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Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2016

Sonntag, 21. August 2016, morgens kurz vor 9 Uhr in Velden und ich stehe abermals im Startblock für den Wörthersee Halbmarathon im Rahmen von Kärnten Läuft. Bereits zum vierten Mal in Folge — ja diese Veranstaltung hat Tradition. Zehn Monate nach meinem letzten Halbmarathon in Graz, acht Monate nach meinem Sturz. Lange habe ich daran gezweifelt, überhaupt wieder schmerzfrei laufen zu können, von einem Halbmarathon ganz zu schweigen. Aber da stehe ich nun im 1:50er Startblock und so findet die Verletzungsgeschichte nun hoffentlich endlich ihren Abschluß, indem ich in weniger als zwei Stunden über die Ziellinie in Klagenfurt laufe.

“Richtig” trainiert habe ich für den Halbmarathon nicht, denn dieses Jahr lag der Fokus eben verletzungsbedingt auf Triathlon, denn Schwimmen und Radfahren war viel früher wieder möglich als Laufen. Konkret bestand das Training aus ein paar längeren (ca. 16km) Läufen in den Wochen nach dem Gösselsdorfer Triathlon im Juli. Gerade bei den längeren Läufen merkte ich meine linke Hüfte/Oberschenkel doch noch deutlich und daher wollte ich es gemütlich angehen und einfach gesund und wenn möglich ohne Schmerzen ins Ziel kommen.

Wettertechnisch hatte ich mich auf ein Regenrennen a la Graz Marathon 2015 eingestellt, prognostizierten die Wetterfrösche doch gedämpfte Temperaturen um 16 Grad und teilweise Starkregen für Sonntag Vormittag — also bis auf den Starkregen genau mein Lieblingslaufwetter! Während es in der Nacht und auch noch morgens leicht bis mäßig regnete, wurde es bereits auf dem Weg nach Klagenfurt immer trockener und freundlicher und als ich schließlich in Velden zur Kleiderbeutel-Abgabe spazierte, lachte die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Also doch noch Sonnenschutz auftragen, bevor es zum Start geht.

Ich stelle mich in den 1:50er Startblock, um es wie geplant gemütlich anzugehen. (Leider gab es dieses Jahr keinen 1:45er Pacemaker, sondern nur 1:40 und eben 1:50.) Es hat gefühlt 30 Grad, die Sonne brennt vom Himmel und außerdem ist es viel zu früh. Während ich warte, dass sich die Menschenmenge um mich in Bewegung setzt, muss ich ein paar Mal gähnen und mit einem Anflug von Müdigkeit kämpfen. Mit 3 Stunden Schlaf bin ich halt nicht ausgeschlafen. Der erste Startschuss fällt um 9 Uhr, doch dauert es ganze 12 Minuten, bis ich endlich die Startlinie überquere.

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Die Strecke ist mir ja aus den Vorjahren hinreichend bekannt; durch Velden vorbei am Casino, wo wieder der Männergesangsverein Kärntner Lieder zum Besten gibt. Die regennasse Straße wird nun von der Sonne aufgetrocknet und es dampft wunderbar herrlich vom Asphalt. Innerlich verfluche ich den Wetterbericht — von wegen Starkregen!? Oh das könnte eine zache Partie werden, aber nach dem ersten Kilometer habe ich meinen Rhythmus gefunden und es geht überraschend locker dahin, obwohl es feucht-schwül ist. Bis Kilometer 5 etwa begleitet mich die Sonne, doch dann versteckt sie sich hinter den aufziehenden Wolken, was sich aber kaum auf die gefühlte Temperatur auswirkt.

Beim kleinen Anstieg bei Techelsberg stelle ich fest, dass ich ca. 200m hinter dem 1:50er Pacemaker bin, obwohl im hinteren Drittel des Startblocks losgelaufen bin. Auch ein Blick auf meine Uhr bestätigt, dass ich schneller als der Pacemaker unterwegs bin. Ich habe mir vorgenommen, mein “Ding” zu laufen und beispielsweise nicht zwanghaft zu versuchen, mich bei einem Pacemaker anzuhängen. Doch es läuft gut, ich überhole permanent LäuferInnen und mein Abstand zum Herrn mit der blauen Fahne wird langsam, aber ständig kleiner. Wir erreichen Pörtschach und somit den engsten Abschnitt der Strecke. Die Stimmung beim Promenadenbad ist gut, ein DJ legt auf und der Moderator sorgt für unterhaltsame Kommentar. Den nun mehr wenige Meter vor mir laufenden Pacemaker kommentiert er mit, “1:50? Was tuts ihr denn schon da?”

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links...

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links…

Kurz nach der 10,5km Marke laufe ich dem Pacemaker und der Traube, die sich um ihn gebildet hat, auf. Es ist sehr eng und ich kann die Gruppe erst überholen, als es zurück auf die Hauptstraße geht. Dadurch lasse ich wohl einige Sekunden liegen und wie es sich im nachhinein herausstellte, war Kilometer 11 auch der langsamste. Ich bin doch ein gutes Stück hinter dem Pacemaker gestartet und nun hab ich ihn überholt. Wenn ich diesen Vorsprung ins Ziel halten kann, dann wird es eine Sub-1:50er Zeit. Der Streckenabschnitt von Pörtschach nach Krumpendorf ist wie jedes Jahr recht trostlos, daher konzentriere ich mich voll und ganz aufs Laufen. Ja, man könnte meinen, es hat sich nun ein “Flow” eingestellt.

Es ist zwar bewölkt, aber dennoch recht schwül. Vor Krumpendorf bemerke ich, dass mir die Fusssohlen brennen. Weiters ist die Bundesstraße in der langgezogenen Linkskurve beim Biomasseheizwerk stark geneigt, was sich negativ in meiner linken Hüfte bemerkbar macht. Das ist mir in den Vorjahren nie so aufgefallen, aber diesmal spüre ich, dass ich mit dem linken Bein deutlich “tiefer” auftrete als mit dem rechten. Ich bin erleichert, als ich Krumpendorf erreiche und somit wieder “eben” laufen kann. Nun sind 16 Kilometer gelaufen und ich liege sehr gut in der Zeit. Aber erfahrungsgemäß können es diese letzten 5 Kilometer in sich haben.

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Ich muss gestehen, die Pamperlallee und ich, wir werden keine Freunde mehr: Diese elendslange Gerade bereit mir einfach keinen Spaß. Doch dieses Jahr empfinde ich sie als nicht so schlimm und es läuft sich nach wie vor verhältnismäßig locker, wenn man von den brennenden Fusssohlen absieht. Kilometer 18, Kilometer 19… die Strecke ist mir mehr als bekannt, ich weiß, es ist wirklich nicht mehr weit. Auf den letzten beiden Kilometern muss ich etwas kämpfen und beißen, doch ich kann die Pace halten. Als ich bei der Lido Villa Richtung Ziel abbiege, ist die Stimmung überwältigend. Ich genieße die letzten paar hundert Meter, sauge die Atmosphäre auf und überquere nach 1:48:31 die Ziellinie. In diesem Moment fällt mir die Last ab; all die Ungewissheit und Zweifel sind nun weg. Ich kann wieder Halbmarathon laufen!

Nach einer Massage geht es wie immer ins Strandbad, wo ich einen kurzen Sprung in den Wörthersee wage. In der Zwischenzeit sind die Wolken dichter geworden und als ich das Strandbad verlasse, fängt es auch tatsächlich an zu regnen. D’Oh! Das offizielle Ergebnis ist Platz 1006 (von 2648), Platz 89 (von 688) bei den Frauen und der 10. Platz (von 90) in meiner Altersklasse W-35. Angesichts dieser Resultate bin ich hochzufrieden, da es wirklich besser als erwartet gelaufen ist!

#comebackstronger

Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und die Folgen meines Sturzes soweit ausgeheilt. Am 23. Februar 2016 erhielt ich vom Unfallchirurgen die uneingeschränkte Sportfreigabe — während mir Radfahren auf der Rolle und Kraulschwimmen ohne Beineinsatz bereits seit Ende Jänner wieder erlaubt war, darf ich nun wieder laufen.

Gleich am selben Tag noch ging es für 30 Minuten aufs Laufband, was sowohl befreiend als auch ernüchternd war: Befreiend, weil es sich so gut anfühlte, wieder zu laufen und ernüchternd, weil sich die Beine “seltsam” anfühlten und es nach dieser halben Stunde an zahlreichen Stellen zwickte. Es lief sich nicht rund, aber das war auch nicht zu erwarten. Der erste Schritt des Projektes #comebackstronger war aber bewältigt. Konditionell waren die 30 Minuten am Laufband kein Problem und ich hätte locker noch länger laufen können. Der Bewegungsapparat war da aber anderer Meinung und teilte mir das durch etliche Beschwerden auch deutlich mit, dass ich mich an das Laufen erst wieder gewöhnen muss.

Back on the road

Die ersten zwei Wochen des Wiedereinstiegs in das Laufen waren ehrlich gesagt frustrierend. Einerseits hatte ich die unbegründete Angst, der alte Schmerz im Knochen könnte plötzlich wieder auftreten. Andererseits ist schmerzfrei etwas anderes: einmal zieht es in den Waden, dann zwickt es in den Oberschenkeln und die Adduktoren bereiten sowohl während des Laufs als auch danach Probleme. Spass ist etwas anderes. Es ist sehr mühsam, denn meine alte Pace ist weg und ich schnecke gefühlt durch die Gegend, während mein Puls viel zu hoch ist. Dabei ist es nicht so, dass mir die Luft ausgeht, nein, die Beine wollen einfach nicht so richtig. Ein paar Stunden nach dem Lauf meldet sich dann der Muskelkater an den unmöglichsten Stellen.

Nach drei Wochen ging es dann merklich aufwärts. Das Laufen fühlt sich “runder” an, die Pace wird besser, der Puls sinkt leicht. Ich erhöhe von drei auf vier Laufeinheiten pro Woche und steigere den Umfang. In mir keimt die Hoffnung auf, dass es mit dem Duathlon Ende April doch noch etwas werden könnte, denn die Wehwehchen in Waden, Oberschenkeln und Adduktoren haben sich mittlerweile gebessert bzw. sind verschwunden und der Muskelkater hat sich auch wieder gelegt.

Overreaching

Am Osterwochenende, genauer gesagt am Karsamstag will ich es wissen und mache einen Tempodauerlauf über 11,6km (115hm) in 5:35min/km. Es fühlte sich eigentlich gar nicht so anstrengend an und ich hatte beim Laufen ein durchwegs gutes, positives Gefühl, aber mein Puls ist nach wie vor erhöht bzw. höher als er bei dieser Geschwindigkeit vor dem Unfall war. Am späteren Abend werde ich ohne Grund plötzlich unruhig und nervös. In der Nacht kann ich dann nicht schlafen. Ich schiebe es auf die Umstellung auf die Sommerzeit, da ich ja eigentlich eine Stunde früher zu Bett ging und vielleicht deshalb Einschlafprobleme hatte. Am Ostersonntag setze ich mit einer Radeinheit über 46km noch eines drauf, denn wenn ich am Duathlon Ende April teilnehmen möchte, dann sollte ich schon halbwegs fit sein… und manövriere mich — wie ich glaube — in ein leichtes Übertraining (Overreaching).

