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Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2016

Sonntag, 21. August 2016, morgens kurz vor 9 Uhr in Velden und ich stehe abermals im Startblock für den Wörthersee Halbmarathon im Rahmen von Kärnten Läuft. Bereits zum vierten Mal in Folge — ja diese Veranstaltung hat Tradition. Zehn Monate nach meinem letzten Halbmarathon in Graz, acht Monate nach meinem Sturz. Lange habe ich daran gezweifelt, überhaupt wieder schmerzfrei laufen zu können, von einem Halbmarathon ganz zu schweigen. Aber da stehe ich nun im 1:50er Startblock und so findet die Verletzungsgeschichte nun hoffentlich endlich ihren Abschluß, indem ich in weniger als zwei Stunden über die Ziellinie in Klagenfurt laufe.

“Richtig” trainiert habe ich für den Halbmarathon nicht, denn dieses Jahr lag der Fokus eben verletzungsbedingt auf Triathlon, denn Schwimmen und Radfahren war viel früher wieder möglich als Laufen. Konkret bestand das Training aus ein paar längeren (ca. 16km) Läufen in den Wochen nach dem Gösselsdorfer Triathlon im Juli. Gerade bei den längeren Läufen merkte ich meine linke Hüfte/Oberschenkel doch noch deutlich und daher wollte ich es gemütlich angehen und einfach gesund und wenn möglich ohne Schmerzen ins Ziel kommen.

Wettertechnisch hatte ich mich auf ein Regenrennen a la Graz Marathon 2015 eingestellt, prognostizierten die Wetterfrösche doch gedämpfte Temperaturen um 16 Grad und teilweise Starkregen für Sonntag Vormittag — also bis auf den Starkregen genau mein Lieblingslaufwetter! Während es in der Nacht und auch noch morgens leicht bis mäßig regnete, wurde es bereits auf dem Weg nach Klagenfurt immer trockener und freundlicher und als ich schließlich in Velden zur Kleiderbeutel-Abgabe spazierte, lachte die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Also doch noch Sonnenschutz auftragen, bevor es zum Start geht.

Ich stelle mich in den 1:50er Startblock, um es wie geplant gemütlich anzugehen. (Leider gab es dieses Jahr keinen 1:45er Pacemaker, sondern nur 1:40 und eben 1:50.) Es hat gefühlt 30 Grad, die Sonne brennt vom Himmel und außerdem ist es viel zu früh. Während ich warte, dass sich die Menschenmenge um mich in Bewegung setzt, muss ich ein paar Mal gähnen und mit einem Anflug von Müdigkeit kämpfen. Mit 3 Stunden Schlaf bin ich halt nicht ausgeschlafen. Der erste Startschuss fällt um 9 Uhr, doch dauert es ganze 12 Minuten, bis ich endlich die Startlinie überquere.

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Die Strecke ist mir ja aus den Vorjahren hinreichend bekannt; durch Velden vorbei am Casino, wo wieder der Männergesangsverein Kärntner Lieder zum Besten gibt. Die regennasse Straße wird nun von der Sonne aufgetrocknet und es dampft wunderbar herrlich vom Asphalt. Innerlich verfluche ich den Wetterbericht — von wegen Starkregen!? Oh das könnte eine zache Partie werden, aber nach dem ersten Kilometer habe ich meinen Rhythmus gefunden und es geht überraschend locker dahin, obwohl es feucht-schwül ist. Bis Kilometer 5 etwa begleitet mich die Sonne, doch dann versteckt sie sich hinter den aufziehenden Wolken, was sich aber kaum auf die gefühlte Temperatur auswirkt.

Beim kleinen Anstieg bei Techelsberg stelle ich fest, dass ich ca. 200m hinter dem 1:50er Pacemaker bin, obwohl im hinteren Drittel des Startblocks losgelaufen bin. Auch ein Blick auf meine Uhr bestätigt, dass ich schneller als der Pacemaker unterwegs bin. Ich habe mir vorgenommen, mein “Ding” zu laufen und beispielsweise nicht zwanghaft zu versuchen, mich bei einem Pacemaker anzuhängen. Doch es läuft gut, ich überhole permanent LäuferInnen und mein Abstand zum Herrn mit der blauen Fahne wird langsam, aber ständig kleiner. Wir erreichen Pörtschach und somit den engsten Abschnitt der Strecke. Die Stimmung beim Promenadenbad ist gut, ein DJ legt auf und der Moderator sorgt für unterhaltsame Kommentar. Den nun mehr wenige Meter vor mir laufenden Pacemaker kommentiert er mit, “1:50? Was tuts ihr denn schon da?”

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links...

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links…

Kurz nach der 10,5km Marke laufe ich dem Pacemaker und der Traube, die sich um ihn gebildet hat, auf. Es ist sehr eng und ich kann die Gruppe erst überholen, als es zurück auf die Hauptstraße geht. Dadurch lasse ich wohl einige Sekunden liegen und wie es sich im nachhinein herausstellte, war Kilometer 11 auch der langsamste. Ich bin doch ein gutes Stück hinter dem Pacemaker gestartet und nun hab ich ihn überholt. Wenn ich diesen Vorsprung ins Ziel halten kann, dann wird es eine Sub-1:50er Zeit. Der Streckenabschnitt von Pörtschach nach Krumpendorf ist wie jedes Jahr recht trostlos, daher konzentriere ich mich voll und ganz aufs Laufen. Ja, man könnte meinen, es hat sich nun ein “Flow” eingestellt.

Es ist zwar bewölkt, aber dennoch recht schwül. Vor Krumpendorf bemerke ich, dass mir die Fusssohlen brennen. Weiters ist die Bundesstraße in der langgezogenen Linkskurve beim Biomasseheizwerk stark geneigt, was sich negativ in meiner linken Hüfte bemerkbar macht. Das ist mir in den Vorjahren nie so aufgefallen, aber diesmal spüre ich, dass ich mit dem linken Bein deutlich “tiefer” auftrete als mit dem rechten. Ich bin erleichert, als ich Krumpendorf erreiche und somit wieder “eben” laufen kann. Nun sind 16 Kilometer gelaufen und ich liege sehr gut in der Zeit. Aber erfahrungsgemäß können es diese letzten 5 Kilometer in sich haben.

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Ich muss gestehen, die Pamperlallee und ich, wir werden keine Freunde mehr: Diese elendslange Gerade bereit mir einfach keinen Spaß. Doch dieses Jahr empfinde ich sie als nicht so schlimm und es läuft sich nach wie vor verhältnismäßig locker, wenn man von den brennenden Fusssohlen absieht. Kilometer 18, Kilometer 19… die Strecke ist mir mehr als bekannt, ich weiß, es ist wirklich nicht mehr weit. Auf den letzten beiden Kilometern muss ich etwas kämpfen und beißen, doch ich kann die Pace halten. Als ich bei der Lido Villa Richtung Ziel abbiege, ist die Stimmung überwältigend. Ich genieße die letzten paar hundert Meter, sauge die Atmosphäre auf und überquere nach 1:48:31 die Ziellinie. In diesem Moment fällt mir die Last ab; all die Ungewissheit und Zweifel sind nun weg. Ich kann wieder Halbmarathon laufen!

Nach einer Massage geht es wie immer ins Strandbad, wo ich einen kurzen Sprung in den Wörthersee wage. In der Zwischenzeit sind die Wolken dichter geworden und als ich das Strandbad verlasse, fängt es auch tatsächlich an zu regnen. D’Oh! Das offizielle Ergebnis ist Platz 1006 (von 2648), Platz 89 (von 688) bei den Frauen und der 10. Platz (von 90) in meiner Altersklasse W-35. Angesichts dieser Resultate bin ich hochzufrieden, da es wirklich besser als erwartet gelaufen ist!

Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2015

Sonntag, 23. August 2015, 5:10 Uhr — Tagwache, der Wecker holt mich nach weniger als 3 Stunden Schlaf aus dem Bett. Wer mich kennt weiß, dass ich zu dieser Uhrzeit normalerweise nicht aufstehe, außer es ist Kärnten Läuft und es heißt “Guten Morgen Halbmarathon”. In wenigen Stunden werde ich mittlerweile bereits zum dritten Mal die 21,1 Kilometer entlang des Wörthersees von Velden nach Klagenfurt in Angriff nehmen; dieses Jahr mit neuer Streckenführung in Pörtschach, die die ungeliebte Schleife in Krumpendorf obsolet macht.

