#comebackstronger

Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und die Folgen meines Sturzes soweit ausgeheilt. Am 23. Februar 2016 erhielt ich vom Unfallchirurgen die uneingeschränkte Sportfreigabe — während mir Radfahren auf der Rolle und Kraulschwimmen ohne Beineinsatz bereits seit Ende Jänner wieder erlaubt war, darf ich nun wieder laufen.

Gleich am selben Tag noch ging es für 30 Minuten aufs Laufband, was sowohl befreiend als auch ernüchternd war: Befreiend, weil es sich so gut anfühlte, wieder zu laufen und ernüchternd, weil sich die Beine “seltsam” anfühlten und es nach dieser halben Stunde an zahlreichen Stellen zwickte. Es lief sich nicht rund, aber das war auch nicht zu erwarten. Der erste Schritt des Projektes #comebackstronger war aber bewältigt. Konditionell waren die 30 Minuten am Laufband kein Problem und ich hätte locker noch länger laufen können. Der Bewegungsapparat war da aber anderer Meinung und teilte mir das durch etliche Beschwerden auch deutlich mit, dass ich mich an das Laufen erst wieder gewöhnen muss.

Back on the road

Die ersten zwei Wochen des Wiedereinstiegs in das Laufen waren ehrlich gesagt frustrierend. Einerseits hatte ich die unbegründete Angst, der alte Schmerz im Knochen könnte plötzlich wieder auftreten. Andererseits ist schmerzfrei etwas anderes: einmal zieht es in den Waden, dann zwickt es in den Oberschenkeln und die Adduktoren bereiten sowohl während des Laufs als auch danach Probleme. Spass ist etwas anderes. Es ist sehr mühsam, denn meine alte Pace ist weg und ich schnecke gefühlt durch die Gegend, während mein Puls viel zu hoch ist. Dabei ist es nicht so, dass mir die Luft ausgeht, nein, die Beine wollen einfach nicht so richtig. Ein paar Stunden nach dem Lauf meldet sich dann der Muskelkater an den unmöglichsten Stellen.

Nach drei Wochen ging es dann merklich aufwärts. Das Laufen fühlt sich “runder” an, die Pace wird besser, der Puls sinkt leicht. Ich erhöhe von drei auf vier Laufeinheiten pro Woche und steigere den Umfang. In mir keimt die Hoffnung auf, dass es mit dem Duathlon Ende April doch noch etwas werden könnte, denn die Wehwehchen in Waden, Oberschenkeln und Adduktoren haben sich mittlerweile gebessert bzw. sind verschwunden und der Muskelkater hat sich auch wieder gelegt.

Overreaching

Am Osterwochenende, genauer gesagt am Karsamstag will ich es wissen und mache einen Tempodauerlauf über 11,6km (115hm) in 5:35min/km. Es fühlte sich eigentlich gar nicht so anstrengend an und ich hatte beim Laufen ein durchwegs gutes, positives Gefühl, aber mein Puls ist nach wie vor erhöht bzw. höher als er bei dieser Geschwindigkeit vor dem Unfall war. Am späteren Abend werde ich ohne Grund plötzlich unruhig und nervös. In der Nacht kann ich dann nicht schlafen. Ich schiebe es auf die Umstellung auf die Sommerzeit, da ich ja eigentlich eine Stunde früher zu Bett ging und vielleicht deshalb Einschlafprobleme hatte. Am Ostersonntag setze ich mit einer Radeinheit über 46km noch eines drauf, denn wenn ich am Duathlon Ende April teilnehmen möchte, dann sollte ich schon halbwegs fit sein… und manövriere mich — wie ich glaube — in ein leichtes Übertraining (Overreaching).

Als es mit der Unruhe, Nervosität und den Schlafstörungen in der Woche nach Ostern nicht besser wird, verordne ich mir selbst zwei Ruhetage und eine Regenerationswoche. Ich wollte wahrscheinlich zu schnell zu viel — eben im Hinblick auf eine mögliche Duathlon-Teilnahme. Die sieben Wochen Laufpause haben ihre Spuren hinterlassen und obwohl ich durch Crosstraining meine Ausdauer einigermaßen erhalten konnte, litt die Grundschnelligkeit im Laufen stark darunter.

Nach der Regenerationswoche haben sich die Symptome des leichten Übertrainings glücklicherweise gelegt und ich habe — wenn auch schweren Herzens — den Entschluss gefasst, beim Duathlon nicht an den Start zu gehen. Meine Laufform ist einfach nicht so, wie sie sein sollte, um guten Gewissens bei einem Wettkampf anzutreten. Ich wäre über meine eigene Leistung wahrscheinlich enttäuscht und bei Laufdistanzen von 5km bzw. 2,5km, wie es eben beim Duathlon der Fall ist, gibt es nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Und Vollgas ist aktuell das Problem.

#comebackstronger

Mein Comeback zum Wettkampfgeschehen wird aller Voraussicht nach — wie auch ursprünglich geplant — im Juni stattfinden. Bezüglich des “Wann?” und “Wo?” gibt es schon einige Pläne, aber noch nichts fixes. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass mein #comebackstronger bei einem Triathlon stattfinden wird. Schwimmtechnisch konnte ich seit Oktober 2015 deutliche Fortschritte verbuchen und es wäre schade, die über Winter entwickelte Schwimmform nicht zu nutzen, zumal ich nun auch — ganz wie ein echter Triathlet — einen Neoprenanzug mein Eigen nennen darf…

Orca 3.8 Wetsuit

Orca 3.8 Wetsuit

 

Sturz mit Folgen (Teil 2)

Im Grunde hätte mir die Radiusköpfchenfraktur aufgrund meines Sturzes beim Laufen gereicht. Es ist schlimm genug, dass sie erst nach drei Wochen diagnostiziert wurde und sich aus diesem Grund die Heilung verzögerte. Doch wenige Tage nach der Diagnose des gebrochenen Speichenköpfchens bemerkte ich eine weitere Folge des Sturzes…

Donnerstag, 31. Dezember 2015: Zum Jahresabschluss laufe ich meine 10,5km Hausrunde; den Ellbogen schön in der Orthese eingepackt geht das auch schmerzfrei. Nach etwa 3 Kilometer spüre ich abermals deutlich meine linke Hüfte, auf die ich ebenfalls gestürzt bin. Nach über drei Wochen ist der handtellergroße Bluterguß noch immer nicht verschwunden. Farblich zwar deutlich verblasst kann man dennoch eine schmerzhafte Stelle ertasten, die sich genau über dem Trochanter major befindet, dem seitlichen Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens, auf den ich ebenfalls gestürzt bin. Etwas schmerzhaft war dieser Bereich seither eigentlich immer, aber da dachte ich mir nichts dabei, denn ein Bluterguß tut eben auch weh und braucht seine Zeit, bis er sich auflöst.

Doch nun ist es irgendwie intensiver; ich spüre den Bereich deutlich bei jedem Schritt. Verschiedene Gedanken gehen durch den Kopf, während ich die restlichen Kilometer zurücklege. Hat sich der Bluterguß abgekapselt? Ist der Schleimbeutel über dem Trochanter major beleidigt? Habe ich mir etwas gezerrt? Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich den Winter nicht mag? Zuhause angekommen kommt die Blackroll zum Einsatz und es wird auch gedehnt. Ausfallschritt mit Dehnung der Hüftmuskulatur ist sehr unangenehm. Als ich dann später am Abend auf dem linken Bein kaum mehr auftreten kann und sogar beidbeiniges Stehen schmerzvoll ist, wird mir bewusst, dass abermals etwas kürzer treten angebracht ist.

Die kommenden zwei Tage steht Rollentraining am Programm, was fast schmerzfrei möglich ist. Ich habe beim Treten das komische Gefühl, dass etwas am Trochanter major “reibt” bzw. “zieht”. Wiederum denke ich an eine Verkapselung oder den Schleimbeutel, denn der Schmerz beim Auftreten ist glücklicherweise so schnell verschwunden wie er kam.

Sonntag, 3. Jänner 2016: Es schneit und ich entscheide, eine kurze Runde im Schnee zu laufen. Nach zwei Tagen auf der Rolle zieht es mich förmlich ins Freie. Eine kurze, gemütliche Runde im frischen Schnee… schnell geht bei solchen Verhältnissen ohnehin nicht und ich muss aufpassen, dass ich nicht wieder stürze. Ein kleines Hineinfühlen, wie es dem Trochanter geht. Ich laufe los, ganz gemächlich, es scheint alles in Ordnung zu sein, nur ein leichtes — aber wirklich ganz leichtes — Ziehen in der Problemregion, welches ich auch von der Rolle kenne und für mich kein Abbruchkriterium darstellt. Während ich mich freue, Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird mir auch bewusst, wie anstrengend das Laufen auf diesem Untergrund ist.

Nach etwa 4 Kilometer ist der alte Schmerz wieder voll da und ich versuche es auf das ungewohnte Laufen im Schnee zu schieben. Nun folgt ein kleiner Hügel, kaum der Rede wert, ist eher eine kleine Welle in der Landschaft, die ich normalerweise beim Laufen fast nicht wahrnehme. Doch das ist diesmal anders. Ich möchte den Hügel zügig und mit Schwung in Angriff nehmen, aber bereits beim ersten Schritt durchfährt ein krampfend-brennender Schmerz den linken Oberschenkel. Erster Gedanke: Verdammt, jetzt hab ich mir auch noch den Hamstring gezerrt! (Eine Hamstring-Zerrung war damals zu Beginn meiner “Laufkarriere” meine erste Verletzung.) Zweiter Gedanke: Da ist wirklich etwas gröberes nicht in Ordnung und es wird wohl auf einen weiteren Besuch beim Unfallchirurgen hinauslaufen. Jeder Schritt ist eine Qual, aber irgendwie schaffe ich die verbleibenden 2,5 Kilometer nach Hause. Dann später am Abend das gleiche “Drama” wie zu Silvester: Auftreten mit dem linken Bein nicht möglich. OK, Dienstag zum Arzt. So kann das nicht weitergehen.

Dienstag, 5. Jänner 2016: Déjà-vu: Ohne Termin beim Unfallchirurgen wie vor einer Woche. Großer Andrang. Kurze Wartezeit. Untersuchung mit Ultraschall, Schleimbeutel ist leicht entzündet, aber nichts dramatisches. Dann Überweisung zum Röntgen und gleich mit den Bildern zurück in die Praxis. Das Hüftröntgen ist ohne Befund. Ich erhalte ein Rezept für entzündungshemmende Tabletten und die Anweisung, die Hüfte bzw. das Bein für eine Woche zu schonen. Wenn keine Besserung eintritt, komme ich wohl um ein MRT nicht herum. Praktischerweise habe ich kommenden Dienstag ohnehin einen Kontrolltermin (bezüglich der Radiusköpfchenfraktur) und da wird sich zeigen, ob ich in die Röhre muss.

Samstag, 9. Jänner 2016: Nach einigen Tagen der Schonung und Besserung der Beschwerden setze ich mich auf die Rolle, um ein kurzes Koppeltraining zu versuchen. Ich radle 40 Minuten, ehe ich mit dem Vorsatz bei Schmerzen das Training sofort abzubrechen aufs Laufband steige. Das ist ja ein großer Vorteil von einem Laufband, dass man jederzeit aufhören kann und sich nicht Gedanken machen muss, wie man nach Hause kommt. Ich laufe langsam los, steigere nur langsam die Geschwindigkeit und pendle mich auf gemütliche 10km/h bzw. 6:00min/km ein. Fünf Minuten, zehn Minuten, 15 Minuten… und dann war der Schmerz wieder da. In seiner ganzen Intensität und mit all seinen Folgen. Nach 20 Minuten breche ich ab und humpel vom Laufband. Den restlichen Abend ist ein Auftreten wieder nicht möglich. Nun habe ich die Gewissheit, dass ich einen Ausflug in die Röhre machen muss, um herauszufinden, was da los ist.

Dienstag, 12. Jänner 2016: Am Vortag war ich zum Kontrollröntgen des linken Ellbogens und mit den Bildern hinke ich abermals zum Kontrolltermin beim Unfallchirurgen. Normales Gehen ist nicht möglich und auch das Humpeln ist nicht schmerzfrei. Zuerst die gute Nachricht: Das gebrochene Speichenköpfchen zeigt erste Zeichen der Heilung. Dann die schlechte Nachricht bezüglich meiner Hüfte: Verdacht auf Knochenprellung (Bone Bruise). Das lässt sich nur durch eine MRT-Untersuchung feststellen. Der nächste freie Termin für ein MRT ist in 6 Wochen, also im März. Das kommt für mich nicht in Frage, so lange kann und will ich nicht warten, also entscheide ich mich, das MRT privat machen zu lassen. So erhalte ich binnen von zwei Tagen einen Termin.