Als es mit der Unruhe, Nervosität und den Schlafstörungen in der Woche nach Ostern nicht besser wird, verordne ich mir selbst zwei Ruhetage und eine Regenerationswoche. Ich wollte wahrscheinlich zu schnell zu viel — eben im Hinblick auf eine mögliche Duathlon-Teilnahme. Die sieben Wochen Laufpause haben ihre Spuren hinterlassen und obwohl ich durch Crosstraining meine Ausdauer einigermaßen erhalten konnte, litt die Grundschnelligkeit im Laufen stark darunter.

Nach der Regenerationswoche haben sich die Symptome des leichten Übertrainings glücklicherweise gelegt und ich habe — wenn auch schweren Herzens — den Entschluss gefasst, beim Duathlon nicht an den Start zu gehen. Meine Laufform ist einfach nicht so, wie sie sein sollte, um guten Gewissens bei einem Wettkampf anzutreten. Ich wäre über meine eigene Leistung wahrscheinlich enttäuscht und bei Laufdistanzen von 5km bzw. 2,5km, wie es eben beim Duathlon der Fall ist, gibt es nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Und Vollgas ist aktuell das Problem.

#comebackstronger

Mein Comeback zum Wettkampfgeschehen wird aller Voraussicht nach — wie auch ursprünglich geplant — im Juni stattfinden. Bezüglich des “Wann?” und “Wo?” gibt es schon einige Pläne, aber noch nichts fixes. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass mein #comebackstronger bei einem Triathlon stattfinden wird. Schwimmtechnisch konnte ich seit Oktober 2015 deutliche Fortschritte verbuchen und es wäre schade, die über Winter entwickelte Schwimmform nicht zu nutzen, zumal ich nun auch — ganz wie ein echter Triathlet — einen Neoprenanzug mein Eigen nennen darf…

Orca 3.8 Wetsuit

Orca 3.8 Wetsuit

 

22. Graz Marathon 2015

Den Saisonabschluss 2015 bildete der Halbmarathon im Rahmen des 22. Graz Marathons, der am Sonntag, den 11. Oktober, stattfand. Weil ich mit Graz aus dem Vorjahr noch eine Rechnung offen hatte, melde ich mich bereits im April für den Halbmarathon an, denn bei hoffentlich kühleren Temperaturen und ohne Krämpfe sollte es dieses Jahr in Graz besser laufen.

Die Startunterlagen holte ich ich wie gewohnt bereits am Freitag ab. Diesmal musste ich mich allerdings mitten in die Altstadt von Graz begeben, um bei Giga Sport meine Startnummer und das Startsackerl zu erhalten. Im Zelt im Innenhof erhielt man die Startnummer plus eine Checkliste, wo man Startsackerl und Erinnerungsfoto bekommt. Dabei werden die LäuferInnen strategisch in den ersten Stock und natürlich durch die gesamte Laufsportabteilung des Sportgeschäftes gelotzt. Der Andrang bei allen “Stationen” der Checkliste ist eher gering und binnen weniger Minuten habe ich alles eingesammelt. Auf den angebotenen Muskelfunktionstest verzichte ich dankend, aber zum Erinnerungsfoto lasse ich mich überreden. Der Inhalt des Startsackerls ist eher bescheiden (eine Flasche Wasser, ein Molkegetränk, ein Glas Sugo und ein Müsliriegel) und dieses Jahr gab es nicht einmal mehr ein T-Shirt. Das ist schade, denn beispielsweise bei Kärnten Läuft bekommt man fürs gleiche Geld wesentlich mehr geboten, Funktions-T-Shirt inklusive.

My very first mugshot

My very first mugshot

Die Wettervorhersage für Sonntag versprach strömenden Dauerregen und Temperaturen um die 10°C — einen stärkeren Kontrast zum Vorjahr (Sonne, 23°C) hätte man sich nicht vorstellen können. Insgeheim hoffte ich, dass es nicht allzu intensiv regnen würde, aber im Grunde ist es egal, nass wird man so oder so und Regen mit kühleren Temperaturen ist mir bei Wettkämpfen mittlerweile lieber als “Hitze” über 20°C. Wie schon erwähnt ist das Ziel, einfach einen flotten TDL durch Graz zu laufen und dabei Spaß zu haben, da es trainingsmässig in den letzten Wochen nicht so ideal lief. Keine Intervalle, ein paar TDLs und zwei lange Läufe seit Kärnten Läuft standen zu Buche — für ein Finish zwischen 1:50 und 1:52 reicht das, sofern ich mir durch die Nässe keine Blase reibe. Kurzum “End the season on a high note” mit einem schönen Halbmarathon.

Tourist in Graz

Tourist in Graz

Tatsächlich stimmte die Wettervorhersage und es sollte somit mein erster Halbmarathon bei Dauerregen verschiedener Intensitäten und kühlen 10°C werden. Tagwache um 5:30 Uhr, Thyrex einwerfen, 30 Minuten warten, dann Frühstück und Abreise in Richtung Graz. Bekleidungstechnisch stellte sich die Frage, was zieht man bei einem Wettkampf mit solchen Bedingungen an? Ich vertraute dabei auf Skinfit und wählte Tri Bra Top, Klima Langarm-Unterhemd, Vento Weste und die 3/4 Tri Short. Im Grunde wäre die normale kurze Tri Short die erste Wahl, aber mein kaputtes Knie ist etwas kälteempfindlich. Abgerundet wurde das Outfit mit dem Tour de France Polka Dot Buff für den Kopf, der “Lance Armstrong” Oakley M-Frame Brille, den X-Socks Run Speed 2.0 und meinen bewährten Brooks Pure Flow 2. (Wie es sich herausstellte, war die Kleidungswahl optimal und mir war nie zu heiß oder zu kalt und ich fühlte mich nie durchnässt, obwohl ich im Grund klatschnass war.)

Startbereich Graz Marathon

Startbereich Graz Marathon

Die Anreise, Parkplatzsuche und der Weg zum Shuttle-Bus verliefen sehr entspannt. Um etwa halb 10 war ich im Startbereich vor der Oper angekommen und “ready to go”. Damit ich beim Warten im Startblock nicht auskühle, zog ich mir einen am Vortag entsprechend präparierten Müllsack über, den ich kurz vorm Start in den bereitgestellten Müllcontainern entsorgte. Während ich also so im vorderen Bereich von Startblock 2 stehe, erblicke ich plötzlich Triathlon-Vereinskollegin Sonja neben mir! Hätten wir vereinbart, uns zu treffen, hätte das sicher nicht so gut geklappt. Wir plauderten etwas und dann ging es auch schon los; schneller als erwartet setzte sich auch unser Startblock in Bewegung und um 10:02 Uhr überquerte ich die Startlinie.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Ich kam überraschend zügig weg und konnte gleich mein angepeiltes Tempo laufen. Erstaunlicherweise störte es mich überhaupt nicht, dass es regnete — ganz im Gegenteil, ich freute mich auf die 21,1 Kilometer wie schon lange nicht mehr. Ganz locker, ganz leicht, kein Druck, einfach guter Dinge loslaufen. Und was soll ich sagen, die Kilometer flogen nur so dahin und dann war ich auch schon auf der — im Vorjahr verfluchten — Schleife nach Andritz. Trotz Regen, der zeitweise recht intensiv wurde, befanden sich mehr Zuseher als erwartet an der Strecke und sorgten für Stimmung. Es dauerte auch nicht lange, da kam bereits die Spitzengruppe entgegen, während ich noch auf dem Weg zum Wendepunkt Nord war. Der Regen störte mich nach wie vor nicht und ich empfand die Temperatur äußerst angehmen zum Laufen. Auch hatte ich keine Gedanken wie “noch x Kilometer”, sondern mein Kopf war wunderbar leer. Ich lief einfach… und es lief einfach.

Während sich im letzten Jahr die Strecke bis zur Wende wie ein Strudelteig zog, ging das diesmal erstaunlich schnell und schon war ich wieder auf dem Rückweg in Richtung Grazer Innenstadt. Sowohl landschaftlich als auch zuschauermäßig ist dieser Abschnitt der Strecke eher öd, was mir aber diesmal egal war, ich war ganz in meiner eigenen Welt. Hoppala, schon Kilometer 12 und abermals begegnete ich der Spitzengruppe auf der Keplerbrücke, die nur mehr einen guten Kilometer ins Ziel hatte. Ich dagegen näherte mich jenem Streckenabschnitt, wo im letzten Jahr mein Kampf mit dem Krampf begann. Glücklicherweise gab es dieses Jahr keinen Krampf und auch keinerlei Anzeichen für einen solchen, und weil die Kilometer nach wie vor dahinflogen, entschied ich etwa bei Kilometer 14, dass es Zeit für “Showtime” ist: Nachdem ich mir bis dato keine Blase gerieben hatte (X-Socks halten, was sie versprechen, auch bei Dauerregen!) und auch sonst das Befinden ausgezeichnet war, ist nun Rennmodus angesagt.

Wenn ich nun das Tempo etwas anziehe, dann geht sich eine Sub 1:50er Zeit locker aus, sinnierte ich, während es über den Lendplatz und Seitenstraßen bzw. -gassen in Richtung City Park gibt. Dort, wo ich im vergangenen Jahr die letzte Labestation und einen Schluck Wasser herbeisehnte, lief es nun einfach perfekt. Ich freute mich, dass ich endlich wieder einen tollen Halbmarathon ohne Probleme oder Widrigkeiten laufen konnte. Apropos Labestationen: Die waren dieses Jahr anscheinend besser ausgestattet und besetzt — Wassermangel herrschte jedenfalls keiner. Ob das am kühlen, regnerischen Wetter oder an Verbesserungen in der Organisation lag, kann ich nicht sagen.

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Nun ging es dem Grieskai entlang wieder in Richtung Norden und ich versuchte, jeden Meter zu genießen. Ich hätte nicht erwartet, dass mir dieses Wetter so taugt und vor allem dass es mir im Regen so gut gehen wird. Darüber war ich äußerst froh und auch dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Dann der Abstecher vom Grieskai links weg wieder in Richtung Lendplatz und es wurde mir bewusst, dass es eine neue persönliche Bestzeit (PB) werden kann, wenn ich das Tempo bis ins Ziel halte — und ins Ziel war es mit ca. 2 Kilometern wirklich nicht mehr weit. Noch einmal über die Keplerbrücke und dann Sackstraße, Hauptplatz, Herrengasse… absolut fokussiert und wie in Trance flog ich quasi über den Asphalt. Die Stimmung in diesem Bereicht war fantastisch und als ich links auf die Zielgerade bog, setzte ich zum Schlusssprint an. Wenige Meter vor der Ziellinie erblicke ich gerade noch meine Mutter und reiße die rechte Hand hoch, dann überquere ich auch schon die Zeitnehmungsmatte und stoppe meine Uhr: 1:47:02! Wahnsinn!

Zielsprint!

Zielsprint!

Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um und ich krame die Rettungsdecke heraus, die ich in der Rückentasche der Skinfit Vento Weste mitgeführt hatte. Bei der Ziellabestation herrscht reges Gedränge und während ich — eingehüllt in die Rettungsdecke — warte, bis ich mich mit Wasser, Weckerl und Banane verpflegen kann, stellt sich ein breites Grinsen in meinem Gesicht ein. Erst jetzt realisiere ich, dass ich “einfach so” meine PB im Halbmarathon um über 1 Minute verbesserte, womit ich im Vorfeld beim besten Willen nicht gerechnet habe. Die offizielle Zeit war dann genau 1:47:00, was den 12. Platz in W-35 (von 91) und den 85. Platz bei den Frauen (von 802) bedeutete. Insgesamt belegte ich den 1108. Platz von 3022 LäuferInnen. Die ohnehin schon fantastische Saison “on a high note” mit einer neuen PB beendet, ist das nicht gigantisch? Oder einfach nur leider geil?