Die Vorzeichen für den Halbmarathon standen nicht besonders gut, denn nach dem perfekten Laufwetter (und auch Lauf!) im letzten Jahr (heiter bei max. 16° C) würde es dieses Jahr wieder deutlich wärmere Temperaturen geben. Beim offiziellen Streckentest am 6. August hatte es abends um 19 Uhr noch heiße 32° C im Schatten und meine Performance bei diesem geführten Lauf (ca. 8km vom Seeparkhotel zum neuen Streckenabschnitt in Krumpendorf und retour) war schlicht und einfach katastrophal. Die beiden Pacemaker liefen einen gemütlichen 6:00er Schnitt, doch mein Puls war “through the roof” und auch mein Befinden war miserabel. Etwa eine Woche danach musste ich einen Trainingslauf verkürzen, da bei 33° C nichts mehr ging. Dazu kommt, dass bis Ende August noch der Beifuß blüht und mir mit allergischem Asthma das Leben schwer macht. Der Gedanke, in wenigen Tagen bei womöglich ähnlichen Temperaturen und Bedingungen einen Halbmarathon zu laufen, bereitete mir Unbehagen, ja, wenn nicht sogar etwas Angst und dementsprechend bescheiden peilte ich als Zielzeit irgendwas zwischen 1:50 und 1:55 an.

Nach der neuen Halbmarathon-PB von 1:49:47 bei Ossiacher See Nachthalbmarathon Anfang Juni, wo die Strecke deutlich mehr Höhenmeter aufweist, müsste diese Zeit rein theoretisch beim Wörthersee Halbmarathon zu unterbieten sein, denn im letzten Jahr schaffte ich eine 1:50:55. Doch da war es deutlich kühler, ich hatte kein Asthma und es gab auch noch nicht die zwei neuen Streckenabschnitte, wovon ich nur den kürzeren in Krumpendorf beim Streckentest besichtigte. Zu viele unbekannte Variablen (wie heiß wird es tatsächlich, werde ich Luftprobleme bekommen, wie “schnell” ist der neue Streckenabschnitt in Pörtschach) sprachen für eine eher vorsichtige Rennstrategie: Am Start zügig mit etwa 5:10min/km wegkommen, dann sehen, wie es läuft und versuchen, möglichst konstant durchzulaufen, wenn ich mich gut fühle, ansonsten einen Gang zurückschalten und gesund ins Ziel kommen.

Es ist mir wichtig, dass der Morgen vor einem Rennen stressfrei ist, daher stelle ich den Wecker etwas früher, um genügend Zeit für Frühstück und Anreise zu haben. Kurz vor halb 8 Uhr treffe ich in Klagenfurt ein, finde beim neuen Park-and-Ride in unmittelbarer Nähe der neuen Bahnhaltestelle Klagenfurt West sofort einen Parkplatz und nehme den Shuttlezug um 7:37 Uhr nach Velden. Als ich in den Zug einsteige, ist dieser schon gut gefüllt, aber ich kann noch einen Sitzplatz finden. Die Fahrt nach Velden kommt mir länger vor als in den vergangenen Jahren; ich sitze am Fenster und blicke gegen die Fahrtrichtung. Normalerweise macht mir das nichts aus, aber diesmal wird mir leicht flau — die Luft im Zug ist stickig und es ist viel zu früh. Doch als ich in Velden vom Zug aussteige und zum Start spaziere, geht es mir sofort wieder besser.

Mehr See geht nicht

Im Startbereich die übliche Routine: Dixi-Stopp, Kleiderbeutel abgeben und in den Startblock einreihen. Ich wähle den Startblock zwischen dem gelben 1:45 und dem roten 1:50 Ballon. Lustige Anekdote am Rande: Der 1:50er Pacemaker sitzt lässig am Absperrgitter und plaudert mit den LäuferInnen. Plötzlich ein Aufschrei, der Akku seiner Laufuhr ist leer. Panik! Wie soll er ohne Uhr seinen Job als Pacemaker erledigen? Ein Bekannter, der in der Nähe ist, leiht ihm seine Uhr und alles ist gut. Im Startblock ist es sehr eng und heiß und ich bin froh, als um ca. 8:50 Uhr die Elite ins Rennen geschickt wird. Danach folgte der nächste Startblock und etwa 4 Minuten nach dem offiziellen Rennstart setzt sich auch mein Startblock in Bewegung.

Startbereich in Velden

Startbereich in Velden

Da ich mir vorgenommen habe, vom Start weg zügig zu laufen, komme ich auch erstaunlich gut weg. Die Beine fühlen sich gut an und auch die Temperatur ist jetzt angenehm. Vor dem Casino gleichsam wie in den letzten Jahren der Männergesangsverein. Links vor mir ein Läufer ohne Schuhe — Wahnsinn, einen Halbmarathon barfuss zu laufen, denke ich mir. Die ersten Kilometer sind recht kurzweilig und meine Pace pendelt sich um 5:00min/km ein. Schneller als erwartet erreiche ich die Fabrik bei Saag und somit die erste Labestation. Guter Laune nähere ich mich dem einzigen wirklich offensichlichten Anstieg der Strecke bei Töschling und bewältige diesen leicht und locker, denn das erste Drittel des Halbmarathons ist geschafft.

Als ich Pörtschach erreiche, freue ich mich schon auf den neuen Streckenabschnitt. Zuvor lief man ja einfach nur entlang der Bundesstraße durch den Ort durch, aber nun macht man einen Abstecher zur Halbinsel, um so noch mehr vom Wörthersee sehen zu können. Aus dem Streckenplan ist mir bekannt, dass sich beim Promenadenbad auch eine Labestation befindet und ich ziehe mir mein Gel rein, damit ich dort mit einem Schluck Wasser den klebrigen Geschmack im Mund loswerden kann. Dann biegen wir auch schon rechts von der Hauptstraße weg in Richtung Halbinsel. Auf einem engen Weg schlängelt sich die Läufermenge in Richtung Promenadenbad und just in diesem schmalen Bereich überholt mich ein Handbike-Fahrer mit Startnummer, der offenbar eine Sondergenehmigung für die Teilnahme hat. Die Kulisse mag zwar beeindruckend sein, aber davon bekomme ich sehr wenig mit, da die geringe Wegbreite und hohe Läuferdichte volle Konzentration erfordern. Auf der Strandpromenade, wo auch der Viertelmarathon gestartet wurde, wechselt der Untergrund von Asphalt auf feinen, sandigen Schotter, womit ich keine wirkliche Freude habe.

Strandpromenade in Pörtschach

Strandpromenade in Pörtschach

Die 10 Kilometer Markierung passiere ich bei knapp 51 Minuten und damit liege ich sehr gut in der Zeit, obwohl ich sowohl auf Kilometer 10 und 11 gezwungenermaßen langsamer (5:14 und 5:15min/km) gelaufen bin. Der neue Streckenabschnitt in Pörtschach mit seiner Enge und Kurven hat die Halbmarathonstrecke definitiv verlangsamt. Erst als ich zurück auf der Bundesstraße bin, kann ich das Tempo wieder anziehen und um 5:05min/km halten. Ich bin nach wie vor guter Dinge, obwohl mir mittlerweile die Fusssohlen etwas zu brennen anfangen. Kilometer 13 in Pritschitz war dann mit 5:16min/km der langsamste von allen aufgrund der “Schikane”, wo man zuerst durch die Unterführung und dann über eine steile Linkskurve auf die Bundestraße läuft.

Die nächsten Kilometer kann ich wieder mit der geplanten Pace laufen; der Abstand zum gelben 1:45er Ballon ist größer geworden, aber als ich einmal kurz zurückblicke, kann ich den roten 1:50er Ballon nirgends sehen. Ich erreiche Krumpendorf, wo die Stimmung an der Labestation wie jedes Jahr großartig ist. Die lange Schleife in den Ort bis zum Gemeindeamt gibt es nicht mehr, aber eine “Mini-Schleife” entlang der Labestation muss man allerdings noch laufen, ehe man Kilometermarke 16 erreicht. Nun geht es über den Koschatweg und der Pamperlallee zum kurzen neuen Streckenabschnitt beim Yachthafen, den ich bereits beim Streckentest besichtigt habe. Gefühlt zieht sich der Koschatweg und die Pamperlallee sowieso; im Koschatweg sitzt ein Läufer am Asphalt und reibt sich den Knöchel und ich habe den flüchtigen Gedanken, wie schön es wäre, sich jetzt an Ort und Stelle ebenfalls hinzusetzen. In der langen kerzengeraden Pamperlallee bemerke ich erstmals, dass mir warm ist und ich freue mich auf den neuen Abschnitt im Kurpark, der durchgehend schattig ist.

