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5. Gösselsdorfer Duathlon

Geplant und anvisiert war mein Wettkampfcomeback für Ende Mai bzw. Anfang Juni — das war auch so mit dem behandelnden Unfallchirurgen abgesprochen. Geplant war der 5. Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5) allerdings auch für den 30. April 2016, was für meinen Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen zu früh war. Doch wie es der Zufall so wollte, gab es Ende April wenige Tage vor dem Duathlon einen heftigen Wintereinbruch in Südösterreich und es schneite über 35cm in Gösselsdorf und Umgebung, was eine Absage und Verschiebung der Veranstaltung auf den 21. Mai 2016 mit sich brachte. Plötzlich tat sich da eine Möglichkeit auf, das Wettkampfcomeback beim Duathlon zu feiern…

Ich habe lange gehadert, soll ich oder soll ich nicht? Bin ich bereit? Ende März/April habe ich mich noch mit dem Gedanken der Teilnahme am 30. April gespielt, aber dieses Vorhaben recht bald verworfen. Es war einfach zu früh und auch der Arzt hat sein OK erst für Ende Mai gegeben. Die Radstrecke wäre kein Problem gewesen, aber die beiden Laufstrecken bestehen zu 90% aus Schotter- und Waldwegen und ich war mir einfach noch zu unsicher und von der Laufform nicht wettkampftauglich. “Just for fun” irgendwo mitmachen… nein, “fun” wäre das in diesem Fall auch nicht gewesen, dazu ist die Streckenführung zu anspruchsvoll und selektiv.

Wie auch immer, als dann zwei oder drei Tage vor dem 30. April die Verschiebung des Bewerbs verkündet wurde, waren sämtliche Zweifel über Bord geworfen und umgehend die Anmeldung getätigt. Ja, bis 21. Mai geht sich das aus, bis dahin sollte ich einigermassen fit sein. Die Radform machte mir keine Sorgen, aber meine Laufform konnte ich absolut nicht einschätzen. Doch irgendwann muss man das #comebackstronger wagen, wenn man wieder Wettkämpfe bestreiten will. Seit Mitte April wird im Training wieder regelmäßig gekoppelt und das klappt auch von mal zu mal besser. Auch laufe ich bewusst öfters auf Wiesen- und Feldwegen, um wieder die nötige Trittsicherheit zu bekommen. Dennoch waren da Zweifel im Hinterkopf, die unter anderem auch mit einer anderen Geschichte zusammenhängen.

TSH Achterbahn

Seit dem Sturz und der Sportpause habe ich wieder einmal massive Einstellungsprobleme die nicht mehr vorhandene Schilddrüse betreffend. Mitte Februar fühlte ich mich diesbezüglich absolut nicht wohl, denn durch das stark verringerte Sportpensum bin ich — aus welchem Grund auch immer — in eine Unterfunktion gefallen, sodass die Hormondosis erhöht werden musste. Bei der nächsten Kontrolle der Werte Anfang April war dann alles im normalen Bereich, aber mittlerweile konnte ich auch wieder normal Sport machen. Anfang Mai dann plötzlich wieder Unwohlsein in der Form von übertriebener Nervosität, Herzrasen und Schlafstörungen. Mein erster Verdacht war natürlich die Schilddrüseneinstellung, also wieder zum Arzt und Werte machen lassen — und siehe da, nun bin ich in der Überfunktion und nehme zu viel Hormone. Also die Dosis wieder reduzieren und in 6 bis 8 Woche wieder die Werte kontrollieren.

Ich muss ehrlich gestehen, ich bin dieses “Drama” mittlerweile schon etwas leid. Bevor man mir die Schilddrüse entfernte, sagte eine Oberärztin zu mir: “Ohne Schilddrüse ist die Einstellung überhaupt kein Problem.” Jo, eh! Jedenfalls fährt mein TSH (der wichtigste Schilddrüsenwert) seit Jahresanfang Achterbahn und dementsprechend fühle ich mich auch — mal schlapp und energielos, dann wieder aufgedreht und zittrig, was sich natürlich auch in den sportlichen Leistungen niederschlägt. Ich hoffe, diese Situation stabilisiert sich bald wieder.

Vor dem Bike Check-In

Vor dem Bike Check-In

Ich bin daher auch mit durchaus gemischten Gefühlen nach Gösselsdorf gefahren: Genau an diesem Samstag sollte es der erste richtig warme Tag des Jahres mit über 25 Grad werden und mit Hitze komme ich eigentlich nicht so gut zurecht — schon gar nicht, wenn ich in einer Überfunktion bin. Die Parkmöglichkeit befindet sich dieses Jahr etwas weiter von der Wechselzone und dem Wettkampfzentrum bei Tinas Mostschenke entfernt und so geht es mit dem Rad statt zu Fuss zur Startnummernausgabe, ehe ich den Bike Check-In erledige. Leider gibt es kaum schattige Plätze und so stehe ich während der Wettkampfbesprechung in der prallen Sonne. Dann muss auch noch der Start etwas verschoben werden, weil die Feuerwehr, die die Sicherung der Radstrecke übernimmt, zu einem Einsatz musste. Meh. Also noch länger in der Sonne herumlungern und im Grunde will ich nur eines: Endlich losstarten!

Run (5km)

Damenstart der "Age Groupers" (Credit: DG Gösselsdorf

Damenstart der “Age Groupers” (Credit: DG Gösselsdorf)

Leicht verspätet um 14:11 Uhr erfolgt dann endlich der Damenstart der “Age Groupers”. Den ersten Laufabschnitt wollte ich in etwa 5:10 laufen, um mich nicht schon vorm Radfahren komplett abzuschießen. Der Start ist wie immer hektisch, die überschaubare Gruppe der Damen rennt auf Teufel komm raus los und ich ziehe mit. Deshalb war der erste Kilometer auch etwas zu schnell (4:52). Dann finde ich aber bald mein Tempo und es geht mir besser als erwartet: Ich kann die ersten Damen ein- und überholen. Auf der prallen Sonne am Feldweg vor der Wende leide ich etwas, aber als es in den kühleren Wald geht, bessert sich mein Befinden rasch. Dort treffe ich auf zwei Herren, die einige Minuten vor den Damen gestartet sind und das gibt mir einen mentalen Push, den ich auch gut gebrauchen kann, denn nach der Labestation im Wald folgt ein Anstieg, der etwas zach ist. Glücklicherweise ist dieser allerdings nicht sehr lang und nach 25:05 Minuten sind die ersten 5km absolviert.