Donnerstag, 14. Jänner 2016: Es geht ab in die Röhre! Das ist nicht mein erstes MRT, denn 2011 wurde mein rechtes Knie im MRT untersucht, wo man den hochgradigen Knorpelschaden diagnostizierte. Meine Erinnerung an die Untersuchung stimmen mich eher nervös; ich leide zwar nicht unter Platzangst, aber damals beim Knie war ich froh, dass man mich mit den Beinen voraus in die Röhre schob und der Oberkörper “im Freien” war. Gut, das war auch im Hochsommer, trotz Klimaanlage war es im MRT-Raum irgendwie heiß und die Röhre erschien mir mit ihrem 60cm Durchmesser dennoch recht eng. Doch das ist diesmal ja anders; es ist Winter und ich komme ins nagelneue MRT-Gerät mit 70cm Durchmesser. Ansonsten einfach Augen zu und durch!

Ich werde pünktlich zu meinem Termin aufgerufen, lege mich auf die eher unbequeme Liege, erhalten Kopfhörer mit Radio Kärnten und werde wie erwartet mit dem Kopf voraus in die Röhre geschoben. Es ist angenehm luftig im Tunnel und am höchsten Punkt der “Kuppel” ein Strich aufgeklebt, damit man — wie ich vermute — einen Anhaltspunkt hat und nicht ins leere Weiß starrt. OK, das ist nicht so schlimm wie erwartet, das ist kein Problem, einfach ruhig liegen und abwarten. Dann geht auch schon das Geklopfe und Geknarre los; da helfen auch keine Kopfhörer mit Schlager-Beschallung, das ist einfach zu laut. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich in der Röhre war, aber es kam mir nicht sonderlich lange vor. Gefühlt dauerte es beim Knie-MRT länger. Jedenfalls vergeht die Zeit schnell. Nach der Untersuchung bittet mich die Assistentin, noch kurz in der Kabine zu warten, da ein Arzt sich gerade die Bilder ansieht und das Ergebnis mit mir besprechen möchte.

Auch hier lässt man mich nicht lange warten. Ein junger, dynamischer Arzt kommt zu mir in die Kabine und setzt sich mit den Bildern neben mich. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber es fallen die Worte “Fraktur” und “Frakturlinie”. Das trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht und ich bin geschockt. Welche Details der wirklich freundliche Arzt mir da mitgeteilt hat… ich weiß es nicht mehr. Ich schaffe es noch daran zu denken zu fragen, wann ich die Bilder und den Befund erhalte, aber mehr nicht. Völlig erstarrt hinke ich aus der Kabine und hole am Empfang die Bilder ab, ehe ich das Diagnoseinstitut verlasse. Ich realisiere nicht wirklich, was man mir da soeben mitgeteilt hat.

Freitag, 15. Jänner 2016: MRT-Befundsbesprechung beim Unfallchirurgen. Nach wie vor ist mir die Tragweite dieser Diagnose nicht bewusst. Abermals humple ich ins Behandlungszimmer. In klaren Worten erklärt mir der Unfallchirurg das “Problem” anhand der MRT-Bilder. Seine Verdachtsdiagnose Knochenprellung (Bone Bruise) hat sich bestätigt. Aber das ist nicht alles. Neben dem Bone Bruise habe ich auch zwei Frakturlinien knapp unterhalb des Oberschenkelhalses. Fraktur. Also Bruch. Ein klassischer Fall für ihn: Ich bin außen auf den Trochanter major gestürzt und auf der Innenseite in der Nähe des Trochanter minor befinden sich die Frakturlinien. Soweit die Diagnose. Die Therapie? Da die Fraktur nicht verschoben ist, keine OP sondern “nur” Teilentlastung für 4 Wochen, d.h. kein Sport und Unterarmgehstützen. Ich werfe ein, dass ich nicht mit zwei Krücken gehen kann, weil ich mich mit dem linken Arm nach wie vor nicht abstützen kann. Nun, das ist egal, das Bein muss entlastet werden, ansonsten bleibt nur der Rollstuhl, wennst mit Krücken nicht geht.

Nicht dislozierte Fraktur am Trochanter minor und entlang der pertrochantären Linie mit fokalem Bone Bruise

Nicht dislozierte Fraktur am Trochanter minor und entlang der pertrochantären Linie mit fokalem Bone Bruise

Plötzlich wird mir Tragweite der Diagnose bzw. Behandlung bewusst und ich breche in Tränen aus. Verdammt! Damit hätte ich niemals gerechnet. Noch eine Fraktur! Grundgütiger, mir hätte eine gereicht. Oberschenkelhals brechen sich sonst ja nur die älteren Damen! Kein Sport für 4 Wochen? Wie soll ich das durchstehen? Sport und Bewegung gehören so zentral zu meinem Wohlbefinden, dass ich ohne krank werde. Am absoluten Tiefpunkt dieser Sturzgeschichte angekommen und am Boden zerstört lasse ich mir einen Kontrolltermin in zwei Wochen geben, ehe ich hinkend am Weg zum Auto im Orthopädie-Geschäft zwei Krücken abhole. Mit einer Krücke am rechten Arm geht das Gehen durch die Teilentlastung nahezu schmerzfrei. Die Aussicht, nun 4 Wochen am Stock durch die Gegend zu hinken, ist nicht gerade förderlich für meine Verfassung. Ich rufe mir öfters die Worte des Unfallchirurgens ins Gedächtnis, als er meinte, ja für einen Ausdauersportler wie mich ist so eine Diagnose eine Katastrophe, keine Frage, das ist wie ein Sturz einer Profi-Schiläuferin: Zuerst ein Riesenschock, aber nach zwei Tagen ist das verarbeitet und die Profis fangen an, Pläne zu schmieden und gezielt an ihrem Comeback zu arbeiten. Damit schließe ich den zweiten Teil des “Sturz mit Folgen”, denn ab nun geht es wieder aufwärts!

Sturz mit Folgen (Teil 1)

Ich habe das Blog in letzten Monaten leider vernachlässigt. Das war so nicht beabsichtigt. Nach dem Graz Marathon gab es in der Off-Season nicht viel zu berichten: Ich lief, radelte und schwamm nach Lust und Laune, um dann im Dezember wieder in ein strukturiertes Training einzusteigen. Vor ziemlich genau zwei Monaten passierte es: Ein Sturz! Beim Laufen wohlgemerkt. Ein unglücklicher Sturz, der weitreichende Folgen hat. Doch alles schön der Reihe nach…

Montag, 7. Dezember 2015: Bei dichten Nebel und Dunkelheit laufe ich meine 10,5km Hausrunde. An diese Bedingungen habe ich mich mittlerweile gewöhnt, denn während der Süden Österreichs im Sommer wetterbegünstigt und sonnenverwöhnt ist, sieht es im November und Dezember umso trister aus. Wochenlanger Dauernebel dank Inversionswetterlage, dazu früh hereinbrechende Dunkelheit. Gegen den Nebel kann man nichts machen, aber gegen die Dunkelheit gibt es ja Stirnlampen. Ende Oktober habe ich mir eine Lupine Neo Stirnlampe gegönnt und sorge dank der üppigen Lichtausbeute regelmässig für Verwirrung sowohl bei Autofahrern als auch anderen Passanten. Gesehen wird man mit der Lupine Neo allemal und selbst sieht man auch sehr gut — nur bei Nebel sieht man naturgemäß fast nur mehr weiß…

Von widrigen Witterungsbedingungen lasse ich mich nicht abhalten, daher geht es auch bei Nacht und Nebel raus zum Laufen. So drehe ich auch an diesem Montag meine Runde und als ich nach flotten 10,5km nur 50m von zu Hause entfernt von der Seitenstraße auf die Hauptstraße abbiege, passiert es: Ich stürze! Der genaue Unfallhergang entzieht sich meiner Erinnerung. Ich laufe um die Kurve, dann ein kurzer Gedanke “Oh verdammt” und im nächsten Augenblick liege ich im Straßengraben. Die wahrscheinlichste Ursache für meinen unfreiwilligen Bodenkontakt ist, dass ich die Fahrbahnschäden bzw. ein Schlagloch übersehen habe, reingetreten bin, aus welchem Grund auch immer das Gleichgewicht verlor und im Graben landete.

Die Stirnlampe liegt ca. 30cm von mir entfernt unversehrt im Graben. Im Kopf wird schnell die Checkliste “Wo tut es weh?” abgearbeitet. Das offensichtlichste ist mein linker Arm, der scheint etwas abbekommen zu haben, denn ich kann ihn augenblicklich nicht ausstrecken. Es fühlt sich wie ein massiver Krampf im Unterarm und Handgelenk an. Ich greife nach der Stirnlampe mit der rechten Hand und setze sie wieder auf. Die linke Hüfte ist auch etwas beleidigt, aber keine 30 Sekunden nach dem Sturz stehe ich wieder auf den Beinen und laufe weiter. Das geht im Schock und mit einer frischen Ladung Adrenalin ganz einfach. Erstaunlicherweise bereitet das Laufen auch keine gröberen Probleme; es pocht etwas in der linken Hüfte, das war zu erwarten, aber ansonsten scheinen die Beine in Ordnung. Dennoch war ich froh, dass es nur mehr 50m bis nach Hause waren.

Zu Hause angekommen lässt die Schockwirkung nach, als ich stehenbleibe und ins Haus gehe. Der Schmerz im linken Unterarm und Handgelenk wird im Sekundentakt schlimmer. Ich bitte meine Mutter, mir aus der Jacke zu helfen. Das Ausstrecken des Ellbogens tut höllisch weh und ich sacke im Vorhaus zusammen. Der Gedanke, dass ich mir irgendwas gebrochen habe, geht durch den Kopf und ein Besuch auf der Unfallambulanz des Krankenhauses scheint unvermeidlich. Völlig verschwitzt will ich aber nicht dorthin, also bitte ich abermals meine Mutter, mir beim Wechsel in trockene Kleidung zu helfen. Banale Dinge wie das Anziehen eines T-Shirts verursachen erhebliche Schmerzen im linken Unterarm und Handgelenk. Die geringsten Schmerzen verursacht der Arm mit einen um 90° angewinkelten Ellbogen und nahe am Körper gehalten. Daher werfe ich mir nur eine Jacke über und bitte meine Mutter, mich ins Krankenhaus zu fahren. In dieser Situation selbst ein Auto zu lenken ist nicht nur unverantwortlich, sondern schlichtweg unmöglich.

Auf der Unfallambulanz ist am frühen Abend kaum etwas los. Ich melde mich am Schalter an und schildere kurz, was passiert ist. Dann heißt es warten, bis ich aufgerufen werde. Die Schmerzintensität schwankt; solange ich den Arm ruhig und angewinkelt halte, ist es erträglich. Ich werde aufgerufen und ein junger Assistenzarzt möchte wissen, wie ich gestürzt bin, ehe er mit der Untersuchung beginnt. Dazu muss ich den Arm ausstrecken, was abermals schmerzhaft ist; der Arzt hält fest “Ellbogengelenk frei beweglich” und fragt, wo es am meisten weh tut. Beim Handgelenk auf der Daumenseite in Richtung Ellbogen ausstrahlend. Er tastet die entsprechenden Bereiche ab und schickt mich zum Röntgen.

Es werden Röntgenaufnahmen vom Handgelenk gemacht. Dann muss ich wieder warten, bis der Arzt die Bilder befundet. Als ich abermals aufgerufen werde, hat sich ein weiterer Arzt zum Assistenzarzt gesellt und dieser drückt nun ebenfalls beim Handgelenk herum: “Tut das weh?” Ja, es tut weh, es fühlt sich so an, als hätte ich einen riesigen Krampf im Unterarm und Handgelenk. Wenn das Handgelenk gedreht wird, tut es weh. Der zweite Arzt möchte noch Röntgenaufnahmen vom Kahnbein haben, denn das wird gern übersehen. Also noch einmal zum Röntgen, noch einmal auf die Bilder und den Befund warten. Ein drittes Mal werde ich aufgerufen und die erleichternde Nachricht: “Gebrochen ist nichts”. Offenbar nur ordentlich geprellt. Man gibt mir einen Kontrolltermin für nächsten Montag, verschreibt Schmerzmittel und Voltaren-Salbe und verpasst mir im Gipszimmer eine Unterarmschiene für eine Woche.

