Kärnten Läuft Wörthersee Halbmarathon 2016

Sonntag, 21. August 2016, morgens kurz vor 9 Uhr in Velden und ich stehe abermals im Startblock für den Wörthersee Halbmarathon im Rahmen von Kärnten Läuft. Bereits zum vierten Mal in Folge — ja diese Veranstaltung hat Tradition. Zehn Monate nach meinem letzten Halbmarathon in Graz, acht Monate nach meinem Sturz. Lange habe ich daran gezweifelt, überhaupt wieder schmerzfrei laufen zu können, von einem Halbmarathon ganz zu schweigen. Aber da stehe ich nun im 1:50er Startblock und so findet die Verletzungsgeschichte nun hoffentlich endlich ihren Abschluß, indem ich in weniger als zwei Stunden über die Ziellinie in Klagenfurt laufe.

“Richtig” trainiert habe ich für den Halbmarathon nicht, denn dieses Jahr lag der Fokus eben verletzungsbedingt auf Triathlon, denn Schwimmen und Radfahren war viel früher wieder möglich als Laufen. Konkret bestand das Training aus ein paar längeren (ca. 16km) Läufen in den Wochen nach dem Gösselsdorfer Triathlon im Juli. Gerade bei den längeren Läufen merkte ich meine linke Hüfte/Oberschenkel doch noch deutlich und daher wollte ich es gemütlich angehen und einfach gesund und wenn möglich ohne Schmerzen ins Ziel kommen.

Wettertechnisch hatte ich mich auf ein Regenrennen a la Graz Marathon 2015 eingestellt, prognostizierten die Wetterfrösche doch gedämpfte Temperaturen um 16 Grad und teilweise Starkregen für Sonntag Vormittag — also bis auf den Starkregen genau mein Lieblingslaufwetter! Während es in der Nacht und auch noch morgens leicht bis mäßig regnete, wurde es bereits auf dem Weg nach Klagenfurt immer trockener und freundlicher und als ich schließlich in Velden zur Kleiderbeutel-Abgabe spazierte, lachte die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Also doch noch Sonnenschutz auftragen, bevor es zum Start geht.

Ich stelle mich in den 1:50er Startblock, um es wie geplant gemütlich anzugehen. (Leider gab es dieses Jahr keinen 1:45er Pacemaker, sondern nur 1:40 und eben 1:50.) Es hat gefühlt 30 Grad, die Sonne brennt vom Himmel und außerdem ist es viel zu früh. Während ich warte, dass sich die Menschenmenge um mich in Bewegung setzt, muss ich ein paar Mal gähnen und mit einem Anflug von Müdigkeit kämpfen. Mit 3 Stunden Schlaf bin ich halt nicht ausgeschlafen. Der erste Startschuss fällt um 9 Uhr, doch dauert es ganze 12 Minuten, bis ich endlich die Startlinie überquere.

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Start Wörthersee Halbmarathon 2016

Die Strecke ist mir ja aus den Vorjahren hinreichend bekannt; durch Velden vorbei am Casino, wo wieder der Männergesangsverein Kärntner Lieder zum Besten gibt. Die regennasse Straße wird nun von der Sonne aufgetrocknet und es dampft wunderbar herrlich vom Asphalt. Innerlich verfluche ich den Wetterbericht — von wegen Starkregen!? Oh das könnte eine zache Partie werden, aber nach dem ersten Kilometer habe ich meinen Rhythmus gefunden und es geht überraschend locker dahin, obwohl es feucht-schwül ist. Bis Kilometer 5 etwa begleitet mich die Sonne, doch dann versteckt sie sich hinter den aufziehenden Wolken, was sich aber kaum auf die gefühlte Temperatur auswirkt.

Beim kleinen Anstieg bei Techelsberg stelle ich fest, dass ich ca. 200m hinter dem 1:50er Pacemaker bin, obwohl im hinteren Drittel des Startblocks losgelaufen bin. Auch ein Blick auf meine Uhr bestätigt, dass ich schneller als der Pacemaker unterwegs bin. Ich habe mir vorgenommen, mein “Ding” zu laufen und beispielsweise nicht zwanghaft zu versuchen, mich bei einem Pacemaker anzuhängen. Doch es läuft gut, ich überhole permanent LäuferInnen und mein Abstand zum Herrn mit der blauen Fahne wird langsam, aber ständig kleiner. Wir erreichen Pörtschach und somit den engsten Abschnitt der Strecke. Die Stimmung beim Promenadenbad ist gut, ein DJ legt auf und der Moderator sorgt für unterhaltsame Kommentar. Den nun mehr wenige Meter vor mir laufenden Pacemaker kommentiert er mit, “1:50? Was tuts ihr denn schon da?”

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links...

Irgendwie war die Kamera dann doch nicht links…

Kurz nach der 10,5km Marke laufe ich dem Pacemaker und der Traube, die sich um ihn gebildet hat, auf. Es ist sehr eng und ich kann die Gruppe erst überholen, als es zurück auf die Hauptstraße geht. Dadurch lasse ich wohl einige Sekunden liegen und wie es sich im nachhinein herausstellte, war Kilometer 11 auch der langsamste. Ich bin doch ein gutes Stück hinter dem Pacemaker gestartet und nun hab ich ihn überholt. Wenn ich diesen Vorsprung ins Ziel halten kann, dann wird es eine Sub-1:50er Zeit. Der Streckenabschnitt von Pörtschach nach Krumpendorf ist wie jedes Jahr recht trostlos, daher konzentriere ich mich voll und ganz aufs Laufen. Ja, man könnte meinen, es hat sich nun ein “Flow” eingestellt.

Es ist zwar bewölkt, aber dennoch recht schwül. Vor Krumpendorf bemerke ich, dass mir die Fusssohlen brennen. Weiters ist die Bundesstraße in der langgezogenen Linkskurve beim Biomasseheizwerk stark geneigt, was sich negativ in meiner linken Hüfte bemerkbar macht. Das ist mir in den Vorjahren nie so aufgefallen, aber diesmal spüre ich, dass ich mit dem linken Bein deutlich “tiefer” auftrete als mit dem rechten. Ich bin erleichert, als ich Krumpendorf erreiche und somit wieder “eben” laufen kann. Nun sind 16 Kilometer gelaufen und ich liege sehr gut in der Zeit. Aber erfahrungsgemäß können es diese letzten 5 Kilometer in sich haben.

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Am letzten Kilometer war kämpfen angesagt

Ich muss gestehen, die Pamperlallee und ich, wir werden keine Freunde mehr: Diese elendslange Gerade bereit mir einfach keinen Spaß. Doch dieses Jahr empfinde ich sie als nicht so schlimm und es läuft sich nach wie vor verhältnismäßig locker, wenn man von den brennenden Fusssohlen absieht. Kilometer 18, Kilometer 19… die Strecke ist mir mehr als bekannt, ich weiß, es ist wirklich nicht mehr weit. Auf den letzten beiden Kilometern muss ich etwas kämpfen und beißen, doch ich kann die Pace halten. Als ich bei der Lido Villa Richtung Ziel abbiege, ist die Stimmung überwältigend. Ich genieße die letzten paar hundert Meter, sauge die Atmosphäre auf und überquere nach 1:48:31 die Ziellinie. In diesem Moment fällt mir die Last ab; all die Ungewissheit und Zweifel sind nun weg. Ich kann wieder Halbmarathon laufen!

Nach einer Massage geht es wie immer ins Strandbad, wo ich einen kurzen Sprung in den Wörthersee wage. In der Zwischenzeit sind die Wolken dichter geworden und als ich das Strandbad verlasse, fängt es auch tatsächlich an zu regnen. D’Oh! Das offizielle Ergebnis ist Platz 1006 (von 2648), Platz 89 (von 688) bei den Frauen und der 10. Platz (von 90) in meiner Altersklasse W-35. Angesichts dieser Resultate bin ich hochzufrieden, da es wirklich besser als erwartet gelaufen ist!

30. Gösselsdorfer Triathlon

Der 30. Gösselsdorfer Volkstriathlon (0,5/32/7) am Samstag, den 16. Juli 2016, stellte den diesjährigen Saisonshöhepunkt dar. Während ich im vergangenen Jahr hier (noch brustschwimmend!) meine Triathlon-Premiere feierte, wollte ich dieses Jahr meine Zeiten — allem voran den Schwimmsplit — verbessern. Die Generalprobe drei Wochen zuvor beim Company Triathlon war ein Erfolg auf ganzer Linie und entsprechend motiviert freute ich mich auf Gösselsdorf.

Schon die ganze Woche vor dem 16. Juli beobachtete ich akribisch die Wettervorhersage für Samstag. Das Wetter kann man sich bekanntlicherweise nicht aussuchen und im Grunde sind mir kühlere Temperaturen bei Wettkämpfen ohnehin lieber, aber ausgerechnet dieser Samstag sollte mit Abstand der kälteste und ungemütlichste Tag der Woche werden. Konkret bedeutete das im Laufe des Triathlons Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad, leichten bis mäßigen Regen und lebhaften bis stürmischen Nordostwind. Bei einer reinen Laufveranstaltung hätte ich mich über solche Bedingungen (ok, bis auf den Wind, der muss nicht sein) gefreut, aber bei einem Triathlon? Der Gösselsdorfer See hatte immerhin 23 Grad Wassertemperatur, aber der Wechsel aufs Rad kann dann ein regelrechter Temperaturschock sein, der durch den kalten Nordostwind heftig ausfallen könnte.

Bei der Anreise war der stürmische Wind sogar im Auto spürbar, aber es war wenigstens (noch) trocken, obwohl die tiefhängenden Wolken nichts Gutes bedeuteten. Startunterlagenabholung, dann warten im Auto, ehe ich das Rad sehr zeitnah in die Wechselzone bringe. Vorsichtshalber stecke ich sowohl Lauf- als auch Radschuhe in wiederverwendete “Kärnten Läuft” Startersackerl und deponiere in der Radwechselzone außerdem ein Stirnband und eine Windweste, sollte es mir nach dem Schwimmausstieg zu frisch sein. Dann ging es mit dem Bus zum Schwimmstart, wo man abermals warten muss. Viel zu lange warten. Ich sehe ja ein, dass man einen Zeitbuffer einkalkulieren muss, bis alle das Rad eingecheckt und mit dem Bus zum Schwimmstart chauffiert wurden, aber über eine geschlagene Stunde auf den Start zu warten, ist schon bei Schönwetter etwas nervig und bei ungemütlichen Wetter einfach ungut.

Bike Checked-In

Bike Checked-In

Auf der mitgebrachten Isomatte sitzend versuche ich mich zusammengekauert warm zu halten. Die Wettkampfbesprechung und somit auch der Start rückt langsam näher und in der Warteschlange beim WC wird mir kalt. Der Wind frischt nach wie vor auf und ein Blick über den Gösselsdorfer See in Richtung Süden zum Schwimmausstieg lässt einsetzenden Regen vermuten. Nach der kurzen Wettkampfbesprechung wäre es eigentlich Zeit gewesen, sich einzuschwimmen, aber das macht irgendwie niemand. Ich tauche meine Hand kurz ins Wasser und das fühlt sich mit seinen 23 Grad im Vergleich zur Lufttemperatur “bacherlwarm” an. Wenn man im Wasser bleiben könnte, ja, dann wäre einschwimmen eine Option, aber so muss man ja wieder raus, weil die Damen in der dritten Startwelle starten und den Herren der ersten beiden Wellen Platz machen und obendrein auch noch über die Zeitnehmungsmatte am Ufer gehen müssen. Geschätzte 10 Minuten nass am Ufer herumstehen kommt nicht in Frage — da erfriere ich!

Kurz vorm ersten Wellenstart übergebe ich die Überbekleidung meiner Mutter und stelle mich im dünnen Triathlon-Einteiler ans Ufer. Leicht hin und her traben, am Stand hüpfen… alles hilft nichts. Ich fühle mich komplett ausgekühlt. Meine Oberschenkel zucken vor Kälte. Die Herren der zweiten Startwelle schwimmen langsamer als erwartet und der Damenstart verzögert sich etwas. Endlich dürfen wir Damen ins Wasser. Ich hätte erwartet, dass sich das Wasser vergleichsweise warm anfühlen würde, aber als ich zum ersten Kraulzug ansetze und den Kopf ins Wasser tauche, ist es ein Kälteschock. Brrrrr. So kalt. Ich zittere am ganzen Körper. Ein flüchtiger Gedanke von wegen ich drehe um und gehe wieder aus dem Wasser. Der Neo wäre jetzt angenehm! Aber Umdrehen wäre jetzt auch irgendwie blöd. Dann geht alles ganz schnell, “noch 1 Minute bis zum Start”, wenige Momente später “noch 30 Sekunden”… und dann fällt um 17:03 Uhr der Startschuß für die Damen.

Swim — 500m

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der blaseste Arm mit der V800 ist meiner!