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Als ich durch den Ziellabe-Kanal endlich durch bin, gehe ich sofort zum vereinbarten Treffpunkt, wo meine Mutter mit dem Rucksack und trockener Kleidung auf mich wartet. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie über 2 Stunden im Regen ausgeharrt hat und mich generell bei Läufen immer unterstützt. Trotz Rettungsdecke wird es jetzt doch etwas frisch und ich will aus den nassen Klamotten so schnell wie möglich raus. Erstaunlicherweise finde ich dieses Jahr den Weg zu den Umkleiden bzw. Duschen auf Anhieb. (Wir erinnern uns, im letzten Jahr habe ich mich da ja glorios verlaufen!) Trockengelegt und sowas von zufrieden geht es zurück zur Oper und zur Haltestelle des Shuttlebusses, der uns zum Hauptbahnhof bringt. Am Heimweg durften dann ob dieses wunderbaren Halbmarathons die mittlerweilen obligaten “Post-Race Pommes” beim McDonalds nicht fehlen.

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Graz — oder als ich Halbmarathon bei Regen lieben lernte. Mit zahlreichen endorphingeschwängerten Eindrücken und Erinnerungen an meinen bisher lockersten und schönsten Halbmarathon geht es nun in die Off-Season. Nach dem Erfolgserlebnis dieses Jahr ist es nicht auszuschließen, dass ich in Graz zum Wiederholungstäter werde. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon!

26. Stainzer Schilcherlauf

Getreu dem Motto “Kuchen sollst du suchen” melde ich mich im Juli eher spontan zum 26. Stainzer Schilcherlauf an, der am 5. September 2015 stattfand. Der Schilcherlauf bietet nicht nur allen LäuferInnen das größte Mehlspeisenbuffet Österreichs im Ziel, sondern auch gute Stimmung auf der Strecke dank unzähliger Live-Bands. Im vergangenen Jahr war der Schilcherlauf verregnet, aber hat mir gut gefallen. Und es gibt Kuchen!

Als ich am Wettkampftag aufwachte und den stürmischen Wind den Regen ans Fenster peitschen hörte, lief es mir kalt über den Rücken — ich zog die Bettdecke hoch und kuschelte mich noch einmal ins warme Bett. Brrr. Irgendwie hatte ich so gar keine Lust, am Abend bei solchen Bedingungen einen Viertelmarathon zu laufen. Schon im Vorfeld war die ganze Woche über meine Motivation eher bescheiden: Nach dem Halbmarathon vor 2 Wochen fühlte ich mich einfach noch immer nicht richtig fit. Aber egal, angemeldet und gesund bin ich, also wird gelaufen: Einfach die zwei Runden durch und um Stainz nach Gefühl laufen — wenn es gut läuft, versuche ich eine neue PB auf Viertelmarathondistanz, wenn nicht, dann werde ich mich nicht quälen, weil es beim Viertelmarathon ohnehin keine Altersklassen gibt.

Die Startunterlagen hatte ich bereits am Vortag abgeholt, wo es am Stainzer Hauptplatz ein kulinarisches Fest mit steirischen Spezialitäten anstatt der üblichen Pasta-Party gab. Dementsprechend entspannt ging es daher am Samstag nach Stainz. Auch dieses Jahr war das Wetter in Stainz eher feucht, aber temperaturmäßig mit um die 16°C genau nach meinem Geschmack. Beim Start regnete es noch leicht, doch es hörte bald auf. Ich stellte mich ins vordere Viertel des Starterfeldes vor die angedachte 5:00min/km Linie, denn schneller als eine 5er Pace wollte ich schon laufen — oder zumindest versuchen zu laufen. Auch nahm ich mir abermals vor, am Start zügig wegzukommen und nicht am ersten Kilometer unnützerweise Zeit zu vergeuden.

Erste Runde geschafft!

Erste Runde geschafft!

Nach dem Startschuss kam ich tatsächlich zügig weg und gleich um die erste Ecke heizte eine Live-Band so ordentlich ein, ehe man von Cheerleadern angefeuert und dann an der nächsten Ecke auf eine Trommler-Kombo trifft. In dieser Tonart geht es auf dem restlichen Rundkurs weiter — ich habe sie nicht gezählt, aber so an die 6 oder 7 Live-Bands bzw. Unterhaltungsacts auf 5,25km ist schon eine beachtliche Zahl. Die ersten Kilometer flogen dahin und es machte Spass — eigentlich hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spass, weil es seit Juli bei den Wettkämpfen einfach zu heiß war. Die erste Runde beendete ich in 25:13 Minuten und damit war ich mehr als zufrieden — wenns läuft, dann läufts!

Zu schnell am Zielsprint für ein scharfes Bild...

Zu schnell am Zielsprint für ein scharfes Bild…

Auf der zweiten Runde war die Läuferdichte erwartungsgemäß dünner, da zahlreiche LäuferInnen nur eine Runde liefen, doch das tat meiner Stimmung keinen Abbruch. Die letzten zwei Kilometer lief ich in Begleitung einer Dame, die den Halbmarathon beim Schilcherlauf als Vorbereitung für den Grazmarathon nutzte. Wir unterhielten uns ein wenig, was das ganze noch kurzweiliger machte und bevor es auf die Zielgerade ging, verabschiedete ich mich, um einen Zielsprint hinzulegen. Nach 0:50:34 Minuten überquerte ich als 12. Frau (von 101) die Ziellinie, was einer neuen persönlichen Bestzeit im Viertelmarathon bedeutete. Eine freundliche Dame hängte mir die abermals originelle Finisher-Medaille um und ich begab mich zum Mehlspeisenbuffet, wo ich ein paar ausgewählte Köstlichkeiten probierte, die allesamt sehr lecker waren. Rundum zufrieden trat ich die Heimreise an und war froh, dem Impuls am Morgen im warmen Bett zu bleiben, nicht nachgegeben zu haben.

Schilcherlauf 2015 Finisher Medaille

Schilcherlauf 2015 Finisher Medaille

Streckenverlauf und Höhenprofil Stainzer Schilcherlauf

Streckenverlauf und Höhenprofil Stainzer Schilcherlauf

Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2015

Sonntag, 23. August 2015, 5:10 Uhr — Tagwache, der Wecker holt mich nach weniger als 3 Stunden Schlaf aus dem Bett. Wer mich kennt weiß, dass ich zu dieser Uhrzeit normalerweise nicht aufstehe, außer es ist Kärnten Läuft und es heißt “Guten Morgen Halbmarathon”. In wenigen Stunden werde ich mittlerweile bereits zum dritten Mal die 21,1 Kilometer entlang des Wörthersees von Velden nach Klagenfurt in Angriff nehmen; dieses Jahr mit neuer Streckenführung in Pörtschach, die die ungeliebte Schleife in Krumpendorf obsolet macht.

Die Vorzeichen für den Halbmarathon standen nicht besonders gut, denn nach dem perfekten Laufwetter (und auch Lauf!) im letzten Jahr (heiter bei max. 16° C) würde es dieses Jahr wieder deutlich wärmere Temperaturen geben. Beim offiziellen Streckentest am 6. August hatte es abends um 19 Uhr noch heiße 32° C im Schatten und meine Performance bei diesem geführten Lauf (ca. 8km vom Seeparkhotel zum neuen Streckenabschnitt in Krumpendorf und retour) war schlicht und einfach katastrophal. Die beiden Pacemaker liefen einen gemütlichen 6:00er Schnitt, doch mein Puls war “through the roof” und auch mein Befinden war miserabel. Etwa eine Woche danach musste ich einen Trainingslauf verkürzen, da bei 33° C nichts mehr ging. Dazu kommt, dass bis Ende August noch der Beifuß blüht und mir mit allergischem Asthma das Leben schwer macht. Der Gedanke, in wenigen Tagen bei womöglich ähnlichen Temperaturen und Bedingungen einen Halbmarathon zu laufen, bereitete mir Unbehagen, ja, wenn nicht sogar etwas Angst und dementsprechend bescheiden peilte ich als Zielzeit irgendwas zwischen 1:50 und 1:55 an.

Nach der neuen Halbmarathon-PB von 1:49:47 bei Ossiacher See Nachthalbmarathon Anfang Juni, wo die Strecke deutlich mehr Höhenmeter aufweist, müsste diese Zeit rein theoretisch beim Wörthersee Halbmarathon zu unterbieten sein, denn im letzten Jahr schaffte ich eine 1:50:55. Doch da war es deutlich kühler, ich hatte kein Asthma und es gab auch noch nicht die zwei neuen Streckenabschnitte, wovon ich nur den kürzeren in Krumpendorf beim Streckentest besichtigte. Zu viele unbekannte Variablen (wie heiß wird es tatsächlich, werde ich Luftprobleme bekommen, wie “schnell” ist der neue Streckenabschnitt in Pörtschach) sprachen für eine eher vorsichtige Rennstrategie: Am Start zügig mit etwa 5:10min/km wegkommen, dann sehen, wie es läuft und versuchen, möglichst konstant durchzulaufen, wenn ich mich gut fühle, ansonsten einen Gang zurückschalten und gesund ins Ziel kommen.

Es ist mir wichtig, dass der Morgen vor einem Rennen stressfrei ist, daher stelle ich den Wecker etwas früher, um genügend Zeit für Frühstück und Anreise zu haben. Kurz vor halb 8 Uhr treffe ich in Klagenfurt ein, finde beim neuen Park-and-Ride in unmittelbarer Nähe der neuen Bahnhaltestelle Klagenfurt West sofort einen Parkplatz und nehme den Shuttlezug um 7:37 Uhr nach Velden. Als ich in den Zug einsteige, ist dieser schon gut gefüllt, aber ich kann noch einen Sitzplatz finden. Die Fahrt nach Velden kommt mir länger vor als in den vergangenen Jahren; ich sitze am Fenster und blicke gegen die Fahrtrichtung. Normalerweise macht mir das nichts aus, aber diesmal wird mir leicht flau — die Luft im Zug ist stickig und es ist viel zu früh. Doch als ich in Velden vom Zug aussteige und zum Start spaziere, geht es mir sofort wieder besser.

Mehr See geht nicht

Im Startbereich die übliche Routine: Dixi-Stopp, Kleiderbeutel abgeben und in den Startblock einreihen. Ich wähle den Startblock zwischen dem gelben 1:45 und dem roten 1:50 Ballon. Lustige Anekdote am Rande: Der 1:50er Pacemaker sitzt lässig am Absperrgitter und plaudert mit den LäuferInnen. Plötzlich ein Aufschrei, der Akku seiner Laufuhr ist leer. Panik! Wie soll er ohne Uhr seinen Job als Pacemaker erledigen? Ein Bekannter, der in der Nähe ist, leiht ihm seine Uhr und alles ist gut. Im Startblock ist es sehr eng und heiß und ich bin froh, als um ca. 8:50 Uhr die Elite ins Rennen geschickt wird. Danach folgte der nächste Startblock und etwa 4 Minuten nach dem offiziellen Rennstart setzt sich auch mein Startblock in Bewegung.