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Bike (18km)

In der Wechselzone bemerkte beim Schuhwechsel, dass ich etwas zittere. Aber mittlerweile ist die vierte Disziplin schon fast Routine: Helm auf, Laufschuhe aus, Radschuhe an, Startnummer nach hinten, Rad vom Rack und losgeeiert in Richtung Radaufstieg. Nach wenigen hundert Metern folgt auch schon der erste der beiden Anstiege auf der 9km langen Radstrecke, die zweimal absolviert werden muss. Im Vorjahr habe ich die zwei Anstiege der Radstrecke mit “Kette rechts” bewältigt. Das geht dieses Jahr nicht, da ich merke, dass sich die Beine wie Pudding anfühlen. Es fehlt die Kraft, um im Wiegetritt zu fahren, also Kette links und sitzend den Anstieg hoch. Auf den flachen bzw. abfallenden Teilen der Radstrecke gebe ich Vollgas und kann wieder zahlreiche Damen (und auch Herren) einsammeln. Vor dem Ende der ersten Radrunde überhole ich eine Dame, die mich dann nach dem zweiten, kurzen Anstieg unmittelbar vor der Wechselzone wieder überholt.

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich quäle mich sitzend und mit Kette links ein zweites Mal den ersten Anstieg hoch, immer besagte Dame im Auge. Wie gerne wäre ich da mit einem kräftigen Antritt raufgeflogen und hätte sie dort stehengelassen! Ich wusste, dass ich sie auf den abfallenden bzw. flachen Abschnitten wieder überholen kann und setze alles daran, dies auch in die Tat umzusetzen. Mit 67,2km/h donnere ich das 12% Gefälle hinunter und kurz nach der Kreuzung bei Sittersdorf überhole ich sie wieder. Ein zweites Mal lasse ich mich von ihr sicher nicht überholen und trete beherzt in die Pedale. Am Rad fühle ich mich wohl, Temperatur ist angenehm, lediglich der zweite, kurze Anstieg bei der Kirche in Gösselsdorf wenige Meter vor der Wechselzone ist nach wie vor giftig. Dennoch rette ich mit 33:31 Minuten für 18km meine Position in die Wechselzone, was einem Schnitt von 31,5km/h entspricht.

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Run (2,5km)

Als ich vom Rad springe, bemerke ich, dass ich wieder zittere. Mit wackeligen Beinen geht es zum Wechselplatz und da geht dieses Jahr alles ganz schnell, Rad auf Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlonlaufschuhe mit Schnellschnürsystem an, Startnummer nach vorne und ab auf die zweite Laufstrecke. Hier spüre ich die ungewohnt warme Temperatur wieder sehr deutlich, denn am Rad war es wesentlich angenehmer. Die ersten 500m laufen sich gut, aber als dann der Anstieg am Schotterweg kommt, erlebe ich einen Einbruch. Der Kopf wollte, aber die Beine wollten nicht mehr. Umso schmerzhafter ist aber, dass mich genau hier die Dame, mit der ich es mir auf der Radstrecke gegeben habe, wieder überholt. Ich will ihr folgen, aber es geht einfach nicht und ich muss sie ziehen lassen. Der nächste Kilometer sind ein Kampf. Am letzten Kilometer, als es nur mehr bergab geht, kann ich wieder etwas zulegen und erreiche nach 14:12 Minuten das Ziel.

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Erst im Ziel sehe ich die Gesamtzeit auf der Uhr: 1:14:39. Offiziell ist es dann 1:14:36. Damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet, dass ich die Zeit vom Vorjahr von 1:16:43 um fast 2 Minuten unterbiete und obendrein den Sieg in meiner Altersklasse W 35-39 einfahre. Ich bin mit dem ersten Lauf und der Radperformance überaus zufrieden, aber der zweite Lauf mit dem Einbruch schmerzt doch etwas, zumal ich dadurch vom 9. auf den 10. Platz bei den Damen (von insgesamt 28) zurückgefallen bin. Im Ziel gibt es auch wieder ein tolles Kuchenbuffet und ich greife beim Schokokuchen freudig zu.

Zieleinlauf nach 1:14:36

Zieleinlauf nach 1:14:36

Nach Bike Check-Out und der Einlösung des Pasta-Gutscheins heißt es, auf die Siegerehrung warten. Bei den Kärntner Meisterschaften im Duathlon habe ich nur den 4. Platz belegt, denn die ersten drei Plätze gingen an Damen aus dem Elite Starterfeld. Dennoch freue ich mich riesig über meinen allerersten 1. Platz in meiner Altersklasse! Mein sehr erfolgreiches #Comebackstronger!

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

4. Gösselsdorfer Duathlon

Nach 17 Jahren Pause fand am vergangenen Samstag, den 25. April 2015, die vierte Auflage des Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5) statt. Als kleiner, aber feiner “Wald- und Wiesenduathlon” mit einem Starterlimit von 150 TeilnehmerInnen war es die ideale Veranstaltung für meine Duathlon-Premiere.

Als ich mich Ende Februar zum Gösselsdorfer Duathlon anmeldete war mein Ziel, sich das Ganze einfach mal anzusehen und nicht als Letzte(r) zu finishen. Die Distanzen von 5km Laufen, 18km Radfahren und 2,5km Laufen sind kein Problem und vom auf der Website bereitgestellten Kartenmaterial mit Beschreibungen konnte ich mir ein vages Bild von der Strecke machen. Wenngleich es auch ein erstes Reinschnuppern in die Mehrsport-Welt darstellt, wollte ich nicht halbherzig an die Sache herangehen. So machte ich es wie die Profi-Radsportler vorm Zeitfahren und fuhr am Donnerstag zuvor nach Gösselsdorf, um sowohl die Lauf- als auch Radstrecke in Natura zu besichtigen.