Der Wasserstart ist streßfrei, es gibt genügend Platz und ich kann gut wegschwimmen. Zwar kein Gedränge, aber auch niemand zum Wasserschatten schwimmen. Die Damen neben mir lasse ich nach wenigen Metern hinter mir und ich habe mehr oder wenige “freie Bahn” bis zum Schwimmausstieg. Recht bald wird mir auch “warm”, d.h. das Frieren und Zittern hört auf und ich finde es im Wasser recht angenehm. Die Sicht unter Wasser ist schlecht und zeitweilig kämpfe ich mit den Schlingpflanzen: Seerosen wickeln sich um meine Arme. Doch irgendwie bin ich zu konzentriert, um mich davon irritieren zu lassen. Nach ein paar Armzügen sind sie eh wieder weg. Mittlerweile bin ich gut aufgewärmt und mir beschlägt die Schwimmbrille (das ganze Anti-Fog-Zeugs ist nutzlos!). Folglich habe ich ab etwa der Hälfte der Strecke leichte Probleme, den Schwimmaustieg am anderen Ufer zu erkennen. Keine große gelbe Boje oder dergleichen, aber praktischerweise hat die Wasserrettung ihr Boot mit Drehlicht links vom Ausstieg plaziert und daran orientiere ich mich.

Wo bitte geht's hier zur Wechselzone?

Wo bitte geht’s hier zur Wechselzone?

Das Ufer kommt aber schnell näher und ich frage mich, wieviele Damen wohl noch hinter mir schwimmen? Mit der breiten Masse steige ich nach 12:06 Minuten aus dem Wasser. Kein Vergleich zum Vorjahr, wo ich ja als drittletzte das Wasser verlassen habe. Während ich die Böschung zur Wechselzone hochkrabbel, prüfe ich mein Empfinden, ob mir kalt ist. Der Plan, den ich mir gedanklich zurecht gelegt hatte, war, dass ich mir die Windweste nur anziehe, wenn ich nach dem Schwimmausstieg frieren sollte. Zu meiner Überraschung aber fühlte ich mich angenehm warm und daher geht es ohne Windweste und nur mit Stirnband unterm Helm auf die Radstrecke.

Reges Treiben in der Wechselzone

Reges Treiben in der Wechselzone

Bike — 32km

Die erste Wechselzone beim Gösselsdorfer Triathlon ist elendslang. Ich watschel barfuß ca. 250m zum Rad, wo der eigentliche Wechsel zügig erledigt ist. Nach 3:16 Minuten sitze ich am Rad und nehme die 32km lange Radstrecke in Angriff. Auf den ersten hundert Metern ist es dann doch etwas frisch am Rad, aber dann ist der Einteiler auch schon fast trocken. Ich hoffe, dass es wenigstens einigermaßen trocken bleibt, solange ich am Rad bin. Bereits beim Kreisverkehr in Sittersdorf spüre ich einzelne Regentropfen auf der Haut. Bis nach Gallizien tröpfelt es durchwegs, aber glücklicherweise nicht so viel, dass die Straße nass ist. Ich fahre strikt nach Watt bzw. FTP (functional threshold power) und nicht “Vollgas”. Schneller als erwartet bin ich in Gallizien, wo kurzzeitig die Tropfen etwas größer werden und auf meinen Oberarmen brennen.

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Dynamisch im Kreisverkehr in Sittersdorf

Von Gallizien nach Stein im Jauntal ist der Nordostwind teilweise doch deutlich spürbar, was sich auch in meinen Wattzahlen niederschlägt, zumal der Abschnitt auch durchwegs ansteigend ist. Doch die Hälfte der Radstrecke liegt bereits hinter mir, ich konnte zahlreiche Damen und auch Herren bereits einsammeln und muss feststellen, dass ein Triathlon ungleich unterhaltsamer ist, wenn man mit der breiten Masse aus dem Wasser steigt und nicht als drittletzte. Da ist richtig was los auf der Radstrecke! Es motiviert mich ungemein, wenn ich jemanden vor mir fahren sehe und der Abstand immer kleiner wird, bis ich schließlich überhole. Als ich St. Kanzian erreiche, weiß ich, dass der anstrengendste Teil der Radstrecke vorbei ist. Ich überlege, ob ich ein Gel nehmen soll, aber entscheide mich dagegen, da mir das Getränk in der Trinkflasche ausreicht.

Auf den letzten 5 Kilometern von Buchbrunn über Eberndorf bis zurück nach Gösselsdorf wird der Regen stärker und ich spüre den Temperaturrückgang deutlich. Auch ist nun die Straße durchwegs regennass und ich fahre daher etwas vorsichtiger. Insgeheim bin ich aber froh, dass es erst jetzt richtig zu regnen anfängt, denn ganze 32km im Regen und bei den Temperaturen (mittlerweile nur mehr 14 Grad) machen am Rennrad keinen Spass — oder zumindest nicht im Triathlon-Einteiler sondern in entsprechender Radbekleidung. Nach 54:47 Minuten steige ich dennoch zufrieden vom Rad. In der Wechselzone bin ich froh, meine Laufschuhe in ein Sackerl gepackt zu haben, denn die wären mittlerweile schön durchnässt. Der zweite Wechsel ist in 1:20 Minuten erledigt und es geht auf die 7km lange Laufstrecke.

Run — 7km

Schon auf den letzten Kilometern am Rad nachdem der Regen einsetzte, bemerkte ich das unangenehme Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Im Überholverbot vom Kreisverkehr Gösselsdorf bis zur Wechselzone rollte ich bewusst locker und versuchte, möglichst tief durchzuatmen, was aber nicht so gut klappte. Beim Laufen eskalierte die Situation und ich hatte Probleme auszuatmen — klassisches Asthma. Bei jedem Einatmenzug hatte ich Beklemmungsgefühle und einen Schmerz übern Zwerchfell. Ich habe von Haus aus überempfindliche Bronchien und die haben auf den weiteren Temperaturrückgang wohl nicht so gut reagiert. Ich stellte mich mental darauf ein, dass erfahrungsgemäß eine 5:30er Pace immer geht und konzentrierte mich voll auf das Ausatmen. Nach den ersten drei Kilometern fällt mir das Atmen und somit auch das Laufen leichter.

Heartbreak Hill bezwungen!

Heartbreak Hill bezwungen!

Zwischen Kilometer 4 und 5 ist der berühmt-berüchtige Heartbreak Hill der Laufstrecke, wo es auf 700m etwa 60hm zu überwinden gilt. Zu meiner Überraschung kann ich den Anstieg doch noch recht leichtfüßig laufen und dabei einige LäuferInnen überholen. Am Scheitelpunkt angekommen sage ich erleichtert zum Herrn neben mir, dass nun das schlimmste vorbei ist und es nur mehr bergab geht. Ich wechsel noch ein paar Worte mit dem Herrn, ehe ich mich vermehrt aufs Bergablaufen konzentrieren muss, zumal der Waldweg mittlerweile vom Regen aufgeweicht und somit rutschig ist. Bergablaufen kann ich nach wie vor nicht sonderlich gut, aber ich weiß, es ist nicht mehr weit ins Ziel. Mit Kilometerzeiten deutlich unter 5 Minuten auf den letzten beiden Kilometern überquere ich nach 37:59 Minuten die Finishline.

Voll konzentriert über die Finishline

Voll konzentriert über die Finishline

Erst als ich die Uhr stoppe, sehe ich meine Gesamtzeit von 1:49:29. Die offizielle Zeit ist 1:49:26, was den 206. Gesamtplatz (von 317), Platz 26 (von 66) Frauen und den 5. Platz in W-35-39 (von 7) bedeutete. Sowohl mit meinem Schwimm- als auch Radsplit bin ich zufrieden, beim Laufen wäre ohne Asthmaanfall dennoch mehr drin gewesen. Immerhin habe ich meine Zeit vom Vorjahr um über 7 Minuten verbessern können! Mit einem breitem Grinser stehe ich durchnässt und nun wieder leicht frierend im Zielbereich. Ich ziehe schnell eine Jacke über, ehe ich das äußert leckere Kuchenbuffet plündere. Nach diesen widrigen Verhältnissen schmeckt der Kuchen besonders gut. Dann checke ich schnell das Rad aus, weil mir trotz Jacke kalt wird und eile zum Auto, um endlich trockene Sachen anzuziehen und mich etwas aufzuwärmen.

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Gösselsdorfer Triathlon 2016 Auswertung in Polar Flow

Im Rückblick hat mir das Radfahren trotz kühler Temperaturen, lebhaften Wind und leichtem Regen am meisten Spaß gemacht. Ja, ich hätte mir besseres Wetter für meinen Saisonshöhepunkt gewünscht. Sicherlich, es kann immer bei Wettkämpfen regnen, aber Temperaturen um 14 Grad im Juli sind für den Süden Österreichs doch eher ungewöhnlich. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und Triathleten sind ja bekanntlich hart im Nehmen. Ich bin froh und dankbar, dass ich nach dem turbulenten und durchwachsenen Winter/Frühjahr überhaupt in Gösselsdorf an den Start gehen und gesund und zufrieden finishen konnte. Das darf man ja nicht als selbstverständlich ansehen!

Company Triathlon 2016

Der Company Triathlon bildet jedes Jahr den Auftakt des Ironman Austria Wochenendes in Klagenfurt. Als Staffeltriathlon für Firmen konzipiert können aber auch EinzelstarterInnen die 380m Schwimmen, 20km Radfahren und 4,2km Laufen in Angriff nehmen und so stand ich am Donnerstag, den 23. Juni, um 18:30 Uhr im Strandbad Klagenfurt an der Startlinie.

Bei der sehr professionellen Organisation des Company Triathlons merkt man, dass hier die Marke “Ironman” dahinter steckt. Ich bin zeitig angereist, um etwaige Wartezeiten bei der Ausgabe der Startunterlagen einzuplanen, aber zu meiner großen Überraschung hielt ich mein Starter-Package innerhalb von wenigen Minuten in den Händen. Kein Anstellen oder gar eine Warterei. Startnummer und -aufkleber für Rad und Helm, Chip mit Klettband, Badehaube, Essensgutschein für die anschließende Pasta Party und Informationsmaterial waren handlich eingesackelt und das Finisher-T-Shirt in der vorbestellten Größe wurde mit einem Kleiderbeutel für die Wechselzone zügig übergeben. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht, aber so blieb mir noch genügend Zeit, mich vor dem Start auf der Ironman-Expo etwas umzusehen (und Newton Laufschuhe zu testen).

Der Company Triathlon wird als Windschattenrennen ausgetragen. Darüber war ich im Vorfeld nicht wirklich begeistert, da ich die Vorahnung hatte, niemanden zum Windschattenfahren zu haben. Windschattenfreigabe bedeutet aber auch, dass man nur einen kurzen Auflieger verwenden darf. Mein Rennrad ist für den normalen, langen Auflieger “gefitted” und wegen einem Rennen wollte ich kein Re-fitting machen lassen. Die Alternative, die 20 Kilometer “Unterlenker” zu fahren, war ebenfalls nicht wirklich verlockend. Also habe ich einen kurzen Auflieger besorgt und nach Gefühl montiert — ideal ist das natürlich nicht, aber besser kein Auflieger oder Unterlenker ist das allemal. Lustigerweise hatte sich die Windschattenfreigabe wohl nicht zu allen TeilnehmerInnen durchgesprochen: Die Dame vor mir beim Bike Check-In hatte prompt einen langen Auflieger am Rad und wurde umgehend weggeschickt.

An diesem Donnerstag war bis dato der heißeste Tag des Jahres, was bei der Wettkampfbesprechung im Iron Dome Zelt sehr deutlich zu spüren war. Es war drückend warm und ich war froh, nach dem Race-Briefing endlich ins Strandbad zu kommen. Der Wörthersee mit seinen 23 Grad war daher eine sehr willkommene Erfrischung. Vor dem Damenstart um genau 18:39 Uhr nutze ich die Zeit, um kurz einzuschwimmen und plauderte dann angeregt mit Kollegin Sonja. Ich muss gestehen, vorm Schwimmstart und dem Schwimmen habe ich nach wie vor Respekt und deshalb war die Ablenkung angenehm.

Unmittelbar vor dem Schwimmstart

Unmittelbar vor dem Schwimmstart

Swim — 380m

Pünktlich nach Zeitplan wird meine Startwelle in die Startbox gebeten und die Damen stellen sich entlang des Strandes auf. Dann geht es auch schon los, der Startschuß und alle laufen aufgeregt ins Wasser. Ich habe mir vorgenommen, nicht zu schnell wegzuschwimmen, denn wenn ich überpace, ist nach 100m die Luft draußen. Es herrscht dichtes Gedränge im Wasser vor mir und ich komme nicht so schnell voran, wie ich gerne möchte. Direkt vor mir befinden sich zwei Brustschwimmerinnen und ich habe Angst, einen Tritt ins Gesicht zu bekommen. Überholen ist auf den ersten Metern auch nicht möglich, es ist einfach kein Platz. Erst kurz vor der ersten (von zwei) Bojen lichtet sich das Feld etwas und ich kann die Brustschwimmerinnen überholen. Mittlerweile habe ich auch mein Tempo gefunden, ehe ich nach der zweiten Boje abermals auf Brustschwimmerinnen aufschwimme. Hier kann ich direkt überholen, aber als meine Beine auf Armhöhe der Schwimmerin rechts von mir sind, kratzt sie mir mit einem Brustarmzug eine Schürfwunde auf meinen rechten Fußrücken — im Gegenzug kassiert sie einen leichten Tritt meines Kraulbeinschlages. Das ist Schwimmen beim Triathlon. Der Zielbogen am Strand kommt rasch näher und nach 7:26 Minuten steige ich auch aus dem Wasser.