Als ich den Kurpark verlasse, passiere ich die 18. Kilometermarke und sehe, wie der rote 1:50 Ballon gerade von der Pamperlallee in den Kurpark einbiegt. Das gibt mir einen Ruck und ich entscheide, die letzten 3 Kilometer noch einen Zahn zuzulegen, um ja nicht vom roten Ballon eingeholt zu werden. Meine Erinnerungen an Kilometer 19 und 20 sind vage; dort irgendwo lag ein Läufer auf der Straße und der Rettungswagen fuhr gerade vor, um diesen einzusammeln. Ich habe sämtliche Rechenspiele im Kopf eingestellt, denn solange ich vorm roten Ballon ins Ziel komme, ist alles gut. Auf den letzten Kilometern muss ich kämpfen, denn mir ist nun heiß und durch die Anstrengung bekomme ich schlecht Luft. Wie sehr hab ich mir ein Runners High wie im letzten Jahr an dieser Stelle gewünscht!

Endlich der Wasserbogen, der kaum für Erfrischung sorgt. Nun ist es wirklich nicht mehr weit. Endlich die Villa Lido und ich biege auf die letzten 500m. So viele Menschen, eine Wahnsinnsstimmung! Noch schnell über den verbleibenden Rest der Wörthersee-Bühne und ich bin auf der Zielgerade. Ich hüpfe über die Ziellinie, reiße kurz die Arme hoch und drücke Stopp: 1:48:17 hangestoppt! Geschafft! Im Zielbereich warten überraschenderweise zwei KollegInnen vom Triathlon-Verein auf mich und gratulieren mir. Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um. Ich bin außer Atem und mir ist etwas schwindlig. Ich unterhalte mich noch kurz mit meinen VereinskollegInnen und bahne mir durch die Läufermasse den Weg zum Ziellabebereich. Mir ist nicht so gut und ich will mich eigentlich so schnell wie möglich hinsetzen, doch dort ist kein Platz und da man nicht mehr den Ziellabebereich betreten darf, wenn man ihn einmal verlassen hat, nehme ich mir eine Banane und drei 0,5l Flaschen Wasser. Beim Ausgang aus dem Ziellabebereich schnauzt mich ein Ordner an, dass für die langsamere Läufer nichts mehr übrig bleibt, wenn sich alle drei Flaschen Wasser nehmen. Es war mir nicht bewusst, dass Wasser Mangelware ist und wenn das tatsächlich der Fall ist, kann man das auch anders kommunizieren. Dieser Vorfall hat mich im Nachhinein mehr geärgert als mir lieb war, zumal fast alle LäuferInnen sich ähnlich bzw. sogar umfangreicher verpflegt haben.

Im Ziel mit 1:48:10

Im Ziel mit 1:48:10

Da ich dieses Jahr die Anmeldefrist nicht übersehen habe, darf ich in die Relax-Zone des Raiffeisen-VIP-Bereichs, der sich praktischerweise gleich links vom Ausgang des Ziellabebereichs befindet. Dort erhalte außerdem drei Gutscheine (1x Massage, 1x Essen, 1x Getränk) und ich lasse mich sofort in einen Liegestuhl im Schatten fallen, wo ich gleich zwei der 0,5l Flaschen Wasser auf ex trinke. Nach wenigen Minuten geht es mir deutlich besser und ich setze mich ins Massage-Zelt, um mich für die Massage anzustellen. Ich plaudere etwas mit dem Herrn, der sich neben mich setzt und sehe im Internet nach dem offiziellen Ergebnis: 1:48:10 und somit eine neue persönliche Bestzeit. Die Wartezeit auf die Massage ist recht kurz und ich falle müde und zufrieden auf die Liege. Eine nette junge Dame bearbeitet meine Waden, was sehr wohltuend ist. Danach verlasse ich den Bereich und gehe zum Kleidertransport, wo bereits Kollege Wolfgang und meine Mutter auf mich warten.

Finisher Medaille

Finisher Medaille

Wie jedes Jahr ist der nächste Stopp das Strandbad mit dem obligatorischen Sprung in den See, wobei dieses Jahr die Wassertemperatur angenehm warm ist. Ich kraule ein paar Minuten herum und bin überrascht, wie klar der Wörthersee im Vergleich zum Gösselsdorfer See ist. Eigentlich wollte ich etwas länger schwimmen, aber die Müdigkeit ist doch bemerkbar. Nach dem Umziehen gehen wir ins Gastro-Zelt, wo die Gutscheine eingelöst werden können. Die Warteschlange bei der Essensausgabe ist sehr lang und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich meine Nudeln mit Tomatensauce erhalte.

Der Fluch des 7. Halbmarathons?

Am Rückweg zum Auto am Park-and-Ride Parkplatz gegenüber von Minimundus setzen dann plötzlich heftige Darmkrämpfe und Durchfall ein. Die Heimfahrt ist abenteuerlich und von Krämpfen und Schweißausbrüchen geprägt. Zu Hause lege ich mich zwar hin, aber der Kreislauf bereitet mir zunehmend Probleme und als sich dann der Durchfall rötlich färbt (die Tomatensauce oder etwas ernsteres?), ist es Zeit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Laut Ärztin hab ich wohl irgendwo am Morgen bzw. Vormittag einen Virus aufgeschnappt, der binnen weniger Stunden für explosiven Durchfall sorgt — sie hatte an diesem Tag bereits drei gleiche Fälle. Ich kann nur Vermutung anstellen, wo ich den Virus erwischt haben könnte: Im Zug nach Velden war mir flau und sonst habe ich außer dem Gel und einen Schluck Wasser in Pörtschach nichts konsumiert. Also entweder im Zug oder durch das Wasser? Ich werde es wohl nie herausfinden…

Eigentlich hätte ich glücklich und zufrieden sein sollen, neue PB auf der neuen, langsameren Strecke, vor allem wenn man bedenkt, dass im Vorfeld einiges nicht so ideal war. Aber die Virusgeschichte hat mir das Erfolgserlebnis gänzlich vermiest und so blieb das Strahlen durch die Endorphine und die große innerliche Zufriedenheit aus, die sich sonst nach einem Halbmarathon einstellt. Der Durchfall war dank ärztlicher Behandlung so schnell wieder weg wie er gekommen war, aber bis jetzt — eine Woche nach dem Halbmarathon — fühle ich mich noch immer nicht 100% fit. Eines steht aber schon fest: Bis zum 21. August 2016 bin ich sicher wieder fit!

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

 

Jahresrückblick 2014: Mein zweites Laufjahr

Leicht verspätet möchte ich kurz auf das vergangene Jahr zurückblicken. Es war im Grunde abermals ein fantastisches Jahr mit zahlreichen Highlights und wurde lediglich durch die Verletzungspause in der Off-Season etwas getrübt. (Dennoch hätte ich mir kein besseres Timing für diese Pause wünschen können!) Das Jahresziel 2014 “Halbmarathon Sub-2h” habe ich nicht nur einmal, sondern bei allen drei gelaufenen Halbmarathons erreicht. Ein paar Zahlen zu 2014:

Distanz

  • Laufen: 2273,7 km
  • Rennrad (Straße): 2575,5 km
  • Rennrad (Rolle): 504,7 km
  • Rennrad (Gesamt): 3080,2 km

Zeit

  • Laufen: 221:38:57
  • Rennrad (Straße): 96:47:15
  • Rennrad (Rolle): 23:12:43
  • Gesamt: 341:38:56

Trainingseinheiten

  • Laufen: 228
  • Rennrad (Straße): 68
  • Rennrad (Rolle): 22
  • Gesamt: 318

Durch den sehr verregneten Sommer knackte ich 2014 nicht die 3000 Kilometer am Rennrad auf der Straße, was aber zu einer deutlichen Steigerung der Laufdistanz gegenüber dem Vorjahr führte — gerade das Laufen im warmen Sommerregen hat Spaß gemacht und zwei Wettkämpfe bin ich sogar bei Gewitter mit Wolkenbruch bzw. in strömenden Regen gelaufen.