Vor Ort wurde ich mit zwei Überraschungen konfrontiert: Zum einen befindet sich auf beiden Laufstrecken ein Abschnitt mit etwas gröberen Schotter und zum anderen ist der Straßenbelag auf den ersten 500m der Radstrecke desolat. Ersteres führte dazu, dass ich nicht wie geplant mit meinen Nike Free Flyknit 4.0 laufen würde, weil die ich durch die dünne Sohle so schon kleinere Steine deutlich spüre. Als leichter, schneller Schuh, der sich obendrein auch noch sehr schnell an- und ausziehen lässt, wäre der Nike Free Flyknit 4.0 für diese kurzen Distanzen ideal gewesen, aber auf dem groben Schotter wäre das sicher unkomfortabel, wenn nicht sogar schmerzhaft. Also müssen wohl meine treuen Brooks Pure Flow 2 ran, die sich aufgrund der “Burrito-Konstruktion” leider nicht so schnell anziehen lassen. Der schlechte Straßenbelag auf den ersten 500m der Radstrecke bereitete mir Sorgen, da ich Angst hatte, einen Platten zu fahren. Ich würde zwar ein Pannenspray in der zweiten Trinkflasche und eine CO2-Kartuschen-Pumpe im Radtrikot mitführen, aber bei einer so kurzen Distanz ist der Zeitverlust durch eine Panne erheblich. Dennoch war ich entschlossen, zu finishen, denn DNF is not an option!

Bike Check-In

Bike Check-In

Am Samstag ging es dann kurz vor Mittag bei herrlichem Frühsommerwetter nach Gösselsdorf, wo alles perfekt organisiert war: Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Start-/Zielbereichs samt Einweiser, reibungslose Startnummerausgabe ohne “Leiberl-Dilemma” (T-Shirt Größe wurde vorbildlich bei der Anmeldung abgefragt!) und zügiges Bike-Check-In in der Wechselzone. Danach folgte die obligate Wettkampfbesprechung und ich begab mich in den Startbereich, wo ich auf jan traf, ein Professor und x-facher Ironman-Finisher, den ich aus meiner Studienzeit kenne. Es dauerte auch nicht lange und die männlichen Starter wurden in den ersten beiden Startwellen auf die Strecke geschickt. Der Damenstart in der dritten Welle erfolgte pünktlich um 14:06 Uhr.

In the (transition) zone

In the (transition) zone

Run 1

Es ging gleich ordentlich flott zur Sache und ich lief den ersten Kilometer schneller als geplant. Als Zielpace schwebte mir 5:10 min/km vor, was in Anbetracht der Streckenverhältnisse (90% grober Schotter und Waldwege) und der frühsommerlichen Temperaturen von über 21° C als realistisch erschien. Ich war froh, als es nach ca. 1,5 Kilometer endlich in den Wald ging, wo es schattig und daher nicht so heiß war. Kurz vor der Wende zwischen Kilometer 2 und 3 hörte ich ein Brummen von Hinten und ein kurzer Blick bestätigte, dass ein Traktor die Läuferinnen auf dem Feldweg verfolgte. Das war ein Grund, so schnell wie möglich den Wendepunkt zu erreichen und somit den Feldweg zu verlassen. Danach ging es wieder auf einem Waldweg weiter, vorbei an der Labestation und schließlich auf die Straße, die auch ein Teil der Radstrecke war. Dort herrschte bereits reges Treiben und ich lief daher die letzten 500m bis zur Wechselzone deutlich schneller. Handgestoppt benötigte ich für die 5 Kilometer 0:26:01, was einer Pace von 5:13 min/km entspricht. Leider wurden die Wechselzeiten T1 und T2 in der offiziellen Zeitnehmung jeweils zu den Laufzeiten addiert und nicht gesondern ausgewiesen, was somit zur “Verfälschung” der Laufzeiten bzw. Pace führt.

Damenstart (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Damenstart (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Bike

In der Wechselzone T1 ging alles recht schnell: Laufschuhe aus, Radschuhe an, Helm auf, Startnummer nach hinten, Rad vom Rack. Dann zockelte ich irgendwie seltsam herumeiernd in meinen Radschuhen mit (super-steifer!) Vollcarbon-Sohle und Pedalplatten aus der Wechselzone auf die Straße bis zur Linie, wo man auf das Rad aufsteigen darf. Das “Laufen” in Radschuhen muss ich definitiv noch üben bzw. optimieren. Hurtig aufs Rad geschwungen, trat ich gleich beherzt in die Pedale und beschleunigte ohne Rücksicht auf Verluste (oder Reifenschäden) auf dem schlechten Straßenbelag, ehe es gleich um eine Linkskurve und steil nach oben ging. Am Ende der Linkskurve und inmitten der Steigung hatte ich bereits zu zwei Damen aufgeholt: Eine fuhr ganz rechts, die andere ganz links. Hm, was tun? Also sagte ich sowas wie “Achtung, ich möchte da gerne zwischen durch”, ging aus dem Sattel, überholte und ließ die zwei Damen hinter mir. Ein paar Meter weiter und ebenfalls noch auf besagter Steigung erblickte ich dann jan, den ich begrüßte, überholte und zurückließ. Am höchsten Punkt des Anstiegs befand sich eine Labestation und dann ging es eben bis leicht hügelig weiter, ehe ein kurzer Abschnitt mit 12% Gefälle folgte.