Schwimmausstieg

Schwimmausstieg

Bike — 20km

Der Weg zur Wechselzone am Strandbad-Parkplatz ist gefühlt elendslang. Es ist fast durchgehend bis zum Eingang zur Wechselzone ein roter Teppich aufgelegt und ich watschel guten Mutes drüber. In der Wechselzone selbst geht dann alles sehr schnell und schon sitze ich am Rad. Durch den Europapark fahre ich aufgrund des schmalen Weges und der Kurven noch etwas gebremst, aber als es dann auf den Südring geht, ist Showtime! Es ist mein erster Wettkampf mit Leistungsmesser am Rennrad und folglich bin ich natürlich neugierig, welche Wattzahlen ich unter solchen Bedingungen produziere. Anfänglich habe ich noch eine Dame vor mir, deren Windschatten ich etwas ausnütze, aber als ich vom Südring auf die Wörthersee Süduferstraße biege, ist die Dame längst überholt. Ab jetzt heißt es Vollgas auf der Überholspur!

Showtime am Südring

Showtime am Südring

Ohne Rücksicht auf einen möglichen Einbruch beim Laufen gebe ich ordentlich Druck auf die Pedale. Wie erwartet finde ich niemanden zum Windschattenfahren; niemand fährt mein Tempo am Rennrad, denn wie ich vermute sind diese Leute bessere Schwimmer als ich und daher schon weit vor mir. Diese Annahme bestätigt sich kurz vor der Wende beim GTI Denkmal in Reifnitz, als mir ein Pulk von den besseren Schwimmerinnen bereits entgegenkommt. Alleine die Lücke zu diesem Pulk zuzufahren erscheint mir ob der kurzen Strecke unrealistisch, also fahre ich weiter mein Tempo auf der Überholspur… und dieses Tempo ist hoch. Ich muss auch sagen, die Strecke entlang der Süduferstraße liegt mir. Im Geschwindigkeitsrausch sammle ich permanent langsamere RadfahrerInnen ein und habe dabei einen Riesenspaß! Leider ist die Radstrecke mit ihren 20km kurz und schon biege ich abermals auf den Südring, um noch eine kleine Schleife in Richtung Stadion zu fahren, ehe es zurück zum Europapark geht. Nach 33:52 Minuten bin ich wieder in der Wechselzone.

Der kurze Auflieger und ich werden keine Freunde mehr...

Der kurze Auflieger und ich werden keine Freunde mehr…

Run — 4,2 km

Der zweite Wechsel geht ebenfalls ganz schnell und dann es geht abermals in den Europapark, von dem die Laufstrecke in Richtung Krumpendorf und wieder retour führt. Das regelmäßige Koppeltraining hat sich ausgezahlt: Ich kann von Beginn an meine geplante Pace laufen. Erst jetzt merke ich wieder, wie heiß es an diesem Abend eigentlich ist und der über den Kopf gekippte Becher Wasser sorgt für kaum Abkühlung. Ich laufe in Richtung Westen, dem Sonnenuntergang entgehen bei der Villa Lido vorbei nach Krumpendorf. Die Strecke ist mir von Kärnten Läuft bestens bekannt und zählt nicht zu meinen Favoriten — “egal wann man hier läuft, immer scheint einem die Sonne ins Gesicht”, denke ich mir. Als mir zunehmend mehr und mehr LäuferInnen entgegen kommen, sehne ich die Wende herbei. Hier leide ich etwas, es ist heiß, die entgegenkommenden LäuferInnen demotivieren und die Wende will einfach nicht kommen. Dann endlich! Die Wende und es geht retour nach Klagenfurt und somit in Richtung Finish Line!

Konzentriert auf der Laufstrecke

Konzentriert auf der Laufstrecke

Ich kann die anvisierte Pace halten und nun einige LäuferInnen einsammeln, was für zusätzliche Motivation sorgt. Als Highlight der Laufstrecke würde ich den kurzen Abschnitt über die Terrasse der Villa Lido bezeichnen. Von dort ist das Ziel greifbar nahe — das kenne ich ja ebenfalls zu Genüge von Kärnten Läuft. Dann ist der plötzlich da, der originale Ironman Zielkanal mit dem roten Teppich. Gänsehaut! “Verdammt ist das geil”, ist mein Gedanke, gefolgt von “Wie geil muss es sich das erst anfühlen, wenn man einen (Half-) Ironman macht?” Ich geniesse jeden Schritt, jede Sekunde auf diesem roten Teppich und das bestärkt mein Vorhaben, einen Half Ironman zu machen. Jubelnd überquere ich nach 1:07:50 die Finish Line. Was für ein Gefühl!

Gänsehautmoment!

Gänsehautmoment!

Danach checke ich mein Rad aus, übergebe es in die Obhut meiner Mutter und gehe abermals ins Strandbad, um mich mit einen Sprung in den Wörthersee abzukühlen. Erfrischt und umgezogen ist der nächste Stopp wieder das Iron Dome, wo sich vorm Nudelbuffet eine beachtliche Warteschlange gebildet hat. Die Warterei lohnt sich aber, denn es gibt ein Nudelbuffet vom Feinsten, das keine Wünsche offen lässt. Abschließend wie immer für die Statistik: Beim Company Triathlon gibt es keine Altersgruppen und ich belegte Platz 15 von 38 Einzelstarterinnen, wobei mich der Run Split mit 22:16 Minuten am meisten überrascht hat, da es der beste Split von den drei Disziplinen (24/16/14 von jeweils 38) ist.

Klagenfurter Altstadtlauf 2016

Nach dem Duathlon und dem SWIManiak war es Zeit für mein offizielles Lauf-Comeback und der Klagenfurter Altstadtlauf am 9. Juni 2016 bot sich dazu wunderbar an. Ich bin 2013 schon einmal beim Altstadtlauf gestartet, doch damals reichten mir 2 Runden bzw. die kurze Distanz über 5 Kilometer. Diesmal meldete ich mich für die 10 Kilometer mit 4 Altstadtrunden an, um zur Formüberprüfung eine brauchbare 10er Zeit zu erhalten — Sub 50 war das erklärte Ziel.

Die Startunterlagen holte ich bereits am Mittwoch ab, um am Donnerstag keinen zusätzlichen Stress zu haben. Es ergab sich nämlich, dass ich genau an diesem Donnerstag etwa 2 Stunden vor dem Start des Altstadtlaufs einen Termin bei meinem Nuklearmediziner in Klagenfurt hatte, um also vor dem Lauf noch etwas Blut für aktuelle Schilddrüsenwerte abzapfen zu lassen. Früher waren Blutabnahmen etwas haarig und ich bin da regelmäßig umgekippt, aber mittlerweile habe ich das schon ganz gut unter Kontrolle und die 5ml Blut weniger würden die Leistung beim Laufen hoffentlich nicht beeinflussen.

Die Wetterbedingungen für den Klagenfurter Altstadtlauf 2016 waren nach meinem Geschmack: 15 Grad und regnerisch. Es hätte sogar noch ein paar Grad kühler sein können, denn wie es sich dann heraustellte, war es zwischenzeitlich in den engen Gassen der Altstadt doch etwas stickig und warm. Seit meiner Halbmarathon-PB beim Graz Marathon im Oktober 2015 mag ich kühle Regenrennen, vor allem, wenn ich auf Zeit laufen möchte.

Das (Lauf-) #Comebackstronger sollte auch mit neuen Wettkampfschuhen stattfinden. Nachdem ich in den letzten Jahren alle meine reinen Laufwettkämpfe mit meinen geliebten Brooks Pure Flow 2 bestritten hatte, mein Vorrat an diesen Schuhen nun aufgebraucht ist und die Nachfolgemodelle in der Zehenbox zu eng und für einen Wettkampfschuh auch zu schwer sind, entschied ich mich nach zahlreichen Tests und Versuchen für den Altra One 2.5 als neuen Wettkampfschuh: Ein leichter Zero-Drop Schuh mit sehr geräumiger Zehenbox, der nicht nur schnell, sondern auch sehr bequem ist.

Vor dem Start um 19:30 Uhr begab ich mich zeitig zur Startaufstellung, wo ich allerding einen vermeidbaren Fehler machte. Ich stellte mich meiner realistischen Leistung entsprechend in den Startblock für 4:30 bis 5:00min/km und ging davon aus, dass die LäuferInnen um mich in der Tat dieses Tempo laufen würden. Als dann der Startschuß fiel, war nach der Startlinie auf den ersten paar hundert Metern kein Weiterkommen. Im Zick-Zack-Kurs bahnte ich mir überholend meinen Weg durch die langsamen Massen von LäuferInnen. Erst nach dem Einbiegen in die Bahnhofstraße hatte sich das Feld gelichtet und ich konnte meine angestrebte Pace laufen. Dadurch habe ich wohl einige Sekunden liegen lassen und das nächste Mal, wenn ich auf Zeit laufe, stelle ich mich einfach ganz frech in den schnelleren Block, um beim Start zügig wegzukommen.

Feet don’t fail me now

Über den Lauf selbst gibt es nicht viel aufregendes zu erzählen — wenns läuft, dann läufts. Und glücklicherweise lief es an diesem Donnerstag Abend in der Klagenfurter Innenstadt, was mir bereits am ersten Kilometer bewusst wurde. Mehrere Runden zu laufen ist für mich mental anstrengend und so konzentrierte ich mich vorwiegend darauf, mein Tempo konstant zu halten. Von der Stimmung entlang der Strecke ist mir die Trommlergruppe vor den City Arkaden und die Anfeuerungszone des Club261 (“Work, work, work”) in Erinnerung geblieben. Irgendwo schallte einmal das Lied “Running Man” von Ollie Gabriel aus einem Lautsprecher und die Textzeile “feet don’t fail me now” wurde spontan zum Mantra für den Rest des Laufes.

Gut gelaunt nach der ersten Runde

Gut gelaunt nach der ersten Runde

Die ersten zwei Runden waren eigentlich schnell gelaufen und ich lag gut in der Zeit. Die dritte Runde ist traditionell jene, wo ich mental wirklich kämpfen muss und die Tatsache, dass viele LäuferInnen nur zwei Runden liefen und somit ab Runde 3 deutlich weniger Leute auf der Strecke waren, machte es nicht einfacher. Doch auch diese Runde war recht flott erledigt und auf der vierten und letzten Runde legte ich einen Zahn zu, da ich mich nach wie vor gut fühlte. Zwischenzeitlich stellte sich auch für ein paar Minuten ein “Flow” ein und es fühlte sich nach langem wieder einmal so an, als ob ich ganz locker und leicht über den Asphalt schweben würde.

Zu schnell für die Kamera

Zu schnell für die Kamera

Die letzten hundert Meter waren toll, da mir klar wurde, dass es wieder wie vor meinem Sturz ist und ich wieder so laufen kann, als ob nichts gewesen wäre. #Comebackstronger erfolgreich! Ein kurzer Zielsprint und ich überquerte die Ziellinie. Das Ziel Sub 50 Minuten habe ich locker mit einer offiziellen Zeit von 48:18 über 10 Kilometer erreicht. Mit den recht konstanten Rundenzeiten von 12:14, 12:07, 12:11 und 11:45 bin ich zufrieden, aber es ärgert mich etwas, dass ich mich nicht in den schnelleren Startblock gestellt hatte und so wohl anfangs einige Sekunden liegen gelassen und Sub 48 knapp verpasst habe. Dennoch, ein Erfolg auf ganzer Linie, da ich meine 10k PB von 2015 um 37 Sekunden unterbieten konnte. Für die Statistik: Im offiziellen Endergebnis belegte ich den 190. Gesamtplatz (von 423), Platz 15 (von 96) bei den Frauen und Platz 6. (von 28) in der Altersklasse W-30.

Erfolgreiches #Comebackstronger mit neuer PB über 10km

Erfolgreiches #Comebackstronger mit neuer PB über 10km

Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um und ich wanke in Richtung Ziellabe, wo es außer Äpfeln und Iso nichts (mehr?) gibt. Das ist etwas enttäuschend, aber gut, für das äußerst günstige Nenngeld von 14 Euro bekommt man ohnehin ein gut gefülltes Startersackerl und ein Funktions-T-Shirt, da kann man schon drüber hinwegsehen, dass es im Ziel keine Bananen gibt. Für solche Fälle habe ich mittlerweile immer meine eigene Zielverpflegung im Auto und am Heimweg durften dann die obligaten “Post-Race-Pommes” beim McDonalds nicht fehlen.