Die kommenden Tage lasse ich es ruhig angehen. Das Ausstrecken des linken Armes schmerzt trotz Schiene. An der linken Hüfte hat sich ein Bluterguss mit ca. 10cm Durchmesser gebildet, der farblich alles hergibt, was blaue Flecken so zu bieten haben: Von violett über gelb bis dunkelblau ist alles vorhanden. Nach ein paar Tagen setze ich mich auf die Rolle; lockeres Radeln in Aeroposition ist schmerzfrei möglich. Am Wochenende laufe ich eine kurze Runde, wobei die Hüfte keine nennenswerten Probleme bereitet. Im linken Unterarm hingegen zieht es bei einer “falschen” Bewegung nach wie vor recht fies.

Montag, 14. Dezember: Kontrolltermin auf der Unfallambulanz. Nach der Entfernung der Unterarmschiene werde ich zum Arztgespräch gebeten, wo wieder ein anderer Arzt am Unterarm/Handgelenk herumdrückt und feststellt, dass ich noch “Restbeschwerden bei Pro- und Supination” habe. Er meint, dass so eine Prellung eben dauert und dass mich der Hausarzt noch eine Woche krankschreiben soll. Damit ist die Angelegenheit abgeschlossen.

Dienstag, 22. Dezember: Das Weihnachtsschwimmen vom Kraulkurs, das ich mir nicht entgehen lassen möchte. Zuerst eine halbe Stunde Kraulkurs, dann Spiel und Spass im Wasser. Die Schmerzsituation des linken Unterarms/Handgelenk hat sich kaum gebessert, Drehen ist nach wie vor nicht möglich und so einfache Dinge wie das Anbringen eines Haargummis sind unverschämt schmerzhaft. Ich rufe mir die Worte des Arztes auf der Unfallambulanz in Erinnerung (“das dauert”) und beiße die Zähne zusammen. Schon beim Einschwimmen merke ich, dass Kraulschwimmen zu diesem Zeitpunkt keine gute Idee ist. Beim Eintauchen bzw. nach vor Gleiten des linken Arms schmerzt es und als wir eine Technikübung machen, wo man sich während der Überwasserphase mit der Hand auf den Oberschenkel, in die Achsel und auf den Kopf tippt, muss ich kapitulieren: Die erforderliche Bewegung des Armes ist zu schmerzhaft bzw. nicht möglich. Dann am Ende des Weihnachtsschwimmen die nächste “Watschn”: Ich möchte das Becken verlassen und mich dazu am Rand abstützen, um mich aus dem Wasser zu ziehen. Dabei muss ich feststellen, dass Abstützen mit dem linken Arm nicht geht. Es geht einfach nicht, keine Kraft, zu schmerzvoll. Wie eine alte Oma muss ich die Leiter benutzen, um aus dem Sportbecken zu kommen.

Im Grunde hätte das bei mir sämtliche Alarmglocken läuten lassen sollen, aber wohin soll man sich einen Tag vor Weihnachten wenden? Die meisten Ärzte sind bereits in Urlaub und auf die Unfallambulanz brauche ich auch nicht gehen, für sie ist der Fall abgeschlossen. Ich hatte auch Angst davor, mich dort wegen einer Prellung womöglich lächerlich zu machen, wo man mir doch explizit sagte, dass so etwas dauert und ich muss offenbar Geduld haben. Vor Weihnachten ist also ohnehin nichts mehr zum Ausrichten und vielleicht wird es über Weihnachten besser? Und wenn nicht, dann suche ich nach Weihnachten einen Unfallchirurgen auf.

Dienstag, 29. Dezember: Da es über Weihnachten nicht besser geworden ist, finde ich mich im Wartezimmer eines Unfallchirurgen wieder — anscheinend der einzige, der zwischen den Feiertagen geöffnet hat und dementsprechend groß ist der Andrang, obwohl es sich um eine Privatordination handelt. Dennoch komme ich bald dran und kann dem Arzt erzählen, was passiert ist. Er kommt gleich zur Sache und drückt zielsicher auf eine Stelle beim Ellbogen — genauer gesagt auf das Speichenköpfchen und ein brennender Schmerz durchfährt meinen Unterarm bis ins Handgelenk. Dann untersucht er das Ellbogengelenk mit Ultraschall und stellt fest “Sie haben eine Radiusköpfchenfraktur”, aber zur Sicherung der Diagnose möchte er ein Röntgenbild vom Ellbogen und Unterarm. Also führt mich mein nächster Weg zum Diagnoseinstitut, wo ich sofort drankomme und die Bilder auch gleich erhalte, um mit ihnen zurück zum Unfallchirurgen zu gehen. Die Diagnose bestätigt sich: Querfraktur knapp proximal des Radiusköpfchens. Ich habe Glück, dass der Bruch nicht verschoben ist und somit keine Operation erfordert. Nachdem der Unfall bereits drei Wochen zurückliegt, ist es für eine Ruhigstellung mit Gips zu spät, also erhalte ich eine Ellbogenorthese und einen Termin für eine Röntgenkontrolle in zwei Wochen.

Querfraktur des Radiusköpfchens

Querfraktur des Radiusköpfchens

Folglich bin ich drei Wochen mit einem gebrochenen Ellbogen durch die Gegend gerannt. Das war aber noch nicht alles, das war nur der erste Teil und das ganze ist noch nicht abgeschlossen. Mehr dazu demnächst in Teil 2…

22. Graz Marathon 2015

Den Saisonabschluss 2015 bildete der Halbmarathon im Rahmen des 22. Graz Marathons, der am Sonntag, den 11. Oktober, stattfand. Weil ich mit Graz aus dem Vorjahr noch eine Rechnung offen hatte, melde ich mich bereits im April für den Halbmarathon an, denn bei hoffentlich kühleren Temperaturen und ohne Krämpfe sollte es dieses Jahr in Graz besser laufen.

Die Startunterlagen holte ich ich wie gewohnt bereits am Freitag ab. Diesmal musste ich mich allerdings mitten in die Altstadt von Graz begeben, um bei Giga Sport meine Startnummer und das Startsackerl zu erhalten. Im Zelt im Innenhof erhielt man die Startnummer plus eine Checkliste, wo man Startsackerl und Erinnerungsfoto bekommt. Dabei werden die LäuferInnen strategisch in den ersten Stock und natürlich durch die gesamte Laufsportabteilung des Sportgeschäftes gelotzt. Der Andrang bei allen “Stationen” der Checkliste ist eher gering und binnen weniger Minuten habe ich alles eingesammelt. Auf den angebotenen Muskelfunktionstest verzichte ich dankend, aber zum Erinnerungsfoto lasse ich mich überreden. Der Inhalt des Startsackerls ist eher bescheiden (eine Flasche Wasser, ein Molkegetränk, ein Glas Sugo und ein Müsliriegel) und dieses Jahr gab es nicht einmal mehr ein T-Shirt. Das ist schade, denn beispielsweise bei Kärnten Läuft bekommt man fürs gleiche Geld wesentlich mehr geboten, Funktions-T-Shirt inklusive.

My very first mugshot

My very first mugshot

Die Wettervorhersage für Sonntag versprach strömenden Dauerregen und Temperaturen um die 10°C — einen stärkeren Kontrast zum Vorjahr (Sonne, 23°C) hätte man sich nicht vorstellen können. Insgeheim hoffte ich, dass es nicht allzu intensiv regnen würde, aber im Grunde ist es egal, nass wird man so oder so und Regen mit kühleren Temperaturen ist mir bei Wettkämpfen mittlerweile lieber als “Hitze” über 20°C. Wie schon erwähnt ist das Ziel, einfach einen flotten TDL durch Graz zu laufen und dabei Spaß zu haben, da es trainingsmässig in den letzten Wochen nicht so ideal lief. Keine Intervalle, ein paar TDLs und zwei lange Läufe seit Kärnten Läuft standen zu Buche — für ein Finish zwischen 1:50 und 1:52 reicht das, sofern ich mir durch die Nässe keine Blase reibe. Kurzum “End the season on a high note” mit einem schönen Halbmarathon.

Tourist in Graz

Tourist in Graz

Tatsächlich stimmte die Wettervorhersage und es sollte somit mein erster Halbmarathon bei Dauerregen verschiedener Intensitäten und kühlen 10°C werden. Tagwache um 5:30 Uhr, Thyrex einwerfen, 30 Minuten warten, dann Frühstück und Abreise in Richtung Graz. Bekleidungstechnisch stellte sich die Frage, was zieht man bei einem Wettkampf mit solchen Bedingungen an? Ich vertraute dabei auf Skinfit und wählte Tri Bra Top, Klima Langarm-Unterhemd, Vento Weste und die 3/4 Tri Short. Im Grunde wäre die normale kurze Tri Short die erste Wahl, aber mein kaputtes Knie ist etwas kälteempfindlich. Abgerundet wurde das Outfit mit dem Tour de France Polka Dot Buff für den Kopf, der “Lance Armstrong” Oakley M-Frame Brille, den X-Socks Run Speed 2.0 und meinen bewährten Brooks Pure Flow 2. (Wie es sich herausstellte, war die Kleidungswahl optimal und mir war nie zu heiß oder zu kalt und ich fühlte mich nie durchnässt, obwohl ich im Grund klatschnass war.)

Startbereich Graz Marathon

Startbereich Graz Marathon

Die Anreise, Parkplatzsuche und der Weg zum Shuttle-Bus verliefen sehr entspannt. Um etwa halb 10 war ich im Startbereich vor der Oper angekommen und “ready to go”. Damit ich beim Warten im Startblock nicht auskühle, zog ich mir einen am Vortag entsprechend präparierten Müllsack über, den ich kurz vorm Start in den bereitgestellten Müllcontainern entsorgte. Während ich also so im vorderen Bereich von Startblock 2 stehe, erblicke ich plötzlich Triathlon-Vereinskollegin Sonja neben mir! Hätten wir vereinbart, uns zu treffen, hätte das sicher nicht so gut geklappt. Wir plauderten etwas und dann ging es auch schon los; schneller als erwartet setzte sich auch unser Startblock in Bewegung und um 10:02 Uhr überquerte ich die Startlinie.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Ich kam überraschend zügig weg und konnte gleich mein angepeiltes Tempo laufen. Erstaunlicherweise störte es mich überhaupt nicht, dass es regnete — ganz im Gegenteil, ich freute mich auf die 21,1 Kilometer wie schon lange nicht mehr. Ganz locker, ganz leicht, kein Druck, einfach guter Dinge loslaufen. Und was soll ich sagen, die Kilometer flogen nur so dahin und dann war ich auch schon auf der — im Vorjahr verfluchten — Schleife nach Andritz. Trotz Regen, der zeitweise recht intensiv wurde, befanden sich mehr Zuseher als erwartet an der Strecke und sorgten für Stimmung. Es dauerte auch nicht lange, da kam bereits die Spitzengruppe entgegen, während ich noch auf dem Weg zum Wendepunkt Nord war. Der Regen störte mich nach wie vor nicht und ich empfand die Temperatur äußerst angehmen zum Laufen. Auch hatte ich keine Gedanken wie “noch x Kilometer”, sondern mein Kopf war wunderbar leer. Ich lief einfach… und es lief einfach.

Während sich im letzten Jahr die Strecke bis zur Wende wie ein Strudelteig zog, ging das diesmal erstaunlich schnell und schon war ich wieder auf dem Rückweg in Richtung Grazer Innenstadt. Sowohl landschaftlich als auch zuschauermäßig ist dieser Abschnitt der Strecke eher öd, was mir aber diesmal egal war, ich war ganz in meiner eigenen Welt. Hoppala, schon Kilometer 12 und abermals begegnete ich der Spitzengruppe auf der Keplerbrücke, die nur mehr einen guten Kilometer ins Ziel hatte. Ich dagegen näherte mich jenem Streckenabschnitt, wo im letzten Jahr mein Kampf mit dem Krampf begann. Glücklicherweise gab es dieses Jahr keinen Krampf und auch keinerlei Anzeichen für einen solchen, und weil die Kilometer nach wie vor dahinflogen, entschied ich etwa bei Kilometer 14, dass es Zeit für “Showtime” ist: Nachdem ich mir bis dato keine Blase gerieben hatte (X-Socks halten, was sie versprechen, auch bei Dauerregen!) und auch sonst das Befinden ausgezeichnet war, ist nun Rennmodus angesagt.

