Review: Brooks Pure Flow 2

Bereit für neue Wege? Brooks Pure Flow 2

Bereit für neue Wege? Brooks Pure Flow 2

Nachdem ich nun genug Zeit hatte, meinen neuen Trainingslaufschuh — den Brooks Pure Flow 2 — ausgiebig zu testen, möchte ich meine bisherigen Erfahrungen festhalten. Gekauft habe ich den Pure Flow 2 bereits Ende Juli, aber ich wollte so kurz vor dem nächsten Halbmarathon nicht auf einen neuen Laufschuh umstellen. Getreu dem Motto “Never change a running system” (pun intended) entschied ich, den Wörthersee Halbmarathon mit meinen “trusty” Kinvara 3 zu bestreiten, die mich auch beim Ossiachersee Halbmarathon wohlbehalten über 21,1km ins Ziel begleitet haben.

Aber warum will ich überhaupt Laufschuhe wechseln? Mein ganzes Training seit März 2013 absolvierte ich mit zwei Paar Saucony Kinvara 3. Damit lief es sich soweit sehr gut, aber ich habe mit diesem Modell das leidige Problem, dass mir vorwiegend am rechten Fuss die zwei kleineren Zehen einschlafen. Spezielle Sporteinlagen, elastische Schnürsenkel und generell eine lockere Schnürung schafften nicht wirklich Abhilfe — ganz im Gegenteil, durch die besondere Konstruktion in der Form von zwei Schaumstoffpolstern in den seitlichen Fersenkappenbereichen und Verbindung mit einer lockeren Schnürung scheuerte ich mir — wie berichtet — die Fersen wund. Ein Sockenwechsel schien vorerst das Problem zu beseitigen: Keine eingeschlafenen Zehen mehr aber trotzdem scheuerte es noch leicht an den Fersen — eben wegen diesen Schaumstoffpolstern — und ich wagte es nicht ohne Blasenpflaster mehr als 10 bis 12 Kilometer zu laufen. Woran auch immer es lag, es war Zeit, etwas zu ändern.

Als NeutralläuferIn mit ganz leichter Tendenz zum Supinieren ist man beim Laufschuhkauf etwas eingeschränkt, da das Angebot für Stabillaufschuhe bzw. Überpronierer riesig ist, aber verhältnismäßig wenige wirklich neutrale Laufschuhmodelle angeboten werden. Kollege Wolfgang hat mit den Brooks Pure Connect sehr gute Erfahrungen gemacht und bestreitet sämtliche Wettkämpfe und Halbmarathons mit diesen Schuhen, denn sie sind — ich zitiere — “wie Hauspatschen”. Ich wollte deshalb ein Paar Brooks Pure Connect 2 kaufen, aber erstens waren die in meiner Größe nicht lagernd und zweitens riet man mir davon ab, da der Schuh offenbar nicht halbmarathontauglich sei: Die Dämpfung ist auf Mittelfusslauf ausgelegt und das hält jemand, der ca. 2 Stunden für einen HM benötigt, muskulär nicht durch. Ob das nun so stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber wenn mich ein Experte auf dem Gebiet aufklären könnte, wäre ich sehr dankbar! Folglich habe ich mir dann eben den Brooks Flow 2 gekauft, der mehr Dämpfung im Fersenbereich hat und daher auch auf Halbmarathondistanz empfehlenswert ist.

Brooks Flow 2 am Fuss

Brooks Flow 2 mit asymmetrischer Schnürung

Die Dämpfung des Brooks Pure Flow 2 ist genau das, was mir sofort aufgefallen ist: Ich empfinde sie fast als zu viel und zu weich! Im direkten Vergleich zum Pure Flow 2 sind die Kinvara 3 hart wie ein Brett! Vor allem im Vorfussbereich ist der Kinvara 3 fast gar nicht gedämpft und ermöglicht dadurch einen “direkteren” Abdruck. Nach ein paar Kilometern fällt die Dämpfung des Pure Flow 2 nicht mehr so auf, aber von “feel more with less” habe ich mir doch ein etwas direkteres Laufgefühl erwartet. Vielleicht ist der Connect 2 oder der Drift in dieser Hinsicht anders als der Flow 2? Beim nächsten Laufschuhkauf werde ich explizit nach diesen Modellen Ausschau halten, denn ich würde sie liebend gerne anprobieren und so einen Vergleich zum Flow 2 anstellen.

Das Sohlenprofil des Brooks Pure Flow 2 mit Toe Split

Das Sohlenprofil des Brooks Pure Flow 2 mit Toe Split

Mit der geringen Sprengung von 4mm habe ich beim Flow 2 keinerlei Probleme, zumal die Kinvara 3 ebenfalls nur 4mm aufweisen. Der Flow 2 läuft sich sehr leichtfüssig und rollt auch sehr gut ab. Ob dieser “Toe Split” tatsächlich das Abrollen verbessert, sei dahingestellt. Da ich ohnehin nicht zu den LäuferInnen gehöre, die förmlich die Ferse in den Boden rammen, ist mir ein Schuh wie der Flow 2 sehr entgegenkommend, denn er fördert einen flachen Aufsatz des Fusses. Das elastische Band über dem Rist fixiert den Mittelfussbereich wunderbar und erlaubt eine sehr lockere Schnürung, ohne dabei Druckstellen oder eingeschlafene Zehen (!!) zu verursachen.

Man beachte das gelb-weiße elastische Band am Rist

Man beachte das gelb-weiße elastische Band am Rist

Damit wären wir auch schon beim Thema eingeschlafene Zehen, die ich nur beim allerersten Lauf mit dem Pure Flow 2 hatte, da ich mir nicht sicher war, wie fest das elastische Band hält und mir deshalb die Schuhe normal geschnürt hatte. Wohlgemerkt sind mir dabei aber alle Zehen beider Füsse eingeschlafen und nicht nur die üblichen kleineren Zehen am rechten Fuss. Vielleicht liegt es daran, dass der Zehenbereich (Toebox) generell geräumiger als beim Kinvara 3 ist? Endlich ein Schuh, wo mir keine Zehen einschlafen und das ganz unabhängig von den Socken, die ich trage! Ich laufe meist mit den Falke RU4 und konnte bis dato keine Scheuertendenzen im Fersenbereich — der wohlgemerkt sehr weich und angenehm verarbeitet ist — oder Wulstbildungen im Zehenbereich feststellen. Dabei sei aber angemerkt, dass ich mit dem Pure Flow 2 noch nicht mehr als 12km am Stück gelaufen bin.

Soweit bin ich mit dem Brooks Pure Flow 2 sehr zufrieden; lediglich die Dämpfung im Vorfussbereich empfinde ich als zu viel bzw. zu weich — da möchte ich unbedingt einen Vergleich zum Connect 2 bzw. Drift machen! Es ist ein guter Trainingslaufschuh, der sich leicht läuft und mit dem man ohne eingeschlafene Zehen Spass haben kann. Vom Tragegefühl kann man ihn durchaus mit “Hauspatschen” vergleichen: Nichts drückt oder scheuert unangenehm und das elastische Band am Rist ist einfach nur genial!

One thought on “Review: Brooks Pure Flow 2

  1. markusrennt

    Die Socken von Falke sind ein Traum, da bin ich leider erst zu spät darauf gekommen. Mit Brooks selbst hatte ich noch nie die Ehre, sie lesen bzw. hören sich aber gut an. Zum Glück verschwinden die eingeschlafenen Zehen, das sollte wirklich nicht sein!

    Weiterhin viel Spaß mit deinen (neuen) Hauspatschen, äh, Laufschuhen 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

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