Startbereich in Velden

Startbereich in Velden

Da ich mir vorgenommen habe, vom Start weg zügig zu laufen, komme ich auch erstaunlich gut weg. Die Beine fühlen sich gut an und auch die Temperatur ist jetzt angenehm. Vor dem Casino gleichsam wie in den letzten Jahren der Männergesangsverein. Links vor mir ein Läufer ohne Schuhe — Wahnsinn, einen Halbmarathon barfuss zu laufen, denke ich mir. Die ersten Kilometer sind recht kurzweilig und meine Pace pendelt sich um 5:00min/km ein. Schneller als erwartet erreiche ich die Fabrik bei Saag und somit die erste Labestation. Guter Laune nähere ich mich dem einzigen wirklich offensichlichten Anstieg der Strecke bei Töschling und bewältige diesen leicht und locker, denn das erste Drittel des Halbmarathons ist geschafft.

Als ich Pörtschach erreiche, freue ich mich schon auf den neuen Streckenabschnitt. Zuvor lief man ja einfach nur entlang der Bundesstraße durch den Ort durch, aber nun macht man einen Abstecher zur Halbinsel, um so noch mehr vom Wörthersee sehen zu können. Aus dem Streckenplan ist mir bekannt, dass sich beim Promenadenbad auch eine Labestation befindet und ich ziehe mir mein Gel rein, damit ich dort mit einem Schluck Wasser den klebrigen Geschmack im Mund loswerden kann. Dann biegen wir auch schon rechts von der Hauptstraße weg in Richtung Halbinsel. Auf einem engen Weg schlängelt sich die Läufermenge in Richtung Promenadenbad und just in diesem schmalen Bereich überholt mich ein Handbike-Fahrer mit Startnummer, der offenbar eine Sondergenehmigung für die Teilnahme hat. Die Kulisse mag zwar beeindruckend sein, aber davon bekomme ich sehr wenig mit, da die geringe Wegbreite und hohe Läuferdichte volle Konzentration erfordern. Auf der Strandpromenade, wo auch der Viertelmarathon gestartet wurde, wechselt der Untergrund von Asphalt auf feinen, sandigen Schotter, womit ich keine wirkliche Freude habe.

Strandpromenade in Pörtschach

Strandpromenade in Pörtschach

Die 10 Kilometer Markierung passiere ich bei knapp 51 Minuten und damit liege ich sehr gut in der Zeit, obwohl ich sowohl auf Kilometer 10 und 11 gezwungenermaßen langsamer (5:14 und 5:15min/km) gelaufen bin. Der neue Streckenabschnitt in Pörtschach mit seiner Enge und Kurven hat die Halbmarathonstrecke definitiv verlangsamt. Erst als ich zurück auf der Bundesstraße bin, kann ich das Tempo wieder anziehen und um 5:05min/km halten. Ich bin nach wie vor guter Dinge, obwohl mir mittlerweile die Fusssohlen etwas zu brennen anfangen. Kilometer 13 in Pritschitz war dann mit 5:16min/km der langsamste von allen aufgrund der “Schikane”, wo man zuerst durch die Unterführung und dann über eine steile Linkskurve auf die Bundestraße läuft.

Die nächsten Kilometer kann ich wieder mit der geplanten Pace laufen; der Abstand zum gelben 1:45er Ballon ist größer geworden, aber als ich einmal kurz zurückblicke, kann ich den roten 1:50er Ballon nirgends sehen. Ich erreiche Krumpendorf, wo die Stimmung an der Labestation wie jedes Jahr großartig ist. Die lange Schleife in den Ort bis zum Gemeindeamt gibt es nicht mehr, aber eine “Mini-Schleife” entlang der Labestation muss man allerdings noch laufen, ehe man Kilometermarke 16 erreicht. Nun geht es über den Koschatweg und der Pamperlallee zum kurzen neuen Streckenabschnitt beim Yachthafen, den ich bereits beim Streckentest besichtigt habe. Gefühlt zieht sich der Koschatweg und die Pamperlallee sowieso; im Koschatweg sitzt ein Läufer am Asphalt und reibt sich den Knöchel und ich habe den flüchtigen Gedanken, wie schön es wäre, sich jetzt an Ort und Stelle ebenfalls hinzusetzen. In der langen kerzengeraden Pamperlallee bemerke ich erstmals, dass mir warm ist und ich freue mich auf den neuen Abschnitt im Kurpark, der durchgehend schattig ist.

Als ich den Kurpark verlasse, passiere ich die 18. Kilometermarke und sehe, wie der rote 1:50 Ballon gerade von der Pamperlallee in den Kurpark einbiegt. Das gibt mir einen Ruck und ich entscheide, die letzten 3 Kilometer noch einen Zahn zuzulegen, um ja nicht vom roten Ballon eingeholt zu werden. Meine Erinnerungen an Kilometer 19 und 20 sind vage; dort irgendwo lag ein Läufer auf der Straße und der Rettungswagen fuhr gerade vor, um diesen einzusammeln. Ich habe sämtliche Rechenspiele im Kopf eingestellt, denn solange ich vorm roten Ballon ins Ziel komme, ist alles gut. Auf den letzten Kilometern muss ich kämpfen, denn mir ist nun heiß und durch die Anstrengung bekomme ich schlecht Luft. Wie sehr hab ich mir ein Runners High wie im letzten Jahr an dieser Stelle gewünscht!

Endlich der Wasserbogen, der kaum für Erfrischung sorgt. Nun ist es wirklich nicht mehr weit. Endlich die Villa Lido und ich biege auf die letzten 500m. So viele Menschen, eine Wahnsinnsstimmung! Noch schnell über den verbleibenden Rest der Wörthersee-Bühne und ich bin auf der Zielgerade. Ich hüpfe über die Ziellinie, reiße kurz die Arme hoch und drücke Stopp: 1:48:17 hangestoppt! Geschafft! Im Zielbereich warten überraschenderweise zwei KollegInnen vom Triathlon-Verein auf mich und gratulieren mir. Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um. Ich bin außer Atem und mir ist etwas schwindlig. Ich unterhalte mich noch kurz mit meinen VereinskollegInnen und bahne mir durch die Läufermasse den Weg zum Ziellabebereich. Mir ist nicht so gut und ich will mich eigentlich so schnell wie möglich hinsetzen, doch dort ist kein Platz und da man nicht mehr den Ziellabebereich betreten darf, wenn man ihn einmal verlassen hat, nehme ich mir eine Banane und drei 0,5l Flaschen Wasser. Beim Ausgang aus dem Ziellabebereich schnauzt mich ein Ordner an, dass für die langsamere Läufer nichts mehr übrig bleibt, wenn sich alle drei Flaschen Wasser nehmen. Es war mir nicht bewusst, dass Wasser Mangelware ist und wenn das tatsächlich der Fall ist, kann man das auch anders kommunizieren. Dieser Vorfall hat mich im Nachhinein mehr geärgert als mir lieb war, zumal fast alle LäuferInnen sich ähnlich bzw. sogar umfangreicher verpflegt haben.

Im Ziel mit 1:48:10

Im Ziel mit 1:48:10

Da ich dieses Jahr die Anmeldefrist nicht übersehen habe, darf ich in die Relax-Zone des Raiffeisen-VIP-Bereichs, der sich praktischerweise gleich links vom Ausgang des Ziellabebereichs befindet. Dort erhalte außerdem drei Gutscheine (1x Massage, 1x Essen, 1x Getränk) und ich lasse mich sofort in einen Liegestuhl im Schatten fallen, wo ich gleich zwei der 0,5l Flaschen Wasser auf ex trinke. Nach wenigen Minuten geht es mir deutlich besser und ich setze mich ins Massage-Zelt, um mich für die Massage anzustellen. Ich plaudere etwas mit dem Herrn, der sich neben mich setzt und sehe im Internet nach dem offiziellen Ergebnis: 1:48:10 und somit eine neue persönliche Bestzeit. Die Wartezeit auf die Massage ist recht kurz und ich falle müde und zufrieden auf die Liege. Eine nette junge Dame bearbeitet meine Waden, was sehr wohltuend ist. Danach verlasse ich den Bereich und gehe zum Kleidertransport, wo bereits Kollege Wolfgang und meine Mutter auf mich warten.

Finisher Medaille

Finisher Medaille

Wie jedes Jahr ist der nächste Stopp das Strandbad mit dem obligatorischen Sprung in den See, wobei dieses Jahr die Wassertemperatur angenehm warm ist. Ich kraule ein paar Minuten herum und bin überrascht, wie klar der Wörthersee im Vergleich zum Gösselsdorfer See ist. Eigentlich wollte ich etwas länger schwimmen, aber die Müdigkeit ist doch bemerkbar. Nach dem Umziehen gehen wir ins Gastro-Zelt, wo die Gutscheine eingelöst werden können. Die Warteschlange bei der Essensausgabe ist sehr lang und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich meine Nudeln mit Tomatensauce erhalte.

Der Fluch des 7. Halbmarathons?

Am Rückweg zum Auto am Park-and-Ride Parkplatz gegenüber von Minimundus setzen dann plötzlich heftige Darmkrämpfe und Durchfall ein. Die Heimfahrt ist abenteuerlich und von Krämpfen und Schweißausbrüchen geprägt. Zu Hause lege ich mich zwar hin, aber der Kreislauf bereitet mir zunehmend Probleme und als sich dann der Durchfall rötlich färbt (die Tomatensauce oder etwas ernsteres?), ist es Zeit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Laut Ärztin hab ich wohl irgendwo am Morgen bzw. Vormittag einen Virus aufgeschnappt, der binnen weniger Stunden für explosiven Durchfall sorgt — sie hatte an diesem Tag bereits drei gleiche Fälle. Ich kann nur Vermutung anstellen, wo ich den Virus erwischt haben könnte: Im Zug nach Velden war mir flau und sonst habe ich außer dem Gel und einen Schluck Wasser in Pörtschach nichts konsumiert. Also entweder im Zug oder durch das Wasser? Ich werde es wohl nie herausfinden…

Eigentlich hätte ich glücklich und zufrieden sein sollen, neue PB auf der neuen, langsameren Strecke, vor allem wenn man bedenkt, dass im Vorfeld einiges nicht so ideal war. Aber die Virusgeschichte hat mir das Erfolgserlebnis gänzlich vermiest und so blieb das Strahlen durch die Endorphine und die große innerliche Zufriedenheit aus, die sich sonst nach einem Halbmarathon einstellt. Der Durchfall war dank ärztlicher Behandlung so schnell wieder weg wie er gekommen war, aber bis jetzt — eine Woche nach dem Halbmarathon — fühle ich mich noch immer nicht 100% fit. Eines steht aber schon fest: Bis zum 21. August 2016 bin ich sicher wieder fit!

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

 

Herzbergland Lauf 2015

Am Samstag, den 1. August, fand in Trofaiach der Herzbergland Lauf 2015 statt und da ein lieber Kollege aus der Studienzeit dort beheimatet ist, bot sich ein Auflug in die Obersteiermark im doppelten Sinne an. Die Laufveranstaltung selbst stand nicht unbedingt auf meiner Liste der geplanten Läufe, zumal die Strecke sehr selektiv und anspruchsvoll, aber ein gutes Training für den kommenden Halbmarathon bei Kärnten Läuft ist.

