrex nehmen zu müssen. Die Hormoneinstellung ist im Grunde ganz einfach: Man bestimmt den TSH-Wert und wenn dieser zu hoch (als Richtwert gilt über 2,5 bis 3,0) ist, dann nimmt man einfach mehr Thyrex. Ist er zu niedrig (unter 0,1) oder gar nicht mehr messbar, muss die Dosis reduziert werden. Der TSH-Wert gibt im Grunde der Schilddrüse den Befehl, mehr oder weniger Hormone zu produzieren.

Mit Schilddrüse war mein TSH meist zwischen 1,5 und 2,5 und ich fühlte mich mit diesem Wert wohl. Steigt der Wert über 2,5 bis 3,0 an, fällt man in eine Unterfunktion und das hat negative Auswirkungen: Müdigkeit, Kältegefühl und depressive Verstimmungen sind bei mir die Hauptsymptome. In einem solchen Zustand ist die sportliche Leistungsfähigkeit bzw. die Motivation, überhaupt Sport zu betreiben gering. Wenn man sich auch zum Radfahren oder Laufen durchringt, sind die Beine schwer und man ermüdet sehr schnell. Wenn ich also einen so richtigen Durchhänger beim Sport beobachtete, der länger als ein paar Tage anhielt, bin ich dann zum Arzt und habe mir — unabhängig von den zwei Routine-TSH-Kontrollen pro Jahr — die Schilddrüsenwerte bestimmen lassen, was immer in einer Dosiserhöhung von Thyrex endete.

Ohne Schilddrüse ist das ganze wesentlich komplizierter, zumindest habe ich subjektiv den Eindruck, obwohl mir damals vor der Operation eine Oberärztin von der Nuklearmedizin versicherte, dass die Hormoneinstellung ohne Schilddrüse viel einfacher sei. Aber wie sagte schon Dr. House: Everybody lies! Ich lebe nun über ein Jahr ohne Schilddrüse und meine Hormoneinstellung ist noch immer nicht abgeschlossen und in den vergangenen 13 Monaten hatte ich TSH-Werte zwischen 20 und 0,08 — von extremer Unterfunktion eine Woche nach der Operation bis hin zu einer künstlichen Überfunktion, weil ich mehr Thyrex eingenommen habe, als mein Körper benötigt. Die Unterfunktion ist sehr unangenehm, aber mit einer künstlichen Überfunktion kann man wirklich Bäume ausreißen! Man ist nie müde, hat Energie, kann es beim Sport so richtig krachen lassen… ideal für Sportler eigentlich, ganz legales “Doping”, das viel besser als Koffein wirkt. Aber leider ist dieser Zustand ungesund und kann gefährliche Folgen wie Herzrhythmusstörungen oder Osteoporose haben.

Hierbei sei auch angemerkt, dass L-Thyroxin eine Halbwertszeit von ca. 8 Tagen hat und sich eine Dosisänderung erst nach ca. 6 bis 8 Wochen im TSH-Wert widerspiegelt. Die gute Nachricht ist, dass man ohne die Einnahme von L-Thyroxin ca. 6 bis 8 Wochen überlebt, sollte es einen Engpass geben. Die schlechte Nachricht ist, dass sich etwaige Überfunktions- bzw. Unterfunktionssymptome nur langsam bessern und man nach einer Dosisänderung erst nach ca. 2 Monaten wieder zur Blutabnahme bzw. TSH-Kontrolle gehen kann.

Thyrex für alle Lebenslagen!

Thyrex für alle Lebenslagen!

