4. Gösselsdorfer Duathlon

Nach 17 Jahren Pause fand am vergangenen Samstag, den 25. April 2015, die vierte Auflage des Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5) statt. Als kleiner, aber feiner “Wald- und Wiesenduathlon” mit einem Starterlimit von 150 TeilnehmerInnen war es die ideale Veranstaltung für meine Duathlon-Premiere.

Als ich mich Ende Februar zum Gösselsdorfer Duathlon anmeldete war mein Ziel, sich das Ganze einfach mal anzusehen und nicht als Letzte(r) zu finishen. Die Distanzen von 5km Laufen, 18km Radfahren und 2,5km Laufen sind kein Problem und vom auf der Website bereitgestellten Kartenmaterial mit Beschreibungen konnte ich mir ein vages Bild von der Strecke machen. Wenngleich es auch ein erstes Reinschnuppern in die Mehrsport-Welt darstellt, wollte ich nicht halbherzig an die Sache herangehen. So machte ich es wie die Profi-Radsportler vorm Zeitfahren und fuhr am Donnerstag zuvor nach Gösselsdorf, um sowohl die Lauf- als auch Radstrecke in Natura zu besichtigen.

Vor Ort wurde ich mit zwei Überraschungen konfrontiert: Zum einen befindet sich auf beiden Laufstrecken ein Abschnitt mit etwas gröberen Schotter und zum anderen ist der Straßenbelag auf den ersten 500m der Radstrecke desolat. Ersteres führte dazu, dass ich nicht wie geplant mit meinen Nike Free Flyknit 4.0 laufen würde, weil die ich durch die dünne Sohle so schon kleinere Steine deutlich spüre. Als leichter, schneller Schuh, der sich obendrein auch noch sehr schnell an- und ausziehen lässt, wäre der Nike Free Flyknit 4.0 für diese kurzen Distanzen ideal gewesen, aber auf dem groben Schotter wäre das sicher unkomfortabel, wenn nicht sogar schmerzhaft. Also müssen wohl meine treuen Brooks Pure Flow 2 ran, die sich aufgrund der “Burrito-Konstruktion” leider nicht so schnell anziehen lassen. Der schlechte Straßenbelag auf den ersten 500m der Radstrecke bereitete mir Sorgen, da ich Angst hatte, einen Platten zu fahren. Ich würde zwar ein Pannenspray in der zweiten Trinkflasche und eine CO2-Kartuschen-Pumpe im Radtrikot mitführen, aber bei einer so kurzen Distanz ist der Zeitverlust durch eine Panne erheblich. Dennoch war ich entschlossen, zu finishen, denn DNF is not an option!

Bike Check-In

Bike Check-In

Am Samstag ging es dann kurz vor Mittag bei herrlichem Frühsommerwetter nach Gösselsdorf, wo alles perfekt organisiert war: Parkplätze in unmittelbarer Nähe des Start-/Zielbereichs samt Einweiser, reibungslose Startnummerausgabe ohne “Leiberl-Dilemma” (T-Shirt Größe wurde vorbildlich bei der Anmeldung abgefragt!) und zügiges Bike-Check-In in der Wechselzone. Danach folgte die obligate Wettkampfbesprechung und ich begab mich in den Startbereich, wo ich auf jan traf, ein Professor und x-facher Ironman-Finisher, den ich aus meiner Studienzeit kenne. Es dauerte auch nicht lange und die männlichen Starter wurden in den ersten beiden Startwellen auf die Strecke geschickt. Der Damenstart in der dritten Welle erfolgte pünktlich um 14:06 Uhr.

