Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2016

Sonntag, 21. August 2016, morgens kurz vor 9 Uhr in Velden und ich stehe abermals im Startblock für den Wörthersee Halbmarathon im Rahmen von Kärnten Läuft. Bereits zum vierten Mal in Folge — ja diese Veranstaltung hat Tradition. Zehn Monate nach meinem letzten Halbmarathon in Graz, acht Monate nach meinem Sturz. Lange habe ich daran gezweifelt, überhaupt wieder schmerzfrei laufen zu können, von einem Halbmarathon ganz zu schweigen. Aber da stehe ich nun im 1:50er Startblock und so findet die Verletzungsgeschichte nun hoffentlich endlich ihren Abschluß, indem ich in weniger als zwei Stunden über die Ziellinie in Klagenfurt laufe.

“Richtig” trainiert habe ich für den Halbmarathon nicht, denn dieses Jahr lag der Fokus eben verletzungsbedingt auf Triathlon, denn Schwimmen und Radfahren war viel früher wieder möglich als Laufen. Konkret bestand das Training aus ein paar längeren (ca. 16km) Läufen in den Wochen nach dem Gösselsdorfer Triathlon im Juli. Gerade bei den längeren Läufen merkte ich meine linke Hüfte/Oberschenkel doch noch deutlich und daher wollte ich es gemütlich angehen und einfach gesund und wenn möglich ohne Schmerzen ins Ziel kommen.

Wettertechnisch hatte ich mich auf ein Regenrennen a la Graz Marathon 2015 eingestellt, prognostizierten die Wetterfrösche doch gedämpfte Temperaturen um 16 Grad und teilweise Starkregen für Sonntag Vormittag — also bis auf den Starkregen genau mein Lieblingslaufwetter! Während es in der Nacht und auch noch morgens leicht bis mäßig regnete, wurde es bereits auf dem Weg nach Klagenfurt immer trockener und freundlicher und als ich schließlich in Velden zur Kleiderbeutel-Abgabe spazierte, lachte die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Also doch noch Sonnenschutz auftragen, bevor es zum Start geht.

Ich stelle mich in den 1:50er Startblock, um es wie geplant gemütlich anzugehen. (Leider gab es dieses Jahr keinen 1:45er Pacemaker, sondern nur 1:40 und eben 1:50.) Es hat gefühlt 30 Grad, die Sonne brennt vom Himmel und außerdem ist es viel zu früh. Während ich warte, dass sich die Menschenmenge um mich in Bewegung setzt, muss ich ein paar Mal gähnen und mit einem Anflug von Müdigkeit kämpfen. Mit 3 Stunden Schlaf bin ich halt nicht ausgeschlafen. Der erste Startschuss fällt um 9 Uhr, doch dauert es ganze 12 Minuten, bis ich endlich die Startlinie überquere.

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Die Strecke ist mir ja aus den Vorjahren hinreichend bekannt; durch Velden vorbei am Casino, wo wieder der Männergesangsverein Kärntner Lieder zum Besten gibt. Die regennasse Straße wird nun von der Sonne aufgetrocknet und es dampft wunderbar herrlich vom Asphalt. Innerlich verfluche ich den Wetterbericht — von wegen Starkregen!? Oh das könnte eine zache Partie werden, aber nach dem ersten Kilometer habe ich meinen Rhythmus gefunden und es geht überraschend locker dahin, obwohl es feucht-schwül ist. Bis Kilometer 5 etwa begleitet mich die Sonne, doch dann versteckt sie sich hinter den aufziehenden Wolken, was sich aber kaum auf die gefühlte Temperatur auswirkt.