Die Highlights

Mein erstes Highlight war der Moment einige Kilometer vor dem Ziel beim Ossiacher See Nachthalbmarathon, als mir bewußt wurde, dass sich eine Sub-2h Zeit ausgehen wird. Das war von Anfang an nicht als selbstverständlich anzusehen, da die Halbmarathon-Strecke rund um den Ossiacher See keineswegs flach und somit “bestzeitentauglich” ist. Auf 21,1 Kilometer kann viel passieren — Krämpfe, Verdauungsbeschwerden, Atemprobleme… alles (leider) schon erlebt und daher ist es umso schöner, wenn alles gut geht und man das Ziel wohlauf und freudestrahlend erreicht!

Das zweite Highlight war natürlich der Wörthersee-Halbmarathon im Rahmen von Kärnten Läuft. Das war einfach der perfekte Lauf — vom Start bis ins Ziel. Da hat einfach alles gepasst und ich habe mein bisher intensivstes Runner’s High erlebt und gleichzeitig meine aktuelle PB im Halbmarathon erlaufen. Ich mag diese beiden Halbmarathons: Ossiach ist zwar nicht einfach zum Laufen, aber die hügelige Strecke macht Spaß und weil das ganze Abends stattfindet, ist es etwas besonderes. Kärnten Läuft hat sich mittlerweile zu einem Event etabliert und bietet neben dem umfangreichen Rahmenprogramm einen überschaubaren Halbmarathon mit ca. 2800 StarterInnen.

Der Nachthalbmarathon und Kärnten Läuft sind natürlich wieder zwei Fixpunkte in meiner Wettkampfplanung für 2015 und ich habe mich bereits dafür angemeldet. Ich werde mich in den nächsten Tagen mal genauer mit den Terminen für diverse Laufveranstaltungen in diesem Jahr befassen und dann eine entsprechende Übersicht veröffentlichen. Mit Graz habe ich beispielsweise auch noch eine Rechnung offen…

Aller guten Dinge sind drei...

Aller guten Dinge sind drei…

Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2014

Was für ein grandioses “Kärnten Läuft” Wochenende (22. bis 24. August 2014), das neben idealen Laufbedingungen am Sonntag auch mit einem neuen Streckenrekord bzw. den schnellsten je in Österreich gelaufenen Halbmarathon aufwarten konnte! Für mich war es mein bis dato erfolgreichster und schönster Halbmarathon mit zahlreichen unvergesslichen Momenten und interessanten Begegnungen.

Los ging es wie immer Freitag am Abend mit der Abholung der Startunterlagen und einem besonderen Treffen. Da wir uns im letzten Jahr nach dem Night Run nur sehr kurz unterhalten konnten, planten wir diesmal genügend Zeit vor dem Lauf ein. Mit “wir” sind Markus, seine bessere Hälfte Ente Wurzel aus Kuh, und meine Wenigkeit gemeint. Ich finde es unglaublich spannend, Leute, die man nur aus dem Netz/social media kennt, persönlich zu treffen. Die Startunterlagen waren recht schnell abgeholt und direkt vor dem Zelt warteten wie vereinbart auch schon die beiden auf mich, bereits in voller Laufmontur mitsamt Startnummern. Bis zum Start des Night Runs war noch genügend Zeit, um zu plaudern und um der Ente noch etwas Motivation für den Viertelmarathon am Sonntag auf den Weg zu geben, da sie doch einige Zweifel hegte — die allerdings völlig unbegründet waren! Liebe Ente, ich bin stolz auf dich!

Mit @EnteWurzelausQ und @markusrennt in der Running City

Mit @EnteWurzelausQ und @markusrennt in der Running City

Ich wartete noch den Start des Night Runs ab, um Markus und die Ente anzufeuern und machte mich dann — genau rechtzeitig, bevor es anfing zu regnen — auf den Heimweg. Das Wetter war die ganze Woche über sowieso der große Unsicherheitsfaktor: Es würde am Sonntag zwar nicht so grauenhaft heiß wie im vergangenen Jahr werden, aber Regen konnte nicht ausgeschlossen werden. Leichter Regen ist kein Problem und sogar recht angenehm beim Laufen, aber Starkregen wie eine Woche zuvor beim Volkslauf um den Klopeiner See vergrault mir recht bald den Spaß. Ich hoffte jedenfalls auf günstige Laufbedingungen am Sonntag.

Der Samstag verlief verregnet und unspektakulär. Da ich im vergangenen Jahr in der Nacht vor dem Halbmarathon Schlafprobleme hatte und ab Kilometer 10 wegen der Hitze und dem Schlafdefizit einen Leistungseinbruch verzeichnete, passte ich dieses Jahr über eine Woche hinweg meinen Schlafrhythmus etwas an. Konkret ging ich sukzessive früher Schlafen und stand auch früher auf, um idealerweise in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf ca. 4 Stunden Schlaf zu kommen. Das funktionierte erstaunlich gut und Sonntag um 5 Uhr holte mich der Wecker gnadenlos aus meinen Träumen. Erst ein Blick aus dem Fenster (kein Regen!), danach Thyrex einwerfen, in aller Ruhe Laufklamotten anziehen, dann Frühstück wie immer und ab nach Klagenfurt. Praktischerweise waren die Abfahrtszeiten der Transfers zu den Starts dieses Jahr auf den Kleiderbeuteln abgedruckt — ein durchaus sinnvolles Novum!

Kurz nach 7 Uhr kam ich in Klagenfurt an und erwischte auch gleich ein Busshuttle zum Bahnhof in Krumpendorf, wo ich wie geplant den Zugtransfer um 7:27 Uhr nach Velden nahm. Die ganze Zeit über fühlte ich mich seltsam entspannt und dachte gar nicht daran, was mir bevorsteht. Ich unterhielt mich im Zug und auf dem Weg vom Bahnhof zum Startbereich mit einem älteren Herrn über das Wetter, das zunehmend freundlicher wurde, und über andere Lauferlebnisse bzw. -erfahrungen. Kurz nach 8 Uhr und im Startbereich angekommen hatte ich dann endlich das Gefühl, dass heute ein schöner Tag werden würde: Blauer Himmel, leichte Restbewölkung, angenehme Temperaturen. Während ich in der Schlange bei den Dixi-Klos vor dem Schloßhotel in Velden stand, blickte ich über den Wörthersee in Richtung Klagenfurt und dachte mir, “boah, ist aber schon irgendwie weit”.

Gute Laune, gutes Wetter, bunte Ballons

Gute Laune, gutes Wetter, bunte Ballons

Tweet Up!

Über Twitter wurde ausgemacht, dass sich die zwitschernden LäuferInnen, die beim Wörthersee Halbmarathon starten, sich zu einem “Tweet Up” um 8:15 Uhr direkt vor dem Schlosshotel treffen. Florian kannte ich schon, da wir uns bereits beim Römerlauf getroffen hatten, was das Auffinden der anderen Twitterer unglaublich erleichterte. So fanden sich Christian (@alpinextreme) mit Frau Babsi (@running_kitty), Sascha (@saschareetz) mit Freundin (#isaohnetwitter), Florian (@rehspeck) und ich (@sark47) für einen Selfie im Startbereich ein, der natürlich prompt getweeted wurde. Eine wundervolle Aktion und äußerst interessant, diese Leute mal in Natura zu treffen. Es war mir jedenfalls ein Volksfest!

Tweet Up mit @rehspeck, @saschareetz, @alpinextreme, @sark47 und @running_kitty

Tweet Up mit @rehspeck, @saschareetz, @alpinextreme, @sark47 und @running_kitty

Nach dem Tweet Up war es auch schon Zeit, den Kleidersack abzugeben und Kollegen Wolfgang noch schnell für ein paar Fotos einzuspannen, bevor wir uns in die entsprechenden Startblöcke begaben. Ich reihte mich im hinteren Feld des 1:50er Startblocks ein, wenige Meter vor dem Ballon des 2:00 Pacemakers. Wenn es mir gelingt, vor diesem Ballon ins Ziel zu kommen, dann schaffe ich locker eine Sub 2h Zeit — das war mein Plan. Das Wetter war idealst und wenn die Beine mitspielen, dann ist es durchaus realistisch, meine Zeit von Ossiacher See Nachthalbmarathon zu wiederholen — kurzum irgendwas zwischen 1:50 und 1:59 war das Ziel.