In the (transition) zone

In the (transition) zone

Run 1

Es ging gleich ordentlich flott zur Sache und ich lief den ersten Kilometer schneller als geplant. Als Zielpace schwebte mir 5:10 min/km vor, was in Anbetracht der Streckenverhältnisse (90% grober Schotter und Waldwege) und der frühsommerlichen Temperaturen von über 21° C als realistisch erschien. Ich war froh, als es nach ca. 1,5 Kilometer endlich in den Wald ging, wo es schattig und daher nicht so heiß war. Kurz vor der Wende zwischen Kilometer 2 und 3 hörte ich ein Brummen von Hinten und ein kurzer Blick bestätigte, dass ein Traktor die Läuferinnen auf dem Feldweg verfolgte. Das war ein Grund, so schnell wie möglich den Wendepunkt zu erreichen und somit den Feldweg zu verlassen. Danach ging es wieder auf einem Waldweg weiter, vorbei an der Labestation und schließlich auf die Straße, die auch ein Teil der Radstrecke war. Dort herrschte bereits reges Treiben und ich lief daher die letzten 500m bis zur Wechselzone deutlich schneller. Handgestoppt benötigte ich für die 5 Kilometer 0:26:01, was einer Pace von 5:13 min/km entspricht. Leider wurden die Wechselzeiten T1 und T2 in der offiziellen Zeitnehmung jeweils zu den Laufzeiten addiert und nicht gesondern ausgewiesen, was somit zur “Verfälschung” der Laufzeiten bzw. Pace führt.

Damenstart (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Damenstart (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Bike

In der Wechselzone T1 ging alles recht schnell: Laufschuhe aus, Radschuhe an, Helm auf, Startnummer nach hinten, Rad vom Rack. Dann zockelte ich irgendwie seltsam herumeiernd in meinen Radschuhen mit (super-steifer!) Vollcarbon-Sohle und Pedalplatten aus der Wechselzone auf die Straße bis zur Linie, wo man auf das Rad aufsteigen darf. Das “Laufen” in Radschuhen muss ich definitiv noch üben bzw. optimieren. Hurtig aufs Rad geschwungen, trat ich gleich beherzt in die Pedale und beschleunigte ohne Rücksicht auf Verluste (oder Reifenschäden) auf dem schlechten Straßenbelag, ehe es gleich um eine Linkskurve und steil nach oben ging. Am Ende der Linkskurve und inmitten der Steigung hatte ich bereits zu zwei Damen aufgeholt: Eine fuhr ganz rechts, die andere ganz links. Hm, was tun? Also sagte ich sowas wie “Achtung, ich möchte da gerne zwischen durch”, ging aus dem Sattel, überholte und ließ die zwei Damen hinter mir. Ein paar Meter weiter und ebenfalls noch auf besagter Steigung erblickte ich dann jan, den ich begrüßte, überholte und zurückließ. Am höchsten Punkt des Anstiegs befand sich eine Labestation und dann ging es eben bis leicht hügelig weiter, ehe ein kurzer Abschnitt mit 12% Gefälle folgte.

Hier hatte ich erstmals etwas Zeit zum “Verschnaufen” und mir wurde schlagartig bewusst, wie natürlich sich das alles auf dem Rad anfühlt; ja, es fühlte sich an, als ob ich “zu Hause angekommen” wäre. Warum habe ich das nicht viel früher schon gemacht? Kurzer Blick auf den Tacho, 33km/h, ja das passt. Vor dem Gefälle saß ein Mann mit einer großen Kuhglocke auf dem Kofferraum seines Autos und feuerte die vorbeifahrenden Radfahrer lautstark an. Dann ging es rasant bergab, wobei ich hier auf der ersten Runde noch eher etwas zurückhaltend fuhr und nur auf 58km/h kam. Die Abfahrt bot mir abermals einige Momente der Erholung, um dann nach der Wende in Sittersdorf mit durchschnittlich 40km/h die Bundesstraße entlang zurück in Richtung Gösselsdorf zu fahren. Auf Höhe des Gösselsdorfer Sees konnte ich abermals zwei Damen und einen Herrn (!!) einholen, ehe es auf einer Seitenstraße direkt nach Gösselsdorf hinein ging. Dort befand sich eine 180° Wende, die besondere Vorsicht verlangte und bevor man die Runde beendete, ging es noch kurz, aber dafür knackig um die Kurve bei der Kirche hoch. In dieser Kurve ging ich abermals aus dem Sattel, überholte zwei Damen, rollte dann über die Zeitnehmungsmatte und startete in die zweite Runde.