Von Mai 2012 bis September 2012 hat man mich effektiv auf 112 Mikrogramm eingestellt; da es Thyrex nur in 25er Schritten gibt, nimmt man einfach einen Tag 100 Mikrogramm und einen Tag 125 Mikrogramm — aufgrund der langen Halbwertszeit ist das kein Problem. Ende September 2012 fing ich mit dem gezielten Lauftraining an und bemerkte, dass ich oft sehr müde war und es nicht so richtig “lief”, d.h. schwere Beine und geringe Ausdauer; manchmal war bereits nach 1 bis 2 Kilometer “die Luft heraussen” und ich schleppte mich über die restliche Distanz irgendwie nach Hause. Zuerst dachte ich, ok, das ist das ungewohnte Training, da muss ich mich erst daran gewöhnen, aber es wurde irgendwie nicht besser. Da läuteten die Alarmglocken und ich ging dann im Dezember zur Blutabnahme. Das Ergebnis überraschte mich nicht, TSH zu hoch, also Unterfunktion, Steigerung der Dosis auf 125 Mikrogramm täglich und die nächste Kontrolle in 8 Wochen.

Mit 125 Mikrogramm lief es sich dann im Jänner 2013 wieder besser, doch abermals änderten sich meine Trainingsgewohnheiten, denn ich schloss ein Jahresabo im Fitnessstudio ab und zum normalen Ausdauertraining kamen nun noch zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche. Bei meiner nächsten TSH-Kontrolle im März 2013 erlebte ich eine Überraschung, denn obwohl ich mich nicht schlecht oder müde fühlte, war mein TSH höher als im Dezember 2012, und dass trotz Dosissteigerung. Auf mein Gefühl kann ich mich also jetzt ohne Schilddrüse nicht mehr verlassen; der Wert war höher, aber ich fühlte mich besser als im Dezember. Jedenfalls bedeutete das eine Dosiserhöhung auf 150 Mikrogramm und abermals eine weitere TSH-Kontrolle in 8 Wochen. *seufz*

Es dauerte ein paar Wochen, bis ich die Wirkung von 150 Mikrogramm bemerkte: Anfang April stellte ich fest, dass mein (Ruhe-)Puls höher als gewohnt war, aber dachte mir nichts dabei, denn vielleicht hatte ich nur zu viel und hart trainiert und war im leichten Übertraining? Das Gefühl war eigentlich nicht unangehmen, man fühlt sich wie nach 4 Dosen Red Bull und ist nie müde. Aber irgendwie vermutete ich doch, dass 150 Mikrogramm etwas zu viel des Guten sind und dieser Verdacht bestätigte sich bei der Kontrolle im Mai: TSH 0,08! Mit so einem niedrigen Wert hätte ich nicht gerechnet, aber es war “interessant” zu erleben, wie es sich anfühlen würde, wenn ich Schilddrüsenkrebs gehabt hätte: In dem Fall wird nämlich der TSH bewusst supprimiert (also unter 0,1 gehalten), damit etwaige im Körper verbliebene Schilddrüsenzellen (die auch bösartig sein könnten) keinerlei Anreiz haben, zu wachsen.

Nachdem 150 Mikrogramm zu viel waren, nehme ich aktuell wieder 125 Mikrogramm und darf Mitte Juli zur nächsten TSH-Kontrolle. Soweit bemerke ich nichts negatives, also keine übertriebene Müdigkeit oder dergleichen, aber das Gefühl, dauernd 4 Dosen Red Bull intus zu haben, hat sich mittlerweile gelegt. Bin schon neugierig, wie dann der Wert im Juli aussieht…

(Fast)Krebs

Es lief trainingsmäßig soweit alles gut im Frühjahr 2012, wäre da nicht der 19. April gewesen und mein Termin auf der Nuklearmedizin im Klinikum Klagenfurt. Schilddrüsenprobleme waren mir ja nicht fremd; seit ca. 1999 hatte ich eine Unterfunktion, nahm deswegen jeden morgen eine halbe Stunde vor dem Frühstück brav meine Schilddrüsentablette (Thyrex) und ging zweimal pro Jahr zur Blutabnahme zum Hausarzt, um die Hormoneinstellung zu kontrollieren. Ich wußte, dass ich ein paar Knoten auf der Schilddrüse hatte, aber da ich weder Beschwerden noch außergewöhnliche Blutwerte hatte, machte ich mir darüber keine Gedanken.