Beim kleinen Anstieg bei Techelsberg stelle ich fest, dass ich ca. 200m hinter dem 1:50er Pacemaker bin, obwohl im hinteren Drittel des Startblocks losgelaufen bin. Auch ein Blick auf meine Uhr bestätigt, dass ich schneller als der Pacemaker unterwegs bin. Ich habe mir vorgenommen, mein “Ding” zu laufen und beispielsweise nicht zwanghaft zu versuchen, mich bei einem Pacemaker anzuhängen. Doch es läuft gut, ich überhole permanent LäuferInnen und mein Abstand zum Herrn mit der blauen Fahne wird langsam, aber ständig kleiner. Wir erreichen Pörtschach und somit den engsten Abschnitt der Strecke. Die Stimmung beim Promenadenbad ist gut, ein DJ legt auf und der Moderator sorgt für unterhaltsame Kommentar. Den nun mehr wenige Meter vor mir laufenden Pacemaker kommentiert er mit, “1:50? Was tuts ihr denn schon da?”

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links...

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links…

Kurz nach der 10,5km Marke laufe ich dem Pacemaker und der Traube, die sich um ihn gebildet hat, auf. Es ist sehr eng und ich kann die Gruppe erst überholen, als es zurück auf die Hauptstraße geht. Dadurch lasse ich wohl einige Sekunden liegen und wie es sich im nachhinein herausstellte, war Kilometer 11 auch der langsamste. Ich bin doch ein gutes Stück hinter dem Pacemaker gestartet und nun hab ich ihn überholt. Wenn ich diesen Vorsprung ins Ziel halten kann, dann wird es eine Sub-1:50er Zeit. Der Streckenabschnitt von Pörtschach nach Krumpendorf ist wie jedes Jahr recht trostlos, daher konzentriere ich mich voll und ganz aufs Laufen. Ja, man könnte meinen, es hat sich nun ein “Flow” eingestellt.

Es ist zwar bewölkt, aber dennoch recht schwül. Vor Krumpendorf bemerke ich, dass mir die Fusssohlen brennen. Weiters ist die Bundesstraße in der langgezogenen Linkskurve beim Biomasseheizwerk stark geneigt, was sich negativ in meiner linken Hüfte bemerkbar macht. Das ist mir in den Vorjahren nie so aufgefallen, aber diesmal spüre ich, dass ich mit dem linken Bein deutlich “tiefer” auftrete als mit dem rechten. Ich bin erleichert, als ich Krumpendorf erreiche und somit wieder “eben” laufen kann. Nun sind 16 Kilometer gelaufen und ich liege sehr gut in der Zeit. Aber erfahrungsgemäß können es diese letzten 5 Kilometer in sich haben.

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Ich muss gestehen, die Pamperlallee und ich, wir werden keine Freunde mehr: Diese elendslange Gerade bereit mir einfach keinen Spaß. Doch dieses Jahr empfinde ich sie als nicht so schlimm und es läuft sich nach wie vor verhältnismäßig locker, wenn man von den brennenden Fusssohlen absieht. Kilometer 18, Kilometer 19… die Strecke ist mir mehr als bekannt, ich weiß, es ist wirklich nicht mehr weit. Auf den letzten beiden Kilometern muss ich etwas kämpfen und beißen, doch ich kann die Pace halten. Als ich bei der Lido Villa Richtung Ziel abbiege, ist die Stimmung überwältigend. Ich genieße die letzten paar hundert Meter, sauge die Atmosphäre auf und überquere nach 1:48:31 die Ziellinie. In diesem Moment fällt mir die Last ab; all die Ungewissheit und Zweifel sind nun weg. Ich kann wieder Halbmarathon laufen!

Nach einer Massage geht es wie immer ins Strandbad, wo ich einen kurzen Sprung in den Wörthersee wage. In der Zwischenzeit sind die Wolken dichter geworden und als ich das Strandbad verlasse, fängt es auch tatsächlich an zu regnen. D’Oh! Das offizielle Ergebnis ist Platz 1006 (von 2648), Platz 89 (von 688) bei den Frauen und der 10. Platz (von 90) in meiner Altersklasse W-35. Angesichts dieser Resultate bin ich hochzufrieden, da es wirklich besser als erwartet gelaufen ist!