Wenn ich nun das Tempo etwas anziehe, dann geht sich eine Sub 1:50er Zeit locker aus, sinnierte ich, während es über den Lendplatz und Seitenstraßen bzw. -gassen in Richtung City Park gibt. Dort, wo ich im vergangenen Jahr die letzte Labestation und einen Schluck Wasser herbeisehnte, lief es nun einfach perfekt. Ich freute mich, dass ich endlich wieder einen tollen Halbmarathon ohne Probleme oder Widrigkeiten laufen konnte. Apropos Labestationen: Die waren dieses Jahr anscheinend besser ausgestattet und besetzt — Wassermangel herrschte jedenfalls keiner. Ob das am kühlen, regnerischen Wetter oder an Verbesserungen in der Organisation lag, kann ich nicht sagen.

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Nun ging es dem Grieskai entlang wieder in Richtung Norden und ich versuchte, jeden Meter zu genießen. Ich hätte nicht erwartet, dass mir dieses Wetter so taugt und vor allem dass es mir im Regen so gut gehen wird. Darüber war ich äußerst froh und auch dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Dann der Abstecher vom Grieskai links weg wieder in Richtung Lendplatz und es wurde mir bewusst, dass es eine neue persönliche Bestzeit (PB) werden kann, wenn ich das Tempo bis ins Ziel halte — und ins Ziel war es mit ca. 2 Kilometern wirklich nicht mehr weit. Noch einmal über die Keplerbrücke und dann Sackstraße, Hauptplatz, Herrengasse… absolut fokussiert und wie in Trance flog ich quasi über den Asphalt. Die Stimmung in diesem Bereicht war fantastisch und als ich links auf die Zielgerade bog, setzte ich zum Schlusssprint an. Wenige Meter vor der Ziellinie erblicke ich gerade noch meine Mutter und reiße die rechte Hand hoch, dann überquere ich auch schon die Zeitnehmungsmatte und stoppe meine Uhr: 1:47:02! Wahnsinn!

Zielsprint!

Zielsprint!

Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um und ich krame die Rettungsdecke heraus, die ich in der Rückentasche der Skinfit Vento Weste mitgeführt hatte. Bei der Ziellabestation herrscht reges Gedränge und während ich — eingehüllt in die Rettungsdecke — warte, bis ich mich mit Wasser, Weckerl und Banane verpflegen kann, stellt sich ein breites Grinsen in meinem Gesicht ein. Erst jetzt realisiere ich, dass ich “einfach so” meine PB im Halbmarathon um über 1 Minute verbesserte, womit ich im Vorfeld beim besten Willen nicht gerechnet habe. Die offizielle Zeit war dann genau 1:47:00, was den 12. Platz in W-35 (von 91) und den 85. Platz bei den Frauen (von 802) bedeutete. Insgesamt belegte ich den 1108. Platz von 3022 LäuferInnen. Die ohnehin schon fantastische Saison “on a high note” mit einer neuen PB beendet, ist das nicht gigantisch? Oder einfach nur leider geil?

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Als ich durch den Ziellabe-Kanal endlich durch bin, gehe ich sofort zum vereinbarten Treffpunkt, wo meine Mutter mit dem Rucksack und trockener Kleidung auf mich wartet. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie über 2 Stunden im Regen ausgeharrt hat und mich generell bei Läufen immer unterstützt. Trotz Rettungsdecke wird es jetzt doch etwas frisch und ich will aus den nassen Klamotten so schnell wie möglich raus. Erstaunlicherweise finde ich dieses Jahr den Weg zu den Umkleiden bzw. Duschen auf Anhieb. (Wir erinnern uns, im letzten Jahr habe ich mich da ja glorios verlaufen!) Trockengelegt und sowas von zufrieden geht es zurück zur Oper und zur Haltestelle des Shuttlebusses, der uns zum Hauptbahnhof bringt. Am Heimweg durften dann ob dieses wunderbaren Halbmarathons die mittlerweilen obligaten “Post-Race Pommes” beim McDonalds nicht fehlen.

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Graz — oder als ich Halbmarathon bei Regen lieben lernte. Mit zahlreichen endorphingeschwängerten Eindrücken und Erinnerungen an meinen bisher lockersten und schönsten Halbmarathon geht es nun in die Off-Season. Nach dem Erfolgserlebnis dieses Jahr ist es nicht auszuschließen, dass ich in Graz zum Wiederholungstäter werde. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon!

End of Season

Am kommenden Sonntag findet die Wettkampfsaison 2015 mit dem Halbmarathon im Rahmen vom Graz Marathon ihren Abschluss. Es war eine fantastische Saison: Erster Duathlon, erster Triathlon und die Halbmarathonzeit verbessert — somit alle gesetzten Ziele erreicht. Auf der einen Seite bin ich etwas traurig, dass der Sommer (wie immer viel zu schnell) vorbei ist, aber auf der anderen Seite freue ich mich auf die Off-Season und die ruhigen Wintermonate.

Ich muss gestehen, dass es seit dem Halbmarathon von Kärnten Läuft nicht mehr so wirklich rund läuft — ich fühle mich oft müde und erschöpft, manchmal sogar ausgelaugt. Die Motivation, sich beim Training so richtig reinzulegen, hält sich in Grenzen — die Ziele dieses Jahres sind abgehakt und die Saisonplanung für 2016 noch gänzlich offen, weil viele Termine noch nicht fixiert sind. Die Müdigkeit kann natürlich auch an meiner Schilddrüsen-Einstellung liegen, denn wenn ich zu wenig Hormone nehme, fühle ich mich auch ausgesprochen schlapp. Meine letzte Kontrolle war Ende Juli und da waren die Werte in Ordnung. Sollte sich der Zustand nach einigen Wochen Off-Season nicht bessern, werde ich selbstverständlich die Werte kontrollieren lassen.

Neben dem Schilcherlauf war im September eigentlich noch die Teilnahme am Stubenbergsee-Lauf geplant, doch gesundheitsbedingt entschied ich mich kurzfristig dagegen. Nach Kärnten Läuft und der Durchfallgeschichte direkt im Anschluss plagten mich seit langem wieder einmal nächtliche Wadenkrämpfe von der Sorte, wo man gerne aus dem Bett springt. Das resultierte trotz regelmässiger Magnesiumeinnahme in derart verhärteten Wadenmuskeln, denen auch mit der Blackroll Orange nicht beizukommen war. Also musste meine Physiotherapeutin ran, damit ich wenigstens für Graz halbwegs fit bin.

Stichwort Graz: Das wird höchstwahrscheinlich auf einen Tempodauerlauf hinauslaufen, denn für einen neuen PB-Versuch fehlt es mir aktuell einfach an Energie. Die Luft ist draußen. Ich habe fertig für 2015.

26. Stainzer Schilcherlauf

Getreu dem Motto “Kuchen sollst du suchen” melde ich mich im Juli eher spontan zum 26. Stainzer Schilcherlauf an, der am 5. September 2015 stattfand. Der Schilcherlauf bietet nicht nur allen LäuferInnen das größte Mehlspeisenbuffet Österreichs im Ziel, sondern auch gute Stimmung auf der Strecke dank unzähliger Live-Bands. Im vergangenen Jahr war der Schilcherlauf verregnet, aber hat mir gut gefallen. Und es gibt Kuchen!

Als ich am Wettkampftag aufwachte und den stürmischen Wind den Regen ans Fenster peitschen hörte, lief es mir kalt über den Rücken — ich zog die Bettdecke hoch und kuschelte mich noch einmal ins warme Bett. Brrr. Irgendwie hatte ich so gar keine Lust, am Abend bei solchen Bedingungen einen Viertelmarathon zu laufen. Schon im Vorfeld war die ganze Woche über meine Motivation eher bescheiden: Nach dem Halbmarathon vor 2 Wochen fühlte ich mich einfach noch immer nicht richtig fit. Aber egal, angemeldet und gesund bin ich, also wird gelaufen: Einfach die zwei Runden durch und um Stainz nach Gefühl laufen — wenn es gut läuft, versuche ich eine neue PB auf Viertelmarathondistanz, wenn nicht, dann werde ich mich nicht quälen, weil es beim Viertelmarathon ohnehin keine Altersklassen gibt.

Die Startunterlagen hatte ich bereits am Vortag abgeholt, wo es am Stainzer Hauptplatz ein kulinarisches Fest mit steirischen Spezialitäten anstatt der üblichen Pasta-Party gab. Dementsprechend entspannt ging es daher am Samstag nach Stainz. Auch dieses Jahr war das Wetter in Stainz eher feucht, aber temperaturmäßig mit um die 16°C genau nach meinem Geschmack. Beim Start regnete es noch leicht, doch es hörte bald auf. Ich stellte mich ins vordere Viertel des Starterfeldes vor die angedachte 5:00min/km Linie, denn schneller als eine 5er Pace wollte ich schon laufen — oder zumindest versuchen zu laufen. Auch nahm ich mir abermals vor, am Start zügig wegzukommen und nicht am ersten Kilometer unnützerweise Zeit zu vergeuden.

Erste Runde geschafft!

Erste Runde geschafft!

Nach dem Startschuss kam ich tatsächlich zügig weg und gleich um die erste Ecke heizte eine Live-Band so ordentlich ein, ehe man von Cheerleadern angefeuert und dann an der nächsten Ecke auf eine Trommler-Kombo trifft. In dieser Tonart geht es auf dem restlichen Rundkurs weiter — ich habe sie nicht gezählt, aber so an die 6 oder 7 Live-Bands bzw. Unterhaltungsacts auf 5,25km ist schon eine beachtliche Zahl. Die ersten Kilometer flogen dahin und es machte Spass — eigentlich hatte ich schon lange nicht mehr so viel Spass, weil es seit Juli bei den Wettkämpfen einfach zu heiß war. Die erste Runde beendete ich in 25:13 Minuten und damit war ich mehr als zufrieden — wenns läuft, dann läufts!

Zu schnell am Zielsprint für ein scharfes Bild...

Zu schnell am Zielsprint für ein scharfes Bild…

Auf der zweiten Runde war die Läuferdichte erwartungsgemäß dünner, da zahlreiche LäuferInnen nur eine Runde liefen, doch das tat meiner Stimmung keinen Abbruch. Die letzten zwei Kilometer lief ich in Begleitung einer Dame, die den Halbmarathon beim Schilcherlauf als Vorbereitung für den Grazmarathon nutzte. Wir unterhielten uns ein wenig, was das ganze noch kurzweiliger machte und bevor es auf die Zielgerade ging, verabschiedete ich mich, um einen Zielsprint hinzulegen. Nach 0:50:34 Minuten überquerte ich als 12. Frau (von 101) die Ziellinie, was einer neuen persönlichen Bestzeit im Viertelmarathon bedeutete. Eine freundliche Dame hängte mir die abermals originelle Finisher-Medaille um und ich begab mich zum Mehlspeisenbuffet, wo ich ein paar ausgewählte Köstlichkeiten probierte, die allesamt sehr lecker waren. Rundum zufrieden trat ich die Heimreise an und war froh, dem Impuls am Morgen im warmen Bett zu bleiben, nicht nachgegeben zu haben.

Schilcherlauf 2015 Finisher Medaille

Schilcherlauf 2015 Finisher Medaille

Streckenverlauf und Höhenprofil Stainzer Schilcherlauf

Streckenverlauf und Höhenprofil Stainzer Schilcherlauf

Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2015

Sonntag, 23. August 2015, 5:10 Uhr — Tagwache, der Wecker holt mich nach weniger als 3 Stunden Schlaf aus dem Bett. Wer mich kennt weiß, dass ich zu dieser Uhrzeit normalerweise nicht aufstehe, außer es ist Kärnten Läuft und es heißt “Guten Morgen Halbmarathon”. In wenigen Stunden werde ich mittlerweile bereits zum dritten Mal die 21,1 Kilometer entlang des Wörthersees von Velden nach Klagenfurt in Angriff nehmen; dieses Jahr mit neuer Streckenführung in Pörtschach, die die ungeliebte Schleife in Krumpendorf obsolet macht.