Streckenverlauf und Auswertung in Polar Flow

Streckenverlauf und Auswertung in Polar Flow

SWIManiak 1500

Was macht der geneigte Triathlet, der verletzungsbedingt im Winter und Frühling viele Kacheln gezählt hat und sich nicht sicher ist, wann es mit dem Laufcomeback klappen wird? Genau, man meldet sich zu einem “open water” Schwimmbewerb names SWIManiak an! Wenn man schon einen Neoprenanzug sein Eigen nennt und das langfristige Ziel Olympische Distanz (OD) und irgendwann einmal Mitteldistanz heißt… What could possibly go wrong?

Mit null Erfahrung in Sachen Freiwasserschwimmen (Brustschwimmen beim ersten Triathlon zählt nicht) war es dann doch naheliegend, sich für die kürzeste der drei angebotenen SWIManiak Distanzen (1,5km, 3km oder 4,5km) zu entscheiden — also offiziell für den SWIManiak 1500. Das ist machbar und da es sich bei der Schwimmstrecke um einen Dreieckskurs mit Landgang handelt, sind die Chancen, dass ich als Letzte aus dem Wasser steige, eher gering.

So ging es bereits ein paar Tage vor dem SWIManiak an den Klopeiner See, um mit Neopren im doch etwas für den See untypisch frischen Wasser herumzukraulen und die Orientierung im Freiwasser zu üben. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, in die dunkle Tiefe des Sees zu starren anstatt Kacheln zu zählen und der Linie am Beckenboden nachzuschwimmen. Aber da hilft nichts, da muss man durch, weil sonst wird das nichts mit einer OD, wo man bekanntlich auch 1500m in offenen Gewässern schwimmen muss.

Einschwimmen

Einschwimmen

Am Wettkampftag am Samstag, den 28. Mai 2016, betrug die Wassertemperatur dann immerhin 20° C und strahlender Sonnenschein rundete die perfekten SWIManiak Bedingungen ab. Ich reiste zeitig an, um in aller Ruhe die Startunterlagen abzuholen, die eine Latex-Badehaube, einen Gutschein für ein Grillgericht (mehr dazu später) und ein paar Prospekte umfassten. Da hätte ich mir für das Nenngeld von 25 Euro schon etwas mehr erwartet. Danach galt es, sich in den Neo zu zwängen. Mittlerweile funktioniert das schon sehr gut — mit Plastiksackerl über den Füßen und Zwirnhandschuhen an den Händen ist das nun eine recht kurzweilige Prozedur, die innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist.

Vor dem Start

Vor dem Start

Der Start erfolgte in Wellen — pünktlich um 12 Uhr wurden die 4,5km Schwimmer in den See geschickt, dann 10 Minuten später die 3km Schwimmer und dann endlich um 12:20 Uhr die 1,5km Schwimmer. Zuvor musste ich natürlich noch den Neo fluten und mich etwas einschwimmen… und dann eben auf den Start warten. Schattige Plätze waren Mangelware und so in der prallen Sonne wird einem im Neo schon recht warm — man wird quasi im eigenen Saft gegart. Ich hatte Angst, dass mir die Schwimmbrille zu sehr beschlägt und ich dann die gelben Bojen nicht mehr sehe, die man umschwimmen muss. Deshalb tauchte ich die Schwimmbrille immer wieder ins Wasser und setzte sie erst sehr zeitnah vor dem Start auf.

Der Start oder "Die Waschmaschine"

Der Start oder “Die Waschmaschine”

Von Schwimmstarts hört und liest man ja öfters die abenteuerlichsten Dinge, aber man muss die “Waschmaschine” einfach selbst erleben. Sehen tut man sowieso nichts mehr außer Wasser, egal wohin man blickt und ich hatte Angst, “überschwommen” zu werden oder einen Tritt zu kassieren, also stürzte ich mich mit der Meute in die Fluten und schwamm das (viel zu hohe) Tempo mit. Nach etwa 100m hatte sich das Feld schon deutlich gelichtet und ich musste dem hohen Tempo Tribut zollen: Mir ging die Luft aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Atmen fiel mir plötzlich sehr schwer und es machte sich ein kleiner Anflug von Panik breit — hoffentlich kein Asthmaanfall, das wäre jetzt wirklich ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

Was tun? Ich drehte mich instinktiv auf den Rücken, um ein paar Mal wirklich tief und ruhig durchzuatmen. Mit Neo geht das ja wunderbar, durch den zusätzlichen Auftrieb treibt man ohne viel Zutun im Wasser. Nach ca. 20 Sekunden hat sich die Atmung normalisiert und ich drehte mich wieder in Bauchlage und kraulte weiter zur ersten Boje. Zuerst noch etwas vorsichtig, aber dann fand ich meinen Rhythmus und es ging recht locker dahin.

Bei der ersten Boje gab es wie erwartet eine größere Schwimmerdichte, da jeder so knapp wie möglich vorbeischwimmen möchte, aber sonst sah ich meist ein Beinpaar knapp vor mir und einen Schwimmer rechts neben mir. Ich versuchte, den Wasserschatten so gut wie möglich auszunutzen, aber dieser Schwimmer vor mir wechselte öfters zwischen Kraul und Brust. Dadurch wurde er zeitweilig deutlich langsamer, ich wollte aber konstant mein Tempo schwimmen.

Lost in Time and Space…

Auf dem Weg von der ersten zur zweiten Boje spürte ich deutlich eine wärmere Strömung beim Unterwasserarmzug. Ich hatte nicht viel Zeit, die Umgebung zu beobachten, denn mein Blick galt nur den gelben Bojen. Und das ist das faszinierende am Freiwasserschwimmen: Man hat absolut keine Einschätzung, wie schnell oder langsam man schwimmt. Gefühlt greift man bei jedem Armzug in ein türkisblaues Nichts und wenn man alle 20 oder 30 Armzüge den Kopf leicht anhebt, um nach vorne zu blicken… ist die Boje noch immer nicht wirklich näher gekommen. Auch kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Schwimmer vor einem “auf Kurs” sind. Der Kraul-Brust-Schwimmer ist noch weit vor der zweiten Boje deutlich nach links abgedriftet und war dann plötzlich nicht mehr in meiner Nähe.

Bei der zweiten Boje herrschte weniger Gedränge und ich fand wieder ein Beinpaar, dem ich eine zeitlang nachschwimmen konnte. Jetzt machte mir das ganze unglaublich viel Spaß — es hat absolut etwas von Freiheit, dieses open water Schwimmen… keine Leinen, kein Beckenende. Man verliert sich im Element Wasser, weil man eben fast dauernd ins Wasser, in die Tiefe, in die Unendlichkeit blickt — und in dieser Hinsicht sind die Kärntner Seen mit ihrer Trinkwasserqualität wirklich kaum zu toppen. Je näher ich der dritten Boje und somit dem Ziel kam, umso mehr Gedanken machte ich mir, wie lange ich wohl schon schwimme… leider konnte ich am Display meiner Uhr nichts erkennen, weil die Schwimmbrille etwas beschlagen hatte. Wieviel Zeit hat mich die “Auf-den-Rücken-dreh” Aktion am Anfang gekostet? Ich habe zwar mit den Beinen weitergepaddelt und bin nicht stehengeblieben, aber trotzdem… etwas Zeit habe ich da verloren, weil ich eben nicht gekrault habe.

Ich versuchte beim Atmen etwas um mich zu blicken, um zu sehen, ob da noch jemand mit einer blauen Badekappe (das sind die 1,5km Schwimmer) in meiner Nähe ist. Und tatsächlich schwimmt da einige Meter links und hinter mir jemand mit blauer Kappe. Ok, der Plan ist, in der Nähe dieses Schwimmers zu bleiben. Überholt er mich, Wasserschatten nützen und dann auf den letzten Metern Vollgas sprinten und ihn einholen, damit ich *nicht* als letzte der 1,5km Schwimmer aus dem Wasser steige. Im Hinterkopf sinnierte ich über eine mögliche Zeit. Vorgenommen hatte ich mir unter 40 Minuten, jetzt spukte mir da etwas von 50 Minuten herum. Wie gesagt, absolut keine Vorstellung, wie schnell oder langsam man schwimmt. Oder wie sehr ich herumgeeiert und daher weiter als notwendig geschwommen bin.

You are a SWIManiak!

Die letzten hundert Meter, die blaue Badekappe ist weit hinter mir… und ich lege nochmal so richtig zu. Dann sehe ich auch wieder Grund (mit den zahlreichen Sonnenschirmständern, die wohl jemand dort versenkt hat) unter mir und weiß, nun ist es wirklich nicht mehr weit. Noch bevor meine Arme beim Unterwasserzug den Boden berühren, stehe ich auf und wanke die letzten Meter zum Ufer und durch den Zielbogen, wo die Zeitnehmungsmatte liegt und drücke Stopp auf der Uhr. Und ich kann meinen Augen nicht trauen: 0:34:05 handgestoppt! Wirklich? Ich bin absolut perplex und kann es einfach nicht glauben. Die offizielle Zeit ist dann 0:33:59. Wahnsinn! Eine Damen hängt mir die Finisher Medaille um und der Moderator ruft “You are a SWIManiak”! Nach einer kurzen Erfrischung bei der Labestation möchte ich nur einfach so schnell wie möglich aus dem Neo raus.

SWIManiak 1500 Route

SWIManiak 1500 Route

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es so gut gegangen ist. Rein gefühlt habe ich mich ja kaum vom Fleck bewegt, die Bojen sind so langsam näher gekommen. Ich hatte absolut kein Raum- oder Zeitgefühl… und das war irgendwie toll. Eine Erfahrung für sich. Nachdem ich mich dem Neo entledigt hatte, setzte ich mich etwas in den Schatten, um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Dann begebe ich mich zum Buffet, wo man den Gutschein für ein Grillgericht einlösen kann. Nur leider gibt es kein Grillgericht, sondern Cordon Bleu oder eine Beiriedschnitte, jeweils mit Gemüse und Potatoe Wedges. Keine vegetarische Alternative. Also nehme ich das Cordon Bleu, das meine Mutter bekommt, während ich mich ans Gemüse und die Potatoe Wedges halte. Das ist ein wenig schwach, nichts Vegetarisches und auch nichts von Grill. Schade!

Chillen ohne Grillen

Chillen ohne Grillen

Als die Siegerehrung beginnt sind noch immer keine Ergebnisse online, aber bei so vielen guten Schwimmern besteht da ohnehin keine Gefahr, dass ich aufs Treppchen geschwommen bin. Dennoch staune ich nicht schlecht, als mein Name aufgerufen wird… es hat für den 3. Platz in W-Masters auf 1,5km gereicht! Gesamt belegte ich den 17. Platz von 28 Schwimmern über die 1500m — also weit entfernt von letzter! Ein Novum beim SWIManiak dieses Jahr ist die Kärnten Wertung, also eine eigene Wertung für alle Teilnehmer aus Kärnten, wo ich sogar den 2. Platz bei den Frauen über 1,5km und den 6. Gesamt von 12. Kärntnern belegte. Ich war an dieser Stelle einfach sprachlos, denn alleine die Zeit von unter 34 Minuten ist für mich der Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr um diese Zeit noch nicht einmal kraulen konnte. Insofern hatte mein Sturz und die damit verbundenen Folgen auch etwas gutes, denn dadurch war ich gezwungen, mehr Zeit im Wasser zu verbringen und blicke nun den kommenden Triathlonbewerben zuversichtlicher entgegen.

You are a SWIManiak!

You are a SWIManiak!

5. Gösselsdorfer Duathlon

Geplant und anvisiert war mein Wettkampfcomeback für Ende Mai bzw. Anfang Juni — das war auch so mit dem behandelnden Unfallchirurgen abgesprochen. Geplant war der 5. Gösselsdorfer Duathlon (5/18/2,5) allerdings auch für den 30. April 2016, was für meinen Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen zu früh war. Doch wie es der Zufall so wollte, gab es Ende April wenige Tage vor dem Duathlon einen heftigen Wintereinbruch in Südösterreich und es schneite über 35cm in Gösselsdorf und Umgebung, was eine Absage und Verschiebung der Veranstaltung auf den 21. Mai 2016 mit sich brachte. Plötzlich tat sich da eine Möglichkeit auf, das Wettkampfcomeback beim Duathlon zu feiern…

Ich habe lange gehadert, soll ich oder soll ich nicht? Bin ich bereit? Ende März/April habe ich mich noch mit dem Gedanken der Teilnahme am 30. April gespielt, aber dieses Vorhaben recht bald verworfen. Es war einfach zu früh und auch der Arzt hat sein OK erst für Ende Mai gegeben. Die Radstrecke wäre kein Problem gewesen, aber die beiden Laufstrecken bestehen zu 90% aus Schotter- und Waldwegen und ich war mir einfach noch zu unsicher und von der Laufform nicht wettkampftauglich. “Just for fun” irgendwo mitmachen… nein, “fun” wäre das in diesem Fall auch nicht gewesen, dazu ist die Streckenführung zu anspruchsvoll und selektiv.