Hier hatte ich erstmals etwas Zeit zum “Verschnaufen” und mir wurde schlagartig bewusst, wie natürlich sich das alles auf dem Rad anfühlt; ja, es fühlte sich an, als ob ich “zu Hause angekommen” wäre. Warum habe ich das nicht viel früher schon gemacht? Kurzer Blick auf den Tacho, 33km/h, ja das passt. Vor dem Gefälle saß ein Mann mit einer großen Kuhglocke auf dem Kofferraum seines Autos und feuerte die vorbeifahrenden Radfahrer lautstark an. Dann ging es rasant bergab, wobei ich hier auf der ersten Runde noch eher etwas zurückhaltend fuhr und nur auf 58km/h kam. Die Abfahrt bot mir abermals einige Momente der Erholung, um dann nach der Wende in Sittersdorf mit durchschnittlich 40km/h die Bundesstraße entlang zurück in Richtung Gösselsdorf zu fahren. Auf Höhe des Gösselsdorfer Sees konnte ich abermals zwei Damen und einen Herrn (!!) einholen, ehe es auf einer Seitenstraße direkt nach Gösselsdorf hinein ging. Dort befand sich eine 180° Wende, die besondere Vorsicht verlangte und bevor man die Runde beendete, ging es noch kurz, aber dafür knackig um die Kurve bei der Kirche hoch. In dieser Kurve ging ich abermals aus dem Sattel, überholte zwei Damen, rollte dann über die Zeitnehmungsmatte und startete in die zweite Runde.

Auf der ersten Radrunde (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Auf der ersten Radrunde (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Die zweite Radrunde war etwas einsamer, da sich fast nur mehr Frauen auf der Strecke befanden. Folglich war ich am Anstieg, wo ich in der ersten Runde noch eifrig MitstreiterInnen überholte, nun plötzlich ganz alleine. Das hatte aber den Vorteil, dass man mir bei der Labestation schon von weitem zurief und frage, was ich denn gerne hätte. Ich lehnte dankend ab, denn ich hatte meine Verpflegung an Bord und außer Wasser benötige ich bei so kurzen Wettkämpfen nichts. Dann kam ich wieder beim Herrn mit der Kuhglocke vorbei, der nach wie vor kräftig anfeuerte und plötzlich war es da, das Gefühl, dass ich schon lange nicht mehr erlebt hatte: Gänsehaut und feuchte Augen und die Erkenntnis, dass das, was ich hier gerade mache, “leider geil” ist. Beflügelt davon ließ ich es nun beim 12% Gefälle einfach “laufen” und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 64km/h. Auf dem Rückweg nach Gösselsdorf konnte ich noch ein paar Damen einsammeln und nach genau 0:34:36 stieg ich vom Rennrad, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 31,2km/h entspricht.

Abermals “eierte” ich samt Rad zu meinem Wechselplatz, wo ich das Rad abstelle, den Helm abnahm, schnell aus den Radschuhen schlüpfte, aber beim Anziehen der Laufschuhe aufgrund der Burrito-Konstruktion unnötig viel Zeit vergeudete: Ich muss die Schnürsenkel ziemlich weit öffnen, damit ich überhaupt in den Schuh komme und dann wiederum entsprechen zuziehen, einen Knopf binden und die überstehenden Senkel “verstauen”, damit ich nicht drüberstolpere. Hier besteht absoluter Verbesserungsbedarf! Ich vergaß, meine Startnummer wieder nach vorne zu drehen, doch eine freundliche Dame erinnerte mich beim Verlassen der Wechselzone daran. Und dann begann der Spass…

Run 2

Die zweite Laufstrecke über 2,5 Kilometer führte zuerst durch den Hof eines Bauerns bis zur Kirche und dann durch die Wiese des Obstgartens in Richtung Schotterweg. Einschlägige Literatur zum Thema Bike-Run Wechsel empfiehlt ja, die letzten 500m der Radstrecke im kleinen Gang mit hoher Trittfrequenz zu fahren, um sich auf das anschließende Laufen vorzubereiten. Doch diese Empfehlung war auf dieser Radstrecke nicht umsetzbar, da sich eben keine 100m vor dem Ziel die steil ansteigende Kurve bei der Kirche befindet — kleiner Gang und hohe Trittfrequenz ist da kaum möglich, also Wiegetritt, ein paar mal kräftig treten und die Sache ist erledigt. Anyway, ich lief los und wie ich es vom Training kenne waren die ersten Meter schockierend, da ich das Gefühl hatte, seltsam “über Treppen” zu laufen. Beim Misthaufen vorbei durch den Hof zur Kirche und dann… ja dann fragte ich sicherheitshalber den Streckenposten, wohin ich laufen muss, worauf dieser in Richtung Wiese und Obstgarten deutete. Oh Gott, leicht bergab über eine Wiese! Wunderbar. Erstaunlicherweise fand ich dann sehr schnell meinen Rhythmus und es ist lobenswert, dass noch immer Zuseher an der Strecke standen und die Läuferinnen anfeuerten, während die Herren der Schöpfung schon fast alle im Ziel waren.

Am Schotterweg angekommen brannte die Sonne vom Himmel und ich freute mich schon auf den Waldweg, wo es wenigstens schattig und somit nicht so heiß war. Bevor es allerdings in den Wald ging, galt es eine kleine Steigung zu bewältigen. Da sah ich die Dame vor mir, die ich gerade noch auf der Radstrecke überholt hatte. Hm, meine T2 war eindeutig grauenhaft. Die Dame schien Krämpfe bzw. muskuläre Probleme zu haben, da sie anhielt und dehnte. Ich überholte sie und lief weiter in Richtung Wald, wo ich abermals ganz allein war. An der Labestation wurde mir daher ebenfalls ein exklusiver Service geboten und neben Getränken wurden auch Bananen und Müsliriegel gereicht. An dieser Stelle sei den unzähligen freiwilligen Helfern ein ausdrückliches Lob ausgesprochen: Ich habe selten so freundliches und engagiertes Personal bei einer Laufveranstaltung gesehen! Kurz nach der Labestation konnte ich noch einen Herrn überholen und nun waren es nur mehr 500m bis ins Ziel. Wie schon bei der ersten Laufrunde wurde ich hier wieder deutlich schneller; schlussendlich lief ich die 2,5 Kilometer dann mit einer 5:21er Durchschnittspace (handgestoppt). Und dann der Zielbogen! Geschafft! Handgestoppt und auch offiziell 1:16:43 für 5/18/2,5.