Die Vorzeichen für den Halbmarathon standen nicht besonders gut, denn nach dem perfekten Laufwetter (und auch Lauf!) im letzten Jahr (heiter bei max. 16° C) würde es dieses Jahr wieder deutlich wärmere Temperaturen geben. Beim offiziellen Streckentest am 6. August hatte es abends um 19 Uhr noch heiße 32° C im Schatten und meine Performance bei diesem geführten Lauf (ca. 8km vom Seeparkhotel zum neuen Streckenabschnitt in Krumpendorf und retour) war schlicht und einfach katastrophal. Die beiden Pacemaker liefen einen gemütlichen 6:00er Schnitt, doch mein Puls war “through the roof” und auch mein Befinden war miserabel. Etwa eine Woche danach musste ich einen Trainingslauf verkürzen, da bei 33° C nichts mehr ging. Dazu kommt, dass bis Ende August noch der Beifuß blüht und mir mit allergischem Asthma das Leben schwer macht. Der Gedanke, in wenigen Tagen bei womöglich ähnlichen Temperaturen und Bedingungen einen Halbmarathon zu laufen, bereitete mir Unbehagen, ja, wenn nicht sogar etwas Angst und dementsprechend bescheiden peilte ich als Zielzeit irgendwas zwischen 1:50 und 1:55 an.

Nach der neuen Halbmarathon-PB von 1:49:47 bei Ossiacher See Nachthalbmarathon Anfang Juni, wo die Strecke deutlich mehr Höhenmeter aufweist, müsste diese Zeit rein theoretisch beim Wörthersee Halbmarathon zu unterbieten sein, denn im letzten Jahr schaffte ich eine 1:50:55. Doch da war es deutlich kühler, ich hatte kein Asthma und es gab auch noch nicht die zwei neuen Streckenabschnitte, wovon ich nur den kürzeren in Krumpendorf beim Streckentest besichtigte. Zu viele unbekannte Variablen (wie heiß wird es tatsächlich, werde ich Luftprobleme bekommen, wie “schnell” ist der neue Streckenabschnitt in Pörtschach) sprachen für eine eher vorsichtige Rennstrategie: Am Start zügig mit etwa 5:10min/km wegkommen, dann sehen, wie es läuft und versuchen, möglichst konstant durchzulaufen, wenn ich mich gut fühle, ansonsten einen Gang zurückschalten und gesund ins Ziel kommen.

Es ist mir wichtig, dass der Morgen vor einem Rennen stressfrei ist, daher stelle ich den Wecker etwas früher, um genügend Zeit für Frühstück und Anreise zu haben. Kurz vor halb 8 Uhr treffe ich in Klagenfurt ein, finde beim neuen Park-and-Ride in unmittelbarer Nähe der neuen Bahnhaltestelle Klagenfurt West sofort einen Parkplatz und nehme den Shuttlezug um 7:37 Uhr nach Velden. Als ich in den Zug einsteige, ist dieser schon gut gefüllt, aber ich kann noch einen Sitzplatz finden. Die Fahrt nach Velden kommt mir länger vor als in den vergangenen Jahren; ich sitze am Fenster und blicke gegen die Fahrtrichtung. Normalerweise macht mir das nichts aus, aber diesmal wird mir leicht flau — die Luft im Zug ist stickig und es ist viel zu früh. Doch als ich in Velden vom Zug aussteige und zum Start spaziere, geht es mir sofort wieder besser.

Mehr See geht nicht

Im Startbereich die übliche Routine: Dixi-Stopp, Kleiderbeutel abgeben und in den Startblock einreihen. Ich wähle den Startblock zwischen dem gelben 1:45 und dem roten 1:50 Ballon. Lustige Anekdote am Rande: Der 1:50er Pacemaker sitzt lässig am Absperrgitter und plaudert mit den LäuferInnen. Plötzlich ein Aufschrei, der Akku seiner Laufuhr ist leer. Panik! Wie soll er ohne Uhr seinen Job als Pacemaker erledigen? Ein Bekannter, der in der Nähe ist, leiht ihm seine Uhr und alles ist gut. Im Startblock ist es sehr eng und heiß und ich bin froh, als um ca. 8:50 Uhr die Elite ins Rennen geschickt wird. Danach folgte der nächste Startblock und etwa 4 Minuten nach dem offiziellen Rennstart setzt sich auch mein Startblock in Bewegung.

Startbereich in Velden

Startbereich in Velden

Da ich mir vorgenommen habe, vom Start weg zügig zu laufen, komme ich auch erstaunlich gut weg. Die Beine fühlen sich gut an und auch die Temperatur ist jetzt angenehm. Vor dem Casino gleichsam wie in den letzten Jahren der Männergesangsverein. Links vor mir ein Läufer ohne Schuhe — Wahnsinn, einen Halbmarathon barfuss zu laufen, denke ich mir. Die ersten Kilometer sind recht kurzweilig und meine Pace pendelt sich um 5:00min/km ein. Schneller als erwartet erreiche ich die Fabrik bei Saag und somit die erste Labestation. Guter Laune nähere ich mich dem einzigen wirklich offensichlichten Anstieg der Strecke bei Töschling und bewältige diesen leicht und locker, denn das erste Drittel des Halbmarathons ist geschafft.

Als ich Pörtschach erreiche, freue ich mich schon auf den neuen Streckenabschnitt. Zuvor lief man ja einfach nur entlang der Bundesstraße durch den Ort durch, aber nun macht man einen Abstecher zur Halbinsel, um so noch mehr vom Wörthersee sehen zu können. Aus dem Streckenplan ist mir bekannt, dass sich beim Promenadenbad auch eine Labestation befindet und ich ziehe mir mein Gel rein, damit ich dort mit einem Schluck Wasser den klebrigen Geschmack im Mund loswerden kann. Dann biegen wir auch schon rechts von der Hauptstraße weg in Richtung Halbinsel. Auf einem engen Weg schlängelt sich die Läufermenge in Richtung Promenadenbad und just in diesem schmalen Bereich überholt mich ein Handbike-Fahrer mit Startnummer, der offenbar eine Sondergenehmigung für die Teilnahme hat. Die Kulisse mag zwar beeindruckend sein, aber davon bekomme ich sehr wenig mit, da die geringe Wegbreite und hohe Läuferdichte volle Konzentration erfordern. Auf der Strandpromenade, wo auch der Viertelmarathon gestartet wurde, wechselt der Untergrund von Asphalt auf feinen, sandigen Schotter, womit ich keine wirkliche Freude habe.

Strandpromenade in Pörtschach

Strandpromenade in Pörtschach

Die 10 Kilometer Markierung passiere ich bei knapp 51 Minuten und damit liege ich sehr gut in der Zeit, obwohl ich sowohl auf Kilometer 10 und 11 gezwungenermaßen langsamer (5:14 und 5:15min/km) gelaufen bin. Der neue Streckenabschnitt in Pörtschach mit seiner Enge und Kurven hat die Halbmarathonstrecke definitiv verlangsamt. Erst als ich zurück auf der Bundesstraße bin, kann ich das Tempo wieder anziehen und um 5:05min/km halten. Ich bin nach wie vor guter Dinge, obwohl mir mittlerweile die Fusssohlen etwas zu brennen anfangen. Kilometer 13 in Pritschitz war dann mit 5:16min/km der langsamste von allen aufgrund der “Schikane”, wo man zuerst durch die Unterführung und dann über eine steile Linkskurve auf die Bundestraße läuft.

Die nächsten Kilometer kann ich wieder mit der geplanten Pace laufen; der Abstand zum gelben 1:45er Ballon ist größer geworden, aber als ich einmal kurz zurückblicke, kann ich den roten 1:50er Ballon nirgends sehen. Ich erreiche Krumpendorf, wo die Stimmung an der Labestation wie jedes Jahr großartig ist. Die lange Schleife in den Ort bis zum Gemeindeamt gibt es nicht mehr, aber eine “Mini-Schleife” entlang der Labestation muss man allerdings noch laufen, ehe man Kilometermarke 16 erreicht. Nun geht es über den Koschatweg und der Pamperlallee zum kurzen neuen Streckenabschnitt beim Yachthafen, den ich bereits beim Streckentest besichtigt habe. Gefühlt zieht sich der Koschatweg und die Pamperlallee sowieso; im Koschatweg sitzt ein Läufer am Asphalt und reibt sich den Knöchel und ich habe den flüchtigen Gedanken, wie schön es wäre, sich jetzt an Ort und Stelle ebenfalls hinzusetzen. In der langen kerzengeraden Pamperlallee bemerke ich erstmals, dass mir warm ist und ich freue mich auf den neuen Abschnitt im Kurpark, der durchgehend schattig ist.

Als ich den Kurpark verlasse, passiere ich die 18. Kilometermarke und sehe, wie der rote 1:50 Ballon gerade von der Pamperlallee in den Kurpark einbiegt. Das gibt mir einen Ruck und ich entscheide, die letzten 3 Kilometer noch einen Zahn zuzulegen, um ja nicht vom roten Ballon eingeholt zu werden. Meine Erinnerungen an Kilometer 19 und 20 sind vage; dort irgendwo lag ein Läufer auf der Straße und der Rettungswagen fuhr gerade vor, um diesen einzusammeln. Ich habe sämtliche Rechenspiele im Kopf eingestellt, denn solange ich vorm roten Ballon ins Ziel komme, ist alles gut. Auf den letzten Kilometern muss ich kämpfen, denn mir ist nun heiß und durch die Anstrengung bekomme ich schlecht Luft. Wie sehr hab ich mir ein Runners High wie im letzten Jahr an dieser Stelle gewünscht!

Endlich der Wasserbogen, der kaum für Erfrischung sorgt. Nun ist es wirklich nicht mehr weit. Endlich die Villa Lido und ich biege auf die letzten 500m. So viele Menschen, eine Wahnsinnsstimmung! Noch schnell über den verbleibenden Rest der Wörthersee-Bühne und ich bin auf der Zielgerade. Ich hüpfe über die Ziellinie, reiße kurz die Arme hoch und drücke Stopp: 1:48:17 hangestoppt! Geschafft! Im Zielbereich warten überraschenderweise zwei KollegInnen vom Triathlon-Verein auf mich und gratulieren mir. Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um. Ich bin außer Atem und mir ist etwas schwindlig. Ich unterhalte mich noch kurz mit meinen VereinskollegInnen und bahne mir durch die Läufermasse den Weg zum Ziellabebereich. Mir ist nicht so gut und ich will mich eigentlich so schnell wie möglich hinsetzen, doch dort ist kein Platz und da man nicht mehr den Ziellabebereich betreten darf, wenn man ihn einmal verlassen hat, nehme ich mir eine Banane und drei 0,5l Flaschen Wasser. Beim Ausgang aus dem Ziellabebereich schnauzt mich ein Ordner an, dass für die langsamere Läufer nichts mehr übrig bleibt, wenn sich alle drei Flaschen Wasser nehmen. Es war mir nicht bewusst, dass Wasser Mangelware ist und wenn das tatsächlich der Fall ist, kann man das auch anders kommunizieren. Dieser Vorfall hat mich im Nachhinein mehr geärgert als mir lieb war, zumal fast alle LäuferInnen sich ähnlich bzw. sogar umfangreicher verpflegt haben.

Im Ziel mit 1:48:10

Im Ziel mit 1:48:10

Da ich dieses Jahr die Anmeldefrist nicht übersehen habe, darf ich in die Relax-Zone des Raiffeisen-VIP-Bereichs, der sich praktischerweise gleich links vom Ausgang des Ziellabebereichs befindet. Dort erhalte außerdem drei Gutscheine (1x Massage, 1x Essen, 1x Getränk) und ich lasse mich sofort in einen Liegestuhl im Schatten fallen, wo ich gleich zwei der 0,5l Flaschen Wasser auf ex trinke. Nach wenigen Minuten geht es mir deutlich besser und ich setze mich ins Massage-Zelt, um mich für die Massage anzustellen. Ich plaudere etwas mit dem Herrn, der sich neben mich setzt und sehe im Internet nach dem offiziellen Ergebnis: 1:48:10 und somit eine neue persönliche Bestzeit. Die Wartezeit auf die Massage ist recht kurz und ich falle müde und zufrieden auf die Liege. Eine nette junge Dame bearbeitet meine Waden, was sehr wohltuend ist. Danach verlasse ich den Bereich und gehe zum Kleidertransport, wo bereits Kollege Wolfgang und meine Mutter auf mich warten.