Wie auch immer, als dann zwei oder drei Tage vor dem 30. April die Verschiebung des Bewerbs verkündet wurde, waren sämtliche Zweifel über Bord geworfen und umgehend die Anmeldung getätigt. Ja, bis 21. Mai geht sich das aus, bis dahin sollte ich einigermassen fit sein. Die Radform machte mir keine Sorgen, aber meine Laufform konnte ich absolut nicht einschätzen. Doch irgendwann muss man das #comebackstronger wagen, wenn man wieder Wettkämpfe bestreiten will. Seit Mitte April wird im Training wieder regelmäßig gekoppelt und das klappt auch von mal zu mal besser. Auch laufe ich bewusst öfters auf Wiesen- und Feldwegen, um wieder die nötige Trittsicherheit zu bekommen. Dennoch waren da Zweifel im Hinterkopf, die unter anderem auch mit einer anderen Geschichte zusammenhängen.

TSH Achterbahn

Seit dem Sturz und der Sportpause habe ich wieder einmal massive Einstellungsprobleme die nicht mehr vorhandene Schilddrüse betreffend. Mitte Februar fühlte ich mich diesbezüglich absolut nicht wohl, denn durch das stark verringerte Sportpensum bin ich — aus welchem Grund auch immer — in eine Unterfunktion gefallen, sodass die Hormondosis erhöht werden musste. Bei der nächsten Kontrolle der Werte Anfang April war dann alles im normalen Bereich, aber mittlerweile konnte ich auch wieder normal Sport machen. Anfang Mai dann plötzlich wieder Unwohlsein in der Form von übertriebener Nervosität, Herzrasen und Schlafstörungen. Mein erster Verdacht war natürlich die Schilddrüseneinstellung, also wieder zum Arzt und Werte machen lassen — und siehe da, nun bin ich in der Überfunktion und nehme zu viel Hormone. Also die Dosis wieder reduzieren und in 6 bis 8 Woche wieder die Werte kontrollieren.

Ich muss ehrlich gestehen, ich bin dieses “Drama” mittlerweile schon etwas leid. Bevor man mir die Schilddrüse entfernte, sagte eine Oberärztin zu mir: “Ohne Schilddrüse ist die Einstellung überhaupt kein Problem.” Jo, eh! Jedenfalls fährt mein TSH (der wichtigste Schilddrüsenwert) seit Jahresanfang Achterbahn und dementsprechend fühle ich mich auch — mal schlapp und energielos, dann wieder aufgedreht und zittrig, was sich natürlich auch in den sportlichen Leistungen niederschlägt. Ich hoffe, diese Situation stabilisiert sich bald wieder.

Vor dem Bike Check-In

Vor dem Bike Check-In

Ich bin daher auch mit durchaus gemischten Gefühlen nach Gösselsdorf gefahren: Genau an diesem Samstag sollte es der erste richtig warme Tag des Jahres mit über 25 Grad werden und mit Hitze komme ich eigentlich nicht so gut zurecht — schon gar nicht, wenn ich in einer Überfunktion bin. Die Parkmöglichkeit befindet sich dieses Jahr etwas weiter von der Wechselzone und dem Wettkampfzentrum bei Tinas Mostschenke entfernt und so geht es mit dem Rad statt zu Fuss zur Startnummernausgabe, ehe ich den Bike Check-In erledige. Leider gibt es kaum schattige Plätze und so stehe ich während der Wettkampfbesprechung in der prallen Sonne. Dann muss auch noch der Start etwas verschoben werden, weil die Feuerwehr, die die Sicherung der Radstrecke übernimmt, zu einem Einsatz musste. Meh. Also noch länger in der Sonne herumlungern und im Grunde will ich nur eines: Endlich losstarten!

Run (5km)

Damenstart der "Age Groupers" (Credit: DG Gösselsdorf

Damenstart der “Age Groupers” (Credit: DG Gösselsdorf)

Leicht verspätet um 14:11 Uhr erfolgt dann endlich der Damenstart der “Age Groupers”. Den ersten Laufabschnitt wollte ich in etwa 5:10 laufen, um mich nicht schon vorm Radfahren komplett abzuschießen. Der Start ist wie immer hektisch, die überschaubare Gruppe der Damen rennt auf Teufel komm raus los und ich ziehe mit. Deshalb war der erste Kilometer auch etwas zu schnell (4:52). Dann finde ich aber bald mein Tempo und es geht mir besser als erwartet: Ich kann die ersten Damen ein- und überholen. Auf der prallen Sonne am Feldweg vor der Wende leide ich etwas, aber als es in den kühleren Wald geht, bessert sich mein Befinden rasch. Dort treffe ich auf zwei Herren, die einige Minuten vor den Damen gestartet sind und das gibt mir einen mentalen Push, den ich auch gut gebrauchen kann, denn nach der Labestation im Wald folgt ein Anstieg, der etwas zach ist. Glücklicherweise ist dieser allerdings nicht sehr lang und nach 25:05 Minuten sind die ersten 5km absolviert.

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Auf der ersten Laufstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Bike (18km)

In der Wechselzone bemerkte beim Schuhwechsel, dass ich etwas zittere. Aber mittlerweile ist die vierte Disziplin schon fast Routine: Helm auf, Laufschuhe aus, Radschuhe an, Startnummer nach hinten, Rad vom Rack und losgeeiert in Richtung Radaufstieg. Nach wenigen hundert Metern folgt auch schon der erste der beiden Anstiege auf der 9km langen Radstrecke, die zweimal absolviert werden muss. Im Vorjahr habe ich die zwei Anstiege der Radstrecke mit “Kette rechts” bewältigt. Das geht dieses Jahr nicht, da ich merke, dass sich die Beine wie Pudding anfühlen. Es fehlt die Kraft, um im Wiegetritt zu fahren, also Kette links und sitzend den Anstieg hoch. Auf den flachen bzw. abfallenden Teilen der Radstrecke gebe ich Vollgas und kann wieder zahlreiche Damen (und auch Herren) einsammeln. Vor dem Ende der ersten Radrunde überhole ich eine Dame, die mich dann nach dem zweiten, kurzen Anstieg unmittelbar vor der Wechselzone wieder überholt.

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Volle Konzentration auf der Radstrecke (Credit: DG Gösselsdorf)

Ich quäle mich sitzend und mit Kette links ein zweites Mal den ersten Anstieg hoch, immer besagte Dame im Auge. Wie gerne wäre ich da mit einem kräftigen Antritt raufgeflogen und hätte sie dort stehengelassen! Ich wusste, dass ich sie auf den abfallenden bzw. flachen Abschnitten wieder überholen kann und setze alles daran, dies auch in die Tat umzusetzen. Mit 67,2km/h donnere ich das 12% Gefälle hinunter und kurz nach der Kreuzung bei Sittersdorf überhole ich sie wieder. Ein zweites Mal lasse ich mich von ihr sicher nicht überholen und trete beherzt in die Pedale. Am Rad fühle ich mich wohl, Temperatur ist angenehm, lediglich der zweite, kurze Anstieg bei der Kirche in Gösselsdorf wenige Meter vor der Wechselzone ist nach wie vor giftig. Dennoch rette ich mit 33:31 Minuten für 18km meine Position in die Wechselzone, was einem Schnitt von 31,5km/h entspricht.

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Am Weg vom Radabstieg zur Wechselzone (Credit: DG Gösselsdorf)

Run (2,5km)

Als ich vom Rad springe, bemerke ich, dass ich wieder zittere. Mit wackeligen Beinen geht es zum Wechselplatz und da geht dieses Jahr alles ganz schnell, Rad auf Rack, Helm ab, Radschuhe aus, Triathlonlaufschuhe mit Schnellschnürsystem an, Startnummer nach vorne und ab auf die zweite Laufstrecke. Hier spüre ich die ungewohnt warme Temperatur wieder sehr deutlich, denn am Rad war es wesentlich angenehmer. Die ersten 500m laufen sich gut, aber als dann der Anstieg am Schotterweg kommt, erlebe ich einen Einbruch. Der Kopf wollte, aber die Beine wollten nicht mehr. Umso schmerzhafter ist aber, dass mich genau hier die Dame, mit der ich es mir auf der Radstrecke gegeben habe, wieder überholt. Ich will ihr folgen, aber es geht einfach nicht und ich muss sie ziehen lassen. Der nächste Kilometer sind ein Kampf. Am letzten Kilometer, als es nur mehr bergab geht, kann ich wieder etwas zulegen und erreiche nach 14:12 Minuten das Ziel.

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Trotz Einbruch auf der zweiten Laufstrecke sieht es noch recht dynamisch aus (Credit: DG Gösselsdorf)

Erst im Ziel sehe ich die Gesamtzeit auf der Uhr: 1:14:39. Offiziell ist es dann 1:14:36. Damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet, dass ich die Zeit vom Vorjahr von 1:16:43 um fast 2 Minuten unterbiete und obendrein den Sieg in meiner Altersklasse W 35-39 einfahre. Ich bin mit dem ersten Lauf und der Radperformance überaus zufrieden, aber der zweite Lauf mit dem Einbruch schmerzt doch etwas, zumal ich dadurch vom 9. auf den 10. Platz bei den Damen (von insgesamt 28) zurückgefallen bin. Im Ziel gibt es auch wieder ein tolles Kuchenbuffet und ich greife beim Schokokuchen freudig zu.

Zieleinlauf nach 1:14:36

Zieleinlauf nach 1:14:36

Nach Bike Check-Out und der Einlösung des Pasta-Gutscheins heißt es, auf die Siegerehrung warten. Bei den Kärntner Meisterschaften im Duathlon habe ich nur den 4. Platz belegt, denn die ersten drei Plätze gingen an Damen aus dem Elite Starterfeld. Dennoch freue ich mich riesig über meinen allerersten 1. Platz in meiner Altersklasse! Mein sehr erfolgreiches #Comebackstronger!

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

Aufzeichnung und Auswertung in Polar Flow

#comebackstronger

Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und die Folgen meines Sturzes soweit ausgeheilt. Am 23. Februar 2016 erhielt ich vom Unfallchirurgen die uneingeschränkte Sportfreigabe — während mir Radfahren auf der Rolle und Kraulschwimmen ohne Beineinsatz bereits seit Ende Jänner wieder erlaubt war, darf ich nun wieder laufen.

Gleich am selben Tag noch ging es für 30 Minuten aufs Laufband, was sowohl befreiend als auch ernüchternd war: Befreiend, weil es sich so gut anfühlte, wieder zu laufen und ernüchternd, weil sich die Beine “seltsam” anfühlten und es nach dieser halben Stunde an zahlreichen Stellen zwickte. Es lief sich nicht rund, aber das war auch nicht zu erwarten. Der erste Schritt des Projektes #comebackstronger war aber bewältigt. Konditionell waren die 30 Minuten am Laufband kein Problem und ich hätte locker noch länger laufen können. Der Bewegungsapparat war da aber anderer Meinung und teilte mir das durch etliche Beschwerden auch deutlich mit, dass ich mich an das Laufen erst wieder gewöhnen muss.

Back on the road

Die ersten zwei Wochen des Wiedereinstiegs in das Laufen waren ehrlich gesagt frustrierend. Einerseits hatte ich die unbegründete Angst, der alte Schmerz im Knochen könnte plötzlich wieder auftreten. Andererseits ist schmerzfrei etwas anderes: einmal zieht es in den Waden, dann zwickt es in den Oberschenkeln und die Adduktoren bereiten sowohl während des Laufs als auch danach Probleme. Spass ist etwas anderes. Es ist sehr mühsam, denn meine alte Pace ist weg und ich schnecke gefühlt durch die Gegend, während mein Puls viel zu hoch ist. Dabei ist es nicht so, dass mir die Luft ausgeht, nein, die Beine wollen einfach nicht so richtig. Ein paar Stunden nach dem Lauf meldet sich dann der Muskelkater an den unmöglichsten Stellen.

Nach drei Wochen ging es dann merklich aufwärts. Das Laufen fühlt sich “runder” an, die Pace wird besser, der Puls sinkt leicht. Ich erhöhe von drei auf vier Laufeinheiten pro Woche und steigere den Umfang. In mir keimt die Hoffnung auf, dass es mit dem Duathlon Ende April doch noch etwas werden könnte, denn die Wehwehchen in Waden, Oberschenkeln und Adduktoren haben sich mittlerweile gebessert bzw. sind verschwunden und der Muskelkater hat sich auch wieder gelegt.