Vor dem Start in Velden

Vor dem Start in Velden

Ein weiteres Novum dieses Jahr war der Start in Wellen, denn aufgrund einer Baustelle bei Saag gab es einen Engpass auf der Strecke und dieses Problem wollte man mit Wellenstarts umgehen. Ich muss gestehen, funktionierte nicht nur bei der Engstelle in Saag wunderbar, sondern generell war die Läuferdichte deutlich geringer als im letzten Jahr, sodass ich viel entspannter laufen konnte. Weiters bekam ich ungleich mehr von der herrlichen Strecke entlang des Wörthersees mit, weil man eben nicht dauernd auf den Vordermann achten musste. Jede Startwelle wurde mit einem Countdown eingezählt und hatte ihren eigenen Startschuss. Langsam setzte sich der 1:50er Block in Bewegung und ca. 9 Minuten nach dem offiziellen Start der Eliteläufer passierte ich die Startlinie.

Ich lief mit der Masse los, drosselte aber bereits nach wenigen hundert Metern mein Tempo und lies mich von LäuferInnen überholen, die meinten, es zügiger angehen zu müssen. Beim Casino vorbei, wo wieder der Gesangsverein ein Kärntner Lied zum Besten gab und dann warf ich — was ich sonst nie mache — erstmals einen Blick zurück, um zu sehen, ob mir der 2:00 Ballon dicht an den Fersen war. Aber der Ballon war außer Sichtweite und das fand ich irgendwie beruhigend. Kilometer 1 geschafft, 5:26 Pace — ja, das passt schon so! (Wie es sich im Nachhinein herausstelle, war der erste Kilometer mit Abstand mein langsamster.) Am Beginn eines Halbmarathons versuche ich, mir möglichst keine Gedanken wie “noch 20 Kilometer” zu machen, weil ich das demotivierend finde. Ich versuchte deshalb bewußt, jeden Meter der Strecke zu geniessen und mein Umfeld (andere Läufer und die Landschaft) zu beobachten.

Ist irgendwo Schlussverkauf?

Die ersten paar Kilometer waren eigentlich schnell gelaufen und dann näherte sich die Engstelle bei Saag, die erste Labestation und Kilometermarke 4. Ein Blick auf die Uhr: 22 Minuten nochwas. Wunderbar. Nur so weiter und du bringst das Ding gut ins Ziel. Meine Stimmung war gut und die Beine locker. Als ich nach ca. 31 Minuten bereits 6 Kilometer zurückgelegt hatte, war gewiss, dass es heute super läuft! Dann näherte ich mich Pörtschach, wo ich letztes Jahr einen Leistungseinbruch hatte. Ich überlegte mir, ob ich bereits jetzt mein Gel zu mir nehmen sollte oder erst irgendwann zwischen Kilometer 10 und 12? Aber ehe ich eine bewusste Entscheidung treffen konnte, war die Labestation in Pörtschach in Lautsprecher-Reichweite und ich vernahm, wie der Moderator verkündete, dass Mike Diwald von der Radio Kärnten Morgenshow gerade vorbeigelaufen ist. Dann machte er die humorvolle Bemerkung: “Wo laufts denn alle hin? Ist irgendwo Schlussverkauf?” Das fand ich dort an Ort und Stelle witzig und schmunzelte vor mich hin.

OK, also dann kurz vor der nächsten Labestation das Gel “auszuzeln”. Im Grunde brauche ich kein Gel, denn im Training bin ich auch immer ohne Gels unterwegs, aber ich wollte auf der sicheren Seite sein und nicht auf den letzten 5 bis 6 Kilometern einbrechen, wo das Rennen erst richtig anfängt. Genau bei der Kilometer 11 Marke überholte ich Mike Diwald, der ja eine Wette laufen hatte, dass er die Strecke schneller als eine vierköpfige Nordic Walking Staffel bewältigen würde. Am Vortag sagte ich scherzhaft zu meiner Mutter, dass ich den Herrn Diwald “verputzen” werde und jetzt passierte das wirklich. Oh my! Sah jedenfalls nicht gut aus für Mike Diwald und wie es sich später herausstellte, musste er den Halbmarathon vorzeitig abbrechen.

Nach dem Überholmanöver ging es dem Gel aber wirklich an den Kragen und bei der Labestation der Feuerwehr Pritschitz griff ich beherzt zu einem Becher Wasser, um den klebrigen Geschmack etwas loszuwerden. Damit kam ich Krumpendorf und der berühmt-berüchtigten Schleife immer näher. Ich erinnerte mich an die etwas trostlose Gegend vor Krumpendorf: Links Wald, in der Mitte die Straße, rechts die Bahntrasse. Kein See, kaum Zuseher. Oh wie habe ich dort im letzten Jahr in der Hitze gelitten! Aber dieses Jahr? Nope, kein Leiden, nur Endorphine! In Krumpendorf dann Gänsehautfeeling: Super Moderator, unglaublich gute Stimmung, so viele Zuseher, eine Trommelkombo liefert einen tollen Rhythmus und ich schwebe quasi zum Wendepunkt der Schleife am Gemeindeamt. Nach dem Wendepunkt hielt ich bewußt nach Mike Diwald und Wolfgang Ausschau, denen ich jetzt ja entgegenlief, aber ich konnte keinen der beiden entdecken.

Dann war die Schleife auch schon gelaufen und die Kilometer 16 Marke erreicht. Ein Blick auf die Uhr: 1:26:nochwas. Hoppala! Das war schneller als erwartet und ich fühlte mich absolut beflügelt im Runner’s High. Fünf Kilometer noch! Da geht noch was! Ich forcierte mein Tempo, das Rennen beginnt jetzt. Die Erinnerung ab Kilometer 16 bis 20 ist etwas unscharf. Ich lief, wie von selbst, wie in Trance. Es war ein tolles Gefühl. Jeder Mensch sollte dieses Gefühl erleben können! Als ich mich der Villa Lido näherte, erinnerte ich mich plötzlich, dass dort Reinhards “Stammplatz” als Zuseher ist und folglich hielt ich nach ihm Ausschau. Ich entdeckte ihn prompt und mehr als ein gerufenes “Reinhard” und ein Winken war leider nicht möglich, aber es freute mich unglaublich, ein bekanntes Gesicht zu sehen.

Die letzten paar hundert Meter: Trommelrhythmen, links und rechts anfeuernde Zuschauermassen und ich mittendrin, beim bisher besten Halbmarathon meines Lebens. Noch ein Blick auf die Uhr: 1:49:nochwas. Ui, eine 1:50er Zeit könnte sich ausgehen. Schnell über die Seebühne! Auf dem Zielbogen erblicke ich die Zeit: 1:59:nochwas. OK, ich bin aber wesentlich später gestartet. Egal! Sub 2h ist es allemal. 1:50:55 handgestoppt! Kaum über der Ziellinie und die Finisher Medaille erhalten, begrüßt mich Florian, der ebenfalls ein tolles Rennen gelaufen ist und mir Verpflegung in der Form von Banane und Getränken reicht. So einen Service hatte ich auch noch nie! Ich kippe ohne Rücksicht auf Verluste Unverträglichkeiten zwei Flaschen “Arriba!” rein und kann es noch immer nicht so recht glauben, welche Zeit ich da gelaufen bin. Nachdem wir unsere Kleidersäcke abgeholt hatten, sehe ich im Internet auf der offiziellen Ergebnisliste nach: 1:50:47! Durchschnittspace 5:15! Platz 23 (von 96) in W-35! Wahnsinn!

Selfie im Ziel

Selfie im Ziel

Danach gehen wir ins Strandbad, wo wir dieses Jahr (wohl aufgrund des badeunfreundlichen Wetters) einfach durchgewunken werden. Ich setze mich auf den Steg, um mich etwas zu sammeln. Was für ein Rennen! Was für ein Halbmarathon! So viel Glücksgefühl! Ja, das sind die Momente, für die es sich absolut lohnt, zu laufen. Meine Gedanken schweifen umher. Eine Entenfamilie schwimmt dicht am Steg vorbei. Das Strandbad ist fast leer, nur ein paar Läufer wagten den Sprung in den zugegebenermaßen recht kühlen Wörthersee. Soll ich auch? Natürlich, das ist ja fast schon Tradition. Aber mehr als gefühlte 2 Minuten halte ich es im kalten Wasser nicht aus und ich bahne mir meinen Weg zur Umkleide. Endlich trockene Kleidung! Mit einem breiten Grinser spaziere ich dann gemütlich durch den Europapark zum Auto. Diesmal hat wirklich alles gepasst: Das Wetter, meine Form, das ganze Drumherum. Halbmarathon ist und bleibt leider geil!

Weiter gehts!

Nach dem Wörthersee Halbmarathon habe ich mich recht schnell erholt; Muskelkater hatte ich keinen nennenswerten, nur die Müdigkeit machte sich etwas bemerkbar. Zwei Tage nach dem HM, also Dienstag vergangener Woche, absolvierte ich bereits wieder einen kürzeren lockeren Lauf auf dem Laufband. Ich wäre lieber Rennrad gefahren, aber an dem Tag machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Dafür war dann aber Mittwoch bis Freitag letzte Woche herrliches Rennradwetter und die Ausfahrten waren ein Genuss! Mein Training geht nun wie gewohnt weiter, wobei ich aktuell aber auf keinen bestimmten Wettbewerb hintrainiere.

Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn das Ereignis, worauf man monatelang hinarbeitet und hinfiebert, plötzlich in der Vergangenheit liegt und sich die Frage aufdrängt, was nun? Ich hatte mir im Vorfeld schon ein wenig überlegt, wie die Zeit nach Kärnten Läuft bzw. der Herbst läuferisch ausehen könnte. Fix geplant ist die Teilnahme am 1. Steiermark Genuss Apfel Lauf am Stubenbergsee am 21. September 2013. Auf diesen Lauf wurde ich durch Flyer aufmerksam, die im Rahmen vom St. Pauler Mostlandlauf im April verteilt wurden. Ursprünglich wollte ich dort beim Halbmarathon starten, aber 6 Runden um den See stelle ich mir als nicht sonderlich reizvoll oder motivierend vor und deshalb wird es “nur” der Volkslauf über 7km bzw. zwei Runden. Ich war noch nie am Stubenbergsee, aber es soll dort sehr schön sein und die Strecke ist schnell und flach.

Apropos schön, durch das Gutscheinheft im Startsackerl von Kärnten Läuft bin ich auf den Wachau-HM aufmerksam geworden; da gibt es eine Sonderwertung für LäuferInnen, die sowohl am Wörthersee-HM als auch am Wachau-HM teilnehmen. Nun reizt mich der Wachau-HM natürlich sehr, zumal ich auch noch nicht in der Wachau war und die Streckenführung entlang der Donau von Spitz bis Krems durchaus interessant und landschaftlich schön sein soll. Leider ist der Wachau-HM dieses Jahr bereits ausgebucht, aber für 2014 werde ich diesen HM definitiv im Auge behalten!

Weitere Läufe, die ich für den Herbst in Betracht ziehe sind der 29. Feldbacher Steirer Kren Stadtlauf am 15. September 2013 und der 12. Moosburger Halbmarathon am 28. September 2013. Über meine Teilnahme an diesen Läufen werde ich wohl kurzfristig entscheiden.

Ich stelle nun schön langsam fest, dass ich durch die Teilnahme an Laufveranstaltungen Orte in Österreich besuche, die ich sonst wohl nicht besuchen würde und so unser Land besser kennenlerne. Ich bin kein Mensch, der Urlaub macht und “einfach so” irgendwo hinfährt; in dieser Hinsicht sind Ausflüge zu Laufveranstaltungen für mich ideal. Man hat einen handfesten Grund, warum man gerade zu diesem Ort fährt und obendrein sieht man oft eine neue Ecke von Österreich, die man zuvor noch nicht kannte. Der besondere Bonus ist hierbei, dass man auch durch die oft sehr ansprechend ausgewählten Laufstrecken noch mehr von der Gegend sieht, als es beim Autofahren der Fall ist. Neue Orte und Landschaften laufend erkunden — what is not to love?

12. Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon

Gestern, am 18. August 2013, fand bereits zum 12. Mal der Wörthersee Halbmarathon im Rahmen von “Kärnten Läuft” statt. Das Startsackerl holte ich Freitagabend ab, wohnte dem Start des Nightruns bei und schlenderte anschließend durch die Running-City. Danach hatte ich das Glück bzw. die Ehre, Markus samt Begleitung im Ziel vom Nightrun zu treffen und kurz zu plaudern.

Der Samstag verlief dann sehr ruhig ohne Sport, was mir angesichts des schönen Wetters doch etwas schwer fiel. Wie geplant ging ich dann um ca. 22 Uhr schlafen, da am Sonntag bereits um 5 Uhr der Wecker klingelte. Doch dieses Vorhaben, sieben Stunden Schlaf zu bekommen, ging gründlich daneben. Ich gehe normalerweise nie vor Mitternacht ins Bett, daher war auch um 22 Uhr trotz medikamentöser Hilfe kein Schlaf zu finden; um 1 Uhr war ich noch immer putzmunter und obendrein auch noch hungrig. Also stand ich auf und machte mir einen Proteinshake. Da es mittlerweile auch eher meine übliche Einschlafzeit war, schlief ich dann nach dem Proteinshake tatsächlich recht bald ein, aber den Schlaf empfand ich nicht erholsam, da ich ca. alle 60 aufwachte. Dieses Problem habe ich öfters: Wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen muss und auf gar keinen Fall verschlafen darf, dann ist mein Schlaf in der Nacht zuvor meist von schlechter Qualität. Um 4:30 Uhr wachte ich abermals auf und entschloss, nicht bis 5 Uhr zu warten, sondern sofort aufzustehen.

Dadurch hatte ich mehr Zeit fürs Frühstück und andere Vorbereitungen, bevor ich um 6:15 Uhr wie geplant in Richtung Klagenfurt aufbrach. Glücklicherweise war kaum Verkehr auf der A2, was die Anreise sehr entspannt machte und nach der Abfahrt bei Klagenfurt Minimundus fand ich auf dem Parkplatz sofort eine Parklücke. Ich befürchtete, dass sämtliche Parkmöglichkeiten um ca. 7 Uhr bereits völlig ausgelastet sein würden, was aber ganz und gar nicht der Fall war. Die Shuttle-Busse zum Bahnhof in Krumpendorf fuhren in sehr kurzen Abständen und ich nahm den nächsten, der am Parkplatz Minimundus anhielt. Auf dem Weg nach Krumpendorf gab es eine kleine Schrecksekunde, als der Busfahrer abrupt bremsen musste, um nicht in einen vor ihm plötzlich rechts einparkenden Kleinwagen zu krachen. (Auf den Lenker des roten VW Polos traf offenbar das Stichwort “Sonntagsfahrer” zu.)

Wohlbehalten am Bahnhof in Krumpendorf angekommen hieß es warten. Der erste Shuttlezug zu den Starts war gerade eingefahren und HelferInnen baten die Teilnehmer des Halbmarathons, den zweiten und dritten Shuttlezug zu nehmen und so den Teilnehmern des Viertelmarathons den Vortritt zu lassen, damit diese rechtzeitig bis 8 Uhr zum Start kommen. Da es ohnehin meine Absicht war, den zweiten Shuttlezug zu nehmen, gesellte ich mich zur wartenden Menge am Bahnzeig und wartete, bis der Zug nach Velden um 7:27 Uhr kam. Ich war von der Menschenmenge überwältigt und machte mir kurzfristig Sorgen, ob alle wartenden LäuferInnen im nächsten Zug Platz finden würden; zumal laufend Shuttle-Busse mit weiteren LäuferInnen an Bord eintrafen. Im zweiten Zug um 7:27 Uhr fanden — soweit ich das beurteilen konnte — alle wartenden LäuferInnen Platz. Es war zwar nicht sonderlich geräumig und ich hatte nur einen Stehplatz (praktischerweise gleich neben dem WC!), aber die Fahrt dauerte ohnehin nicht lange und nach wenigen Minuten stiegen schon die Viertelmarathon-TeilnehmerInnen in Pörtschach aus, was das Platzangebot sofort deutlich vergrößerte.