Auf der ersten Radrunde (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Auf der ersten Radrunde (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Die zweite Radrunde war etwas einsamer, da sich fast nur mehr Frauen auf der Strecke befanden. Folglich war ich am Anstieg, wo ich in der ersten Runde noch eifrig MitstreiterInnen überholte, nun plötzlich ganz alleine. Das hatte aber den Vorteil, dass man mir bei der Labestation schon von weitem zurief und frage, was ich denn gerne hätte. Ich lehnte dankend ab, denn ich hatte meine Verpflegung an Bord und außer Wasser benötige ich bei so kurzen Wettkämpfen nichts. Dann kam ich wieder beim Herrn mit der Kuhglocke vorbei, der nach wie vor kräftig anfeuerte und plötzlich war es da, das Gefühl, dass ich schon lange nicht mehr erlebt hatte: Gänsehaut und feuchte Augen und die Erkenntnis, dass das, was ich hier gerade mache, “leider geil” ist. Beflügelt davon ließ ich es nun beim 12% Gefälle einfach “laufen” und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 64km/h. Auf dem Rückweg nach Gösselsdorf konnte ich noch ein paar Damen einsammeln und nach genau 0:34:36 stieg ich vom Rennrad, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 31,2km/h entspricht.

Abermals “eierte” ich samt Rad zu meinem Wechselplatz, wo ich das Rad abstelle, den Helm abnahm, schnell aus den Radschuhen schlüpfte, aber beim Anziehen der Laufschuhe aufgrund der Burrito-Konstruktion unnötig viel Zeit vergeudete: Ich muss die Schnürsenkel ziemlich weit öffnen, damit ich überhaupt in den Schuh komme und dann wiederum entsprechen zuziehen, einen Knopf binden und die überstehenden Senkel “verstauen”, damit ich nicht drüberstolpere. Hier besteht absoluter Verbesserungsbedarf! Ich vergaß, meine Startnummer wieder nach vorne zu drehen, doch eine freundliche Dame erinnerte mich beim Verlassen der Wechselzone daran. Und dann begann der Spass…

Run 2

Die zweite Laufstrecke über 2,5 Kilometer führte zuerst durch den Hof eines Bauerns bis zur Kirche und dann durch die Wiese des Obstgartens in Richtung Schotterweg. Einschlägige Literatur zum Thema Bike-Run Wechsel empfiehlt ja, die letzten 500m der Radstrecke im kleinen Gang mit hoher Trittfrequenz zu fahren, um sich auf das anschließende Laufen vorzubereiten. Doch diese Empfehlung war auf dieser Radstrecke nicht umsetzbar, da sich eben keine 100m vor dem Ziel die steil ansteigende Kurve bei der Kirche befindet — kleiner Gang und hohe Trittfrequenz ist da kaum möglich, also Wiegetritt, ein paar mal kräftig treten und die Sache ist erledigt. Anyway, ich lief los und wie ich es vom Training kenne waren die ersten Meter schockierend, da ich das Gefühl hatte, seltsam “über Treppen” zu laufen. Beim Misthaufen vorbei durch den Hof zur Kirche und dann… ja dann fragte ich sicherheitshalber den Streckenposten, wohin ich laufen muss, worauf dieser in Richtung Wiese und Obstgarten deutete. Oh Gott, leicht bergab über eine Wiese! Wunderbar. Erstaunlicherweise fand ich dann sehr schnell meinen Rhythmus und es ist lobenswert, dass noch immer Zuseher an der Strecke standen und die Läuferinnen anfeuerten, während die Herren der Schöpfung schon fast alle im Ziel waren.