Overreaching

Am Osterwochenende, genauer gesagt am Karsamstag will ich es wissen und mache einen Tempodauerlauf über 11,6km (115hm) in 5:35min/km. Es fühlte sich eigentlich gar nicht so anstrengend an und ich hatte beim Laufen ein durchwegs gutes, positives Gefühl, aber mein Puls ist nach wie vor erhöht bzw. höher als er bei dieser Geschwindigkeit vor dem Unfall war. Am späteren Abend werde ich ohne Grund plötzlich unruhig und nervös. In der Nacht kann ich dann nicht schlafen. Ich schiebe es auf die Umstellung auf die Sommerzeit, da ich ja eigentlich eine Stunde früher zu Bett ging und vielleicht deshalb Einschlafprobleme hatte. Am Ostersonntag setze ich mit einer Radeinheit über 46km noch eines drauf, denn wenn ich am Duathlon Ende April teilnehmen möchte, dann sollte ich schon halbwegs fit sein… und manövriere mich — wie ich glaube — in ein leichtes Übertraining (Overreaching).

Als es mit der Unruhe, Nervosität und den Schlafstörungen in der Woche nach Ostern nicht besser wird, verordne ich mir selbst zwei Ruhetage und eine Regenerationswoche. Ich wollte wahrscheinlich zu schnell zu viel — eben im Hinblick auf eine mögliche Duathlon-Teilnahme. Die sieben Wochen Laufpause haben ihre Spuren hinterlassen und obwohl ich durch Crosstraining meine Ausdauer einigermaßen erhalten konnte, litt die Grundschnelligkeit im Laufen stark darunter.

Nach der Regenerationswoche haben sich die Symptome des leichten Übertrainings glücklicherweise gelegt und ich habe — wenn auch schweren Herzens — den Entschluss gefasst, beim Duathlon nicht an den Start zu gehen. Meine Laufform ist einfach nicht so, wie sie sein sollte, um guten Gewissens bei einem Wettkampf anzutreten. Ich wäre über meine eigene Leistung wahrscheinlich enttäuscht und bei Laufdistanzen von 5km bzw. 2,5km, wie es eben beim Duathlon der Fall ist, gibt es nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Und Vollgas ist aktuell das Problem.

#comebackstronger

Mein Comeback zum Wettkampfgeschehen wird aller Voraussicht nach — wie auch ursprünglich geplant — im Juni stattfinden. Bezüglich des “Wann?” und “Wo?” gibt es schon einige Pläne, aber noch nichts fixes. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass mein #comebackstronger bei einem Triathlon stattfinden wird. Schwimmtechnisch konnte ich seit Oktober 2015 deutliche Fortschritte verbuchen und es wäre schade, die über Winter entwickelte Schwimmform nicht zu nutzen, zumal ich nun auch — ganz wie ein echter Triathlet — einen Neoprenanzug mein Eigen nennen darf…

Orca 3.8 Wetsuit

Orca 3.8 Wetsuit

 

Sturz mit Folgen (Teil 2)

Im Grunde hätte mir die Radiusköpfchenfraktur aufgrund meines Sturzes beim Laufen gereicht. Es ist schlimm genug, dass sie erst nach drei Wochen diagnostiziert wurde und sich aus diesem Grund die Heilung verzögerte. Doch wenige Tage nach der Diagnose des gebrochenen Speichenköpfchens bemerkte ich eine weitere Folge des Sturzes…

Donnerstag, 31. Dezember 2015: Zum Jahresabschluss laufe ich meine 10,5km Hausrunde; den Ellbogen schön in der Orthese eingepackt geht das auch schmerzfrei. Nach etwa 3 Kilometer spüre ich abermals deutlich meine linke Hüfte, auf die ich ebenfalls gestürzt bin. Nach über drei Wochen ist der handtellergroße Bluterguß noch immer nicht verschwunden. Farblich zwar deutlich verblasst kann man dennoch eine schmerzhafte Stelle ertasten, die sich genau über dem Trochanter major befindet, dem seitlichen Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens, auf den ich ebenfalls gestürzt bin. Etwas schmerzhaft war dieser Bereich seither eigentlich immer, aber da dachte ich mir nichts dabei, denn ein Bluterguß tut eben auch weh und braucht seine Zeit, bis er sich auflöst.

Doch nun ist es irgendwie intensiver; ich spüre den Bereich deutlich bei jedem Schritt. Verschiedene Gedanken gehen durch den Kopf, während ich die restlichen Kilometer zurücklege. Hat sich der Bluterguß abgekapselt? Ist der Schleimbeutel über dem Trochanter major beleidigt? Habe ich mir etwas gezerrt? Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich den Winter nicht mag? Zuhause angekommen kommt die Blackroll zum Einsatz und es wird auch gedehnt. Ausfallschritt mit Dehnung der Hüftmuskulatur ist sehr unangenehm. Als ich dann später am Abend auf dem linken Bein kaum mehr auftreten kann und sogar beidbeiniges Stehen schmerzvoll ist, wird mir bewusst, dass abermals etwas kürzer treten angebracht ist.

Die kommenden zwei Tage steht Rollentraining am Programm, was fast schmerzfrei möglich ist. Ich habe beim Treten das komische Gefühl, dass etwas am Trochanter major “reibt” bzw. “zieht”. Wiederum denke ich an eine Verkapselung oder den Schleimbeutel, denn der Schmerz beim Auftreten ist glücklicherweise so schnell verschwunden wie er kam.

Sonntag, 3. Jänner 2016: Es schneit und ich entscheide, eine kurze Runde im Schnee zu laufen. Nach zwei Tagen auf der Rolle zieht es mich förmlich ins Freie. Eine kurze, gemütliche Runde im frischen Schnee… schnell geht bei solchen Verhältnissen ohnehin nicht und ich muss aufpassen, dass ich nicht wieder stürze. Ein kleines Hineinfühlen, wie es dem Trochanter geht. Ich laufe los, ganz gemächlich, es scheint alles in Ordnung zu sein, nur ein leichtes — aber wirklich ganz leichtes — Ziehen in der Problemregion, welches ich auch von der Rolle kenne und für mich kein Abbruchkriterium darstellt. Während ich mich freue, Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird mir auch bewusst, wie anstrengend das Laufen auf diesem Untergrund ist.

Nach etwa 4 Kilometer ist der alte Schmerz wieder voll da und ich versuche es auf das ungewohnte Laufen im Schnee zu schieben. Nun folgt ein kleiner Hügel, kaum der Rede wert, ist eher eine kleine Welle in der Landschaft, die ich normalerweise beim Laufen fast nicht wahrnehme. Doch das ist diesmal anders. Ich möchte den Hügel zügig und mit Schwung in Angriff nehmen, aber bereits beim ersten Schritt durchfährt ein krampfend-brennender Schmerz den linken Oberschenkel. Erster Gedanke: Verdammt, jetzt hab ich mir auch noch den Hamstring gezerrt! (Eine Hamstring-Zerrung war damals zu Beginn meiner “Laufkarriere” meine erste Verletzung.) Zweiter Gedanke: Da ist wirklich etwas gröberes nicht in Ordnung und es wird wohl auf einen weiteren Besuch beim Unfallchirurgen hinauslaufen. Jeder Schritt ist eine Qual, aber irgendwie schaffe ich die verbleibenden 2,5 Kilometer nach Hause. Dann später am Abend das gleiche “Drama” wie zu Silvester: Auftreten mit dem linken Bein nicht möglich. OK, Dienstag zum Arzt. So kann das nicht weitergehen.

Dienstag, 5. Jänner 2016: Déjà-vu: Ohne Termin beim Unfallchirurgen wie vor einer Woche. Großer Andrang. Kurze Wartezeit. Untersuchung mit Ultraschall, Schleimbeutel ist leicht entzündet, aber nichts dramatisches. Dann Überweisung zum Röntgen und gleich mit den Bildern zurück in die Praxis. Das Hüftröntgen ist ohne Befund. Ich erhalte ein Rezept für entzündungshemmende Tabletten und die Anweisung, die Hüfte bzw. das Bein für eine Woche zu schonen. Wenn keine Besserung eintritt, komme ich wohl um ein MRT nicht herum. Praktischerweise habe ich kommenden Dienstag ohnehin einen Kontrolltermin (bezüglich der Radiusköpfchenfraktur) und da wird sich zeigen, ob ich in die Röhre muss.

Samstag, 9. Jänner 2016: Nach einigen Tagen der Schonung und Besserung der Beschwerden setze ich mich auf die Rolle, um ein kurzes Koppeltraining zu versuchen. Ich radle 40 Minuten, ehe ich mit dem Vorsatz bei Schmerzen das Training sofort abzubrechen aufs Laufband steige. Das ist ja ein großer Vorteil von einem Laufband, dass man jederzeit aufhören kann und sich nicht Gedanken machen muss, wie man nach Hause kommt. Ich laufe langsam los, steigere nur langsam die Geschwindigkeit und pendle mich auf gemütliche 10km/h bzw. 6:00min/km ein. Fünf Minuten, zehn Minuten, 15 Minuten… und dann war der Schmerz wieder da. In seiner ganzen Intensität und mit all seinen Folgen. Nach 20 Minuten breche ich ab und humpel vom Laufband. Den restlichen Abend ist ein Auftreten wieder nicht möglich. Nun habe ich die Gewissheit, dass ich einen Ausflug in die Röhre machen muss, um herauszufinden, was da los ist.

Dienstag, 12. Jänner 2016: Am Vortag war ich zum Kontrollröntgen des linken Ellbogens und mit den Bildern hinke ich abermals zum Kontrolltermin beim Unfallchirurgen. Normales Gehen ist nicht möglich und auch das Humpeln ist nicht schmerzfrei. Zuerst die gute Nachricht: Das gebrochene Speichenköpfchen zeigt erste Zeichen der Heilung. Dann die schlechte Nachricht bezüglich meiner Hüfte: Verdacht auf Knochenprellung (Bone Bruise). Das lässt sich nur durch eine MRT-Untersuchung feststellen. Der nächste freie Termin für ein MRT ist in 6 Wochen, also im März. Das kommt für mich nicht in Frage, so lange kann und will ich nicht warten, also entscheide ich mich, das MRT privat machen zu lassen. So erhalte ich binnen von zwei Tagen einen Termin.

Donnerstag, 14. Jänner 2016: Es geht ab in die Röhre! Das ist nicht mein erstes MRT, denn 2011 wurde mein rechtes Knie im MRT untersucht, wo man den hochgradigen Knorpelschaden diagnostizierte. Meine Erinnerung an die Untersuchung stimmen mich eher nervös; ich leide zwar nicht unter Platzangst, aber damals beim Knie war ich froh, dass man mich mit den Beinen voraus in die Röhre schob und der Oberkörper “im Freien” war. Gut, das war auch im Hochsommer, trotz Klimaanlage war es im MRT-Raum irgendwie heiß und die Röhre erschien mir mit ihrem 60cm Durchmesser dennoch recht eng. Doch das ist diesmal ja anders; es ist Winter und ich komme ins nagelneue MRT-Gerät mit 70cm Durchmesser. Ansonsten einfach Augen zu und durch!

Ich werde pünktlich zu meinem Termin aufgerufen, lege mich auf die eher unbequeme Liege, erhalten Kopfhörer mit Radio Kärnten und werde wie erwartet mit dem Kopf voraus in die Röhre geschoben. Es ist angenehm luftig im Tunnel und am höchsten Punkt der “Kuppel” ein Strich aufgeklebt, damit man — wie ich vermute — einen Anhaltspunkt hat und nicht ins leere Weiß starrt. OK, das ist nicht so schlimm wie erwartet, das ist kein Problem, einfach ruhig liegen und abwarten. Dann geht auch schon das Geklopfe und Geknarre los; da helfen auch keine Kopfhörer mit Schlager-Beschallung, das ist einfach zu laut. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich in der Röhre war, aber es kam mir nicht sonderlich lange vor. Gefühlt dauerte es beim Knie-MRT länger. Jedenfalls vergeht die Zeit schnell. Nach der Untersuchung bittet mich die Assistentin, noch kurz in der Kabine zu warten, da ein Arzt sich gerade die Bilder ansieht und das Ergebnis mit mir besprechen möchte.

Auch hier lässt man mich nicht lange warten. Ein junger, dynamischer Arzt kommt zu mir in die Kabine und setzt sich mit den Bildern neben mich. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber es fallen die Worte “Fraktur” und “Frakturlinie”. Das trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht und ich bin geschockt. Welche Details der wirklich freundliche Arzt mir da mitgeteilt hat… ich weiß es nicht mehr. Ich schaffe es noch daran zu denken zu fragen, wann ich die Bilder und den Befund erhalte, aber mehr nicht. Völlig erstarrt hinke ich aus der Kabine und hole am Empfang die Bilder ab, ehe ich das Diagnoseinstitut verlasse. Ich realisiere nicht wirklich, was man mir da soeben mitgeteilt hat.