Mein Kollege hat vorab die Strecke für mich besichtigt und von den “kritischen” Stellen Fotos gemacht, sodass ich einen recht guten Eindruck hatte, was mich erwartet; unter anderem eine 20% Steigung, die aber auf dem Bild nicht so schlimm aussah. Dazwischen viel auf und ab, also hügelig mit einer längeren Schotterpassage, ca. 300m quer über eine Wiese und einem kurzen, abfallenden Steig, kurzum definitiv keine Strecke für eine neue persönliche Bestzeit. Vor der Anmeldung überlegte ich mir auch, ob ich den Hobbylauf über 6km (1 Runde) oder den Hauptlauf über 12km (2 Runden) bestreiten soll, doch diese Entscheidung war einfach, denn wegen 6 Kilometer lohnt sich ja fast das Umziehen nicht.

Der Start und das Ziel befand sich beim Rötzstadion in Trofaiach, wo alles wie erwartet sehr gut organisiert war. Es gab ausreichend Parkplätze in unmittelbarer Nähe und die Startnummern-Ausgabe war zügig erledigt, wobei es hier ein “Novum” in meiner Läuferkarriere gab: Es wurden wiederverwendbare Startnummern aus Stoff ausgegeben, die nach der Veranstaltung zu retournieren waren. Das erinnerte mich an diverse Ski-Rennen in meiner Schulzeit, wo man ebenfalls Startnummern aus Stoff bekam, die man sich quasi “anzog” und mit Bändern befestigte. Die Idee ist natürlich lobenswert, um so ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzen, aber ich denke, dass mehr Energie etc. für die Reinigung der Stoff-Startnummern draufgeht als für die Herstellung von normalen Startnummern aus Papier. Oder man verzichtet auf die Reinigung, aber das wäre äußert unhygienisch…

Bei der Aufwärmrunde hält sich meine Begeisterung in Grenzen

Bei der Aufwärmrunde hält sich meine Begeisterung in Grenzen

Zum Aufwärmen drehte ich ein paar Runden im Stadion und musste dabei feststellen, dass es abermals unangenehm heiß ist — auf eine Bestzeit bin ich ohnehin nicht aus, aber bei der anspruchsvollen Strecke kann das zach werden. Der Startschuss fiel pünktlich um 15 Uhr, und da es keine Chipzeitnehmung gab, reihte ich mich in den vorderen Reihen des Starterfeldes ein. Zuerst galt es, eine Runde im Stadion zu laufen, ehe es aus dem Stadion raus und aufs Mellplateau ging. Den ersten Anstieg bewältigte ich ohne Probleme, dann ging es auch schon wieder bergab zu einer Linde, die sich am Knotenpunkt der Strecke befindet, wo auch mein Kollege plaziert war, um mich zweimal pro Runde anfeuern zu können. Nach der Linde führte die Strecke entlang eines hügeligen Schotterweges vom Anwesen Köck zum Anwesen Fürstaller, eher es nach dem zweiten Anwesen auf groben Schotter steil bergab ging. Dann wechselte der Untergrund wieder auf Asphalt und nach einer kurzen, relativ flachen Passage trifft man “Am Forst” auf die 20% Steigung.

Schon auf der flachen Passage vor der Steigung konnte ich sehen, wie die meisten LäuferInnen diesen Ansteig gehend bewältigten. Auf dem Foto sah es nicht sooo schlimm aus, aber dass viele LäuferInnen gehen, wenn es etwas bergauf geht, ist mir ja vom Welschlauf bekannt. Wie steil es auch immer ist, ich würde rauflaufen und keinesfalls gehen! Bis etwa zur Hälfte dieser Steigung ging es recht gut, doch dann erreichte ich mein Limit. Viel zu heiß, viel zu steil, und mein allergisches Asthma meldete sich. Gehen? Niemals! Ich lief weiter, langsam, aber ich lief und konnte so etliche Plätze gutmachen. Kurzfristig dachte ich erstmal in meinem Läuferleben ernsthaft daran, nach der ersten Runde auszusteigen. Noch einmal diese 20% hoch? Pfff… bitte nicht! Ich schaffte es wie eine Dampflok schnaufend rauf und dann ging es zum Glück auch wieder leicht bergab. Ich redete mir selbst zu, ok, die erste Runde muss ich ohnehin zu Ende laufen, dann entscheide ich je nachdem wie ich mich fühle.

Auf der zweiten Runde durchs Stadion Trofaiach

Auf der zweiten Runde durchs Stadion Trofaiach

Dann sah ich meinen Kollege wieder unter der Linde stehen und mir zurufen, dass nur ca. 4 oder 5 Frauen vor mir sind. Das motivierte mich etwas und als ich die erste Runde beendete, ging es mir wieder besser. DNF is not an option, also nahm ich die zweite Runde in Angriff. Nun waren nicht mehr viele LäuferInnen auf der Strecke, denn die meisten liefen nur eine Runde. Bis zur 20% Steigung ging es auch recht gut, aber dann am Anstieg das große Sterben: Ein Fuss nach dem anderen. Nein, ich gehe nicht, ich laufe. Langsam, wie in Zeitlupe, aber ich laufe. Wieder ein paar Plätze gut gemacht. Dann wieder der Kollege bei der Linde, der mir zuruft, dass nur eine Frau vor mir ist. Ich belächelte diese Aussage… ich wollte das Ding einfach zu Ende bringen und war sehr froh, als ich Ziel war: 1:04:48 handgestoppt, was im Endeffekt die zweitschnellste Zeit bei den Damen von insgesamt 15 Läuferinnen bedeutete. Den Tagessieg habe ich um eine Minute verpasst, aber das war mir an dieser Stelle egal, mehr war einfach nicht möglich. Auch in der Altersklasse W-35 belegte ich den 2. Platz.

Streckenverlauf und Höhenprofi Herzbergland Lauf Trofaiach

Streckenverlauf und Höhenprofil Herzbergland Lauf Trofaiach

Es war auf alle Fälle ein sehr anspruchsvoller und fordender Lauf (230 Höhenmeter auf 12 Kilometer!) und mit dem Ergebnis muss ich in Anbetracht der widrigen Umstände (zu heiß, Allergie bzw. Asthma) allemal zufrieden sein. Immerhin konnte ich eine originelle Trophäe in der Form eines Stückes Granit, der im Herzbergland abgebaut wird, und das Kochbuch “Heimatküche” von Johann Lafer mit nach Hause nehmen. Von der Stimmung her hat mir diese recht familiäre Laufveranstaltung gefallen, aber für 20 Euro Nenngeld hätte ich mir zumindest Chip-Zeitnehmung und eine bessere Verpflegung im Ziel erwartet; dort wurde aber nur Wasser, Iso und alkoholfreies Bier gereicht. Keine Bananen oder sonstiges Obst, und auch kein Kuchen. Im Startsackerl war zwar ein Gutschein für eine Portion Nudel, aber da wurde ich auch enttäuscht, da es keine vegetarische Sauce bzw. Alternative gab. Da besteht meines Erachtens noch Verbesserungsbedarf.

Siegerehrung

Siegerehrung

Herzbergland Lauf 2015 Trophäe

Herzbergland Lauf 2015 Trophäe

Römerlauf 2015

Sehr kurzfristig entschied ich mich, auch dieses Jahr beim Römerlauf, dem schönsten Abendlauf Österreichs, teilzunehmen. Die Kurzfristigkeit ergab sich aus meiner Triathlon-Premiere am Wochenende zuvor, weil ich mir im Vorfeld nicht sicher war, wie anstrengend der Triathlon sein wird bzw. wie schnell ich mich erholen werde. Da ich aber keinerlei Wehwehchen und mich sehr schnell erholt hatte, ging es also am Samstag, den 18. Juli 2015, nach Kaindorf an der Sulm bei Leibnitz.

Der Römerlauf ist wirklich ein besonderer und lässiger Lauf — schon allein die Beleuchtung der Laufstrecke mit Fackeln bietet eine einzigartige Atmosphäre. Weiters stehen ca. 300 als RömerInnen verkleideten Helfer entlang der Strecke Spalier und feuern die LäuferInnen unermüdlich an. Wegen der tropischen Temperaturen weit jenseits der 30°C Marke gab es neben den üblichen 4 Labestationen dieses Jahr noch 4 zusätzliche Stellen mit Sprühregen bzw. Wasserduschen, die für etwas Erfrischung sorgen sollten.

Im vergangenen Jahr hat mir der Römerlauf sehr gut gefallen, aber mit dem “Hügel” — dem Seggauberg — hatte ich noch eine Rechnung offen. Besser vorbereitet und mit dem Wissen, was bei Kilometer 4 auf mich zukommt, wollte ich meine Zeit vom Vorjahr auf der Viertelmarathondistanz (0:54:36) verbessern, was angesichts der heißen Temperaturen zäh, aber machbar sein sollte. Ansonsten hatte ich keine großen Erwartungen, einfach etwas schneller laufen als im Vorjahr und die einzigartige Atmosphäre auf der Laufstrecke genießen.

Die Abholung der Startunterlagen war rasch erledigt, da ausreichend Parkplätze beim Naturparkzentrum Grottenhof zur Verfügung stehen und die Organisation des Laufs top ist. Es hatte beim Start des Volkslaufs um kurz vor 19 Uhr noch jenseits der 30°C und ich hoffte, dass es bis zum Start des Viertel- und Halbmarathon um 20:15 Uhr etwas abkühlen würde. Insgeheim hoffte ich auf ein Wärmegewitter oder wenigstens etwas auffrischenden Wind. Aber nichts, kein Gewitter, kein Wind. Dabei muss ich erwähnen, dass ich aktuell bzw. schon über zwei Wochen (also schon bereits vor dem Triathlon) etwas Luftprobleme habe, also unter Belastung schlecht Luft bekomme. Ob es an den Allergien, am Ozon in der Luft oder am Chlor im Freibad liegt, weiß ich nicht — möglich ist alles. Beim Triathlon war alles in Ordnung, da die Temperatur unter 30°C lag, aber als wenige Tage vorm Römerlauf das Quecksilber wieder auf 34°C kletterte, flammte das Problem abermals auf. Daher hoffte ich wirklich inständig auf etwas Abkühlung.

Vor dem Start im Naturparkzentrum Grottenhof

Vor dem Start im Naturparkzentrum Grottenhof

Ein Novum dieses Jahr und meiner Meinung nach auch absolut notwendig angesichts der ständig steigenden Teilnehmerzahlen waren die Startblöcke: Elite, <4:30min/km, <6:00min/km und (anzunehmenderweise) >6:00min/km. Gerade die ersten paar hundert Meter nach dem Start sind ein Flaschenhals, der durch diese Vorgehensweise entschärft werden sollte. Ich reihte mich bei <6:00min/km ein und kam von Anfang an gut weg — wesentlich besser als im Vorjahr. Temperaturmässig hatte es um 20:15 Uhr noch immer knapp 30°C und weniger als 29°C wurde es während des Laufs leider nicht. Die ersten drei Kilometer nach und durch Leibnitz lief ich etwas schneller als anvisiert mit knapp unter 5:00min/km. Es war zwar heiß, aber bis zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Luftprobleme.