Finisher Medaille

Finisher Medaille

Wie jedes Jahr ist der nächste Stopp das Strandbad mit dem obligatorischen Sprung in den See, wobei dieses Jahr die Wassertemperatur angenehm warm ist. Ich kraule ein paar Minuten herum und bin überrascht, wie klar der Wörthersee im Vergleich zum Gösselsdorfer See ist. Eigentlich wollte ich etwas länger schwimmen, aber die Müdigkeit ist doch bemerkbar. Nach dem Umziehen gehen wir ins Gastro-Zelt, wo die Gutscheine eingelöst werden können. Die Warteschlange bei der Essensausgabe ist sehr lang und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich meine Nudeln mit Tomatensauce erhalte.

Der Fluch des 7. Halbmarathons?

Am Rückweg zum Auto am Park-and-Ride Parkplatz gegenüber von Minimundus setzen dann plötzlich heftige Darmkrämpfe und Durchfall ein. Die Heimfahrt ist abenteuerlich und von Krämpfen und Schweißausbrüchen geprägt. Zu Hause lege ich mich zwar hin, aber der Kreislauf bereitet mir zunehmend Probleme und als sich dann der Durchfall rötlich färbt (die Tomatensauce oder etwas ernsteres?), ist es Zeit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Laut Ärztin hab ich wohl irgendwo am Morgen bzw. Vormittag einen Virus aufgeschnappt, der binnen weniger Stunden für explosiven Durchfall sorgt — sie hatte an diesem Tag bereits drei gleiche Fälle. Ich kann nur Vermutung anstellen, wo ich den Virus erwischt haben könnte: Im Zug nach Velden war mir flau und sonst habe ich außer dem Gel und einen Schluck Wasser in Pörtschach nichts konsumiert. Also entweder im Zug oder durch das Wasser? Ich werde es wohl nie herausfinden…

Eigentlich hätte ich glücklich und zufrieden sein sollen, neue PB auf der neuen, langsameren Strecke, vor allem wenn man bedenkt, dass im Vorfeld einiges nicht so ideal war. Aber die Virusgeschichte hat mir das Erfolgserlebnis gänzlich vermiest und so blieb das Strahlen durch die Endorphine und die große innerliche Zufriedenheit aus, die sich sonst nach einem Halbmarathon einstellt. Der Durchfall war dank ärztlicher Behandlung so schnell wieder weg wie er gekommen war, aber bis jetzt — eine Woche nach dem Halbmarathon — fühle ich mich noch immer nicht 100% fit. Eines steht aber schon fest: Bis zum 21. August 2016 bin ich sicher wieder fit!

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Wörthersee Halbmarathon

 

Herzbergland Lauf 2015

Am Samstag, den 1. August, fand in Trofaiach der Herzbergland Lauf 2015 statt und da ein lieber Kollege aus der Studienzeit dort beheimatet ist, bot sich ein Auflug in die Obersteiermark im doppelten Sinne an. Die Laufveranstaltung selbst stand nicht unbedingt auf meiner Liste der geplanten Läufe, zumal die Strecke sehr selektiv und anspruchsvoll, aber ein gutes Training für den kommenden Halbmarathon bei Kärnten Läuft ist.

Mein Kollege hat vorab die Strecke für mich besichtigt und von den “kritischen” Stellen Fotos gemacht, sodass ich einen recht guten Eindruck hatte, was mich erwartet; unter anderem eine 20% Steigung, die aber auf dem Bild nicht so schlimm aussah. Dazwischen viel auf und ab, also hügelig mit einer längeren Schotterpassage, ca. 300m quer über eine Wiese und einem kurzen, abfallenden Steig, kurzum definitiv keine Strecke für eine neue persönliche Bestzeit. Vor der Anmeldung überlegte ich mir auch, ob ich den Hobbylauf über 6km (1 Runde) oder den Hauptlauf über 12km (2 Runden) bestreiten soll, doch diese Entscheidung war einfach, denn wegen 6 Kilometer lohnt sich ja fast das Umziehen nicht.

Der Start und das Ziel befand sich beim Rötzstadion in Trofaiach, wo alles wie erwartet sehr gut organisiert war. Es gab ausreichend Parkplätze in unmittelbarer Nähe und die Startnummern-Ausgabe war zügig erledigt, wobei es hier ein “Novum” in meiner Läuferkarriere gab: Es wurden wiederverwendbare Startnummern aus Stoff ausgegeben, die nach der Veranstaltung zu retournieren waren. Das erinnerte mich an diverse Ski-Rennen in meiner Schulzeit, wo man ebenfalls Startnummern aus Stoff bekam, die man sich quasi “anzog” und mit Bändern befestigte. Die Idee ist natürlich lobenswert, um so ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzen, aber ich denke, dass mehr Energie etc. für die Reinigung der Stoff-Startnummern draufgeht als für die Herstellung von normalen Startnummern aus Papier. Oder man verzichtet auf die Reinigung, aber das wäre äußert unhygienisch…

Bei der Aufwärmrunde hält sich meine Begeisterung in Grenzen

Bei der Aufwärmrunde hält sich meine Begeisterung in Grenzen

Zum Aufwärmen drehte ich ein paar Runden im Stadion und musste dabei feststellen, dass es abermals unangenehm heiß ist — auf eine Bestzeit bin ich ohnehin nicht aus, aber bei der anspruchsvollen Strecke kann das zach werden. Der Startschuss fiel pünktlich um 15 Uhr, und da es keine Chipzeitnehmung gab, reihte ich mich in den vorderen Reihen des Starterfeldes ein. Zuerst galt es, eine Runde im Stadion zu laufen, ehe es aus dem Stadion raus und aufs Mellplateau ging. Den ersten Anstieg bewältigte ich ohne Probleme, dann ging es auch schon wieder bergab zu einer Linde, die sich am Knotenpunkt der Strecke befindet, wo auch mein Kollege plaziert war, um mich zweimal pro Runde anfeuern zu können. Nach der Linde führte die Strecke entlang eines hügeligen Schotterweges vom Anwesen Köck zum Anwesen Fürstaller, eher es nach dem zweiten Anwesen auf groben Schotter steil bergab ging. Dann wechselte der Untergrund wieder auf Asphalt und nach einer kurzen, relativ flachen Passage trifft man “Am Forst” auf die 20% Steigung.

Schon auf der flachen Passage vor der Steigung konnte ich sehen, wie die meisten LäuferInnen diesen Ansteig gehend bewältigten. Auf dem Foto sah es nicht sooo schlimm aus, aber dass viele LäuferInnen gehen, wenn es etwas bergauf geht, ist mir ja vom Welschlauf bekannt. Wie steil es auch immer ist, ich würde rauflaufen und keinesfalls gehen! Bis etwa zur Hälfte dieser Steigung ging es recht gut, doch dann erreichte ich mein Limit. Viel zu heiß, viel zu steil, und mein allergisches Asthma meldete sich. Gehen? Niemals! Ich lief weiter, langsam, aber ich lief und konnte so etliche Plätze gutmachen. Kurzfristig dachte ich erstmal in meinem Läuferleben ernsthaft daran, nach der ersten Runde auszusteigen. Noch einmal diese 20% hoch? Pfff… bitte nicht! Ich schaffte es wie eine Dampflok schnaufend rauf und dann ging es zum Glück auch wieder leicht bergab. Ich redete mir selbst zu, ok, die erste Runde muss ich ohnehin zu Ende laufen, dann entscheide ich je nachdem wie ich mich fühle.

Auf der zweiten Runde durchs Stadion Trofaiach

Auf der zweiten Runde durchs Stadion Trofaiach

Dann sah ich meinen Kollege wieder unter der Linde stehen und mir zurufen, dass nur ca. 4 oder 5 Frauen vor mir sind. Das motivierte mich etwas und als ich die erste Runde beendete, ging es mir wieder besser. DNF is not an option, also nahm ich die zweite Runde in Angriff. Nun waren nicht mehr viele LäuferInnen auf der Strecke, denn die meisten liefen nur eine Runde. Bis zur 20% Steigung ging es auch recht gut, aber dann am Anstieg das große Sterben: Ein Fuss nach dem anderen. Nein, ich gehe nicht, ich laufe. Langsam, wie in Zeitlupe, aber ich laufe. Wieder ein paar Plätze gut gemacht. Dann wieder der Kollege bei der Linde, der mir zuruft, dass nur eine Frau vor mir ist. Ich belächelte diese Aussage… ich wollte das Ding einfach zu Ende bringen und war sehr froh, als ich Ziel war: 1:04:48 handgestoppt, was im Endeffekt die zweitschnellste Zeit bei den Damen von insgesamt 15 Läuferinnen bedeutete. Den Tagessieg habe ich um eine Minute verpasst, aber das war mir an dieser Stelle egal, mehr war einfach nicht möglich. Auch in der Altersklasse W-35 belegte ich den 2. Platz.

Streckenverlauf und Höhenprofi Herzbergland Lauf Trofaiach

Streckenverlauf und Höhenprofil Herzbergland Lauf Trofaiach

Es war auf alle Fälle ein sehr anspruchsvoller und fordender Lauf (230 Höhenmeter auf 12 Kilometer!) und mit dem Ergebnis muss ich in Anbetracht der widrigen Umstände (zu heiß, Allergie bzw. Asthma) allemal zufrieden sein. Immerhin konnte ich eine originelle Trophäe in der Form eines Stückes Granit, der im Herzbergland abgebaut wird, und das Kochbuch “Heimatküche” von Johann Lafer mit nach Hause nehmen. Von der Stimmung her hat mir diese recht familiäre Laufveranstaltung gefallen, aber für 20 Euro Nenngeld hätte ich mir zumindest Chip-Zeitnehmung und eine bessere Verpflegung im Ziel erwartet; dort wurde aber nur Wasser, Iso und alkoholfreies Bier gereicht. Keine Bananen oder sonstiges Obst, und auch kein Kuchen. Im Startsackerl war zwar ein Gutschein für eine Portion Nudel, aber da wurde ich auch enttäuscht, da es keine vegetarische Sauce bzw. Alternative gab. Da besteht meines Erachtens noch Verbesserungsbedarf.

Siegerehrung

Siegerehrung

Herzbergland Lauf 2015 Trophäe

Herzbergland Lauf 2015 Trophäe

Römerlauf 2015

Sehr kurzfristig entschied ich mich, auch dieses Jahr beim Römerlauf, dem schönsten Abendlauf Österreichs, teilzunehmen. Die Kurzfristigkeit ergab sich aus meiner Triathlon-Premiere am Wochenende zuvor, weil ich mir im Vorfeld nicht sicher war, wie anstrengend der Triathlon sein wird bzw. wie schnell ich mich erholen werde. Da ich aber keinerlei Wehwehchen und mich sehr schnell erholt hatte, ging es also am Samstag, den 18. Juli 2015, nach Kaindorf an der Sulm bei Leibnitz.

Der Römerlauf ist wirklich ein besonderer und lässiger Lauf — schon allein die Beleuchtung der Laufstrecke mit Fackeln bietet eine einzigartige Atmosphäre. Weiters stehen ca. 300 als RömerInnen verkleideten Helfer entlang der Strecke Spalier und feuern die LäuferInnen unermüdlich an. Wegen der tropischen Temperaturen weit jenseits der 30°C Marke gab es neben den üblichen 4 Labestationen dieses Jahr noch 4 zusätzliche Stellen mit Sprühregen bzw. Wasserduschen, die für etwas Erfrischung sorgen sollten.

Im vergangenen Jahr hat mir der Römerlauf sehr gut gefallen, aber mit dem “Hügel” — dem Seggauberg — hatte ich noch eine Rechnung offen. Besser vorbereitet und mit dem Wissen, was bei Kilometer 4 auf mich zukommt, wollte ich meine Zeit vom Vorjahr auf der Viertelmarathondistanz (0:54:36) verbessern, was angesichts der heißen Temperaturen zäh, aber machbar sein sollte. Ansonsten hatte ich keine großen Erwartungen, einfach etwas schneller laufen als im Vorjahr und die einzigartige Atmosphäre auf der Laufstrecke genießen.

Die Abholung der Startunterlagen war rasch erledigt, da ausreichend Parkplätze beim Naturparkzentrum Grottenhof zur Verfügung stehen und die Organisation des Laufs top ist. Es hatte beim Start des Volkslaufs um kurz vor 19 Uhr noch jenseits der 30°C und ich hoffte, dass es bis zum Start des Viertel- und Halbmarathon um 20:15 Uhr etwas abkühlen würde. Insgeheim hoffte ich auf ein Wärmegewitter oder wenigstens etwas auffrischenden Wind. Aber nichts, kein Gewitter, kein Wind. Dabei muss ich erwähnen, dass ich aktuell bzw. schon über zwei Wochen (also schon bereits vor dem Triathlon) etwas Luftprobleme habe, also unter Belastung schlecht Luft bekomme. Ob es an den Allergien, am Ozon in der Luft oder am Chlor im Freibad liegt, weiß ich nicht — möglich ist alles. Beim Triathlon war alles in Ordnung, da die Temperatur unter 30°C lag, aber als wenige Tage vorm Römerlauf das Quecksilber wieder auf 34°C kletterte, flammte das Problem abermals auf. Daher hoffte ich wirklich inständig auf etwas Abkühlung.

Vor dem Start im Naturparkzentrum Grottenhof

Vor dem Start im Naturparkzentrum Grottenhof

Ein Novum dieses Jahr und meiner Meinung nach auch absolut notwendig angesichts der ständig steigenden Teilnehmerzahlen waren die Startblöcke: Elite, <4:30min/km, <6:00min/km und (anzunehmenderweise) >6:00min/km. Gerade die ersten paar hundert Meter nach dem Start sind ein Flaschenhals, der durch diese Vorgehensweise entschärft werden sollte. Ich reihte mich bei <6:00min/km ein und kam von Anfang an gut weg — wesentlich besser als im Vorjahr. Temperaturmässig hatte es um 20:15 Uhr noch immer knapp 30°C und weniger als 29°C wurde es während des Laufs leider nicht. Die ersten drei Kilometer nach und durch Leibnitz lief ich etwas schneller als anvisiert mit knapp unter 5:00min/km. Es war zwar heiß, aber bis zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Luftprobleme.

Leibnitz hinter uns gelassen ging es auch schon in Richtung Seggauberg — mein Nemesis vom letzten Jahr! Mental vorbereitet und entschlossen, dem Hügel zu zeigen, wer der Boss ist, nahm ich den Anstieg guter Dinge in Angriff. Bis etwa zur Hälfte tänzelte ich den Hügel hoch, zahlreiche LäuferInnen überholend. Dann wurde es etwas zäh, aber ich wusste, dass es nicht mehr weit ist und kämpfte mich die verbleibenden Höhenmeter hoch. OK, geschafft, zwar etwas atemlos, aber ab jetzt geht es nur mehr bergab bzw. flach ins Ziel. Bergablaufen ist nach wie vor nicht meine Stärke, doch das klappte hier dieses Jahr auch besser als 2014. Nun ging es dann um bzw. über den Damm quer durch den Sulmsee, ehe man auf der alten Eisenbahntrasse zurück in Richtung Grottenhof läuft.

Streckenverlauf und Höhenprofil Römerlauf

Streckenverlauf und Höhenprofil Römerlauf

Meine Pace hatte sich mittlerweile bei etwa 5:11min/km eingependelt und als es durch den Wald auf der Eisenbahntrasse ging, stellten sich die bekannten Luftprobleme ein. Gefühlt war die Luft zum Schneiden dick und ich hörte mich wohl wie eine alte Dampflok an. Mit einer 5:11er Pace wollte ich aber nicht ins Ziel laufen, das wäre nur 2 Sekunden pro Kilometer schneller als im Vorjahr und folglich war auf den letzten drei Kilometern Durchbeissen angesagt. Die Beine und der Kopf wollten, aber die Lunge wehrte sich mit jedem Atemzug. Tunnelblick. Bei der letzten Labestation etwa 1,5km vorm Ziel schüttete ich mir einen Becher Wasser über den Kopf, was mich kurzfristig leicht erfrischte. Ein Blick auf die Uhr: Ja, ich bin schneller geworden, die Mühen sind also nicht vergebens.

Den letzten Kilometer habe ich verflucht: Diese langezogene Schleife um das Areal des Naturparkzentrums ist fies. Man glaubt, quasi schon im Ziel zu sein und dann muss man noch so einen Umweg laufen, obwohl die Beleuchtung und tolle Stimmung im Grottenhof das Ganze etwas erträglicher machen. Was bin ich froh, rechts in Richtung Zielrampe abbiegen zu dürfen, während die Halbmarathonis geradeaus die zweite Runde antreten. Ich laufe über die Ziellinie und hätte mich am liebsten an Ort und Stelle hingesetzt. Eine fröhliche Dame in Tunika hängt mir die Finisher-Medaille um den Hals. Ich bedanke mich und wanke in Richtung Endlabe, wo es neben Wasser, Iso, Bier, Bananen und Äpfeln auch wieder Kuchen gibt. Gerne hätte ich länger am Kuchenbuffet verweilt, aber zwischen den dichtgedrängten, schwitzenden Läufern war die Luft noch dicker und daher verlasse ich den Zielbereich recht schnell. Meine Mutter sitzt im Zuschauerbereich und ich setzte mich zu ihr an den Biertisch. Hier ist die Luft etwas frischer, aber als ein Herr am Nebentisch eine Zigarette anzündet und mir der Rauch direkt ins Gesicht weht, stehe ich auf und sage zu ihr, dass ich zum Auto gehen möchte.

Finishermedaille Römerlauf

Finishermedaille Römerlauf

Erst als ich längst zu Hause war, gab es die Ergebnisse vom Römerlauf online. Mit einer Zeit von 0:53:16 (Pace 5:06min/km) belegte ich den 24. Platz bei den Frauen (von 211), und den 14. Platz in der Altersklasse “AK” (von 119). Damit bin ich in Anbetracht der Widrigkeiten (hohe Temperatur, Atemprobleme) im Grunde zufrieden, denn immerhin konnte ich die Zeit aus dem Vorjahr um über 1 Minute verbessern. Was ich allerdings an der Organisation des Laufs bemängelt möchte sind die seltsamen Altersklassen (<40 Jahre, 40-60 Jahre, >60 Jahre). Ich finde es ärgerlich, mit allen Frauen unter 40 in eine Altersklasse geworfen zu werden. Wenn ein Veranstalter schon derart viel Aufwand in die Organisation dieser Veranstaltung steckt (Beleuchtung, verkleidete Helfer, usw.), warum werden dann nicht bei den beiden Hauptläufen die üblichen Altersklassen zumindest in 10er Sprüngen in den Ergebnislisten gelistet?

29. Gösselsdorfer Triathlon

Am Samstag, den 11. Juli, finishte ich beim 29. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) meinen ersten Triathlon. Im Vorfeld hatte ich doch einige Gedanken bzw. Bedenken, aber ich ging durchaus optimistisch an den Start und freute mich auf das Rennen. Und was für ein Rennen es war! Eine absolut überwältigende und kaum in Worte fassbare Erfahrung, die — und man verzeihe mir mangels besserer Ausdrücke die Phrase — einfach “leider geil” war. Vergleichbar mit dem ersten Halbmarathon wird mir auch mein erster Triathlon ewig in Erinnerung bleiben.

Da der Triathlon einen straffen Zeitplan hat, ging es Samstag Mittag zeitig auf nach Gösselsdorf, um rechtzeitig und ohne Stress bis 14 Uhr die Startunterlagen abzuholen, die Laufsachen in der Wechselzone 2 zu deponieren und dann mit dem Rad in die Wechselzone 1 zum Bike Check-In zu fahren. Vor Ort war alles wirklich top organisiert: Eine große Wiese als Parkplatz samt Einweiser, die ein effizientes Parken sicherstellten. Eine zügige Startnummernausgabe und Beschriftung der Oberarme mit der Startnummer. Überall freundliche und gut gelaunte Helfer. Bereits auf dem Weg zur Startnummernausgabe traf ich — gleichsam wie beim Duathlon im April — jan, was mich sehr freute.

Mit den Startunterlagen in der Hand war mein erster Stopp die Wechselzone 2, wo ich Laufschuhe und Kappe bei meiner Startnummer hinterlegte, ehe es zurück auf die Wiese zum Auto ging, wo ich das Rad auspackte und (ganz professionell!) die Reifen aufpumpte. In dem Moment hatte ich kurzfristig Bedenken, wie sich wohl 8,5 bar einige Stunden in praller Sonne auswirken würden. Wie wahrscheinlich ist ein Reifenplatzer in der Wechselzone, noch bevor ich aufs Rad steige? Aber da alle anderen Triathleten um mich herum mit Luftpumpen hantierten, verwarf ich diese Bedenken recht schnell. Danach klebte ich noch die Startnummer an die Sattelstütze und war bereit, mit dem Rad in die ca. 1 Kilometer entfernte Wechselzone 2 zu fahren.

Das Bike Check-In war ebenfalls rasch erledigt und ich spazierte die laaaange Wechselzone entlang bis ich endlich zu meinem Wechselplatz kam. Je höher die Startnummer, desto weiter ist der Wechselplatz vom Schwimmausstieg entfernt, aber desto näher befindet sich das Rad an der Linie, wo man auf das Rad aufsteigen kann. Mit einer Startnummer über 400 bedeutet das für mich, dass ich gut 100m vom Schwimmausstieg bis zum Rad barfuss auf Asphalt zurücklegen muss. Erfahrungsgemäß laufe ich aber ohne Schuhe besser als mit Radschuhen, und daher war das ganze nicht so schlimm. Dann hängte ich mein Rad auf das Rack, legte den Helm und die Sonnenbrille auf den Triathlon-Auflieger, platzierte die Radschuhe rechts vom Vorderrad, stopfte die aufgerollten Socken in diese und breitete das kleine, mitgebrachte Handtuch daneben auf. Als letztes spannte ich den Startnummerngurt samt Startnummer über die Lenkerenden und ging mental noch einmal den Ablauf in T1 durch.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Ab 15 Uhr brachten Shuttlebusse die Athleten von der Wechselzone 1 zum Schwimmstart auf der gegenüberliegenden Seite des Gösselsdorfer Sees. Nachdem ich mich noch einmal versichert hatte, dass sich alles am Wechselplatz befindet, was ich benötige, stieg ich in den nächsten Shuttlebus, der auch bald los fuhr und binnen weniger Minuten am Strandbad Gösselsdorfer See ankam. Nun folgte wohl der langweiligste Teil des ganzen Triathlons: Auf den (Damen-)Start um 17 Uhr warten, denn immerhin galt es, über eine Stunde auf der schattigen Wiese des Strandbades zu verbringen. Ich setzte mich hin, beobachtete die anderen Sportler und versuchte mich zu entspannen. Dann konsumierte ich einen Riegel, trank noch ein paar Schluck Wasser, besuchte das WC und ging zum See hinunter, um mich etwas einzuschwimmen.

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Die Schwimmstrecke führt ans gegenüberliegende Ufer

Vor dem Schwimmstart

Vor dem Schwimmstart

Die Zeit bis zum Schwimmstart verging schneller als erwartet und nach der obligaten Teilnehmerbesprechung wurden um 16:45 Uhr die Herren der ersten Startwelle ins Wasser geschickt. Kurz danach folgte die zweite Startwelle, ehe um 17:00 Uhr der Damen und Staffelstart erfolgte. Zuerst werden alle StarterInnen gebeten, über die Zeitnehmungsmatte zu gehen, ehe man ins Wasser darf und bis zur gedachten Linie am Ende zwischen den beiden Stegen schwimmt. Dort wartet man dann im tiefen Wasser, bis der Startschuss fällt und man losschwimmen kann. Ich hatte mich als langsamer Schwimmer am seitlichen, hinteren Ende des Starterfeldes im Wasser eingereiht, um so schnellere Schwimmer nicht zu behindern bzw. dem ärgsten Getümmel auszuweichen. Dann ging alles ganz schnell: Der Startschuss und das Wasser vor mir begann zu brodeln.

Swim — 0,5km

Beim Wegschwimmen musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, “aus dem Stand” heraus schnell zu beschleunigen, denn im Sportbecken stösst man sich ja am Beckenrand ab. Ein paar Armzüge und ich bewegte mich vorwärts, wobei ich nur einen Gedanken hatte: Da drüben ist der grüne Teppich, das ist der Schwimmausstieg, da muss ich hin. Bis etwa zur Hälfte der Strecke, also etwa 250m, konnte ich den Schwimmern vor mir recht gut folgen und es war ehrlich gesagt ganz und gar nicht schlimm — der Schwimmstart und auch das Schwimmen selbst. Das habe ich mir viel schlimmer vorgestellt. Oder ging es beim Damenstart eher “ladylike” zu? Etwa in der Mitte des Sees trifft man dann auf die berühmt-berüchtigten Seerosen und obwohl ich versuchte, mich eher rechts im durch zwei Leinen begrenzten Korridor zu halten, wo es angeblich kaum Seerosen gibt, waren sie plötzlich da. Zwar spürte ich nichts an meinen Beinen, aber es schwammen im trüben, aufgewühlten Wasser abgerissene Seerosenblätter umher, die prompt an meinen Armen hängen blieben. Das lenkte mich etwas ab, ich versuchte die Blätter wegzuwischen und dadurch wurde ich wohl etwas langsamer.