Der Termin auf der Nuklear war also ein reiner Kontrolltermin mit dem vollen Programm: Blutabnahme, Ultraschall, Szintigraphie. Aber schon nach dem Ultraschall sagte man mir, dass einer meiner Knoten sehr verdächtig ausssieht und dass man mir eine komplette Schilddrüsenentfernung nachdrücklich empfiehlt. Damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet und dann ging alles sehr schnell. Am gleichen Tag bekam ich noch einen Termin auf der Chirurgie zur Vorbesprechung und von diesem Zeitpunkt an wurde mit der Verdachtsdiagnose “Papilläres Schilddrüsenkarzinom” behandelt.

Mein OP-Termin war am 8. Mai und in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai lag ich mehr oder weniger die ganze Nacht wach in meinem Zimmer im Klinikum und dachte mir, wenn ich die Operation überlebe und wenn es nicht Krebs ist, dann gibt es keine Ausreden mehr: Ich werde einen (Halb-)Marathon laufen und einen Triathlon finishen. “Life is too short to wake up with regrets…

Nun, ich habe die Operation gut überstanden, aber musste noch bis 16. Mai zittern und in Ungewissheit leben, ob es nun Krebs ist oder nicht. Es war für meine Verfassung auch nicht wirklich förderlich, dass in den Entlassungspapieren vom Klinikum “Bösartige Neubildung der Schilddrüse” stand, obwohl das Ergebnis der Histologie bei meiner Entlassung am 10. Mai noch ausständig war. Die Woche bis 16. Mai war ohne zu übertreiben die schlimmste meines Lebens, zumal die Aussichten, wenn es Krebs ist, nicht sonderlich gut waren: In 4 bis 5 Wochen nach der Operation muss man dann zur Radiojjodtherapie, wo man eine Kapsel mit hochradioaktiven Jod schluckt und dann eine Woche “Einzelhaft” im “Strahlenbunker” der Nuklearmedizin verbringt. Es stimmt zwar, dass das papilläre Schilddrüsenkarzinom eine Heilungsrate von über 90% aufweist, aber auch nach über 20 Jahren wieder auftreten kann. Lebenslange (aufwändige) Kontrollen und auch Ungewissheit sind also die Folge.

Die besten Nachricht meines Lebens (ich weiß, das klingt so kitschig, aber es ist leider wahr in diesem Fall) erhielt ich dann vom feschen Assistenzarzt am 16. Mai: nicht bösartig! Mit dem Nachsatz aber, dass es ziemlich sicher bösartig geworden wäre, wenn man es nicht rechtzeitig entfernt hätte. Es ist komisch, ich erinnere mich noch genau, dass auf dem Heimweg im Autoradio “An Tagen wie diesen” von den Toten Hosen lief… Ja, an Tagen wie diesen wünscht man sich wirklich Unendlichkeit.

Natürlich hätte ich gerne sofort mit Sport bzw. dem Training für einen (Halb-)Marathon in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft losgelegt, aber wegen der Operation hatte ich ganze 6 Woche Sportverbot! Das war zwar nicht fein, aber hey, kein Krebs! Also ging ich spazieren, weil das war erlaubt und besser als gar keine Bewegung ist es allemal. Mitte Juni begann ich dann langsam wieder Rennrad zu fahren, aber das war nicht sehr angenehm, weil durch die Kopfhaltung am Rennrad die Narbe am Hals schmerzte. Es war auch beim Nordic Walking nicht wesentlich besser, da verspannte sich mein ganzer Hals und Rücken. Zugegeben, der Schnitt bzw. die Narbe ist auch an einer heiklen Stelle, doch irgendwie musste ich ja wieder fit werden, zumal am 7. Juli mein erster Wettbewerb — der 1. Jufa Lauf und Walk in Bleiburg — auf dem Plan stand. Keine Ausreden mehr!