Leibnitz hinter uns gelassen ging es auch schon in Richtung Seggauberg — mein Nemesis vom letzten Jahr! Mental vorbereitet und entschlossen, dem Hügel zu zeigen, wer der Boss ist, nahm ich den Anstieg guter Dinge in Angriff. Bis etwa zur Hälfte tänzelte ich den Hügel hoch, zahlreiche LäuferInnen überholend. Dann wurde es etwas zäh, aber ich wusste, dass es nicht mehr weit ist und kämpfte mich die verbleibenden Höhenmeter hoch. OK, geschafft, zwar etwas atemlos, aber ab jetzt geht es nur mehr bergab bzw. flach ins Ziel. Bergablaufen ist nach wie vor nicht meine Stärke, doch das klappte hier dieses Jahr auch besser als 2014. Nun ging es dann um bzw. über den Damm quer durch den Sulmsee, ehe man auf der alten Eisenbahntrasse zurück in Richtung Grottenhof läuft.

Streckenverlauf und Höhenprofil Römerlauf

Streckenverlauf und Höhenprofil Römerlauf

Meine Pace hatte sich mittlerweile bei etwa 5:11min/km eingependelt und als es durch den Wald auf der Eisenbahntrasse ging, stellten sich die bekannten Luftprobleme ein. Gefühlt war die Luft zum Schneiden dick und ich hörte mich wohl wie eine alte Dampflok an. Mit einer 5:11er Pace wollte ich aber nicht ins Ziel laufen, das wäre nur 2 Sekunden pro Kilometer schneller als im Vorjahr und folglich war auf den letzten drei Kilometern Durchbeissen angesagt. Die Beine und der Kopf wollten, aber die Lunge wehrte sich mit jedem Atemzug. Tunnelblick. Bei der letzten Labestation etwa 1,5km vorm Ziel schüttete ich mir einen Becher Wasser über den Kopf, was mich kurzfristig leicht erfrischte. Ein Blick auf die Uhr: Ja, ich bin schneller geworden, die Mühen sind also nicht vergebens.

Den letzten Kilometer habe ich verflucht: Diese langezogene Schleife um das Areal des Naturparkzentrums ist fies. Man glaubt, quasi schon im Ziel zu sein und dann muss man noch so einen Umweg laufen, obwohl die Beleuchtung und tolle Stimmung im Grottenhof das Ganze etwas erträglicher machen. Was bin ich froh, rechts in Richtung Zielrampe abbiegen zu dürfen, während die Halbmarathonis geradeaus die zweite Runde antreten. Ich laufe über die Ziellinie und hätte mich am liebsten an Ort und Stelle hingesetzt. Eine fröhliche Dame in Tunika hängt mir die Finisher-Medaille um den Hals. Ich bedanke mich und wanke in Richtung Endlabe, wo es neben Wasser, Iso, Bier, Bananen und Äpfeln auch wieder Kuchen gibt. Gerne hätte ich länger am Kuchenbuffet verweilt, aber zwischen den dichtgedrängten, schwitzenden Läufern war die Luft noch dicker und daher verlasse ich den Zielbereich recht schnell. Meine Mutter sitzt im Zuschauerbereich und ich setzte mich zu ihr an den Biertisch. Hier ist die Luft etwas frischer, aber als ein Herr am Nebentisch eine Zigarette anzündet und mir der Rauch direkt ins Gesicht weht, stehe ich auf und sage zu ihr, dass ich zum Auto gehen möchte.

Finishermedaille Römerlauf

Finishermedaille Römerlauf

Erst als ich längst zu Hause war, gab es die Ergebnisse vom Römerlauf online. Mit einer Zeit von 0:53:16 (Pace 5:06min/km) belegte ich den 24. Platz bei den Frauen (von 211), und den 14. Platz in der Altersklasse “AK” (von 119). Damit bin ich in Anbetracht der Widrigkeiten (hohe Temperatur, Atemprobleme) im Grunde zufrieden, denn immerhin konnte ich die Zeit aus dem Vorjahr um über 1 Minute verbessern. Was ich allerdings an der Organisation des Laufs bemängelt möchte sind die seltsamen Altersklassen (<40 Jahre, 40-60 Jahre, >60 Jahre). Ich finde es ärgerlich, mit allen Frauen unter 40 in eine Altersklasse geworfen zu werden. Wenn ein Veranstalter schon derart viel Aufwand in die Organisation dieser Veranstaltung steckt (Beleuchtung, verkleidete Helfer, usw.), warum werden dann nicht bei den beiden Hauptläufen die üblichen Altersklassen zumindest in 10er Sprüngen in den Ergebnislisten gelistet?

11. Ossiacher See Nachthalbmarathon

Der Ossiacher See Nachthalbmarathon ist und bleibt etwas besonderes. Zum einen, weil es vor zwei Jahren mein allererster Halbmarathon war und zum anderen, weil er immer abends stattfindet, was mir als Nachmittags- bzw. Abendläufer sehr entgegenkommt. Die hügelige Halbmarathon-Strecke verläuft abwechselnd von Ossiach nach Bodendorf oder von Bodendorf nach Ossiach entlang des Westufers des Sees und ist durchaus anspruchsvoll, aber schön zu laufen. Die 11. Auflage des Nachthalbmarathon fand also vergangenen Freitag, den 5. Juni 2015, mit Start in Ossiach und Ziel in Bodensdorf statt.

Im Vorfeld hatte ich doch leichte Bedenken, ob mein Training für einen Halbmarathon ausreichend sein würde: Die langen Läufe (>15km) kann ich an einer Hand abzählen, da ich sie oft durch längere (>2h) Bike-Run Koppeleinheiten ersetzt habe. Dennoch setzte ich mir das Ziel, die Zeit vom Vorjahr (1:55:43) zu unterbieten und schrieb mir eine (ganz optimistische) Pace-Tabelle für 1:52:00. Ich habe nach mittlerweile einem halben Duzend Halbmarathons nach wie vor Respekt vor der Distanz, denn auf 21,1km kann viel passieren. Vielleicht ist das gerade der Reiz, den Halbmarathons auf mich ausüben: Ein 10er oder ein Viertelmarathon geht immer, sowas läuft man quasi aus dem Training heraus, aber ein Halbmarathon erfordert doch schon etwas Vorbereitung, vor allem, wenn man seine Zeit verbessern möchte.

So ging es also am Nachmittag bei strahlenden Sonnenschein und Temperaturen um die 30°C nach Bodendorf. Ein Parkplatz auf der designierten Wiese war schnell gefunden und auch bei der Startnummernausgabe lief alles zügig und reibunglos ab. Da ich etwaige Staus/Verzögerungen bei der Anreise auf der Autobahn eingeplant hatte, blieb mir übermäßig viel Zeit bis zum Schiffstransfer zum Start nach Ossiach. Eine Zeit lang verweilte ich im Kurpark Bodensdorf direkt am Seeufer, wo ich ein schattiges Plätzchen auf einer Parkbank fand. Ja, im Schatten war es beim Nichtstun gerade erträglich, denn die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel und ich dachte mir, uff, wenn ich jetzt einen Halbmarathon laufen müsste, würde das sehr zach werden. Aber aus den Erfahrungen der Vorjahre weiß ich, dass bis zum Start um 19 Uhr die Sonne hinter der Gerlitzen im Westen verschwinden wird und somit die Temperaturen auf ein angenehmeres Niveau von etwa 25°C sinken werden.

SRS BSNS!

SRS BSNS!

Danach spazierte ich die paar hundert Meter zum Auto zurück und das übliche Pre-Race-Ritual begann: Umziehen, einen Happen Essen, Sonnen- und Insektenschutz (abends in der Nähe von Gewässern absolut empfehlenswert!) auftragen. Ich fühlte mich seltsam entspannt und fokussiert — oder einfach bereit! Pünktlich um 18:20 Uhr legte der Schiffstransport vom Kurpark Bodensdorf in Richtung Ossiach ab. Als das Schiff mitten auf dem See war, frischte der Wind lebhaft aus nordöstlicher Richtung auf, was einerseits angenehm war, aber andererseits Gegenwind bedeuten könnte, was mir aber keine Sorgen bereitete.

Schiffstransport zum Start nach Ossiach

Schiffstransport zum Start nach Ossiach

In Ossiach angekommen steuerte ich — wie fast alle anderen LäuferInnen — das WC an. Doch zur allgemeinen Überraschung war das WC am Sportplatz geschlossen. Ich folge einfach dem Gross der LäuferInnen, die in Richtung Strandbuffet marschierten, wo es in den Lokalräumlichkeiten WCs gab. Leider viel zu wenige für so viele Läuferinnen, sodass sich rasch eine Schlange bildete. Während ich mich also beim WC anstellte, erreichte meine Nase der Geruch von Pommes und anderem Essen und ich war plötzlich hungrig. Richtig hungrig. Die Erdnussbutter-Semmel hat anscheinend nicht lange angehalten und das Gel, das ich bei Halbmarathons als “Reserve” mitführe, wollte ich an dieser Stelle noch nicht konsumieren. Uh-oh, das ist ist nicht gut mit knurrendem Magen in einen Halbmarathon zu starten. Es gab nichts, was ich an dieser Stelle zur Beseitigung des Problems hätte tun können — Geld hatte ich keines bei mir und das Gel war keine Option. Also entschied ich, einfach loszulaufen und wenn ich merke, dass es nicht geht, dann würde ich bei den Labestation beherzt zu den angebotenen Bananen greifen. Soweit mein Plan.

Racetime!

Um 19 Uhr bezog ich dann die Startaufstellung im vorderen Drittel des Teilnehmerfeldes. Der Hunger hatte sich mittlerweile etwas gelegt. Pünktlich um 19:10 Uhr fiel der Startschuss und los gings. Ich lief eher locker los und der erste Kilometer war folglich mit einer Pace von 5:30min/km der langsamste von allen. Bis auf einen Druck in der Magengegend fühlte ich mich gut und ich hoffte, dass sich dieses Druckgefühl bald legen würde. Die Sonne war noch nicht ganz hinter der Gerlitzen verschwunden und folglich war es auf der Schleife von Ossiach nach Alt-Ossiach und wieder retour nach Ossiach noch recht warm, was mich aber kaum störte. Ich genoss die Stimmung und die Atmosphäre im Läuferfeld. An die ersten 8 Kilometer habe ich kaum nennenswerte Erinnerungen — ich lief sehr fokusiert und fast wie in Trance. Das einzige, was ich als “störend” empfand, war das laute Gepiepse der Pulsuhr einer Läuferin, die mal vor mir, dann wieder hinter mir, aber anscheinend immer irgendwo in meiner Nähe lief. Ich weiß nicht, warum ihre Uhr dauernd wie wild piepste; jedenfalls schien sie es mit iPod im Ohr nicht zu registrieren.

Ein Highlight war dann kurz nach Kilometermarke 8, wo an der gleichen Stelle wie im vergangenen Jahr Kollege Wolfgang als mein persönlicher Fotograf auf mich wartete, um abermals ein paar dynamische Fotos zu machen. (Vielen lieben Dank dafür!) Obwohl der Hunger und das Magendrücken sich mittlerweile gelegt hatten, griff ich nun zum Gel, um so einen Einbruch (oder gar Hungerast) in der zweiten Rennhälfte zu vermeiden. Kurz nach Kilometer 10 gab es eine Labestation, wo ich mir einen Becher Wasser gönnte, um den klebrigen Geschmack des Gels loszuwerden. Mittlerweile hat sich das Läuferfeld deutlich gelichtet und ich sammelte LäuferIn um LäuferIn ein. Die erste Hälfte des Ossiacher See Nachthalbmarathon war geschafft!