Freitag, 15. Jänner 2016: MRT-Befundsbesprechung beim Unfallchirurgen. Nach wie vor ist mir die Tragweite dieser Diagnose nicht bewusst. Abermals humple ich ins Behandlungszimmer. In klaren Worten erklärt mir der Unfallchirurg das “Problem” anhand der MRT-Bilder. Seine Verdachtsdiagnose Knochenprellung (Bone Bruise) hat sich bestätigt. Aber das ist nicht alles. Neben dem Bone Bruise habe ich auch zwei Frakturlinien knapp unterhalb des Oberschenkelhalses. Fraktur. Also Bruch. Ein klassischer Fall für ihn: Ich bin außen auf den Trochanter major gestürzt und auf der Innenseite in der Nähe des Trochanter minor befinden sich die Frakturlinien. Soweit die Diagnose. Die Therapie? Da die Fraktur nicht verschoben ist, keine OP sondern “nur” Teilentlastung für 4 Wochen, d.h. kein Sport und Unterarmgehstützen. Ich werfe ein, dass ich nicht mit zwei Krücken gehen kann, weil ich mich mit dem linken Arm nach wie vor nicht abstützen kann. Nun, das ist egal, das Bein muss entlastet werden, ansonsten bleibt nur der Rollstuhl, wennst mit Krücken nicht geht.

Nicht dislozierte Fraktur am Trochanter minor und entlang der pertrochantären Linie mit fokalem Bone Bruise

Nicht dislozierte Fraktur am Trochanter minor und entlang der pertrochantären Linie mit fokalem Bone Bruise

Plötzlich wird mir Tragweite der Diagnose bzw. Behandlung bewusst und ich breche in Tränen aus. Verdammt! Damit hätte ich niemals gerechnet. Noch eine Fraktur! Grundgütiger, mir hätte eine gereicht. Oberschenkelhals brechen sich sonst ja nur die älteren Damen! Kein Sport für 4 Wochen? Wie soll ich das durchstehen? Sport und Bewegung gehören so zentral zu meinem Wohlbefinden, dass ich ohne krank werde. Am absoluten Tiefpunkt dieser Sturzgeschichte angekommen und am Boden zerstört lasse ich mir einen Kontrolltermin in zwei Wochen geben, ehe ich hinkend am Weg zum Auto im Orthopädie-Geschäft zwei Krücken abhole. Mit einer Krücke am rechten Arm geht das Gehen durch die Teilentlastung nahezu schmerzfrei. Die Aussicht, nun 4 Wochen am Stock durch die Gegend zu hinken, ist nicht gerade förderlich für meine Verfassung. Ich rufe mir öfters die Worte des Unfallchirurgens ins Gedächtnis, als er meinte, ja für einen Ausdauersportler wie mich ist so eine Diagnose eine Katastrophe, keine Frage, das ist wie ein Sturz einer Profi-Schiläuferin: Zuerst ein Riesenschock, aber nach zwei Tagen ist das verarbeitet und die Profis fangen an, Pläne zu schmieden und gezielt an ihrem Comeback zu arbeiten. Damit schließe ich den zweiten Teil des “Sturz mit Folgen”, denn ab nun geht es wieder aufwärts!

Sturz mit Folgen (Teil 1)

Ich habe das Blog in letzten Monaten leider vernachlässigt. Das war so nicht beabsichtigt. Nach dem Graz Marathon gab es in der Off-Season nicht viel zu berichten: Ich lief, radelte und schwamm nach Lust und Laune, um dann im Dezember wieder in ein strukturiertes Training einzusteigen. Vor ziemlich genau zwei Monaten passierte es: Ein Sturz! Beim Laufen wohlgemerkt. Ein unglücklicher Sturz, der weitreichende Folgen hat. Doch alles schön der Reihe nach…

Montag, 7. Dezember 2015: Bei dichten Nebel und Dunkelheit laufe ich meine 10,5km Hausrunde. An diese Bedingungen habe ich mich mittlerweile gewöhnt, denn während der Süden Österreichs im Sommer wetterbegünstigt und sonnenverwöhnt ist, sieht es im November und Dezember umso trister aus. Wochenlanger Dauernebel dank Inversionswetterlage, dazu früh hereinbrechende Dunkelheit. Gegen den Nebel kann man nichts machen, aber gegen die Dunkelheit gibt es ja Stirnlampen. Ende Oktober habe ich mir eine Lupine Neo Stirnlampe gegönnt und sorge dank der üppigen Lichtausbeute regelmässig für Verwirrung sowohl bei Autofahrern als auch anderen Passanten. Gesehen wird man mit der Lupine Neo allemal und selbst sieht man auch sehr gut — nur bei Nebel sieht man naturgemäß fast nur mehr weiß…

Von widrigen Witterungsbedingungen lasse ich mich nicht abhalten, daher geht es auch bei Nacht und Nebel raus zum Laufen. So drehe ich auch an diesem Montag meine Runde und als ich nach flotten 10,5km nur 50m von zu Hause entfernt von der Seitenstraße auf die Hauptstraße abbiege, passiert es: Ich stürze! Der genaue Unfallhergang entzieht sich meiner Erinnerung. Ich laufe um die Kurve, dann ein kurzer Gedanke “Oh verdammt” und im nächsten Augenblick liege ich im Straßengraben. Die wahrscheinlichste Ursache für meinen unfreiwilligen Bodenkontakt ist, dass ich die Fahrbahnschäden bzw. ein Schlagloch übersehen habe, reingetreten bin, aus welchem Grund auch immer das Gleichgewicht verlor und im Graben landete.

Die Stirnlampe liegt ca. 30cm von mir entfernt unversehrt im Graben. Im Kopf wird schnell die Checkliste “Wo tut es weh?” abgearbeitet. Das offensichtlichste ist mein linker Arm, der scheint etwas abbekommen zu haben, denn ich kann ihn augenblicklich nicht ausstrecken. Es fühlt sich wie ein massiver Krampf im Unterarm und Handgelenk an. Ich greife nach der Stirnlampe mit der rechten Hand und setze sie wieder auf. Die linke Hüfte ist auch etwas beleidigt, aber keine 30 Sekunden nach dem Sturz stehe ich wieder auf den Beinen und laufe weiter. Das geht im Schock und mit einer frischen Ladung Adrenalin ganz einfach. Erstaunlicherweise bereitet das Laufen auch keine gröberen Probleme; es pocht etwas in der linken Hüfte, das war zu erwarten, aber ansonsten scheinen die Beine in Ordnung. Dennoch war ich froh, dass es nur mehr 50m bis nach Hause waren.

Zu Hause angekommen lässt die Schockwirkung nach, als ich stehenbleibe und ins Haus gehe. Der Schmerz im linken Unterarm und Handgelenk wird im Sekundentakt schlimmer. Ich bitte meine Mutter, mir aus der Jacke zu helfen. Das Ausstrecken des Ellbogens tut höllisch weh und ich sacke im Vorhaus zusammen. Der Gedanke, dass ich mir irgendwas gebrochen habe, geht durch den Kopf und ein Besuch auf der Unfallambulanz des Krankenhauses scheint unvermeidlich. Völlig verschwitzt will ich aber nicht dorthin, also bitte ich abermals meine Mutter, mir beim Wechsel in trockene Kleidung zu helfen. Banale Dinge wie das Anziehen eines T-Shirts verursachen erhebliche Schmerzen im linken Unterarm und Handgelenk. Die geringsten Schmerzen verursacht der Arm mit einen um 90° angewinkelten Ellbogen und nahe am Körper gehalten. Daher werfe ich mir nur eine Jacke über und bitte meine Mutter, mich ins Krankenhaus zu fahren. In dieser Situation selbst ein Auto zu lenken ist nicht nur unverantwortlich, sondern schlichtweg unmöglich.

Auf der Unfallambulanz ist am frühen Abend kaum etwas los. Ich melde mich am Schalter an und schildere kurz, was passiert ist. Dann heißt es warten, bis ich aufgerufen werde. Die Schmerzintensität schwankt; solange ich den Arm ruhig und angewinkelt halte, ist es erträglich. Ich werde aufgerufen und ein junger Assistenzarzt möchte wissen, wie ich gestürzt bin, ehe er mit der Untersuchung beginnt. Dazu muss ich den Arm ausstrecken, was abermals schmerzhaft ist; der Arzt hält fest “Ellbogengelenk frei beweglich” und fragt, wo es am meisten weh tut. Beim Handgelenk auf der Daumenseite in Richtung Ellbogen ausstrahlend. Er tastet die entsprechenden Bereiche ab und schickt mich zum Röntgen.

Es werden Röntgenaufnahmen vom Handgelenk gemacht. Dann muss ich wieder warten, bis der Arzt die Bilder befundet. Als ich abermals aufgerufen werde, hat sich ein weiterer Arzt zum Assistenzarzt gesellt und dieser drückt nun ebenfalls beim Handgelenk herum: “Tut das weh?” Ja, es tut weh, es fühlt sich so an, als hätte ich einen riesigen Krampf im Unterarm und Handgelenk. Wenn das Handgelenk gedreht wird, tut es weh. Der zweite Arzt möchte noch Röntgenaufnahmen vom Kahnbein haben, denn das wird gern übersehen. Also noch einmal zum Röntgen, noch einmal auf die Bilder und den Befund warten. Ein drittes Mal werde ich aufgerufen und die erleichternde Nachricht: “Gebrochen ist nichts”. Offenbar nur ordentlich geprellt. Man gibt mir einen Kontrolltermin für nächsten Montag, verschreibt Schmerzmittel und Voltaren-Salbe und verpasst mir im Gipszimmer eine Unterarmschiene für eine Woche.

Die kommenden Tage lasse ich es ruhig angehen. Das Ausstrecken des linken Armes schmerzt trotz Schiene. An der linken Hüfte hat sich ein Bluterguss mit ca. 10cm Durchmesser gebildet, der farblich alles hergibt, was blaue Flecken so zu bieten haben: Von violett über gelb bis dunkelblau ist alles vorhanden. Nach ein paar Tagen setze ich mich auf die Rolle; lockeres Radeln in Aeroposition ist schmerzfrei möglich. Am Wochenende laufe ich eine kurze Runde, wobei die Hüfte keine nennenswerten Probleme bereitet. Im linken Unterarm hingegen zieht es bei einer “falschen” Bewegung nach wie vor recht fies.

Montag, 14. Dezember: Kontrolltermin auf der Unfallambulanz. Nach der Entfernung der Unterarmschiene werde ich zum Arztgespräch gebeten, wo wieder ein anderer Arzt am Unterarm/Handgelenk herumdrückt und feststellt, dass ich noch “Restbeschwerden bei Pro- und Supination” habe. Er meint, dass so eine Prellung eben dauert und dass mich der Hausarzt noch eine Woche krankschreiben soll. Damit ist die Angelegenheit abgeschlossen.

Dienstag, 22. Dezember: Das Weihnachtsschwimmen vom Kraulkurs, das ich mir nicht entgehen lassen möchte. Zuerst eine halbe Stunde Kraulkurs, dann Spiel und Spass im Wasser. Die Schmerzsituation des linken Unterarms/Handgelenk hat sich kaum gebessert, Drehen ist nach wie vor nicht möglich und so einfache Dinge wie das Anbringen eines Haargummis sind unverschämt schmerzhaft. Ich rufe mir die Worte des Arztes auf der Unfallambulanz in Erinnerung (“das dauert”) und beiße die Zähne zusammen. Schon beim Einschwimmen merke ich, dass Kraulschwimmen zu diesem Zeitpunkt keine gute Idee ist. Beim Eintauchen bzw. nach vor Gleiten des linken Arms schmerzt es und als wir eine Technikübung machen, wo man sich während der Überwasserphase mit der Hand auf den Oberschenkel, in die Achsel und auf den Kopf tippt, muss ich kapitulieren: Die erforderliche Bewegung des Armes ist zu schmerzhaft bzw. nicht möglich. Dann am Ende des Weihnachtsschwimmen die nächste “Watschn”: Ich möchte das Becken verlassen und mich dazu am Rand abstützen, um mich aus dem Wasser zu ziehen. Dabei muss ich feststellen, dass Abstützen mit dem linken Arm nicht geht. Es geht einfach nicht, keine Kraft, zu schmerzvoll. Wie eine alte Oma muss ich die Leiter benutzen, um aus dem Sportbecken zu kommen.

Im Grunde hätte das bei mir sämtliche Alarmglocken läuten lassen sollen, aber wohin soll man sich einen Tag vor Weihnachten wenden? Die meisten Ärzte sind bereits in Urlaub und auf die Unfallambulanz brauche ich auch nicht gehen, für sie ist der Fall abgeschlossen. Ich hatte auch Angst davor, mich dort wegen einer Prellung womöglich lächerlich zu machen, wo man mir doch explizit sagte, dass so etwas dauert und ich muss offenbar Geduld haben. Vor Weihnachten ist also ohnehin nichts mehr zum Ausrichten und vielleicht wird es über Weihnachten besser? Und wenn nicht, dann suche ich nach Weihnachten einen Unfallchirurgen auf.