Im Ziel (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Im Ziel (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Mein erster und einziger Gedanke im Ziel: Das muss ich unbedingt wieder machen. Unbedingt. Duathlon: leider absolut geil! Danach bediente ich mich am Kuchenbuffet, checkte mein Rad aus und begab mich in Richtung Auto, um mich umzuziehen. Im Startpaket befand sich auch ein Essens-Bon, den man wahlweise für Bratwurst, Cevapcici oder Pasta (sowohl mit Fleisch als auch vegetarisch) einlösen konnte. Ich entschied mich für eine Portion vegetarischer Pasta, die wirklich hervorragend schmeckte. Mittlerweile gab es auch das offizielle Ergebnis, wonach ich in meiner Altersklasse W35-39 den 4. Platz bzw. den 14. Gesamtrang bei den Frauen (von 31 Finisherinnen) erreichte. Damit habe ich nicht gerechnet und das freute mich natürlich sehr, zumal es mein erster Duathlon war und meine T1/T2 Skills sehr verbesserungswürdig sind. Wenn man das Ergebnis so betrachtet, kann man erkennen, dass ich auf der Radstrecke viel Zeit gutgemacht habe — offenbar bin ich eine bessere Radfahrerin als Läuferin. Oder liegt das daran, dass ich schon über 10 Jahre Rennrad fahre, aber erst das dritte Jahr laufe? Wie auch immer, ich war überaus glücklich und der Endorphin-Kick hielt noch viele Stunden an. Abschließend hoffe ich, dass es 2016 wieder einen Duathlon in Gösselsdorf geben wird, denn da bin ich aber sowas von fix wieder mit dabei!

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Neue Ufer

Are you waiting for the right excuse?
Are you waiting for a sign to choose?
While you’re waiting it’s the time you lose
What are you waiting for?
(Nickelback – What Are You Waiting For?)

Ich würde mich nicht als Fan von Nickelback bezeichnen, aber ihre aktuelle Single “What Are You Waiting For? hat bei mir einen Nagel auf den Kopf getroffen. Ich spiele mich schon seit 2012 mit dem Gedanken, einen Triathlon zu finishen, aber irgendwie schiebe ich dieses Ziel so vor mich her. Beim Halbmarathon war ich wesentlich resoluter und habe das Projekt recht zügig innerhalb eines Jahres durchgezogen. Woran scheitert es also beim Triathlon?

Ich denke mir oft, ok, nächstes Jahr machst du dann einen Triathlon, aber irgendwas ist immer bzw. ich finde irgendeine Ausrede, warum gerade dieses Jahr kein guter Zeitpunkt für das Projekt Triathlon ist. Letztes Jahr hatte ich durch das verletzungsbedingte Rennrad-Verbot im Frühling und die fehlenden Rennradkilometer eine “gute” Ausrede, den Triathlon lieber auf 2015 zu verschieben. Und auch dieses Jahr bin ich wieder zögerlich diesbezüglich: Zuerst einen Duathlon probieren, dann entscheiden.

Nach dem Saisonsauftakt am 21. März beim Viertelmarathon in Leitersdorf/Raabtal, wo ich zwar meine gewünschte Zielzeit erreichte, nagte der 4. Platz in meiner Altersklasse doch länger als mir lieb war, zumal das nicht mein erster 4. Platz war. Ich habe wie immer, wenn ich auf Zeit laufe, mein Bestes gegeben und kann mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Warum also diese latente Unzufriedenheit? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn ich zuerst eine Antwort auf die Frage, warum ich überhaupt bei Wettkämpfen mitmache, finde.

Warum laufen?

Ja, warum eigentlich? Die Antwort ist recht schnell gefunden: Weil es Spass macht! Weil ich die Atmosphäre von Laufveranstaltungen mag. Weil es mich im Training motiviert, für einen Wettkampf zu trainieren und zu sehen, ob ich meine Zeiten verbessern kann. Weil ich gerne mit anderen laufe, wenn schon das Training alleine stattfindet. Ich laufe für mich, um meine Grenzen auszuloten und um mich lebendig zu fühlen. Widrigkeiten, wie ein hochgradiger Knorpelschaden im rechten Knie und keine Schilddrüse halten mich davon nicht ab. Kurzum: Laufen macht mich glücklich.

Und dennoch war ich unglücklich. Der Lauf selbst war in Ordnung, aber nur bedingt ein “Spass”. Ich mag kurze Strecken nicht, da man dort vom Start weg Vollgas laufen muss, wenn man auf Zeit läuft. Daher laufe ich prinzipiell keine Distanzen unter 10 Kilometer und ganz ehrlich gesagt werden mir 10 Kilometer auch schon fast zu kurz. Es ist unwahrscheinlich, dass ich einen 10er einmal in 40 Minuten laufen werde. Dafür habe ich zu spät mit dem Laufen angefangen und deshalb fehlt mir einfach die Schnelligkeit. Meine Stärke liegt in der Ausdauer. Ich brauche oft schon eine halbe Stunde, bis es bei mir “rund” läuft und es macht mir wesentlich mehr Spass, ein Rennen so einzuteilen, dass ich in der zweiten Hälfte noch zulegen und andere LäuferInnen aufsammeln kann.

Zu neuen Ufern

Halbmarathons sind dafür gut geeignet und von der Distanz her ideal, da ich meinem lädierten Knie keinen ganzen Marathon zumuten möchte. Ich würde aber gerne Ausdauer-Wettkämpfe bestreiten, die länger als 2 Stunden dauern, frei nach dem Motto, “Ich kann nicht schnell, aber dafür lange.” Rennrad-Ausfahrten über zwei Stunden oder länger sind kein Problem und machen viel Spass. Wenn man also Laufen mit Rennradeln verbindet, dann erhält man einen Duathlon — meine Duathlon-Wettkampf-Premiere findet in gut 2 Wochen statt. Ich bin schon neugierig, wie das wird, denn immerhin begebe ich mich hier in absolutes Neuland mit Wechselzonen usw.