Fokussiert und gut gelaunt bei Kilometer 8

Fokussiert und gut gelaunt bei Kilometer 8

Ich lag gut in der Zeit, meine Durchgangzeiten waren alle schneller als geplant und meine Pace schwankte zwischen 5:10min/km und 5:15min/km. “Jetzt nur nicht einbrechen und das Ding gut ins Ziel bringen”, sagte ich zu mir selbst. Zwischen Kilometer 11 und 14 lief ich fast allein auf weiter Flur und überholte nur ganz wenige LäuferInnen. Der Flow hatte sich längst eingestellt. Bei der nächsten Labestation ziemlich genau bei der 14 Kilometer Marke gönnte ich mir noch einen Becher Wasser und nahm guter Dinge die letzten 7 Kilometer in Angriff, die am Nordufer des Ossiacher Sees von Annenheim nach Bodensdorf führten. Hier bemerkte ich sehr bald den teilweise recht lebhaften Gegenwind. Leider waren auch in diesem Streckenbereich nur wenige LäuferInnen unterwegs, sodass ich auch niemanden für etwas Windschatten finden konnte. Sobald ich zu jemanden aufgeschlossen hatte, stellte ich fest, dass deren Pace zu langsam ist und überholte. Jetzt nur nicht nachlassen!

In Annenheim war die Party anlässlich des Wasserfestes voll in Gang und dementsprechend viele Menschen befanden sich an und auch auf der Laufstrecke — was grundsätzlich begrüssenswert ist, aber wenn Leute in Zweier- und Dreierreihen nebeneinander gemütlich mitten auf der Laufstrecke spazieren und nicht registrieren, dass hier gerade ein Halbmarathon stattfindet, ist das ärgerlich. Ich musste in Annenheim teilweise im Zick-Zack-Kurs meinen Weg durch die nicht-laufende Menschenmenge bahnen, zumal auch niemand von diesen Leute freiwillig zur Seite wich. Hallo, hier ist gerade eine Laufveranstaltung, könnts nicht auf der Seite des Weges gehen?! Das war in vergangenen Jahren nicht der Fall bzw. wesentlich besser geregelt oder organisiert.

Showtime!

Wie auch vor zwei Jahren war hier nicht jeder Kilometer beschildert bzw. ausgewiesen und gefühlt zogen sich die letzten 7 Kilometer etwas, was vermutlich auch dem Gegenwind zugeschrieben werden kann. Es lief sich zwar leicht anstrengender als in den ersten zwei Dritteln des Halbmarathons, aber ich war bei weitem nicht am Limit. Ich sammelte nach wie vor die sporadischen MitläuferInnen ein und bei Kilometer 17 blickte ich auf meine Stoppuhr und fing an zu rechnen… hm, eine 1:50er Zeit könnte sich ausgehen! Beflügelt von diesem Gedanken entschied ich, dass es Zeit für “Showtime” ist und ich die letzten 4 Kilometer im “Rennmodus” laufen werde. Eine 1:50er Zeit auf dieser Strecke wäre der Wahnsinn!

Aus diesem Grund ist meine Erinnerung an die letzten 4 Kilometer auch eher vage. Im Runner’s High liefen die Beine wie von selbst, der Kopf war wunderbar leer und ich war einfach nur glücklich, dass es heute so gut läuft. So muss Halbmarathon! Am letzten Kilometer sah ich eine Gruppe von LäuferInnen vor mir, die ich noch überholen wollte und setzte zum Endspurt an. Die Gruppe hinter mir gelassen war ich dann auch schon auf den letzten hundert Meter und mein Blick blieb an der Stoppuhr hängen: 1:49:xx! Ok, Andrea, zieh an! Sub 1:50 geht sich aus. Wo ist die Ziellinie? Wann kann ich stehenbleiben? Oh, da ist die Zielline. Geschafft! Stopp gedrückt: 1:49:59 handgestoppt! Neue PB auf der Halbmarathon-Distanz! Man hängt mir die Finisher-Medaille um und ich wanke in Richtung Endlabe, wo es dieses Jahr leider keinen Kuchen mehr gab, aber ich war auch mit Wasser und Bananen zufrieden.

Streckenverlauf Ossiacher See Nachthalbmarathon Ossiach - Bodensdorf

Streckenverlauf Ossiacher See Nachthalbmarathon Ossiach – Bodensdorf

Was für ein Halbmarathon! Was für ein Lauf! Das hätte ich nicht geglaubt, dass es — im wahrsten Sinne des Wortes — so gut laufen wird. Nach der Erstversorgung mit Bananen, Wasser und einem Magnesiumstick (gab es zur freien Entnahme) verlasse ich die Endlabe, wo auch schon meine Mutter (die beste Betreuung bei Läufen!) auf mich wartet. Ihre erste Reaktion war: “Du bist ja verrückt!” Yup, guilty as charged. Verrückt und ich liebe es! Sie erwähnt, dass nicht viele Frauen vor mir ins Ziel gekommen sind, so ca. 10 Frauen hat sie gezählt. Hm, vielleicht sollte ich dann doch auf die offiziellen Ergebnisse warten, bevor ich die Heimreise antrete, denn wer weiß…

Wir gehen zum Auto, ich ziehe mich um und weil online noch keine Ergebnisse veröffentlicht waren, gehen wir zurück zum Zielbereich, wo tatsächlich auch schon die Ergebnisse ausgehängt sind. Mit einer offiziellen Zeit von 1:49:47 erreichte ich als 12. Frau (von 74) das Ziel und belegte in W-35 den 2. Klassenrang (von 10). In diesem Moment dachte ich, ich träume. Platz 2 in W-35?! Ich?! Ich konnte es nicht glauben, blickte abermals auf die Ergebnisliste und ja, 2. in W-35. Oh my. OH MY! Freudentränen schossen in meine Augen. Dass ich es bei einem Halbmarathon einmal aufs Stockerl schaffen würde, hätte ich mir nicht einmal in meinen wildesten Träumen vorgestellt. Also auf die Siegerehrung warten, denn wenn man schon einmal unter die ersten Drei läuft, dann soll man sich das nicht entgehen lassen…

Völlig überrascht am Stockerl

Völlig überrascht am Stockerl

Leider verzögerte sich die Siegerehrung und begann nicht wie geplant um 22:00 Uhr, sondern erst kurz vor 22:30 Uhr. Wegen dieser Verzögerung ging der Veranstalter dazu über, die Siegerehrung möglichst rasch abzuwickeln und bat folglich alle Dritt-, Zweit- und Erstplatzierten aller Allersklassen jeweils gemeinsam aufs Stockerl. Ich werde bei den Zweitplatzierten aufgerufen, bekomme ein Glas echten Kärntner Bienenhonig und eine Salami als Preis überreicht und stelle mich gemeinsam mit allen anderen Zweiten auf das Treppchen. Ich kann es nach wie vor nicht glauben und dementsprechen verdutzt schaue ich auch drein. Wow. Wahnsinn. Verrückt. Leider geil. Die ganze Heimfahrt habe ich einen Dauergrinser. Ossiach, nächstes Jahr sehen wir uns wieder!

14. Parktherme Wüstenlauf

So viel ist in den letzten zwei Wochen passiert, dass ich leider das Blog etwas vernachlässigt habe und vor allem mit Laufveranstaltungsberichten etwas säumig bin. Doch das wird jetzt nachgeholt und beginnen möchte ich mit dem Bericht zum 14. Parktherme Wüstenlauf in Bad Radkersburg, der am Samstag, den 30. Mai 2015 stattfand.

Gleichsam wie im vergangenen Jahr entschied ich mich für den Dörferlauf über (offiziell) 13,6 Kilometer als schnellen Trainingslauf für den in einer Woche darauf stattfindenden Ossiacher See Nachthalbmarathon. Es würde abermals im wahrsten Sinne des Wortes ein heißer Lauf bei Temperaturen um 25°C werden — der Name “Wüstenlauf” ist Programm! Mein Ziel war die Zeit aus dem Vorjahr (1:14:51) zu unterbieten, was mir realistisch und durchaus machbar erschien.

Streckenverlauf "Dörferlauf" im Rahmen des Wüstenlauf Bad Radkersburg

Streckenverlauf “Dörferlauf” im Rahmen des Wüstenlauf Bad Radkersburg

Das übliche Prozedere wie Anreise, Parkplatzsuche und Startunterlagenabholung verlief gänzlich unspektakulär und der Wüstenlauf wurde pünktlich um 15:30 Uhr gestartet. Ich kenne die Strecke ja aus dem Vorjahr und nach der “Aufwärmrunde” durch die Altstadt von Bad Radkersburg mit Kopfsteinpflaster ging es auch schon in Richtung “Kukurz-Wüste” und Mur-Auen. Auf den ersten vier Kilometern war es sehr heiß mit Temperaturen um 30°C (laut Polar V800), doch dann verdeckten Wolken die Sonne und es wurde geringfügig (ca. 28°C) angenehmer. Die ersten 7 Kilometer waren schnell gelaufen und ich hatte das Glück in diesem Abschnitt fast die ganze Zeit in einer Gruppe von Läufern laufen, die in etwa meine angepeilte Durchschnittspace von 5:10 bis 5:15min/km liefen.

Pre-Start Selfie

Pre-Start Selfie

Dann kam die Wegzweigung, wo die Halbmarathon-Läufer nach rechts abbogen, während die Dörferläufer nach links liefen. Leider verabschiedeten sich meine Begleiter alle nach rechts und ich war abermals ganz allein auf der Dörferlauf-Strecke. Auf einem Schotterweg ging es nun in Richtung Mur-Auen, der Streckenabschnitt, den ich aus dem Vorjahr noch recht lebhaft in Erinnerung hatte. Plötzlich erblickte ich etwa 100m vor mir einen anderen Läufer und begann, zu ihm aufzuschließen, was mir auch recht bald gelang. Eine zeitlang lief ich dann quasi im Windschatten dieses Läufers, doch er wurde zusehends langsamer und wenn ich meine Pace ins Ziel halten wollte, musste ich überholen.

Ich überholten den Läufer; dann liefen wir eine Weile nebeneinander und kamen ins Gespräch. Diese Ablenkung tat mir gut und machte das ganze etwas kurzweiliger, denn die Gegend in den Mur-Auen ist doch eher einsam. Letztes Jahr schwächelte ich auf diesem Streckenabschnitt, doch dieses Jahr lief es gut und schon waren 12 Kilometer absolviert. Auf den letzten zwei Kilometern kam jedoch wieder die Sonne heraus und brannte gnadenlos auf den Asphalt. Die Temperatur stieg merklich und damit auch mein Puls. Ich stöhnte förmlich unter der Hitze. Das waren zwei lange und harte Kilometer! Eigentlich wollte ich nicht ans Limit gehen. Eigentlich. Aber so kurz vor dem Ziel nachlassen? Nein, kommt nicht in Frage. Kilometer 13 lief ich in 5:10min/km und den letzten Kilometer knallte ich in 5:00min/km auf die Straße. Zielsprint! 1:13:25 handgestoppt!

Zielsprint beim Wüstenlauf 2015

Zielsprint beim Wüstenlauf 2015

Offiziell waren es dann 1:13:22, was schlussendlich den 8. Gesamtrang bei den Frauen und den 3. Platz (von 13. Läuferinnen) in der Altersklasse W-30 bedeutete. Das überraschte mich und ich war überaus zufrieden, denn ich konnte die Zeit aus dem Vorjahr doch um mehr als eine Minute unterbieten. Im Ziel war ich dann ziemlich fertig und musste mich für einige Minuten im Schatten hinsetzen und mich sammeln. Die Hitze und ich — beim Laufen werden wir werden wohl keine Freunde mehr. Glücklicherweise erholte ich mich recht schnell und nach einer Stärkung an der Ziellabestation ging es in die Parktherme zum Entspannen.

21. Welschlauf

Am ersten Samstag im Mai findet in der Südsteiermark der Welschlauf statt: Ein sehr geselliger, wenngleich auch etwas “hügeliger” Lauf mit 1440 Höhenmetern auf der Marathondistanz, der immer abwechselnd von Wies nach Ehrenhausen oder von Ehrenhausen nach Wies gelaufen wird. Da im vergangenen Jahr das Ziel in Ehrenhausen war, ging es am 2. Mai 2015 also in Richtung Wies.

Glücklicherweise werden beim Welschlauf auch entsprechende Unterdistanzen (HM mit 590hm, “Viertelmarathon” 12,2km mit 380hm) angeboten, um einem größeren Läuferkreis die Teilnahme zu ermöglichen. Mir hat der Viertelmarathon des 20. Welschlaufs 2014 sehr gut gefallen und daher stand der 21. Welschlauf fix in meinem Kalender — die Frage war nur, HM oder VM? In Anbetracht des eine Woche zuvor stattfindenden Duathlons entschied ich mich für den Viertelmarathon über 12,2km und 380 Höhenmetern.

Bereits am Vortag — der 1. Mai Feiertag bot sich dafür wunderbar an — fuhr ich am Nachmittag nach Leutschach zum Startfest mit Startnummernausgabe. Vor Ort war alles sehr gut organisiert, aber um meine Startnummer zu erhalten, musste ich mich ca. 30 Minuten anstellen. Es gab zwar getrennte Bereiche für die verschiedenen Bewerbe, doch wie es Murphys Gesetz will, war die Schlange für den Viertelmarathon mit Abstand am längsten, obwohl der Viertelmarathon gar nicht der teilnehmerstärkste Bewerb ist. Schlussendlich konnte ich die Startnummer mit Startsackerl und Funktions-T-Shirt (kein Leiberl-Dilemma, Größe S noch vorrätig!) in Empfang nehmen und zum gemütlicheren Teil des Ausflugs übergehen: Bei der Startnummernausgabe erhielt jeder Läufer einen Gutschein für ein Getränk (Wein, Bier, Saft) und ein Essen (Pasta mit Fleisch oder Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster), den man beim Startfest an Ort und Stelle einlösen konnte. Die Essensausgabe ging sehr zügig von statten und der Kaiserschmarrn war sehr gut! Neben traditionell steirischer Live-Musik gab es auch eine Mini-Lauf-Expo mit einem Stand, der Laufschuhe und diverses Zubehör anbot.

Den Welsch laufen

Samstag war dann Race Day und ich wachte mit dem Plan, einfach einen flotten Trainingslauf im Südsteirischen Hügelland zu laufen, auf. Das Streckenprofil ließ zwei gröbere Steigungen erkennen; die ersten zwei Kilometer waren flach, doch danach ging es mehr oder weniger hügelig ins Ziel. Ich wollte nach Gefühl laufen (also nie Vollgas bzw. am Limit) und die Strecke genießen, denn Altersklassen gibt es beim Welschlauf keine und es steht die Geselligkeit und das Miteinander im Vordergrund. Aus diesem Grund habe ich mir auch gar keine explizite Zielpace gesetzt. Wettertechnisch hoffte ich auf angenehme Temperaturen und angesichts des vorausgesagten “Aprilwetter” mit Regenschauern standen die Chancen nicht schlecht.

Streckenprofil Welschlauf 2015 Viertelmarathon Saggau - Wies

Streckenprofil Welschlauf 2015 Viertelmarathon Saggau – Wies

In Wies stieg ich kurz vor 13 Uhr in den Shuttlebus, der die Läufer zum Start des Viertelmarathons nach Saggau brachte. Sowohl in Wies als auch in Saggau war es zu dem Zeitpunkt noch heiter bis bewölkt, doch während ich in Saggau auf den Start um 14 Uhr wartete, wurden die Wolken immer dichter und es begann leicht zu regnen. Perfekte Bedingungen, ca. 16°C und leichter Regen! Die Zeit bis zum Start verging schneller als erwartet: Boxenstopp beim WC-Anhänger, Rucksack beim “Lumpentransport” abgeben, etwas einlaufen und in der Startaufstellung einen Platz im vorderen Drittel beziehen. Auch dieses Jahr waren wieder einige maskierte bzw. kostümierte LäuferInnen am Start und pünktlich um 14 Uhr ging es dann los.

Vor dem Start des Viertelmarathons in Saggau

Vor dem Start des Viertelmarathons in Saggau

Genau als ich über die Zeitnehmungsmatte lief, meldete mir meine Polar V800, ich möge doch stillstehen, damit sie ein GPS Signal finden kann. Wie ärgerlich, vorhin in der Startaufstellung hatte ich binnen weniger Sekunden 100% GPS und jetzt plötzlich ist das Signal weg. Was tun? Stehenbleiben? Nein, niemals, dann laufe ich halt ohne “Live Pace”! Vielleicht findet sie ja doch noch ein Signal? Die Kilometer sind ja beschildert und ich wollte ohnehin nach Gefühl laufen. Es ging ca. 2 Kilometer bei nach wie vor leichtem Regen auf der nassen Straße nach Wuggau, wo sich vor dem ersten Anstieg auch die erste Labestation auf der Viertelmarathonstrecke befand. Interessanterweise fand die V800 dann doch noch am ersten Kilometer genügend Satelliten und lieferte mir fortan wie gewohnt aktuelle und durchschnittliche Pace. Ungeachtet davon lief ich mein Tempo und ließ mich von zahlreichen LäuferInnen überholen, die es hier im flachen Abschnitt etwas flotter angingen.

Riegl aufi, Riegl obi

In Wuggau dann zum ersten Mal tolle Stimmung mit Live-Musik an der Labestation, ehe es erstmals bergauf ging — und diese erste Steigung hatte es in sich! Einige LäuferInnen bezwangen sie gehend, während ich recht locker hochtänzelte und im Wald sogar meine Sonnenbrille abnehmen musste, weil es so dunkel war. Am höchsten Punkt dieses Anstiegs angekommen ging es kurz etwas bergab, ehe es gleich wieder berauf ging. Ja, das ist der Welschlauf: Riegl aufi, Riegl obi (auf Hochdeutsch: Hügel rauf, Hügel runter) und bis zum Ziel in Wies setzt sich dieses Schema fort. Alle zwei Kilometer eine Labestation von einer der Welschgemeinden (wird durch Plakate schön ausgewiesen!) mit Standardverpflegung (Wasser, Iso, Obst) und Welschriesling, teilweise auch mit Live-Musik, aber immer mit guter Stimmung!

Nach der ersten Steigung verzogen sich auch die dichten Wolken samt Regen und ich musste meine Sonnenbrille wieder aufsetzen, da mich ab sofort die Sonne ins Ziel begleiten würde. Die ersten 6 Kilometer verflogen schneller als erwartet und ich erfreute mich an der tollen Landschaft, der abwechslungsreichen und interessanten Laufstrecke und den zahlreichen lautstark anfeuernden Zuschauern! Zwischen Kilometer 6 und 7 befindet sich die zweite markante Steigung nach St. Ulrich in Greith. Am Ende der Steigung im Ort selbst waren mehrere Schilder aufgestellt: Auf dem ersten stand “Atemlos?”, auf dem zweiten “Geschlaucht?”, auf dem dritten “Heiße Fussi?”, auf dem vierten “Puls 180?” Ich musste schmunzeln und einige Läufer in zückten sogar ihre Handys, um zu fotografieren. Nach dem ersten Schild hatte ich kurzfristig Bedenken, dass mir gleich eine gewisse Helene F. das gleichnamige Lied entgegenschmettern würde, aber wie es sich herausstellte, waren die Schilder eine originelle Werbeidee für Erholungsurlaub in diesem Ort.

Danach ging es wie bekannt weiter, Riegl aufi, Riegl obi… und bei jedem “Riegl aufi” dachte ich mir, ugh, es geht schon wieder bergauf? Ich empfand es aber nicht als Qual oder große Mühe, sondern lief nach wie vor gut gelaunt und locker dahin, obwohl die Temperatur durch die Sonne mittlerweile deutlich gestiegen war. Die grüne Landschaft, die blühenden Goldregen- und Fliedersträuche, die Weinberge… all das erscheint im Sonnenschein natürlich viel schöner! Mittlerweile war ich einigen Nordic Walkern aufgelaufen, die bereits um 13 Uhr in Saggau gestartet sind. Interessantes Phänomen in diesem Zusammenhang: Egal wie breit die Straße ist, Nordic Walker schaffen es immer, die gesamte Fahrbahnbreite für sich zu beanspruchen. Teilweise spazierten sie zu viert nebeneinander und boten den Läufern kaum Platz zum Überholen.

Gut gelaunt am letzten Kilometer

Gut gelaunt am letzten Kilometer

Nach Kilometer 11 ging es nur mehr bergab und folglich lief ich die restliche Strecke deutlich unter 5:00min/km. Das Ziel in Wies war in Reichweite: Die Ortstafel, die Bahnübersetzung und die langgezogene Linkskurve zum Hauptplatz. Auf den letzten hundert Metern lieferte ich mir noch einen Zielsprint mit der einzigen Dame in meiner unmittelbaren Nähe. Geschafft! Eine gut gelaunte Dame im Dirndl hängte mir die Welschlauf-Medaille um den Hals und ich begab mich sofort zur Ziellabe, wo es gleichsam wie im letzten Jahr neben den üblichen Getränken, Obst und Weißbrot auch Brote mit diversen Aufstrichen (Liptauer, Verhackert, usw.) gab. Danach holte ich meinen Rucksack vom Lumpentransport ab und spazierte gemütlich zum Auto, um mich umzuziehen. Kaum beim Auto angekommen, fing es auch wieder an zu regnen! Da war mein Timing ja perfekt, denn ich bin trockenen Fusses ins Ziel gekommen.

Showtime! Zielsprint!

Showtime! Zielsprint!

Erst als ich längst zu Hause war, konnte man das Ergebnis im Internet einsehen: 1:10:09 für 12,2km mit 380hm. Platz 13 bei den Frauen (von 215.) bzw. 95. Gesamt (von 577.) Mit diesem Ergebnisse habe ich nicht gerechnet, da ich durchwegs sehr locker und nie am Limit gelaufen bin — ganz im Gegenteil, ich hatte richtig Spass auf der Strecke! Der Welschlauf war ein Genuss und ich kann diese Laufveranstaltung nur wärmstens empfehlen! Der 22. Welschlauf findet übrigens am Samstag, dem 7. Mai 2016 statt.

21. Welschlauf 2015 Medaille

21. Welschlauf 2015 Medaille