Am Schotterweg angekommen brannte die Sonne vom Himmel und ich freute mich schon auf den Waldweg, wo es wenigstens schattig und somit nicht so heiß war. Bevor es allerdings in den Wald ging, galt es eine kleine Steigung zu bewältigen. Da sah ich die Dame vor mir, die ich gerade noch auf der Radstrecke überholt hatte. Hm, meine T2 war eindeutig grauenhaft. Die Dame schien Krämpfe bzw. muskuläre Probleme zu haben, da sie anhielt und dehnte. Ich überholte sie und lief weiter in Richtung Wald, wo ich abermals ganz allein war. An der Labestation wurde mir daher ebenfalls ein exklusiver Service geboten und neben Getränken wurden auch Bananen und Müsliriegel gereicht. An dieser Stelle sei den unzähligen freiwilligen Helfern ein ausdrückliches Lob ausgesprochen: Ich habe selten so freundliches und engagiertes Personal bei einer Laufveranstaltung gesehen! Kurz nach der Labestation konnte ich noch einen Herrn überholen und nun waren es nur mehr 500m bis ins Ziel. Wie schon bei der ersten Laufrunde wurde ich hier wieder deutlich schneller; schlussendlich lief ich die 2,5 Kilometer dann mit einer 5:21er Durchschnittspace (handgestoppt). Und dann der Zielbogen! Geschafft! Handgestoppt und auch offiziell 1:16:43 für 5/18/2,5.

Im Ziel (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Im Ziel (Photo Credit: DG Gösselsdorf)

Mein erster und einziger Gedanke im Ziel: Das muss ich unbedingt wieder machen. Unbedingt. Duathlon: leider absolut geil! Danach bediente ich mich am Kuchenbuffet, checkte mein Rad aus und begab mich in Richtung Auto, um mich umzuziehen. Im Startpaket befand sich auch ein Essens-Bon, den man wahlweise für Bratwurst, Cevapcici oder Pasta (sowohl mit Fleisch als auch vegetarisch) einlösen konnte. Ich entschied mich für eine Portion vegetarischer Pasta, die wirklich hervorragend schmeckte. Mittlerweile gab es auch das offizielle Ergebnis, wonach ich in meiner Altersklasse W35-39 den 4. Platz bzw. den 14. Gesamtrang bei den Frauen (von 31 Finisherinnen) erreichte. Damit habe ich nicht gerechnet und das freute mich natürlich sehr, zumal es mein erster Duathlon war und meine T1/T2 Skills sehr verbesserungswürdig sind. Wenn man das Ergebnis so betrachtet, kann man erkennen, dass ich auf der Radstrecke viel Zeit gutgemacht habe — offenbar bin ich eine bessere Radfahrerin als Läuferin. Oder liegt das daran, dass ich schon über 10 Jahre Rennrad fahre, aber erst das dritte Jahr laufe? Wie auch immer, ich war überaus glücklich und der Endorphin-Kick hielt noch viele Stunden an. Abschließend hoffe ich, dass es 2016 wieder einen Duathlon in Gösselsdorf geben wird, denn da bin ich aber sowas von fix wieder mit dabei!

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

2 thoughts on “4. Gösselsdorfer Duathlon

  1. markusrennt

    Dir ist hoffentlich bewusst, dass ich tagtäglich auf den Post gewartet habe? 😉

    Dann stimme ich gleich mit dir ein: geil! Liest sich toll und macht mich sofort kribbelig. Laufen und Rad fahren hintereinander. Herz, was willst du mehr? Kann dich absolut verstehen, dass es dich da nächstes Jahr wieder hinzieht. Würde ich auch sofort, wenn das Radeln in Wien nicht so verdammt schwer wäre 🙁

    Glückwunsch zur tollen Zeit 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

  2. Pingback: 21. Welschlauf - Running Without Regrets

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