Dienstag, 29. Dezember: Da es über Weihnachten nicht besser geworden ist, finde ich mich im Wartezimmer eines Unfallchirurgen wieder — anscheinend der einzige, der zwischen den Feiertagen geöffnet hat und dementsprechend groß ist der Andrang, obwohl es sich um eine Privatordination handelt. Dennoch komme ich bald dran und kann dem Arzt erzählen, was passiert ist. Er kommt gleich zur Sache und drückt zielsicher auf eine Stelle beim Ellbogen — genauer gesagt auf das Speichenköpfchen und ein brennender Schmerz durchfährt meinen Unterarm bis ins Handgelenk. Dann untersucht er das Ellbogengelenk mit Ultraschall und stellt fest “Sie haben eine Radiusköpfchenfraktur”, aber zur Sicherung der Diagnose möchte er ein Röntgenbild vom Ellbogen und Unterarm. Also führt mich mein nächster Weg zum Diagnoseinstitut, wo ich sofort drankomme und die Bilder auch gleich erhalte, um mit ihnen zurück zum Unfallchirurgen zu gehen. Die Diagnose bestätigt sich: Querfraktur knapp proximal des Radiusköpfchens. Ich habe Glück, dass der Bruch nicht verschoben ist und somit keine Operation erfordert. Nachdem der Unfall bereits drei Wochen zurückliegt, ist es für eine Ruhigstellung mit Gips zu spät, also erhalte ich eine Ellbogenorthese und einen Termin für eine Röntgenkontrolle in zwei Wochen.

Querfraktur des Radiusköpfchens

Querfraktur des Radiusköpfchens

Folglich bin ich drei Wochen mit einem gebrochenen Ellbogen durch die Gegend gerannt. Das war aber noch nicht alles, das war nur der erste Teil und das ganze ist noch nicht abgeschlossen. Mehr dazu demnächst in Teil 2…

22. Graz Marathon 2015

Den Saisonabschluss 2015 bildete der Halbmarathon im Rahmen des 22. Graz Marathons, der am Sonntag, den 11. Oktober, stattfand. Weil ich mit Graz aus dem Vorjahr noch eine Rechnung offen hatte, melde ich mich bereits im April für den Halbmarathon an, denn bei hoffentlich kühleren Temperaturen und ohne Krämpfe sollte es dieses Jahr in Graz besser laufen.

Die Startunterlagen holte ich ich wie gewohnt bereits am Freitag ab. Diesmal musste ich mich allerdings mitten in die Altstadt von Graz begeben, um bei Giga Sport meine Startnummer und das Startsackerl zu erhalten. Im Zelt im Innenhof erhielt man die Startnummer plus eine Checkliste, wo man Startsackerl und Erinnerungsfoto bekommt. Dabei werden die LäuferInnen strategisch in den ersten Stock und natürlich durch die gesamte Laufsportabteilung des Sportgeschäftes gelotzt. Der Andrang bei allen “Stationen” der Checkliste ist eher gering und binnen weniger Minuten habe ich alles eingesammelt. Auf den angebotenen Muskelfunktionstest verzichte ich dankend, aber zum Erinnerungsfoto lasse ich mich überreden. Der Inhalt des Startsackerls ist eher bescheiden (eine Flasche Wasser, ein Molkegetränk, ein Glas Sugo und ein Müsliriegel) und dieses Jahr gab es nicht einmal mehr ein T-Shirt. Das ist schade, denn beispielsweise bei Kärnten Läuft bekommt man fürs gleiche Geld wesentlich mehr geboten, Funktions-T-Shirt inklusive.

My very first mugshot

My very first mugshot

Die Wettervorhersage für Sonntag versprach strömenden Dauerregen und Temperaturen um die 10°C — einen stärkeren Kontrast zum Vorjahr (Sonne, 23°C) hätte man sich nicht vorstellen können. Insgeheim hoffte ich, dass es nicht allzu intensiv regnen würde, aber im Grunde ist es egal, nass wird man so oder so und Regen mit kühleren Temperaturen ist mir bei Wettkämpfen mittlerweile lieber als “Hitze” über 20°C. Wie schon erwähnt ist das Ziel, einfach einen flotten TDL durch Graz zu laufen und dabei Spaß zu haben, da es trainingsmässig in den letzten Wochen nicht so ideal lief. Keine Intervalle, ein paar TDLs und zwei lange Läufe seit Kärnten Läuft standen zu Buche — für ein Finish zwischen 1:50 und 1:52 reicht das, sofern ich mir durch die Nässe keine Blase reibe. Kurzum “End the season on a high note” mit einem schönen Halbmarathon.

Tourist in Graz

Tourist in Graz

Tatsächlich stimmte die Wettervorhersage und es sollte somit mein erster Halbmarathon bei Dauerregen verschiedener Intensitäten und kühlen 10°C werden. Tagwache um 5:30 Uhr, Thyrex einwerfen, 30 Minuten warten, dann Frühstück und Abreise in Richtung Graz. Bekleidungstechnisch stellte sich die Frage, was zieht man bei einem Wettkampf mit solchen Bedingungen an? Ich vertraute dabei auf Skinfit und wählte Tri Bra Top, Klima Langarm-Unterhemd, Vento Weste und die 3/4 Tri Short. Im Grunde wäre die normale kurze Tri Short die erste Wahl, aber mein kaputtes Knie ist etwas kälteempfindlich. Abgerundet wurde das Outfit mit dem Tour de France Polka Dot Buff für den Kopf, der “Lance Armstrong” Oakley M-Frame Brille, den X-Socks Run Speed 2.0 und meinen bewährten Brooks Pure Flow 2. (Wie es sich herausstellte, war die Kleidungswahl optimal und mir war nie zu heiß oder zu kalt und ich fühlte mich nie durchnässt, obwohl ich im Grund klatschnass war.)

Startbereich Graz Marathon

Startbereich Graz Marathon

Die Anreise, Parkplatzsuche und der Weg zum Shuttle-Bus verliefen sehr entspannt. Um etwa halb 10 war ich im Startbereich vor der Oper angekommen und “ready to go”. Damit ich beim Warten im Startblock nicht auskühle, zog ich mir einen am Vortag entsprechend präparierten Müllsack über, den ich kurz vorm Start in den bereitgestellten Müllcontainern entsorgte. Während ich also so im vorderen Bereich von Startblock 2 stehe, erblicke ich plötzlich Triathlon-Vereinskollegin Sonja neben mir! Hätten wir vereinbart, uns zu treffen, hätte das sicher nicht so gut geklappt. Wir plauderten etwas und dann ging es auch schon los; schneller als erwartet setzte sich auch unser Startblock in Bewegung und um 10:02 Uhr überquerte ich die Startlinie.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Graz, Regen, 10 Grad: Die Frisur hält.

Ich kam überraschend zügig weg und konnte gleich mein angepeiltes Tempo laufen. Erstaunlicherweise störte es mich überhaupt nicht, dass es regnete — ganz im Gegenteil, ich freute mich auf die 21,1 Kilometer wie schon lange nicht mehr. Ganz locker, ganz leicht, kein Druck, einfach guter Dinge loslaufen. Und was soll ich sagen, die Kilometer flogen nur so dahin und dann war ich auch schon auf der — im Vorjahr verfluchten — Schleife nach Andritz. Trotz Regen, der zeitweise recht intensiv wurde, befanden sich mehr Zuseher als erwartet an der Strecke und sorgten für Stimmung. Es dauerte auch nicht lange, da kam bereits die Spitzengruppe entgegen, während ich noch auf dem Weg zum Wendepunkt Nord war. Der Regen störte mich nach wie vor nicht und ich empfand die Temperatur äußerst angehmen zum Laufen. Auch hatte ich keine Gedanken wie “noch x Kilometer”, sondern mein Kopf war wunderbar leer. Ich lief einfach… und es lief einfach.

Während sich im letzten Jahr die Strecke bis zur Wende wie ein Strudelteig zog, ging das diesmal erstaunlich schnell und schon war ich wieder auf dem Rückweg in Richtung Grazer Innenstadt. Sowohl landschaftlich als auch zuschauermäßig ist dieser Abschnitt der Strecke eher öd, was mir aber diesmal egal war, ich war ganz in meiner eigenen Welt. Hoppala, schon Kilometer 12 und abermals begegnete ich der Spitzengruppe auf der Keplerbrücke, die nur mehr einen guten Kilometer ins Ziel hatte. Ich dagegen näherte mich jenem Streckenabschnitt, wo im letzten Jahr mein Kampf mit dem Krampf begann. Glücklicherweise gab es dieses Jahr keinen Krampf und auch keinerlei Anzeichen für einen solchen, und weil die Kilometer nach wie vor dahinflogen, entschied ich etwa bei Kilometer 14, dass es Zeit für “Showtime” ist: Nachdem ich mir bis dato keine Blase gerieben hatte (X-Socks halten, was sie versprechen, auch bei Dauerregen!) und auch sonst das Befinden ausgezeichnet war, ist nun Rennmodus angesagt.

Wenn ich nun das Tempo etwas anziehe, dann geht sich eine Sub 1:50er Zeit locker aus, sinnierte ich, während es über den Lendplatz und Seitenstraßen bzw. -gassen in Richtung City Park gibt. Dort, wo ich im vergangenen Jahr die letzte Labestation und einen Schluck Wasser herbeisehnte, lief es nun einfach perfekt. Ich freute mich, dass ich endlich wieder einen tollen Halbmarathon ohne Probleme oder Widrigkeiten laufen konnte. Apropos Labestationen: Die waren dieses Jahr anscheinend besser ausgestattet und besetzt — Wassermangel herrschte jedenfalls keiner. Ob das am kühlen, regnerischen Wetter oder an Verbesserungen in der Organisation lag, kann ich nicht sagen.

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Voller Fokus am letzten Kilometer in der Herrengasse

Nun ging es dem Grieskai entlang wieder in Richtung Norden und ich versuchte, jeden Meter zu genießen. Ich hätte nicht erwartet, dass mir dieses Wetter so taugt und vor allem dass es mir im Regen so gut gehen wird. Darüber war ich äußerst froh und auch dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich. Dann der Abstecher vom Grieskai links weg wieder in Richtung Lendplatz und es wurde mir bewusst, dass es eine neue persönliche Bestzeit (PB) werden kann, wenn ich das Tempo bis ins Ziel halte — und ins Ziel war es mit ca. 2 Kilometern wirklich nicht mehr weit. Noch einmal über die Keplerbrücke und dann Sackstraße, Hauptplatz, Herrengasse… absolut fokussiert und wie in Trance flog ich quasi über den Asphalt. Die Stimmung in diesem Bereicht war fantastisch und als ich links auf die Zielgerade bog, setzte ich zum Schlusssprint an. Wenige Meter vor der Ziellinie erblicke ich gerade noch meine Mutter und reiße die rechte Hand hoch, dann überquere ich auch schon die Zeitnehmungsmatte und stoppe meine Uhr: 1:47:02! Wahnsinn!

Zielsprint!

Zielsprint!

Eine Dame hängt mir die Finisher-Medaille um und ich krame die Rettungsdecke heraus, die ich in der Rückentasche der Skinfit Vento Weste mitgeführt hatte. Bei der Ziellabestation herrscht reges Gedränge und während ich — eingehüllt in die Rettungsdecke — warte, bis ich mich mit Wasser, Weckerl und Banane verpflegen kann, stellt sich ein breites Grinsen in meinem Gesicht ein. Erst jetzt realisiere ich, dass ich “einfach so” meine PB im Halbmarathon um über 1 Minute verbesserte, womit ich im Vorfeld beim besten Willen nicht gerechnet habe. Die offizielle Zeit war dann genau 1:47:00, was den 12. Platz in W-35 (von 91) und den 85. Platz bei den Frauen (von 802) bedeutete. Insgesamt belegte ich den 1108. Platz von 3022 LäuferInnen. Die ohnehin schon fantastische Saison “on a high note” mit einer neuen PB beendet, ist das nicht gigantisch? Oder einfach nur leider geil?

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Streckenverlauf und Höhenprofil Graz (Halb-)Marathon

Als ich durch den Ziellabe-Kanal endlich durch bin, gehe ich sofort zum vereinbarten Treffpunkt, wo meine Mutter mit dem Rucksack und trockener Kleidung auf mich wartet. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie über 2 Stunden im Regen ausgeharrt hat und mich generell bei Läufen immer unterstützt. Trotz Rettungsdecke wird es jetzt doch etwas frisch und ich will aus den nassen Klamotten so schnell wie möglich raus. Erstaunlicherweise finde ich dieses Jahr den Weg zu den Umkleiden bzw. Duschen auf Anhieb. (Wir erinnern uns, im letzten Jahr habe ich mich da ja glorios verlaufen!) Trockengelegt und sowas von zufrieden geht es zurück zur Oper und zur Haltestelle des Shuttlebusses, der uns zum Hauptbahnhof bringt. Am Heimweg durften dann ob dieses wunderbaren Halbmarathons die mittlerweilen obligaten “Post-Race Pommes” beim McDonalds nicht fehlen.

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Trockengelegt und mit Finisher-Medaille vor der Grazer Oper

Graz — oder als ich Halbmarathon bei Regen lieben lernte. Mit zahlreichen endorphingeschwängerten Eindrücken und Erinnerungen an meinen bisher lockersten und schönsten Halbmarathon geht es nun in die Off-Season. Nach dem Erfolgserlebnis dieses Jahr ist es nicht auszuschließen, dass ich in Graz zum Wiederholungstäter werde. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon!