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30. Gösselsdorfer Triathlon

Der 30. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) am Samstag, den 16. Juli 2016, stellte den diesjährigen Saisonshöhepunkt dar. Während ich im vergangenen Jahr hier (noch brustschwimmend!) meine Triathlon-Premiere feierte, wollte ich dieses Jahr meine Zeiten — allem voran den Schwimmsplit — verbessern. Die Generalprobe drei Wochen zuvor beim Company Triathlon war ein Erfolg auf ganzer Linie und entsprechend motiviert freute ich mich auf Gösselsdorf.

Schon die ganze Woche vor dem 16. Juli beobachtete ich akribisch die Wettervorhersage für Samstag. Das Wetter kann man sich bekanntlicherweise nicht aussuchen und im Grunde sind mir kühlere Temperaturen bei Wettkämpfen ohnehin lieber, aber ausgerechnet dieser Samstag sollte mit Abstand der kälteste und ungemütlichste Tag der Woche werden. Konkret bedeutete das im Laufe des Triathlons Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad, leichten bis mäßigen Regen und lebhaften bis stürmischen Nordostwind. Bei einer reinen Laufveranstaltung hätte ich mich über solche Bedingungen (ok, bis auf den Wind, der muss nicht sein) gefreut, aber bei einem Triathlon? Der Gösselsdorfer See hatte immerhin 23 Grad Wassertemperatur, aber der Wechsel aufs Rad kann dann ein regelrechter Temperaturschock sein, der durch den kalten Nordostwind heftig ausfallen könnte.

Bei der Anreise war der stürmische Wind sogar im Auto spürbar, aber es war wenigstens (noch) trocken, obwohl die tiefhängenden Wolken nichts Gutes bedeuteten. Startunterlagenabholung, dann warten im Auto, ehe ich das Rad sehr zeitnah in die Wechselzone bringe. Vorsichtshalber stecke ich sowohl Lauf- als auch Radschuhe in wiederverwendete “Kärnten Läuft” Startersackerl und deponiere in der Radwechselzone außerdem ein Stirnband und eine Windweste, sollte es mir nach dem Schwimmausstieg zu frisch sein. Dann ging es mit dem Bus zum Schwimmstart, wo man abermals warten muss. Viel zu lange warten. Ich sehe ja ein, dass man einen Zeitbuffer einkalkulieren muss, bis alle das Rad eingecheckt und mit dem Bus zum Schwimmstart chauffiert wurden, aber über eine geschlagene Stunde auf den Start zu warten, ist schon bei Schönwetter etwas nervig und bei ungemütlichen Wetter einfach ungut.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Auf der mitgebrachten Isomatte sitzend versuche ich mich zusammengekauert warm zu halten. Die Wettkampfbesprechung und somit auch der Start rückt langsam näher und in der Warteschlange beim WC wird mir kalt. Der Wind frischt nach wie vor auf und ein Blick über den Gösselsdorfer See in Richtung Süden zum Schwimmausstieg lässt einsetzenden Regen vermuten. Nach der kurzen Wettkampfbesprechung wäre es eigentlich Zeit gewesen, sich einzuschwimmen, aber das macht irgendwie niemand. Ich tauche meine Hand kurz ins Wasser und das fühlt sich mit seinen 23 Grad im Vergleich zur Lufttemperatur “bacherlwarm” an. Wenn man im Wasser bleiben könnte, ja, dann wäre einschwimmen eine Option, aber so muss man ja wieder raus, weil die Damen in der dritten Startwelle starten und den Herren der ersten beiden Wellen Platz machen und obendrein auch noch über die Zeitnehmungsmatte am Ufer gehen müssen. Geschätzte 10 Minuten nass am Ufer herumstehen kommt nicht in Frage — da erfriere ich!

Kurz vorm ersten Wellenstart übergebe ich die Überbekleidung meiner Mutter und stelle mich im dünnen Triathlon-Einteiler ans Ufer. Leicht hin und her traben, am Stand hüpfen… alles hilft nichts. Ich fühle mich komplett ausgekühlt. Meine Oberschenkel zucken vor Kälte. Die Herren der zweiten Startwelle schwimmen langsamer als erwartet und der Damenstart verzögert sich etwas. Endlich dürfen wir Damen ins Wasser. Ich hätte erwartet, dass sich das Wasser vergleichsweise warm anfühlen würde, aber als ich zum ersten Kraulzug ansetze und den Kopf ins Wasser tauche, ist es ein Kälteschock. Brrrrr. So kalt. Ich zittere am ganzen Körper. Ein flüchtiger Gedanke von wegen ich drehe um und gehe wieder aus dem Wasser. Der Neo wäre jetzt angenehm! Aber Umdrehen wäre jetzt auch irgendwie blöd. Dann geht alles ganz schnell, “noch 1 Minute bis zum Start”, wenige Momente später “noch 30 Sekunden”… und dann fällt um 17:03 Uhr der Startschuß für die Damen.

Swim — 500m

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der Wasserstart ist streßfrei, es gibt genügend Platz und ich kann gut wegschwimmen. Zwar kein Gedränge, aber auch niemand zum Wasserschatten schwimmen. Die Damen neben mir lasse ich nach wenigen Metern hinter mir und ich habe mehr oder wenige “freie Bahn” bis zum Schwimmausstieg. Recht bald wird mir auch “warm”, d.h. das Frieren und Zittern hört auf und ich finde es im Wasser recht angenehm. Die Sicht unter Wasser ist schlecht und zeitweilig kämpfe ich mit den Schlingpflanzen: Seerosen wickeln sich um meine Arme. Doch irgendwie bin ich zu konzentriert, um mich davon irritieren zu lassen. Nach ein paar Armzügen sind sie eh wieder weg. Mittlerweile bin ich gut aufgewärmt und mir beschlägt die Schwimmbrille (das ganze Anti-Fog-Zeugs ist nutzlos!). Folglich habe ich ab etwa der Hälfte der Strecke leichte Probleme, den Schwimmaustieg am anderen Ufer zu erkennen. Keine große gelbe Boje oder dergleichen, aber praktischerweise hat die Wasserrettung ihr Boot mit Drehlicht links vom Ausstieg plaziert und daran orientiere ich mich.

Wo bitte geht's hier zur Wechselzone?

Wo bitte geht’s hier zur Wechselzone?

Das Ufer kommt aber schnell näher und ich frage mich, wieviele Damen wohl noch hinter mir schwimmen? Mit der breiten Masse steige ich nach 12:06 Minuten aus dem Wasser. Kein Vergleich zum Vorjahr, wo ich ja als drittletzte das Wasser verlassen habe. Während ich die Böschung zur Wechselzone hochkrabbel, prüfe ich mein Empfinden, ob mir kalt ist. Der Plan, den ich mir gedanklich zurecht gelegt hatte, war, dass ich mir die Windweste nur anziehe, wenn ich nach dem Schwimmausstieg frieren sollte. Zu meiner Überraschung aber fühlte ich mich angenehm warm und daher geht es ohne Windweste und nur mit Stirnband unterm Helm auf die Radstrecke.

Reges Treiben in der Wechselzone

Reges Treiben in der Wechselzone

Bike — 32km

Die erste Wechselzone beim Gösselsdorfer Triathlon ist elendslang. Ich watschel barfuß ca. 250m zum Rad, wo der eigentliche Wechsel zügig erledigt ist. Nach 3:16 Minuten sitze ich am Rad und nehme die 32km lange Radstrecke in Angriff. Auf den ersten hundert Metern ist es dann doch etwas frisch am Rad, aber dann ist der Einteiler auch schon fast trocken. Ich hoffe, dass es wenigstens einigermaßen trocken bleibt, solange ich am Rad bin. Bereits beim Kreisverkehr in Sittersdorf spüre ich einzelne Regentropfen auf der Haut. Bis nach Gallizien tröpfelt es durchwegs, aber glücklicherweise nicht so viel, dass die Straße nass ist. Ich fahre strikt nach Watt bzw. FTP (functional threshold power) und nicht “Vollgas”. Schneller als erwartet bin ich in Gallizien, wo kurzzeitig die Tropfen etwas größer werden und auf meinen Oberarmen brennen.

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Von Gallizien nach Stein im Jauntal ist der Nordostwind teilweise doch deutlich spürbar, was sich auch in meinen Wattzahlen niederschlägt, zumal der Abschnitt auch durchwegs ansteigend ist. Doch die Hälfte der Radstrecke liegt bereits hinter mir, ich konnte zahlreiche Damen und auch Herren bereits einsammeln und muss feststellen, dass ein Triathlon ungleich unterhaltsamer ist, wenn man mit der breiten Masse aus dem Wasser steigt und nicht als drittletzte. Da ist richtig was los auf der Radstrecke! Es motiviert mich ungemein, wenn ich jemanden vor mir fahren sehe und der Abstand immer kleiner wird, bis ich schließlich überhole. Als ich St. Kanzian erreiche, weiß ich, dass der anstrengendste Teil der Radstrecke vorbei ist. Ich überlege, ob ich ein Gel nehmen soll, aber entscheide mich dagegen, da mir das Getränk in der Trinkflasche ausreicht.

Auf den letzten 5 Kilometern von Buchbrunn über Eberndorf bis zurück nach Gösselsdorf wird der Regen stärker und ich spüre den Temperaturrückgang deutlich. Auch ist nun die Straße durchwegs regennass und ich fahre daher etwas vorsichtiger. Insgeheim bin ich aber froh, dass es erst jetzt richtig zu regnen anfängt, denn ganze 32km im Regen und bei den Temperaturen (mittlerweile nur mehr 14 Grad) machen am Rennrad keinen Spass — oder zumindest nicht im Triathlon-Einteiler sondern in entsprechender Radbekleidung. Nach 54:47 Minuten steige ich dennoch zufrieden vom Rad. In der Wechselzone bin ich froh, meine Laufschuhe in ein Sackerl gepackt zu haben, denn die wären mittlerweile schön durchnässt. Der zweite Wechsel ist in 1:20 Minuten erledigt und es geht auf die 7km lange Laufstrecke.

Run — 7km

Schon auf den letzten Kilometern am Rad nachdem der Regen einsetzte, bemerkte ich das unangenehme Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Im Überholverbot vom Kreisverkehr Gösselsdorf bis zur Wechselzone rollte ich bewusst locker und versuchte, möglichst tief durchzuatmen, was aber nicht so gut klappte. Beim Laufen eskalierte die Situation und ich hatte Probleme auszuatmen — klassisches Asthma. Bei jedem Einatmenzug hatte ich Beklemmungsgefühle und einen Schmerz übern Zwerchfell. Ich habe von Haus aus überempfindliche Bronchien und die haben auf den weiteren Temperaturrückgang wohl nicht so gut reagiert. Ich stellte mich mental darauf ein, dass erfahrungsgemäß eine 5:30er Pace immer geht und konzentrierte mich voll auf das Ausatmen. Nach den ersten drei Kilometern fällt mir das Atmen und somit auch das Laufen leichter.

Heartbreak Hill bezwungen!

Heartbreak Hill bezwungen!

Zwischen Kilometer 4 und 5 ist der berühmt-berüchtige Heartbreak Hill der Laufstrecke, wo es auf 700m etwa 60hm zu überwinden gilt. Zu meiner Überraschung kann ich den Anstieg doch noch recht leichtfüßig laufen und dabei einige LäuferInnen überholen. Am Scheitelpunkt angekommen sage ich erleichtert zum Herrn neben mir, dass nun das schlimmste vorbei ist und es nur mehr bergab geht. Ich wechsel noch ein paar Worte mit dem Herrn, ehe ich mich vermehrt aufs Bergablaufen konzentrieren muss, zumal der Waldweg mittlerweile vom Regen aufgeweicht und somit rutschig ist. Bergablaufen kann ich nach wie vor nicht sonderlich gut, aber ich weiß, es ist nicht mehr weit ins Ziel. Mit Kilometerzeiten deutlich unter 5 Minuten auf den letzten beiden Kilometern überquere ich nach 37:59 Minuten die Finishline.

Voll konzentriert über die Finishline

Voll konzentriert über die Finishline

Erst als ich die Uhr stoppe, sehe ich meine Gesamtzeit von 1:49:29. Die offizielle Zeit ist 1:49:26, was den 206. Gesamtplatz (von 317), Platz 26 (von 66) Frauen und den 5. Platz in W-35-39 (von 7) bedeutete. Sowohl mit meinem Schwimm- als auch Radsplit bin ich zufrieden, beim Laufen wäre ohne Asthmaanfall dennoch mehr drin gewesen. Immerhin habe ich meine Zeit vom Vorjahr um über 7 Minuten verbessern können! Mit einem breitem Grinser stehe ich durchnässt und nun wieder leicht frierend im Zielbereich. Ich ziehe schnell eine Jacke über, ehe ich das äußert leckere Kuchenbuffet plündere. Nach diesen widrigen Verhältnissen schmeckt der Kuchen besonders gut. Dann checke ich schnell das Rad aus, weil mir trotz Jacke kalt wird und eile zum Auto, um endlich trockene Sachen anzuziehen und mich etwas aufzuwärmen.

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Im Rückblick hat mir das Radfahren trotz kühler Temperaturen, lebhaften Wind und leichtem Regen am meisten Spaß gemacht. Ja, ich hätte mir besseres Wetter für meinen Saisonshöhepunkt gewünscht. Sicherlich, es kann immer bei Wettkämpfen regnen, aber Temperaturen um 14 Grad im Juli sind für den Süden Österreichs doch eher ungewöhnlich. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und Triathleten sind ja bekanntlich hart im Nehmen. Ich bin froh und dankbar, dass ich nach dem turbulenten und durchwachsenen Winter/Frühjahr überhaupt in Gösselsdorf an den Start gehen und gesund und zufrieden finishen konnte. Das darf man ja nicht als selbstverständlich ansehen!

29. Gösselsdorfer Triathlon

Am Samstag, den 11. Juli, finishte ich beim 29. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) meinen ersten Triathlon. Im Vorfeld hatte ich doch einige Gedanken bzw. Bedenken, aber ich ging durchaus optimistisch an den Start und freute mich auf das Rennen. Und was für ein Rennen es war! Eine absolut überwältigende und kaum in Worte fassbare Erfahrung, die — und man verzeihe mir mangels besserer Ausdrücke die Phrase — einfach “leider geil” war. Vergleichbar mit dem ersten Halbmarathon wird mir auch mein erster Triathlon ewig in Erinnerung bleiben.

Da der Triathlon einen straffen Zeitplan hat, ging es Samstag Mittag zeitig auf nach Gösselsdorf, um rechtzeitig und ohne Stress bis 14 Uhr die Startunterlagen abzuholen, die Laufsachen in der Wechselzone 2 zu deponieren und dann mit dem Rad in die Wechselzone 1 zum Bike Check-In zu fahren. Vor Ort war alles wirklich top organisiert: Eine große Wiese als Parkplatz samt Einweiser, die ein effizientes Parken sicherstellten. Eine zügige Startnummernausgabe und Beschriftung der Oberarme mit der Startnummer. Überall freundliche und gut gelaunte Helfer. Bereits auf dem Weg zur Startnummernausgabe traf ich — gleichsam wie beim Duathlon im April — jan, was mich sehr freute.

Mit den Startunterlagen in der Hand war mein erster Stopp die Wechselzone 2, wo ich Laufschuhe und Kappe bei meiner Startnummer hinterlegte, ehe es zurück auf die Wiese zum Auto ging, wo ich das Rad auspackte und (ganz professionell!) die Reifen aufpumpte. In dem Moment hatte ich kurzfristig Bedenken, wie sich wohl 8,5 bar einige Stunden in praller Sonne auswirken würden. Wie wahrscheinlich ist ein Reifenplatzer in der Wechselzone, noch bevor ich aufs Rad steige? Aber da alle anderen Triathleten um mich herum mit Luftpumpen hantierten, verwarf ich diese Bedenken recht schnell. Danach klebte ich noch die Startnummer an die Sattelstütze und war bereit, mit dem Rad in die ca. 1 Kilometer entfernte Wechselzone 2 zu fahren.

Das Bike Check-In war ebenfalls rasch erledigt und ich spazierte die laaaange Wechselzone entlang bis ich endlich zu meinem Wechselplatz kam. Je höher die Startnummer, desto weiter ist der Wechselplatz vom Schwimmausstieg entfernt, aber desto näher befindet sich das Rad an der Linie, wo man auf das Rad aufsteigen kann. Mit einer Startnummer über 400 bedeutet das für mich, dass ich gut 100m vom Schwimmausstieg bis zum Rad barfuss auf Asphalt zurücklegen muss. Erfahrungsgemäß laufe ich aber ohne Schuhe besser als mit Radschuhen, und daher war das ganze nicht so schlimm. Dann hängte ich mein Rad auf das Rack, legte den Helm und die Sonnenbrille auf den Triathlon-Auflieger, platzierte die Radschuhe rechts vom Vorderrad, stopfte die aufgerollten Socken in diese und breitete das kleine, mitgebrachte Handtuch daneben auf. Als letztes spannte ich den Startnummerngurt samt Startnummer über die Lenkerenden und ging mental noch einmal den Ablauf in T1 durch.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Ab 15 Uhr brachten Shuttlebusse die Athleten von der Wechselzone 1 zum Schwimmstart auf der gegenüberliegenden Seite des Gösselsdorfer Sees. Nachdem ich mich noch einmal versichert hatte, dass sich alles am Wechselplatz befindet, was ich benötige, stieg ich in den nächsten Shuttlebus, der auch bald los fuhr und binnen weniger Minuten am Strandbad Gösselsdorfer See ankam. Nun folgte wohl der langweiligste Teil des ganzen Triathlons: Auf den (Damen-)Start um 17 Uhr warten, denn immerhin galt es, über eine Stunde auf der schattigen Wiese des Strandbades zu verbringen. Ich setzte mich hin, beobachtete die anderen Sportler und versuchte mich zu entspannen. Dann konsumierte ich einen Riegel, trank noch ein paar Schluck Wasser, besuchte das WC und ging zum See hinunter, um mich etwas einzuschwimmen.

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Vor dem Schwimmstart

Vor dem Schwimmstart

Die Zeit bis zum Schwimmstart verging schneller als erwartet und nach der obligaten Teilnehmerbesprechung wurden um 16:45 Uhr die Herren der ersten Startwelle ins Wasser geschickt. Kurz danach folgte die zweite Startwelle, ehe um 17:00 Uhr der Damen und Staffelstart erfolgte. Zuerst werden alle StarterInnen gebeten, über die Zeitnehmungsmatte zu gehen, ehe man ins Wasser darf und bis zur gedachten Linie am Ende zwischen den beiden Stegen schwimmt. Dort wartet man dann im tiefen Wasser, bis der Startschuss fällt und man losschwimmen kann. Ich hatte mich als langsamer Schwimmer am seitlichen, hinteren Ende des Starterfeldes im Wasser eingereiht, um so schnellere Schwimmer nicht zu behindern bzw. dem ärgsten Getümmel auszuweichen. Dann ging alles ganz schnell: Der Startschuss und das Wasser vor mir begann zu brodeln.

Swim — 0,5km

Beim Wegschwimmen musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, “aus dem Stand” heraus schnell zu beschleunigen, denn im Sportbecken stösst man sich ja am Beckenrand ab. Ein paar Armzüge und ich bewegte mich vorwärts, wobei ich nur einen Gedanken hatte: Da drüben ist der grüne Teppich, das ist der Schwimmausstieg, da muss ich hin. Bis etwa zur Hälfte der Strecke, also etwa 250m, konnte ich den Schwimmern vor mir recht gut folgen und es war ehrlich gesagt ganz und gar nicht schlimm — der Schwimmstart und auch das Schwimmen selbst. Das habe ich mir viel schlimmer vorgestellt. Oder ging es beim Damenstart eher “ladylike” zu? Etwa in der Mitte des Sees trifft man dann auf die berühmt-berüchtigten Seerosen und obwohl ich versuchte, mich eher rechts im durch zwei Leinen begrenzten Korridor zu halten, wo es angeblich kaum Seerosen gibt, waren sie plötzlich da. Zwar spürte ich nichts an meinen Beinen, aber es schwammen im trüben, aufgewühlten Wasser abgerissene Seerosenblätter umher, die prompt an meinen Armen hängen blieben. Das lenkte mich etwas ab, ich versuchte die Blätter wegzuwischen und dadurch wurde ich wohl etwas langsamer.

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich blickte kurz hinter mich, denn “last out of the water” wollte ich nicht werden. Keine Gefahr, es befanden sich noch Schwimmer hinter mir. OK, der grüne Teppich kommt immer näher, weit ist es nicht mehr, bald hast du das Schwimmen überlebt. Wenige Meter vor mir schwamm eine Dame, an der ich mich orientierte, wann sie stehtiefes Wasser erreicht hatte. Ein erleichterndes Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Der Schwimmausstieg ist eher ein Schwimmaufstieg, denn es geht recht steil die Böschung hinauf zur Bundesstraße, wo sich die 1. Wechselzone befindet. Auf allen Vieren wollte ich da nicht hinaufkrabbeln, also versuchte ich halbwegs aufrecht den Anstieg zu bewältigen, was auch gut klappte. An der Bundesstraße bzw. am Radweg angekommen, überquerte ich die Zeitnehmungsmatte und machte mich auf den laaaangen Weg entlang der Wechselzone zu meinem Rad.

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Aspalt des Radwegs war nass und daher trotz praller Sonne angenehm und ich lief barfuss gut 100m bis zum Rad. Auch das war weniger schlimm als erwartet und klappte besser als angenommen — ich überholte sogar die Dame, die soeben noch vor mir geschwommen war. Der Vorteil, wenn man recht spät aus dem Wasser kommt ist, dass man sein Rad sehr schnell findet, da nur mehr wenige Räder in der Wechselzone stehen. Am Rad angekommen ging alles zügig: Helm und Sonnenbrille auf, Startnummerngurt um, kurz die Fusssohlen am kleinen Handtuch abstreifen, um Steinchen zu entfernen, Socken an, Schuhe an, Handtuch samt Badehaube in den Wechselbeutel und weiter gehts! Da sich mein Wechselplatz quasi am Ende der Wechselzone befand, hatte ich nur wenige Meter bis zum Radaufstieg, der durch zwei gelbe Fahnen gekennzeichnet war. Sicherheitshalber fragte ich den Streckenposten, ob ich hier aufsteigen darf und ab ging die Post!

Bike — 32km

Was habe ich mich aufs Radfahren gefreut! Schwimmen überlebt, jetzt ist es Zeit, es krachen zu lassen und das Feld von hinten aufzurollen. Ob der langsamen Schwimmzeit wollte ich am Rad doch einiges gut machen! Zu dem Zeitpunkt war ich allein auf der Radstrecke und konnte vor mir niemanden erblicken. Erst als ich mich Sittersdorf näherte, sah ich vor mir jemanden am Rad. Das beflügelte mich, jetzt beginnt die Aufholjagd und ich trat ohne Rücksicht auf Verluste sehr beherzt in die Pedale. Mit 40km/h durch den Kreisverkehr in Sittersdorf. Zwischen Sittersdorf und Miklauzhof hatte ich die Dame ein- und überholt. Mit mehr als die Polizei erlaubt durch Miklauzhof, danach die erste Steigung, die ich im Wiegetritt problemlos bewältigte. Auf der Straße nach Gallizien erblickte ich vor mir immer wieder andere Damen, die ich allesamt überholte. Ich flog quasi über den Asphalt, perfektes Rennrad-Wetter, sonnig, angenehme Temperaturen und daher störte mich überhaupt nicht, dass ich mehr oder weniger klatschnass aufs Rad gestiegen bin, denn mittlerweile war ich dank Sonne und Fahrtwind schon längst trocken.

Die Aufholjagd beginnt... (Credit: DG Gösselsdorf)

Die Aufholjagd beginnt… (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Bei der Ortsdurchfahrt von Gallizien, gerade als ich abermals eine Dame hinter mir gelassen hatte, ein magischer Gänsehautmoment: Boah ist das leider geil! Wenn ich schon (noch) nicht schnell schwimmen kann, schnell Rennradfahren kann ich! Am anderen Ortsende gab es eine etwas steilere Abfahrt, die ich aber nicht Vollgas hinunterdonnerte, da man am Ende scharf rechts abbiegen muss. Wieder erblickte ich Damen vor mir, wieder musste ich sie überholen. Dann der einzige haarige Moment auf der Radstrecke. Bei der kleinen Steigung kurz nach Gallizien hatte ein Autofahrer im fetten SUV mit Wunschkennzeichen die gloreiche Idee, er könne doch ein wenig zwischen den Teilnehmerinnen des Triathlons spazieren fahren. So schlich der Typ mit seiner fetten Kiste vor mir mit ca. 25km/h herum, denn überholen konnte er nicht und ausweichen wollte er nicht. Ich befand mich selbst in einem Überholvorgang, als der SUV auf die Straße bog und sowohl mich als auch die Dame neben mir behinderte, sodass wir beide bremsen mussten. Ich schaute die Dame an und fragte sie, ob wir ihn überholen dürfen? Achselzucken auf beiden Seiten. Genervt vom unmöglichen Verhalten dieses Zeitgenossens schrie ich “Geh Alter, fahr doch rechts ran!” Glücklicherweise bog er dann ab und wir hatten wieder freie Fahrt. Aber keine Frage, so etwas ist sehr ärgerlich und sollte nicht passieren.

Der Rest der Radstrecke verlief nach dem gleichen Schema wie bisher: Das Feld von hinten aufrollen! In St. Kanzian war wegen der Straßensperre eine sehr lange Autokolonne und als ich vorbei fuhr, feuerten mich sowohl Auto- als auch Motorradfahrer lautstark an. Generell war die Stimmung auf der Radstrecke super: Viele Menschen hatten es sich mit Klappsesseln an der Straße gemütlich gemacht und sorgten lautstark für die moralische Unterstützung. Als ich zwischen St. Kanzian und Eberndorf anfing, sogar Herren zu überholen, wurde mir bewusst, dass ich wirklich ausgesprochen gut unterwegs bin und eine Netto-Radzeit unter 60 Minuten bzw. mehr als einen 32er Schnitt fahren würde. Es war einfach der Wahnsinn und die letzten Kilometer von Eberndorf nach Gösselsdorf genoss ich einfach nur. Als ich die letzten Meter in Richtung Wechselzone rollte, erblickte ich jan, der gerade die Laufstrecke in Angriff nahm.

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit dem professionellen “triathlon-style” vom Rad absteigen klappt es bei mir noch nicht so richtig, daher bin ich ganz traditionell vor der roten Linie abgestiegen und dann über den blauen Teppich in die Wechselzone 2 gelaufen. Ich bekam fast gar nichts mit, außer dass der DJ im Wechselzonen/Zielbereich gerade “Highway to Hell” von AC/DC spielte. Ob ich nun wirklich am Highway to Hell war, würde ich in wenigen Augenblicken herausfinden. Der zweite Wechsel war ebenfalls schnell und reibungslos erledigt, Rad aufs Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlon-Laufschuhe an, Kappe auf, los gehts! Während ich zum Ausgang der Wechselzone lief, drehte ich noch meine Startnummer nach vorne. Ich checke gar nicht, dass mir dort Triathlon-Vereinskollege Michael entgegen kam und mich grüßte. (Sorry, Michael!)

Abstieg vom Rad

Abstieg vom Rad

Run — 7km

Die ersten hundert Meter der Laufstrecke führten über einen Waldweg, auf dem Gegenverkehr herrschte bzw. die schnelleren Triathleten, die die Laufstrecke bereits fast hinter sich hatten, entgegenkamen. Das war etwas verwirrend, da ich nicht wusste, ob ich rechts oder links laufen soll. Irgendwie war ich immer auf der falschen Seite, aber glücklicherweise war dieser Gegenverkehrsabschnitt nicht sehr lang. Erstaunlicherweise lief es sich überraschend “rund”, also kein Treppengefühl oder sonstige Unannehmlichkeiten, die nach dem Wechsel vom Rad aufs Laufen auftreten können. Folglich fand ich auch schneller als erwartet meinen Rhythmus und es war auch temperaturmäßig in Ordnung (ca. 28°), sodass ich bei der ersten Labestation nach einem Kilometer die Getränke und Schwämme dankend ablehnte. Ok, noch 6 Kilometer mit einem kurzem, aber knackigen Anstieg und ich bringe das Ding nach Hause.

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich war im Runner’s High und die Beine liefen fast wie von selbst. Auch machte ich mir über den Anstieg keine Sorgen, sondern lief nur im Hier und Jetzt und konnte — gleichsam wie auf der Radstrecke — noch einige andere Athleten einsammeln. Interessanterweise war die Laufstrecke kurzweiliger als erwartet: Plötzlich war die 4 Kilometer Markierung vor mir und es ging den Anstieg hinauf! Nur noch 3 Kilometer. Pace passt. 500m Heartbreak Hill wollen bezwungen werden. Auf gehts! Die Stimmung hier war super und als ich in etwa die Hälfte des Anstiegs bewältigt hatte, rief ein Mann “Nur noch 250m, dann habt ihrs geschafft!”. Während fast alle anderen Läufer um mich herum gingen, lief ich den “Heartbreak Hill” hinauf. So machte ich abermals ein paar Plätze gut. Oben angekommen ging es in den Wald hinein und von nun an nur mehr bergab. Der schwierigste Abschnitt war geschafft, die Beine waren nach wie vor locker und daher ließ ich es nun “laufen”. Dann der Waldweg mit dem Gegenverkehr, die langgezogene Rechtskurve und plötzlich befand ich mich auch schon im “Einlaufkanal”. Wenige Meter vor der Ziellinie riss ich die Arme hoch… und jubelte so ins Ziel!

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Im Zielbereich stehengeblieben konnte ich es zuerst nicht wirklich glauben, dass ich wirklich im Ziel war und somit meinen ersten Triathlon gefinisht hatte. Ich drückte Stopp auf meiner Uhr. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Gesamtzeit ist. Vorm Start sagte ich noch zu meiner Mutter, ja, so 2 Stunden wird es schon dauern… nun blickte ich auf die Uhr, die mir 1:56:44 anzeigte. Was echt? Wahnsinn! Damit hatte ich absolut nicht gerechnet, dass ich unter 2 Stunden finishen würde. Die offizielle Zeit ist 1:56:41, was mir den 44. Rang (von 73.) bei den Damen bzw. den 9. Platz in W-35 einbrachte. Und ich hatte Angst, Letzte zu werden… (Gut, angesichts des stark verbesserungswürdigen Swim-Splits war die Angst nicht gänzlich unberechtigt.) Dann erblickte ich meine Mutter und auch jan und mir fehlten irgendwie die Worte. Sprachlos. Was für ein Erlebnis! Legendär. Leider geil!

Streckenverlauf und Profil

Streckenverlauf und Profil

Wenn nicht meine Mutter zu mir gesagt hätte, ich sollte etwas zu trinken holen und dass es auch ein Kuchenbuffet gibt… ich hätte in diesem Moment nicht daran gedacht. Ich war einfach überwältigt. Konnte es noch immer nicht fassen. Nach ein paar Minuten hatte ich mich endlich gesammelt, etwas getrunken und auch vom sehr leckeren Kuchenbuffet gekostet. Danach wollte ich aus der mittlerweile wieder nassen Kleidung raus, das Rad auschecken und den Beutel aus der Wechselzone 1 abholen. Am Weg zurück zum Auto vollbepackt mit zwei Rucksäcken und Rennrad war mir klar, dass ich das unbedingt wieder machen muss. Unbedingt! Gösselsdorf, wir sehen uns nächstes Jahr definitiv wieder! Ein sehr charmanter, top organisierter und begeistender Triathlon, den ich jedem wärmstens empfehlen kann! Ich bin froh, meinen ersten Triathlon bei so einer tollen Veranstaltung gefinisht zu haben: Es war mir sprichwörtlich ein Volksfest!