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmstart der Damen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich blickte kurz hinter mich, denn “last out of the water” wollte ich nicht werden. Keine Gefahr, es befanden sich noch Schwimmer hinter mir. OK, der grüne Teppich kommt immer näher, weit ist es nicht mehr, bald hast du das Schwimmen überlebt. Wenige Meter vor mir schwamm eine Dame, an der ich mich orientierte, wann sie stehtiefes Wasser erreicht hatte. Ein erleichterndes Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Der Schwimmausstieg ist eher ein Schwimmaufstieg, denn es geht recht steil die Böschung hinauf zur Bundesstraße, wo sich die 1. Wechselzone befindet. Auf allen Vieren wollte ich da nicht hinaufkrabbeln, also versuchte ich halbwegs aufrecht den Anstieg zu bewältigen, was auch gut klappte. An der Bundesstraße bzw. am Radweg angekommen, überquerte ich die Zeitnehmungsmatte und machte mich auf den laaaangen Weg entlang der Wechselzone zu meinem Rad.

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Schwimmausstieg (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Aspalt des Radwegs war nass und daher trotz praller Sonne angenehm und ich lief barfuss gut 100m bis zum Rad. Auch das war weniger schlimm als erwartet und klappte besser als angenommen — ich überholte sogar die Dame, die soeben noch vor mir geschwommen war. Der Vorteil, wenn man recht spät aus dem Wasser kommt ist, dass man sein Rad sehr schnell findet, da nur mehr wenige Räder in der Wechselzone stehen. Am Rad angekommen ging alles zügig: Helm und Sonnenbrille auf, Startnummerngurt um, kurz die Fusssohlen am kleinen Handtuch abstreifen, um Steinchen zu entfernen, Socken an, Schuhe an, Handtuch samt Badehaube in den Wechselbeutel und weiter gehts! Da sich mein Wechselplatz quasi am Ende der Wechselzone befand, hatte ich nur wenige Meter bis zum Radaufstieg, der durch zwei gelbe Fahnen gekennzeichnet war. Sicherheitshalber fragte ich den Streckenposten, ob ich hier aufsteigen darf und ab ging die Post!

Bike — 32km

Was habe ich mich aufs Radfahren gefreut! Schwimmen überlebt, jetzt ist es Zeit, es krachen zu lassen und das Feld von hinten aufzurollen. Ob der langsamen Schwimmzeit wollte ich am Rad doch einiges gut machen! Zu dem Zeitpunkt war ich allein auf der Radstrecke und konnte vor mir niemanden erblicken. Erst als ich mich Sittersdorf näherte, sah ich vor mir jemanden am Rad. Das beflügelte mich, jetzt beginnt die Aufholjagd und ich trat ohne Rücksicht auf Verluste sehr beherzt in die Pedale. Mit 40km/h durch den Kreisverkehr in Sittersdorf. Zwischen Sittersdorf und Miklauzhof hatte ich die Dame ein- und überholt. Mit mehr als die Polizei erlaubt durch Miklauzhof, danach die erste Steigung, die ich im Wiegetritt problemlos bewältigte. Auf der Straße nach Gallizien erblickte ich vor mir immer wieder andere Damen, die ich allesamt überholte. Ich flog quasi über den Asphalt, perfektes Rennrad-Wetter, sonnig, angenehme Temperaturen und daher störte mich überhaupt nicht, dass ich mehr oder weniger klatschnass aufs Rad gestiegen bin, denn mittlerweile war ich dank Sonne und Fahrtwind schon längst trocken.

Die Aufholjagd beginnt... (Credit: DG Gösselsdorf)

Die Aufholjagd beginnt… (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit 40km/h durch den Kreisverkehr (Credit: DG Gösselsdorf)

Bei der Ortsdurchfahrt von Gallizien, gerade als ich abermals eine Dame hinter mir gelassen hatte, ein magischer Gänsehautmoment: Boah ist das leider geil! Wenn ich schon (noch) nicht schnell schwimmen kann, schnell Rennradfahren kann ich! Am anderen Ortsende gab es eine etwas steilere Abfahrt, die ich aber nicht Vollgas hinunterdonnerte, da man am Ende scharf rechts abbiegen muss. Wieder erblickte ich Damen vor mir, wieder musste ich sie überholen. Dann der einzige haarige Moment auf der Radstrecke. Bei der kleinen Steigung kurz nach Gallizien hatte ein Autofahrer im fetten SUV mit Wunschkennzeichen die gloreiche Idee, er könne doch ein wenig zwischen den Teilnehmerinnen des Triathlons spazieren fahren. So schlich der Typ mit seiner fetten Kiste vor mir mit ca. 25km/h herum, denn überholen konnte er nicht und ausweichen wollte er nicht. Ich befand mich selbst in einem Überholvorgang, als der SUV auf die Straße bog und sowohl mich als auch die Dame neben mir behinderte, sodass wir beide bremsen mussten. Ich schaute die Dame an und fragte sie, ob wir ihn überholen dürfen? Achselzucken auf beiden Seiten. Genervt vom unmöglichen Verhalten dieses Zeitgenossens schrie ich “Geh Alter, fahr doch rechts ran!” Glücklicherweise bog er dann ab und wir hatten wieder freie Fahrt. Aber keine Frage, so etwas ist sehr ärgerlich und sollte nicht passieren.

Der Rest der Radstrecke verlief nach dem gleichen Schema wie bisher: Das Feld von hinten aufrollen! In St. Kanzian war wegen der Straßensperre eine sehr lange Autokolonne und als ich vorbei fuhr, feuerten mich sowohl Auto- als auch Motorradfahrer lautstark an. Generell war die Stimmung auf der Radstrecke super: Viele Menschen hatten es sich mit Klappsesseln an der Straße gemütlich gemacht und sorgten lautstark für die moralische Unterstützung. Als ich zwischen St. Kanzian und Eberndorf anfing, sogar Herren zu überholen, wurde mir bewusst, dass ich wirklich ausgesprochen gut unterwegs bin und eine Netto-Radzeit unter 60 Minuten bzw. mehr als einen 32er Schnitt fahren würde. Es war einfach der Wahnsinn und die letzten Kilometer von Eberndorf nach Gösselsdorf genoss ich einfach nur. Als ich die letzten Meter in Richtung Wechselzone rollte, erblickte ich jan, der gerade die Laufstrecke in Angriff nahm.

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Die letzten paar hundert Meter der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Mit dem professionellen “triathlon-style” vom Rad absteigen klappt es bei mir noch nicht so richtig, daher bin ich ganz traditionell vor der roten Linie abgestiegen und dann über den blauen Teppich in die Wechselzone 2 gelaufen. Ich bekam fast gar nichts mit, außer dass der DJ im Wechselzonen/Zielbereich gerade “Highway to Hell” von AC/DC spielte. Ob ich nun wirklich am Highway to Hell war, würde ich in wenigen Augenblicken herausfinden. Der zweite Wechsel war ebenfalls schnell und reibungslos erledigt, Rad aufs Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlon-Laufschuhe an, Kappe auf, los gehts! Während ich zum Ausgang der Wechselzone lief, drehte ich noch meine Startnummer nach vorne. Ich checke gar nicht, dass mir dort Triathlon-Vereinskollege Michael entgegen kam und mich grüßte. (Sorry, Michael!)

Abstieg vom Rad

Abstieg vom Rad

Run — 7km

Die ersten hundert Meter der Laufstrecke führten über einen Waldweg, auf dem Gegenverkehr herrschte bzw. die schnelleren Triathleten, die die Laufstrecke bereits fast hinter sich hatten, entgegenkamen. Das war etwas verwirrend, da ich nicht wusste, ob ich rechts oder links laufen soll. Irgendwie war ich immer auf der falschen Seite, aber glücklicherweise war dieser Gegenverkehrsabschnitt nicht sehr lang. Erstaunlicherweise lief es sich überraschend “rund”, also kein Treppengefühl oder sonstige Unannehmlichkeiten, die nach dem Wechsel vom Rad aufs Laufen auftreten können. Folglich fand ich auch schneller als erwartet meinen Rhythmus und es war auch temperaturmäßig in Ordnung (ca. 28°), sodass ich bei der ersten Labestation nach einem Kilometer die Getränke und Schwämme dankend ablehnte. Ok, noch 6 Kilometer mit einem kurzem, aber knackigen Anstieg und ich bringe das Ding nach Hause.

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Am ersten Kilometer der Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Der Heartbreak Hill ist bezwungen (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich war im Runner’s High und die Beine liefen fast wie von selbst. Auch machte ich mir über den Anstieg keine Sorgen, sondern lief nur im Hier und Jetzt und konnte — gleichsam wie auf der Radstrecke — noch einige andere Athleten einsammeln. Interessanterweise war die Laufstrecke kurzweiliger als erwartet: Plötzlich war die 4 Kilometer Markierung vor mir und es ging den Anstieg hinauf! Nur noch 3 Kilometer. Pace passt. 500m Heartbreak Hill wollen bezwungen werden. Auf gehts! Die Stimmung hier war super und als ich in etwa die Hälfte des Anstiegs bewältigt hatte, rief ein Mann “Nur noch 250m, dann habt ihrs geschafft!”. Während fast alle anderen Läufer um mich herum gingen, lief ich den “Heartbreak Hill” hinauf. So machte ich abermals ein paar Plätze gut. Oben angekommen ging es in den Wald hinein und von nun an nur mehr bergab. Der schwierigste Abschnitt war geschafft, die Beine waren nach wie vor locker und daher ließ ich es nun “laufen”. Dann der Waldweg mit dem Gegenverkehr, die langgezogene Rechtskurve und plötzlich befand ich mich auch schon im “Einlaufkanal”. Wenige Meter vor der Ziellinie riss ich die Arme hoch… und jubelte so ins Ziel!

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Jubelndes Finish! (Credit: DG Gösselsdorf)

Im Zielbereich stehengeblieben konnte ich es zuerst nicht wirklich glauben, dass ich wirklich im Ziel war und somit meinen ersten Triathlon gefinisht hatte. Ich drückte Stopp auf meiner Uhr. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Gesamtzeit ist. Vorm Start sagte ich noch zu meiner Mutter, ja, so 2 Stunden wird es schon dauern… nun blickte ich auf die Uhr, die mir 1:56:44 anzeigte. Was echt? Wahnsinn! Damit hatte ich absolut nicht gerechnet, dass ich unter 2 Stunden finishen würde. Die offizielle Zeit ist 1:56:41, was mir den 44. Rang (von 73.) bei den Damen bzw. den 9. Platz in W-35 einbrachte. Und ich hatte Angst, Letzte zu werden… (Gut, angesichts des stark verbesserungswürdigen Swim-Splits war die Angst nicht gänzlich unberechtigt.) Dann erblickte ich meine Mutter und auch jan und mir fehlten irgendwie die Worte. Sprachlos. Was für ein Erlebnis! Legendär. Leider geil!

Streckenverlauf und Profil

Streckenverlauf und Profil

Wenn nicht meine Mutter zu mir gesagt hätte, ich sollte etwas zu trinken holen und dass es auch ein Kuchenbuffet gibt… ich hätte in diesem Moment nicht daran gedacht. Ich war einfach überwältigt. Konnte es noch immer nicht fassen. Nach ein paar Minuten hatte ich mich endlich gesammelt, etwas getrunken und auch vom sehr leckeren Kuchenbuffet gekostet. Danach wollte ich aus der mittlerweile wieder nassen Kleidung raus, das Rad auschecken und den Beutel aus der Wechselzone 1 abholen. Am Weg zurück zum Auto vollbepackt mit zwei Rucksäcken und Rennrad war mir klar, dass ich das unbedingt wieder machen muss. Unbedingt! Gösselsdorf, wir sehen uns nächstes Jahr definitiv wieder! Ein sehr charmanter, top organisierter und begeistender Triathlon, den ich jedem wärmstens empfehlen kann! Ich bin froh, meinen ersten Triathlon bei so einer tollen Veranstaltung gefinisht zu haben: Es war mir sprichwörtlich ein Volksfest!