Gut gelaunt in Velden angekommen

Gut gelaunt in Velden angekommen

Schneller als erwartet waren wir in Velden angekommen und da ich mich weder am dortigen Bahnhof noch im Ort selbst auskenne, folgte ich einfach der breiten Masse, die sich anzunehmenderweise in Richtung Start bewegte. Es war kurz nach 8 Uhr und als erstes reihte ich mich in eine Warteschlage für die Dixi-Klos ein, während ich einen PowerBar Energieriegel verspeiste. (Ich war zwar im Zug auf der Toilette, aber wollte auf Nummer sicher gehen.) Mit meinem Laufpartner Wolfgang war vereinbart, uns kurz nach 8:10 Uhr bei der Schiffsanlegestelle zu treffen, was auch perfekt funktionierte und wir machten uns gemeinsam auf den Weg zum Kleidertransport, um unsere Kleidersäcke abzugeben. Praktischerweise war eine Wasserstelle gleich in der Nähe des Kleidertransports und ich nahm mir einen Becher, um mit einigen Schlucken den Energieriegel runterzuspülen. Zu viel wollte ich auf keinen Fall trinken, um das Problem vom Ossiacher See Halbmarathon zu vermeiden. (Da hatte ich zu viel getrunken und war ab der Hälfte der Strecke aufgeschwemmt.)

Vor dem Start

Vor dem Start

Schön langsam näherte sich die Startzeit um 8:50 Uhr und nach kurzer Absprache stellten wir uns in der Nähe des blauen Pacemaker-Luftballons mit der Aufschrift “2:00” auf. Die Stimmung im Startbereich war super und ich war nach wie vor von der riesigen Anzahl an LäuferInnen beeindruckt. Ein Hubschrauber kreiste über unseren Köpfen, sodass ich den eigentlichen Startschuß gar nicht hörte — es dauerte mehrere Minuten, bis sich das Läuferfeld langsam in Richtung Startlinie in Bewegung setzte. Und dann war es soweit: Über die Startlinie und los gehts!

Bereits nach wenigen hundert Metern erwartete uns beim Casino eine der zahlreichen “Stimmungsmeilen” entlang der Halbmarathonstrecke: Ein Männergesangsverein gab ein Kärntnerlied zum Besten. Leider erforderte das teilweise sehr dichte Gedränge auf der Strecke viel Konzentration, damit man nicht in den Vordermann läuft bzw. über etwas stolpert und ich kann mich nicht mehr genau an alle Stimmungsmeilen erinnern, aber es waren definitiv sehr gute Stimmungsmacher dabei, die wirklich stundenlang die LäuferInnen lautstark anfeuerten.

Die ersten paar Kilometer waren schnell gelaufen und wir versuchten, unseren Abstand zum blauen Ballon konstant zu halten. Zu diesem Zeitpunkt empfand ich das Wetter noch nicht zu heiß und daher überlegte ich mir, ob ich die erste Labestation bei 4,2 km überspringen sollte, aber entschied mich dagegen und griff zu einem Becher Wasser, von dem ich nur zwei Schluck trank. Unsere Pace bewegte sich um 5:30, aber ich stellte fest, dass mit der Temperatur auch mein Puls stieg. Kurz vor Pörtschach erreichte ich den roten Bereich; ich fühlte mich aber noch gut und konsumierte wie geplant das erste der zwei Powergels, die ich am Startnummernband mitführte. In Pörtschach gab es dann die zweite Labestation und da konnte ich mit ein paar Schluck Wasser das Gel runterspülen. Mittlerweile war es schon richtig heiß und da ich nicht den ganzen Becher austrinken wollte, machte ich es wie die “Profis” und kippte mir das restliche Wasser kurzerhand über den Kopf. Sehr erfrischend, aber leider nur von kurzer Dauer.

Ich passierte die 10 Kilometer Marke nach 00:55:25 und lag damit sehr gut in der Zeit für die 2:00h. Doch dann hatte ich einen leichten Einbruch; ich fühlte mich kurzfristig recht müde und mir war sehr heiß. Bei Kilometer 12 sagte ich zu Wolfgang, dass ich abreißen lassen muss und das Tempo vom blauen Ballon nicht länger halten kann. Ab Kilometer 13 war meine Pace um 5:40 und ich versuchte, meinen eigenen Rhythmus zu finden, nachdem ich ja den blauen Ballon nicht mehr folgen konnte. Aber Krumpendorf war nicht mehr weit und ich wußte, dass beim Billa in Krumpendorf meine Zimmerkollegin vom Klinikum auf mich warten und mich lautstark anfeuern würde. Sie war ja die erste Person, der ich letztes Jahr im Mai im Krankenhaus meinen Entschluß mitteilte, einen Halbmarathon zu laufen. So kitschig das klingen mag, aber ihre Anfeuerungsrufe gaben mir einen Boost!

Die Wende beim Gemeindeamt in Krumpendorf war auch die 15 Kilometermarke und ich lag mit 01:24:35 nach wie vor gut in der Zeit für mein Ziel. Ich nutzte sämtliche Wasserbögen und -schläuche und kippte mir bei jeder Labestation das restliche Wasser über den Kopf, aber eine wirkliche Abkühlung brachte das alles nicht. Zwar sank seit Kilometer 10 mein Puls und ich konnte mich auf eine 5:40er Pace einpendeln, aber es wurde leider immer heißer und schattige Streckenabschnitte waren Mangelware. Ab Kilometer 17 wurde es zäh, sodass ich zwangsläufig ob der Hitze langsamer wurde und auf 5:50 kam. Offenbar ging es aber fast allen LäuferInnen so, denn es überholte mich kaum noch jemand und manche gingen schon anstatt zu laufen. In der Nähe von Kilometer 18 sah ich einen Läufer unter einem Baum liegen; seine Beine wurden von einem Sanitäter in die Höhe gehalten, während ihn ein Arzt/Sanitäter behandelte. Hoppala, eine recht deutliche Aufforderung, es bei dieser Hitze nicht zu übertreiben!

Zwischen den Kilometern 18 und 20 gelang es mir, zahlreiche LäuferInnen zu überholen und zu meiner Überraschung traf ich kurz vor Kilometer 19 auch Wolfgang wieder, den ich ja bei Kilometer 12 ziehen lassen musste. Nun konnte er mir nicht mehr folgen und ich überholte ihn. Kilometer 20 erreichte ich bei 01:54:20 und damit war mir klar, dass ich es nicht in 2 Stunden ins Ziel schaffen würde. Aber das Ziel war bereits in Augenweite und vor allem auch schon deutlich hörbar und der letzte Kilometer war einfach nur genial: Rechts und links hunderte von Zuschauern, die einem wirklich lautstark anfeuern und so für eine Wahnsinnsstimmung sorgen! Dann noch schnell über die Wörtherseebühne und man ist auf der Zielgeraden! Noch ein Endsprint und im Ziel. Geschafft!

Auf der Schlussgeraden

Auf der Zielgeraden

Sofort hängte mir ein junger Mann die Finisher-Medaille um den Hals und ich begab mich in Richtung Endlabezelt, wo ich mir eine Banane und zahlreiche (!!) Getränke nahm, da ich von der Hitze so durstig war. Wenige Minuten nach mir erreichte auch Wolfgang das Ziel und nach einem ersten Verschnaufen gingen wir zum Kleidertransport und dann weiter zum Strandbad. Hier erwartete uns abermals eine lange Warteschlange von LäuferInnen, die offenbar darauf warteten, ihre Freikarte für das Strandbad vom Kassenschalter zu erhalten. Das ist vielleicht das einzige, was an der ganzen sonst wirklich sehr gut organisierten Veranstaltung verbesserungswürdig wäre. Nach einem Halbmarathon möchte ich mich nicht verschwitzt irgendwo anstellen, zumal die Situation im Strandbad in den letzten Jahren anscheinend besser gelöst wurde: Leute mit Startnummer wurde einfach durchgewunken und brauchten sich nicht um eine Freikarte anstellen. Eine Angestellte vom Strandbad ergriff dann die Initiative, kam mit einem Stapel Freikarten und verteilte sie unbürokratisch an Läufer mit Startnummer, sodass wir wenige Minuten später endlich die lang ersehnte Abkühlung in der Form eines Bades im Wörthersee genießen konnten!