Vom Duathlon ist es nicht mehr weit zum Triathlon — wäre da nicht das Schwimmen. Und genau die erste Disziplin ist es, die mich bisher vom Triathlon abgehalten hat, da ich Angst vor dem “Untergehen” im wahrsten Sinne des Wortes habe. Schwimmen kann ich schon, kraulen so halbwegs, aber wer jemals Schwimmstarts bei einem Triathlon angesehen hat, weiß, welches Chaos dort herrscht. Vielleicht alles nur eine Frage des Trainings? Das ist ein weiterer Hemmschuh, denn ich wohne ca. eine Autostunde vom nächsten Hallenbad entfernt, was ein Schwimmtraining in der kalten Jahreszeit erschwert. Seen gibt es ausreichend mehr oder weniger vor meiner Haustüre, aber die sind momentan noch zu kalt und die (beheizten) Freibäder öffnen erst im Mai ihre Pforten. Und in dieser Phase über einen Neopren-Anzug nachzudenken, erscheint mir voreilig…

Doch um auf Nickelbacks “What Are You Waiting For?” zurückzukommen: Ja, worauf warte ich eigentlich? Es gibt immer Ausreden oder irgendetwas, das nicht passt. Ich will einen Triathlon finishen und im Juni/Juli gibt es doch einige Veranstaltungen, die eine Sprint- bzw. Volksdistanz anbieten; also wann, wenn nicht diesen Sommer? Je länger ich warte, umso mehr Ausreden werde ich finden…

Genau aus diesem Grund fahre ich auch am kommenden Samstag zum Radio Steiermark Lauf nach Bad Waltersdorf: Im Nenngeld ist ein Thermeneintritt inkludiert und die Therme verfügt über ein 25m Sportbecken. Zuerst 12 Kilometer laufen, dann schwimmen — Koppeltraining! Jedoch werde ich nicht auf (Best-)Zeit laufen, da der Wetterbericht abermals Temperaturen um 20°C voraussagt und der Start erst um 14:30 Uhr ist. Die Strecke ist zwar flach und schnell, aber es müssen 3 Runden zu je 4 Kilometern gelaufen werden und ich mag Runden nicht. Also ein Trainings-Tempodauerlauf mit guter Stimmung entlang der Strecke. Danach in die Therme. Ins Sportbecken. Und dann in den Whirlpool! Oder “WIIIRRRLPOOL”, wie der Hackl Schorsch bei der Wok-WM so treffend sagte. Ein hoffentlich netter Tag in der Steiermark.

Zeit, die Schwimmbrille öfters zu benutzen

Zeit, die Schwimmbrille öfters zu benutzen

Sitzprobleme in Aeroposition

Sitzprobleme gehören wohl zum Radsport wie platte Reifen — man kann Glück haben und weitgehend davon verschont bleiben, aber früher oder später ist man damit konfrontiert. Beides ist ärgerlich und unangenehm und wenn ich es mir aussuchen kann, habe ich lieber einen Platten als Sitzprobleme, denn ein Reifendefekt lässt sich einfach und schnell beheben. Bei Sitzproblemen ist das schon etwas komplizierter, aber es gibt auch hier immer eine Lösung.

Ende Oktober/Anfang November 2014 kaufte ich mir — in Anbetracht einer Dua-/Triathlon-Teilnahme — einen Auflieger, um aerodynamischer und auch entspannter am Rennrad zu sein. Bei den meisten Dua-/Triathlons gilt ja Windschatten-Verbot und daher das Fahren in Aeroposition erlaubt bzw. empfehlenswert. Sicherlich kann man auch in Unterlenker-Position aerodynamisch(er) Rennrad fahren, aber das verursacht bei mir Verspannungen. Daher erschien mir die Investition in einen Syntace C3 Auflieger sinnvoll, der preislich akzeptabel und in drei Größen erhältlich ist. (Außerdem fährt Christoph Strasser, seines Zeichens Race Across America Gewinner und Rekordhalter, den C3.)

Auflieger gekauft und ganz nach Gefühl am Renner montiert. In der verletztungsbedingten Off-Season im November konnte ich den Auflieger ein paar Mal in der freien Natur testen, aber da das Lenkverhalten anders ist, fuhr ich nur kurze Abschnitte in der Aeroposition und wechselte dann wieder in die gewohnte Schaltgriff-Position. Dann kam der Winter und somit die Rollensaison — die perfekte Zeit also, sich endgültig an die Aeroposition zu gewöhnen. Doch das Unterfangen endete mit einer jähen Überraschung in der Form von Sitzproblemen. Ich fahre seit gefühlt einer Ewigkeit Terry Sättel und bin damit immer gut zurecht gekommen. Jetzt in Aeroposition drückt mir die Sattelnase unangenehmst am Schambein, sodass ich es kaum länger als 75 Minuten auf der Rolle ausgehalten habe. (Da half leider auch kein True Blood oder Deluxe Music.)

Ich versuchte, durch häufiges Wechseln der Griffposition bzw. durch “freihändiges” Fahren (auf der Rolle kann man das ja problemlos) den Schmerz in Grenzen zu halten, was auch gut gelang — bis zum ersten Koppeltraining. Wie es sich gehört, ging es mit den Tri-Shorts von Skinfit (mit ganz dünnem Sitzpolster) auf die Rolle und es war — wie soll man es am besten ausdrücken — “not pretty”, wie der geneigte Anglist zu sagen pflegt. Sitzprobleme sind nicht etwas, worüber man gerne spricht und im Englischen werden sie unter dem Oberbegriff “saddle sore” zusammengefasst. Das trifft es gut, denn “sore” ist vielleicht eine Untertreibung in diesem Zusammenhang und ich war sehr erleichtert, als die 40 Minuten auf der Rolle vorbei waren und ich zum Laufen wechseln konnte.

Sitting Pretty

Panik machte sich breit. Wie würde das nur beim anstehenden Duathlon funktionieren? Sicherlich, es sind nur 19 Radkilometer, aber über eine halbe Stunde sitze ich am Rad und mit einer normalen Radhose mit Einsatz/Sitzpolster kann ich nicht laufen. Das fühlt sich an, als ob man mit einer Windel laufen würde, also kommt nur das dünne Tri-Polster in Frage. Kurzerhand spazierte ich wenige Tage später in ein Fahrrad-Fachgeschäft in Klagenfurt und verlangte einen Triathlon- bzw. Aeroposition-tauglichen Sattel, wo mir der freundliche Herr sofort einen ISM Adamo präsentierte und meinte, wenn man beim Ironman in Klagenfurt durch die Wechselzone geht, sieht man bei sehr vielen Rädern diesen Sattel. Triathleten und Zeitfahrer schwören drauf und vor allem Frauen kommen damit sehr gut zurecht. Aha. Ich solle den Sattel doch einfach mal ausprobieren und wenn er nicht passt, kann ich ihn zurück bringen und bekomme mein Geld retour. OK, das klingt gut und bei dem stolzen Preis von 170 Euro erleichterte es mir die Kaufentscheidung. (Ja, 170 Euro, und das für die Nicht-Carbon Version, Carbon kostet jenseits der 220 Euro!) Dieser Adamo ist sein Geld besser wert!

ISM Adamo Road

ISM Adamo Road

Die nächsten Tage versprachen Rennrad-taugliches Frühlingswetter und ich wollte die Saison im Freien mit dem neuen Sattel eröffnen. Doch zuvor tat sich ein weiteres Problem auf: Wie montiere ich das Ding? Ich habe zwar vom Bike Fitting alle Daten wie Sattelhöhe und Abstand Lenker – Sattelnase usw., aber der ISM Adamo hat ja keine Sattelnase. Hm. Die beiliegende Beschreibung ist wenig hilfreich und lässt sich auf die Kernaussage “Experimentieren Sie, bis Sie die für Sie komfortabelste Sitzposition finden” reduzieren. Onkel Google meinte, den Adamo 5 cm hinter der Sattelnase des alten Sattels und 5mm niedriger als normal zu montieren. OK, dann versuchen wir das einmal. Bei der ersten Ausfahrt spürte ich deutlich, dass ich wirklich nur mit den Sitzknochen am Sattel sitze und keinerlei Druck am Schambein. Das ist schon einmal gut, aber leider rutschte ich dauernd nach vorne und davon bekam ich nach knapp einer Stunde untere Rückenschmerzen. Für die Ausfahrt am nächsten Tag veränderte ich die Sattelneigung und verringerte den Abstand Lenker – “Sattelnase”. Das Ergebnis war auch eher bescheiden: Mein rechtes Knie tat weh und beide Knie berührten in Aeroposition meine Ellbogen. Auch nicht so ideal. Meh.

Kurzerhand schrieb ich Hannes Czeitschner von TrueFitCoaching in Villach ein Mail und bat um ein Bike “Re-Fitting”. Dieses Experimentieren ist nichts für mich, dafür fehlt mir die Geduld. Das Bike Fitting im letzten Jahr war ja ein voller Erfolg, also warum nicht auch die Aeroposition entsprechend “fitten”? Ich bekam erfreulicherweise sehr kurzfristig einen Termin und abermals ging es samt Rennrad nach Villach. Auch beim zweiten Mal ist ein Bike Fitting noch spannend und es ist interessant zu verfolgen, welch große Auswirkungen kleine Veränderungen im Millimeterbereich haben können. Bei Hannes ist man in guten Händen, denn er ist nicht nur Bike Fitter, sondern selbst Triathlet und Ironman-Finisher und fährt ebenfalls einen ISM Adamo. Als Laie diesen Sattel korrekt zu “justieren” ist nahezu unmöglich, meinte er. Und damit dürfte er recht haben. Folgende Veränderungen wurden durchgeführt:

  • Pedale um 5mm nach hinten 0 Grad
  • Sattel um 10mm nach oben
  • Sattel um 10mm nach vorne
  • Sattelnase um 2 Grad nach unten
  • 80mm langer Vorbau (+20mm)
  • Extensions und armpads justiert

Interessanterweise benötige ich in Aeroposition nun doch wieder den 80mm Vorbau (statt 60mm) und den Sattel 10mm höher — von wegen 5mm niedriger als normal! Die erste Ausfahrt nach dem Re-Fitting war ein Genuss: Ich konnte fast durchgehend ohne Schmerzen oder Beschwerden in Aeroposition fahren und bin sowohl vom Bike Fitting als auch vom ISM Adamo Road hellauf begeistert!

Bike Fitting Aeroposition

Bike Fitting Aeroposition

Erstes Koppeltraining

Sonntag Nachmittag, draußen Schneeregen, aber ich sitze/liege schwitzend auf dem Rennrad, während im Fernseher vor mir Deluxe Music mit “80s Extreme” läuft. Kim Wilde singt fröhlich “You Came” und ich trete etwas beherzter in die Pedale. Diese 40 Minuten auf der Rolle sind quasi nur zum Aufwärmen, danach geht es gleich ohne Pause für einen Tempodauerlauf über 5 Kilometer aufs Laufband…

Ich schaffe es nicht, mich guten Gewissens irgendwo anzumelden und mitzumachen, wenn ich es zuvor nicht ansatzweise ausprobiert habe. Zu groß ist die Angst vor einem DNF oder Letzte(r) zu werden. Während ich Run/Bike schon einmal ausprobiert habe, ist Bike/Run Neuland für mich. Diversen Geschichten von Tria- bzw. Duathlon erfahrenen Leuten zufolge ist der Wechsel vom Rad zum Laufen der “schlimmste” bzw. gefürchteste und soll daher explizit trainiert werden. Der Nenngeldsprung vom Duathlon, den ich Ende April anpeile, rückt unaufhaltsam näher und leider lässt der Frühling mit Rennrad-tauglichem Wetter noch auf sich warten. Ich kann aber nicht mehr länger warten und daher findet mein erstes Koppeltraining Bike/Run auf der Rolle bzw. dem Laufband statt.