Meine Finisherzeit ist 02:02:37 und damit bin ich zufrieden, denn ich konnte meine Pace auf Halbmarathondistanz von 5:58 auf 5:49 verbessern und somit eine neue persönliche Bestzeit verbuchen! Leider waren die Bedingungen nicht ideal für eine Zeit unter 2h, denn einerseits war ich nicht ausgeschlafen und andererseits machte mir die große Hitze zu schaffen. Aber das war ja nicht mein letzter Halbmarathon und außer dem Triathlon brauche ich ohnehin ein weiteres Ziel und das heißt nach wie vor “Halbmarathon Sub 2h”. Sehr gut geklappt hat die Verpflegung auf der Strecke: Die Kombination aus ein paar Schlucken Wasser und nach etwa einer Stunde ein Powergel scheint besser zu funktionieren als wenn ich abwechselnd Wasser und Iso trinke. Ich freue mich schon auf den Wörthersee Halbmarathon 2014 und alles in allem war Kärnten Läuft ’13 wie man so schön sagt “leider geil”.

Die Ruhe vor dem Sturm

Am kommenden Sonntag ist “Race Day” und ich sehe dem ganzen eigentlich gelassen entgegen. Ja, es ist das Ereignis, der Wettbewerb, auf den ich seit fast einem Jahr hintrainiert habe, aber mittlerweile war ich schon bei zahlreichen Laufveranstaltungen und auch beim “Trainingshalbmarathon” im Juli lief es sehr gut, sodass ich ein gutes Gefühl habe.

Diese Woche habe ich — gleich wie vor dem Ossiachersee Halbmarathon — mein Training etwas reduziert und mache nur leichte bzw. kürzere Einheiten. Sicherlich wäre eine Sub-2h ein Traum, aber wenn es nicht klappen sollte, dann peile ich dieses Ziel eben beim nächsten Halbmarathon an. Die Strecke ist mehr oder weniger flach, doch es gibt zwei Variablen, die am Sonntag hinderlich sein könnten. Erstens wäre da das Wetter, denn es soll abermals sehr heiß werden mit Temperaturen um und über 30°C. Der Start wurde deswegen dieses Jahr extra eine Stunde vorverlegt, damit man der Hitze etwas entkommt. Das ist aber der zweite Faktor, der sich negativ auf meine Leistung auswirken könnte, denn ein so früher Start bedeutet, dass ich für 5 Uhr morgens den Wecker stellen muss. Ich stehe so gut wie gar nicht um eine solche Zeit auf, aber es ist die einzige Möglichkeit, außer ich nehme mir ein Zimmer für eine Nacht in Klagenfurt.

Aber warum um 5 Uhr aufstehen, wenn die Transfers erst ab ca. 7 Uhr von Klagenfurt nach Velden starten und ich ca. 40 Minuten mit dem Auto nach Klagenfurt brauche? Das “verdanke” ich wohl der Tatsache, dass ich keine Schilddrüse mehr habe und mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück Thyrex nehmen muss. Ich habe mir überlegt, an diesem Tag eventuell keine Schilddrüsenhormone einzunehmen, denn dann könnte ich eine Stunde länger schlafen, aber wer weiß, wie ich mich dann beim Laufen fühle, so ohne frischen Hormonnachschub? Das möchte ich nicht riskieren, also lieber um 5 Uhr aufstehen, Tablette einwerfen, in aller Ruhe noch die letzten Vorbereitungen treffen, frühstücken und um 6:15 Uhr in Richtung Klagenfurt aufbrechen.

Jedenfalls freue ich mich auf den Wörthersee Halbmarathon am Sonntag und mache mir keinen Stress, was die Zielzeit anbelangt. Aus einem Gespräch mit einem Lauftrainer im Fitnessstudio ging hervor, dass die Tagesform am Race Day von so vielen Faktoren (wie Wetter, Schlafqualität, Tageszeit, etc.) abhängig ist und wirklich fast alles perfekt sein muss, damit sich eine neue persönliche Bestzeit ausgeht. Ich will entspannt, glücklich und gesund ins Ziel kommen und das Rennen einfach genießen.

Rückblick: Ladies Walk von Kärnten Läuft ’12

Nachdem mir der 1. JUFA Lauf und Walk so viel Spaß gemacht hatte, wollte ich unbedingt auch beim Frauenlauf im Rahmen von Kärnten Läuft 2012 mitmachen. Ursprünglich war ja geplant, wirklich zu laufen, aber bestimmte Ereignisse und Umstände vereitelten dieses Vorhaben. Ich fühlte mich einfach nicht fit genug, um 4,2km zu laufen; ich kann nicht sagen, woran es lag, dass ich mich eigentlich den ganzen Sommer und Herbst 2012 oft sehr müde fühlte. Vielleicht die Umstellung, dass ich zukünftig zur Gänze auf künstliche Schilddrüsenhormone angewiesen bin? (Davon werde ich bei Gelegenheit auch mal bloggen, wie das Leben bzw. Sport ohne Schilddrüse ist.) Oder einfach eine physische als auch mentale Erschöpfung?

Jedenfalls gibt es auch einen Nordic Walking Bewerb beim Frauenlauf von Kärnten Läuft und dazu hatte ich mich angemeldet. Der Frauenlauf fand am 18. August 2012 statt und meine Teilnahme wäre um ein Haar ins Wasser gefallen, denn am 17. August 2012 hatte ich einen Unfall mit dem Rennrad. Lange Geschichte, kurz erzählt: Traktor am Radweg, fährt langsam, ich überhole, Traktor biegt links ab, sieht mich nicht, ich knalle mit ca. 30 km/h in den linken Vorderreifen und werde auf die Wiese geschleudert. Rennrad hat einen Totalschaden, aber ich komme glücklicherweise nur mit blauen Flecken (rechter Oberschenkel und linke Schulter) und einem Kapselriss am rechten Zeigefinger davon. Das hätte viel schlimmer ausgehen können und ich habe wohl eine wichtige Lektion gelernt: Vor Wettkämpfen extra vorsichtig sein, ein Unfall passiert schneller als man denkt!

Vor dem Start zum Ladies Walk

Vor dem Start zum Ladies Walk

Der Ladies Walk war mein erster richtig großer Wettbewerb mit einigen hundert Teilnehmerinnen. Ich hatte keinerlei Erfahrungen, wo man sich beim Start am besten aufstellt; auch konnte ich nicht abschätzen, wie schnell bzw. langsam die anderen Walkerinnen unterwegs sein würden. Daher platzierte ich mich eher am Ende des Starterfeldes, weil es ist ja im Grunde egal, aus welcher Position man startet, die Zeit läuft ohnehin erst, wenn man mit dem Fuß bzw. Chip die Matte bei der Start/Ziel-Linie passiert. Im Nachhinein betrachtet war das trotzdem keine so gute Idee, denn die meisten Damen waren für meinen Geschmack viel zu langsam unterwegs und durch das dichte Gedränge auf dem ersten Kilometer gestaltete sich das Überholen teilweise als recht schwieriges Unterfangen. (Es ist oft beim Laufen am Start schon schwierig, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, aber mit Nordic Walking Stöcken gleicht es fast einem Hindernislauf.)

Ehrlich gesagt machte mir das Überholen sehr viel Spass. Man sieht jemanden vor sich und unweigerlich fängt man an, schneller zu werden, um diese Person zu überholen. Da packt einem förmlich der Ehrgeiz! Auf dem letzten Kilometer der insgesamt 4,2km überholte ich teilweise schon Läuferinnen! Die Strecke durch den Europapark und entlang des Lendkanals war recht schön, aber das Highlight befand sich kurz vor dem Ziel: Es ging über die Wörthersee-Seebühne und dann auf die Zielgerade mit hunderten von Zusehern, guter Musik und einer Wahnsinnsstimmung. Die Zeit war mir nicht so wichtig, gefühlsmässig war ich gut unterwegs, aber ich staunte nicht schlecht, als ich erst zu Hause dann online das Ergebnis erfuhr: 0:33:38 für 4,255km, 12. Gesamtrang, 2. in der Altersklasse W-30.

Auf der Zielgeraden

Auf der Zielgeraden

Von da an stand es für mich fest: Im nächsten Jahr möchte ich bei Laufveranstaltungen mitmachen und — wenn es realistisch ist — den Halbmarathon von Kärnten Läuft ’13 finishen.