Das Rennrad ist bereit

Das Rennrad ist bereit

Der Wechsel zwischen den verschiedenen Sportarten ist genauso wichtig wie die Sportarten selbst und sollte geplant und ebenfalls geübt werden. Das Rennrad samt Rolle steht im ersten Stock, das Laufband befindet sich im Erdgeschoss. Meine kleine, private Wechselzone habe ich neben dem Laufband aufgebaut, wo die Laufschuhe und der iPod anzieh- bzw. griffbereit auf mich warten. Nach exakt 40 Minuten hüpfe ich förmlich vom Rad, schnappe mir das Handtuch vom Triathlon-Auflieger, entledige mich binnen von Sekunden der Radschuhe und laufe die Treppe hinab. Zielsicher werfe ich das Handtuch über die Konsole des Laufbandes, schlüpfe in die Laufschuhe und fummel mir die In-Ears in die Ohren. Nichts wie rauf aufs Laufband und auf “Start” gedrückt, weiter gehts!

Ich bin etwas angespannt, da ich keine Ahnung habe, wie sich meine Beine nach 40 Minuten bei moderatem Tempo auf der Rolle anfühlen werden. Weiche Knie? Ziegelsteine an den Beinen? Ein Gefühl, überhaupt nicht Laufen zu können? Erfahrungsgemäß brauche ich meist einige Minuten, bis es bei mir “läuft” — vor allem am Laufband. Doch zu meiner Überraschung klappt das Laufen besser als angenommen und bereits nach 2 Minuten kann ich die angepeilte Pace bzw. Geschwindigkeit einstellen. Der Puls ist einige Schläge höher als sonst, aber das schiebe ich auf die Aufregung, etwas Neues auszuprobieren! Die 5 Kilometer arten trotz geöffneten Fenster in ein Schweißmassaker aus, aber sind bei weitem nicht so schlimm, wie ich es mir erwartet hatte. Erstes Koppeltraining Bike/Run erfolgreich und zufrieden absolviert. Duathlon here I come!

Montag meldete ich mich dann prompt zum Gösselsdorfer Duathlon am 25. April 2015 an. Nun hoffe ich, dass ich bald die Rennrad-Saison im Freien eröffnen kann, da ich in den nächsten 8 Wochen doch noch einige “richtige” Koppeltrainings machen möchte. Mein Anspruch bzw. Ziel beim Duathlon ist, nicht als Letzte zu finishen. Ich werde die Radstrecke im Vorfeld einmal auskundschaften bzw. abfahren und ich muss auch noch herausfinden, wie man einen “Platten” verhindert bzw. schnell repariert. Ich kann mittlerweile zwar selbst einen Rennrad-Schlauch wechseln, aber bei einem Wettkampf unter Zeitdruck und mit “Bordwerkzeug” klappt das sicherlich nicht sonderlich gut. Die Lösung scheint — diversen einschlägigen Triathlonforen zufolge — ein sogenanntes “Pannenspray” zu sein, dass man im Bedarfsfall oder auch prophylaktisch in den Schlauch sprüht. Jedenfalls ist es spannend, sich in dieses Neuland zu begeben und ich freue mich schon auf meinen ersten Duathlon!

Wettkampfplanung 2015

Grundgütiger, wo kommt nur die Zeit hin? Hatten wir nicht gerade erst Silvester und jetzt ist plötzlich der halbe Jänner schon vorbei und es ist höchste Zeit, sich mit der Wettkampfplannung für 2015 zu beschäftigen.

Dabei muss ich gestehen, dass ich mich bereits im Dezember “in the spur of the moment” (d.h. in überschwänglicher Euphorie, wieder schmerzfrei Laufen zu können) zu den voraussichtlichen Hauptevents bzw. Höhepunkten angemeldet habe: Wie auch im Vorjahr sind das der Ossiacher See Nachthalbmarathon im Juni und der Wörthersee Halbmarathon von Kärnten Läuft im August. Weiters möchte ich gleichsam wie 2014 bei maximal zwei Laufveranstaltungen pro Monat an den Start gehen, die in A (große Ziele), B (Vorbereitungswettkampf) und C (Spasswettkampf) eingeteilt werden — ein bewährtes System, das gut funktioniert.

Mein Ziel für 2015 ist, die persönliche Halbmarathonbestzeit von 1:50:47 zu verbessern, da ich das Gefühl habe, dass da noch etwas geht! Weiters liebäugle ich mit einem Schnupper- bzw. Volkstriathlon, der jedoch terminlich in den Gesamtplan passen muss und nicht knapp vor oder nach meinen A Wettkämpfen stattfindet. Und da hatte ich vergangenen Mittwoch um kurz nach 2 Uhr morgens diese wahnwitzige Idee, dass ich ja im Frühjahr bei einem Duathlon mitmachen könnte! Quasi als Einstieg(sdroge?) mit Laufen, Radfahren, Laufen. Wie es der Zufall so will, findet dieses Jahr nach langjähriger Pause wieder der Gösselsdorfer Duathlon statt, noch dazu Ende April, was zeitlich sehr gut passt.

März

B 21.03. Vulkanland Frühlingslauf Leitersdorf (Viertelmarathon)

April

B 11.04. ORF Radio Steiermark Lauf Bad Waltersdorf (12km)
C 25.04. Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5)

Mai

C 02.05. Welschlauf (Viertelmarathon)
B 30.05. 14. Parkthermen-Wüstenlauf Bad Radkersburg (14km)

Juni

A 05.06. Ossiacher See Nachthalbmarathon
B 21.06. St. Pauler Mostlandlauf (10km)

Juli

B 18.07. Römerlauf Kaindorf (Viertelmarathon)

August

A 23.08. Wörthersee Halbmarathon  Kärnten Läuft

September

C 19.09. Genuss Apfel Lauf Stubenberg See (7km)

Oktober

B 11.10. Graz Marathon (Halbmarathon)

Mit Graz habe ich in der Tat noch eine Rechnung offen, obwohl ich mir kurzzeitig sagte, nie wieder! Vielleicht ist es ja ähnlich wie bei der kleinen Schleife des Horrors in Krumpendorf, die bei meiner zweiten Teilnahme gänzlich ihren Schrecken verlor und die große Schleife des Horrors nach Andritz wird im Oktober ebenfalls gezähmt? Wie immer ist das nur eine vorläufige Planung und Änderungen bzw. Ergänzungen sind durchaus möglich. Ich bin jedenfalls bereit…

Triathlon Laufschuhe sind bestellt...

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